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Vom Aus zum Elektro-Comeback: Warum der VW Touareg als Elektro-SUV überleben könnte

Volkswagen Touareg R-Line 2023 - Bildnachweis: VW

 

Der ID. Touareg als neues Flaggschiff?

Es klang noch vor wenigen Wochen wie das sichere Ende einer langen Ära: Der Touareg, seit über zwei Jahrzehnten VWs Flaggschiff-SUV, sollte im Jahr 2026 ein stilles Aus erleben. Keine neue Generation, keine Zukunft im Portfolio, ein leiser Abschied nach drei Modellgenerationen. Doch nun verdichten sich Hinweise, dass Wolfsburg tatsächlich einen drastischen Richtungswechsel plant – und mit dem Namen ID. Touareg die Elektro-Ära in der Oberklasse einläuten könnte.

Das unerwartete Comeback

Dass gerade dieses Modell den Startschuss für VWs neue Elektroarchitektur SSP (Volkswagen Group Scalable Systems Platform) geben könnte, überrascht selbst Kenner der Szene. Denn bisher wurde immer wieder kolportiert, dass sowohl ein elektrischer Golf der neunten Generation als auch ein kompaktes SUV namens ID. Roc das Debüt erhalten sollten. Beide Modelle haben allerdings mit erheblichen Verzögerungen zu kämpfen.  Interne Debatten über den Produktionstandort und die Verlagerung der Golf-Fertigung nach Mexiko sorgen dafür, dass sie frühestens 2030 in nennenswerten Stückzahlen starten könnten. Deshalb rückt ein anderes Szenario in den Fokus: die Verlagerung des SSP-Debüts nach Bratislava, wo seit Jahren der Touareg vom Band läuft.

Bratislava als Schlüsselstandort

Dort endet 2026 die Fertigung der Verbrennerversion, womit eine bedeutende Lücke entsteht. Für Volkswagen ergibt sich dadurch die Chance, die Werke auf die brandneue SSP-Plattform vorzubereiten, ohne die laufende Produktion anderer Bestseller zu stören. Branchenkreise halten es für wahrscheinlich, dass die Umrüstung bis 2029 erfolgen könnte – just zu dem Zeitpunkt, an dem der Touareg als Elektro-SUV wiedergeboren werden soll.

Gerade die Wahl dieses Modells für den Startpunkt wirkt strategisch logisch. Fahrzeuge der Ober- und Luxusklasse versprechen trotz sinkender Stückzahlen noch immer die höchsten Margen. Ein großes Elektro-SUV lässt sich besser kalkulieren, weil Kunden in diesem Segment eher bereit sind, höhere Preise für Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Komfort auszugeben. Damit könnte VW die gewaltigen Anfangskosten der neuen SSP schneller amortisieren.

Technische Weichenstellungen

Die Scalable Systems Platform, die bereits 2021 erstmals angekündigt wurde, soll eine Art Mega-Baukasten für alle Konzernmarken werden. Sie ist auf 800-Volt-Technik ausgelegt, was rasches Laden mit entsprechend leistungsfähiger Infrastruktur ermöglicht. Ebenso setzt sie auf die sogenannte Einheitszelle, die konzernweit Kosten senken soll. Volkswagen selbst spricht langfristig von bis zu 20 Prozent geringeren Stückkosten im Vergleich zu heutigen MEB- oder PPE-Fahrzeugarchitekturen.

Aus technischer Sicht verspricht die SSP maximale Flexibilität. Vom kleinen Stadtauto bis zum Top-SUV können künftig alle Segmente mit einer modularen Basis bedient werden. Das macht den ID. Touareg zu einem interessanten Vorreiter: Er könnte beweisen, dass die neue Plattform auch schwere Oberklassefahrzeuge samt ihrer Batteriegrößen, Komfortfeatures und Assistenzsysteme zuverlässig trägt.

