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Vier Räder, vier Motoren: BMW M Neue Klasse fährt sich warm

BMW M Neue Klasse - Bildnmachweis: BMW M Automobile

 

Neue Ära für M: Von der Vision zur Serie

Elektromotoren an allen vier Rädern – was vor wenigen Jahren noch nach Versuchsaufbau im Prüflabor klang, wird bei BMW M ab 2027 zur serientauglichen Hochleistungswaffe im Straßenverkehr. Deshalb markiert der neue BMW M eDrive Antrieb mit vier Elektromotoren nicht nur den nächsten Technologieschritt, sondern einen tiefen Einschnitt darin, wie die Sportabteilung der Marke Fahrdynamik künftig definiert. Die Technik wandert in die kommende Generation vollelektrischer M Modelle auf Basis der Neuen Klasse und soll dort sowohl auf der Rennstrecke als auch im Alltag funktionieren, ohne die Kunden mit allzu spekulativen Versprechen zu überfordern.

BMW M Neue Klasse – Bildnmachweis: BMW M Automobile

BMW positioniert die Neue Klasse als Elektro-Architektur, die in allen wesentlichen Disziplinen zulegen soll: mehr Reichweite, schnelleres Laden, höhere Effizienz und eine deutlich leistungsfähigere Elektronikstruktur mit sogenannten Superbrains als zentrale Hochleistungsrechner. Deshalb ist sie die logische Basis für die nächste Generation von M-Modellen, die rein elektrisch fahren und trotzdem an das bisherige Selbstverständnis der Marke anknüpfen sollen. BMW spricht von bis zu 30 Prozent mehr Reichweite, bis zu 30 Prozent schnellerem Laden und rund 25 Prozent Effizienzgewinn gegenüber der aktuellen E-Generation, was vor allem für die Alltagstauglichkeit der späteren M-Varianten entscheidend sein dürfte.

BMW M tritt ab 2027 in eine Phase ein, die die Sportabteilung grundlegend verändert. Die vollelektrischen Modelle auf Basis der Neuen Klasse bringen nicht nur Emissionsfreiheit, sondern eine Antriebsarchitektur, die mit vier Elektromotoren arbeitet. Diese Technik basiert auf der Gen6-Plattform und soll das Versprechen von Straßen- und Rennstreckentauglichkeit erfüllen. Deshalb positioniert sich BMW M im High-Performance-Segment gegen Konkurrenz wie Porsche Taycan oder Tesla Model S Plaid, wo Allrad und hohe Leistung Standard sind, aber individuelle Radsteuerung noch eine Ausnahme darstellt.

BMW M Neue Klasse – Bildnmachweis: BMW M Automobile

Die Ankündigung fällt in eine Zeit, in der Elektro-Sportwagen nicht mehr nur schnell beschleunigen, sondern auch langstreckentauglich sein müssen. BMW betont hier eine Reichweite, die durch effiziente Rekuperation und 800-Volt-Ladetechnik im Alltag überzeugen soll. Aber hinter den technischen Versprechen lauern Fragen: Hält die Komplexität einer solchen Steuerung im Dauereinsatz stand,  und fühlt sich der Übergang von Verbrenner zu Elektro für M-Fans authentisch an? Als erfahrener Beobachter des Marktes sehe ich hier Potenzial, aber auch den Druck, Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern zu übertreffen.

BMW M Electrified – Bildnachweis: BMW M Automobile

Der Kern: BMW M eDrive mit Einzelradantrieb

Herzstück des Systems ist der BMW M eDrive, bei dem zwei Antriebsseinheiten vorne und hinten je einen Elektromotor pro Rad integrieren. Jeder Motor treibt direkt ein Rad an, unterstützt durch Getriebe, Inverter und Ölversorgung in kompakter Bauweise. Diese Konfiguration vereint Vorteile von Heck- und Allradantrieb, erlaubt aber eine präzisere Momentenverteilung als herkömmliche Systeme. Die Vorderachse lässt sich bei Bedarf entkoppeln,  was auf langen Autobahnstrecken die Effizienz steigert und die Reichweite verlängert.

