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2035 ohne Verbrenner? PwC-Studie sieht das Elektroauto auf der Zielgeraden

Laden im Winter- Bildnachweis: GTÜ

 

PwC-Prognose: Das Elektroauto wird zum neuen Normal

Kaum eine Zahl symbolisiert den aktuellen Wandel der Automobilindustrie so deutlich wie diese: Erstmals war im dritten Quartal 2025 weltweit mehr als jedes fünfte neu zugelassene Fahrzeug ein reines Elektroauto. Was lange nach Zukunft klang, ist auf dem Weg zur Realität. PwC bestätigt in seiner aktuellen Analyse [LINK], dass Batterie-elektrische Fahrzeuge (BEV) weltweit rund 21 Prozent aller Neuzulassungen ausmachen – Tendenz steigend. Der Durchbruch, auf den Branchenexperten und Klimastrategen seit Jahren warten, scheint greifbar nahe.

Dynamik auf globaler Ebene

China bleibt mit weitem Abstand größter Treiber dieser Entwicklung. Mehr als zwei Millionen neu zugelassene Elektroautos allein im dritten Quartal des Jahres markieren ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit entfallen rund zwei Drittel aller weltweit verkauften BEV auf den chinesischen Markt. Der Anteil reiner Stromer an den gesamten Pkw-Neuzulassungen kletterte dort auf beeindruckende 34 Prozent. Diese Dynamik wird in Asien vor allem durch den Preiswettbewerb im Kompaktsegment angetrieben – immer mehr Käufer entscheiden sich für erschwingliche Modelle chinesischer Hersteller, während Plug‑in‑Hybride (PHEV) an Bedeutung verlieren.

In den USA sorgte die Auslaufregelung der bundesweiten Steuervergünstigung zum Ende des Quartals für einen deutlichen Nachfrageschub. Hier stieg der BEV-Anteil erstmals auf zehn Prozent, ein Plus von 22 Prozent im Jahresvergleich. Noch aber bleibt der US‑Markt stark von regionalen Förderprogrammen abhängig und hinkt beim Ausbau der Ladeinfrastruktur den europäischen Märkten hinterher.

Europa holt auf – Deutschland beschleunigt

Auch Europas Zahlen sind bemerkenswert: In den fünf größten Märkten – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien – stieg der Absatz reiner Elektroautos im dritten Quartal um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Innerhalb dieses Quintetts ist Deutschland der klare Wachstumstreiber. Mit 133.000 neu zugelassenen BEV liegt die Bundesrepublik vor Großbritannien (125.000 Einheiten) und Frankreich (rund 115.000). Damit hat Deutschland 2025 erstmals mehr Elektroautos verkauft als im gesamten Vorjahr.

Trotz dieses Erfolgs zeigt der Markt deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Der britische BEV‑Anteil liegt derzeit bei 23 Prozent und damit spürbar höher als die deutschen 19 Prozent. Frankreich hält mit etwa 20 Prozent Schritt. Länder wie Italien oder Spanien bleiben weiterhin im einstelligen Bereich, während Skandinavien seine Vorreiterrolle mit Spitzenwerten von über 90 Prozent (Norwegen) beziehungsweise 70 Prozent (Dänemark) untermauert.

Elektromobilität reift zum Massenmarkt

PwC sieht die Elektromobilität an einem Wendepunkt: Die „Zeit der Pioniere“, wie es im Bericht heißt, geht zu Ende, die Technik erreicht den Massenmarkt. Entscheidend sei dabei die zunehmende Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge – größere Reichweiten, kürzere Ladezeiten, und eine wachsende Modellvielfalt senken die Hemmschwelle. Preislich nähern sich viele BEV inzwischen konventionellen Benzinern an, in einigen Fällen liegen sie durch Fördersysteme sogar darunter.

Doch trotz fallender Batteriepreise bleiben Skaleneffekte eine Hürde. Gerade im volumenstarken Kompakt- und Mittelklassesegment müssen Hersteller wie Volkswagen, Stellantis oder Renault Wege finden, Elektroautos in großen Stückzahlen profitabel zu produzieren. Das gelingt nur, wenn Produktionskosten weiter gesenkt und Lieferketten stabilisiert werden.