Konkurrenz und Umfeld

Aber so klar das Kalkül erscheinen mag, so fraglich bleibt die Umsetzbarkeit. Porsche wird bereits 2026 mit einem elektrischen Cayenne an den Start gehen, allerdings noch auf der Premium Platform Electric (PPE). Audi hat für dasselbe Jahr die e-tron-Ableger des A6 und Q6 angekündigt. Der mögliche ID. Touareg müsste also beweisen, dass er nicht bloß ein spätes Anhängsel der Plattformentwicklung ist, sondern technologisch tatsächlich mehr bietet als die Konkurrenz.

Hinzu kommt die Frage der Ausstattung. Insider gehen davon aus, dass VW den ID. Touareg nicht nur mit großen Batterien und Allradantrieb anbieten könnte, sondern auch in einer Version mit sogenanntem Range Extender. In diesem Fall treibt ein kleiner Verbrennungsmotor die Räder nicht direkt an, sondern lädt über einen Generator den Akku. Reichweiten von über 1.000 Kilometern wären damit theoretisch denkbar, ein technischer Schritt, der vor allem in Märkten mit schwacher Ladeinfrastruktur Vorteile brächte.

Zweifel und strategische Risiken

Deshalb bleibt eine Restunsicherheit: Volkswagen hat in den letzten Jahren stets seine Modellplanungen geändert und immer wieder verschoben. Ursprünglich sollte sogar ein Innovationsmodell namens Trinity die SSP einführen, doch heute wird dessen Marktstart frühestens 2032 erwartet. Auch die Software-Tochter Cariad hatte über Jahre Probleme, die Abläufe für eine neue digitale Fahrzeugarchitektur zu stabilisieren. Dass man mit Hilfe des US-Partners Rivian inzwischen Fortschritte erzielt, ist zwar ermutigend, aber zu oft hat VW in der Vergangenheit Erwartungen enttäuscht.

Ein weiteres Risiko liegt in der Positionierung. Oberklasse-SUVs wie BMW X5, Mercedes GLE oder Porsches kommender Elektro-Cayenne sind in diesem Segment bereits fest etabliert. Wie attraktiv ein vollelektrischer VW Touareg erscheinen wird, hängt stark vom Preisgefüge ab. Der aktuelle Touareg startet als Verbrenner in Deutschland bei knapp unter 70.000 Euro, in der Topversion R eHybrid sind schnell über 95.000 Euro erreicht. Für die Elektrovariante dürfte der Einstieg kaum unterhalb von 80.000 Euro möglich sein, während voll ausgestattete Modelle Richtung 110.000 Euro gehen könnten. Damit nähert VW sich Marken an, die traditionell stärker mit Luxus und Premium verbunden werden, was die Käuferakzeptanz ungewiss macht.

Und genau hier stellt sich die entscheidende Frage, die viele Leser wohl genauso bewegt wie mich: Braucht die Welt tatsächlich ein Elektro-SUV dieser Größe, wenn gleichzeitig die Diskussion über Ressourceneffizienz und urbane Mobilität lauter wird? VW mag aus betriebswirtschaftlicher Sicht richtig handeln, wenn es das Debüt der SSP einer margenträchtigen Oberklasse zuschlägt. Aber ob ein ID. Touareg am Ende tatsächlich ein Erfolgsmodell wird oder nur ein teures Nischenprojekt, ist noch völlig offen. Alles deutet darauf hin, dass Volkswagen den Ausstieg des Verbrenner-Touareg nutzt, um zugleich die Einführung seiner strategisch wichtigen SSP-Plattform einzuleiten. Die Argumentation ist nachvollziehbar: Bratislava bietet freie Kapazitäten, Oberklasse-Fahrzeuge sichern hohe Margen, und die Verzögerungen beim Golf sowie beim ID. Roc schaffen kleine Fenster für andere Modelle. Doch sicher ist eines: Der ID. Touareg bleibt zunächst ein Gerücht, das sich zwar aus vielen logischen Bausteinen nährt, aber bis zur offiziellen Bestätigung auf wackligen Füßen steht.