Infrastrukturdruck und Energiebedarf

Mit jedem verkauften BEV wächst der Druck auf die Ladeinfrastruktur. In vielen Städten entstehen derzeit in rasantem Tempo neue Ladepunkte – teils sogar schneller, als neue Elektroautos zugelassen werden. Dennoch bleiben Engpässe bestehen, vor allem an Autobahnen oder in dicht besiedelten Regionen. Etwa drei Viertel aller Ladevorgänge in Europa finden derzeit noch privat statt, meist zu Hause oder in Unternehmensflotten. PwC schätzt, dass der jährliche Strombedarf für das Laden von Elektroautos in Europa bis 2035 auf rund 200 Terawattstunden ansteigen wird. Daraus ergibt sich ein Bedarf von etwa 55 Millionen Ladepunkten, davon über 50 Millionen im privaten Bereich. Der Anteil öffentlicher Ladepunkte müsste von heute rund 25 auf 40 Prozent steigen.

Deshalb sind Integrationslösungen zwischen Energienetzen und Fahrzeugen entscheidend. Smart-Charging-Systeme, die Ladevorgänge in netzverträgliche Zeitfenster verlagern, gewinnen ebenso an Bedeutung wie Vehicle‑to‑Grid‑Konzepte (V2G), bei denen Fahrzeuge zur Stabilisierung der Stromnetze beitragen können. In Deutschland bildet die jüngst überarbeitete Ladesäulenverordnung die Chancen für einheitliche Standards und mehr Transparenz ab – Voraussetzung für den Schritt von der Nische zur flächendeckenden Versorgung.

Wirtschaftliche Perspektiven und Marktkonsolidierung

Der Markt für Ladeinfrastruktur wandelt sich vom Experimentierfeld zum strategischen Kerngeschäft. Betreiber stehen jedoch vor der Herausforderung, hohe Investitions- und Betriebskosten durch ausreichend Auslastung zu decken. Erste Marktbereinigungen zeigen, dass nur Anbieter mit starker Kapitalbasis und klarer Segmentausrichtung langfristig bestehen können. Zunehmend setzen sich Geschäftsmodelle durch, die privates AC‑Laden mit gewerblichen Schnellladeparks kombinieren. Besonders im Bereich von Flotten und Fernverkehren entsteht ein wirtschaftlich tragfähiges Ökosystem, das Energieunternehmen, Netzbetreiber, Fahrzeughersteller und neue Investoren miteinander vernetzt.

Langfristige PwC-Prognose bis 2035

Aus heutiger Sicht wird laut PwC im Jahr 2035 weltweit kaum noch ein Verbrenner verkauft. Je nach regulatorischem Umfeld könnten zwischen 70 und 96 Prozent der Neuwagen batterieelektrisch fahren. Im Fahrzeugbestand bedeutet das für Europa rund 32 Prozent BEV, für China 40 und für die USA etwa zehn Prozent. Damit wären weltweit erstmals über ein Drittel aller zugelassenen Fahrzeuge vollelektrisch unterwegs.

Gleichzeitig bleibt PwC realistisch: Derzeit liegt der BEV‑Anteil am globalen Bestand bei gerade einmal vier Prozent in Europa und neun Prozent in China. Der Transformationsprozess ist also weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Verbrenner werden bis 2035 nicht verschwinden, sondern in Nischen weiterleben – etwa im Schwerlastverkehr, im Gebrauchtwagensektor oder in Regionen mit unzureichender Ladeinfrastruktur.

Elektrisch wird alltäglich

Die Analyse zeigt, dass Elektromobilität vom Zukunftsversprechen zum industriellen Mainstream wird. Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sich hier der Wandel der europäischen Autoindustrie am deutlichsten beobachten lässt – sowohl in der Produktion als auch bei der Kundennachfrage. Aber noch hängt vieles von politischen Rahmenbedingungen, Energiekosten und technologischem Fortschritt ab. Wenn Regierungen und Industrie ihre Zusagen für Infrastruktur und Netzkapazitäten einhalten, könnte der Antrieb der Zukunft bereits in diesem Jahrzehnt zur Normalität werden.