Deshalb entsteht eine Fahrdynamik, die sich an jedem Rad individuell anpasst. Die Steuerung greift blitzschnell ein, verteilt Leistung und Bremskraft, um Traktion bis in den Grenzbereich zu sichern. Im Vergleich zu aktuellen M-Modellen mit zentralem Motor und Differenzialen bedeutet das eine neue Freiheitsstufe: Keine mechanischen Verluste durch Kupplungen, stattdessen reine Elektronik, die in Milisekunden entscheidet. Doch bleibt abzuwägen, ob diese Digitalisierung das intuitive Fahrgefühl eines analogen Antriebs ersetzt oder ob sie für Puristen zu berechenbar wirkt.

BMW M Electrified – Bildnachweis: BMW M Automobile

M Dynamic Performance Control: Software als Dirigent

Die Magie passiert in der M-spezifischen Software, dem BMW M Dynamic Performance Control, das im Heart-of-Joy-Rechner zentral läuft. Dieser Superbrain koordiniert die vier Motoren, verbindet Antrieb mit Stabilitätssystem und Bremse. Dadurch rekuperiert das Fahrzeug bis knapp vor den ABS-Eingriff, speist Energie effizient zurück und minimiert Verschleiß. Fahrmodi simulieren Schaltvorgänge, erzeugen eine künstliche Geräuschkulisse und passen das Ansprechverhalten an: Vom komfortablen Cruisen bis zum Track-Modus.

Aber genau hier entsteht ein Spannungsfeld. Während die Technik objektiv überlegen ist – präziseres Torque Vectoring, bessere Traktion bei Nässe oder Limit – hängt das Erfolgserlebnis von der Kalibrierung ab. Zu viel Simulation könnte den Fahrer entfremden, zu wenig greift der Sicherheitsfaktor. In Prototypen-Tests, wie sie bereits auf Messen wie der IAA gezeigt wurden, demonstrierte BMWs stabile Kurvenlagen und explosive Beschleunigung. Dennoch frage ich mich, ob diese Perfektion im realen Einsatz, bei unebenen Strecken oder Temperaturschwankungen, die gleiche Faszination weckt wie ein klassischer M-Verbrenner.

BMW M Electrified – Bildnachweis: BMW M Automobile

Leistungsdaten: Potenzial knapp unter 1.000 PS

BMW M hält konkrete Zahlen zurück, doch Schätzungen aus Technikdetails deuten auf Systemleistungen jenseits der 900 PS hin. Die Motoren gelten als die leistungsstärksten, die die Abteilung je einsetzte, mit enormer Dichte und hohem Radmoment durch Untersetzung. Vergleichbar mit dem aktuellen XM Label Red bei rund 550 kW, skalieren die Viermotor-Modelle deutlich höher, bei Drehmomenten, die an jedem Rad präzise dosiert werden.

Deshalb eignen sie sich für Topmodelle, während Einstiegs-M-Varianten vielleicht nur zwei Motoren nutzen. Die Herausforderung liegt in der thermischen Stabilität: Bei Peaklasten müssen Kühlkreisläufe Motoren, Elektronik und Batterie synchron abkühlen. BMW spricht von einer Auslegung für Straße und Track, was Dauerleistung im Rennbetrieb voraussetzt. Ohne Langzeittests bleibt skeptisch, ob die reale Outputkurve den Marketingerwartungen entspricht oder ob Limitierungen greifen.

BMW M Electrified – Bildnachweis: BMW M Automobile

Hochvoltbatterie: Über 100 kWh für Dauerpower

Der Energiespeicher mit mehr als 100 kWh nutzbarer Kapazität basiert auf Gen6-Rundzellen in einer leistungsoptimierten Variante. Die 800 Volt-Architektik ermöglicht hohe Ladeleistungen und effiziente Strömungsverteilung. Ein externer Energy Master managt Zellenschutz, Rekuperation und Lastspitzen, während ein verbessertes Kühlsystem Überhitzung verhindert. Das Gehäuse wirkt als Strukturteil, verbindet Achsen und steift das Chassis auf.

Aber hohe Kapazität bedeutet auch Gewicht, das durch Leichtbau kompensiert werden muss. Die Rekuperationsrekorde, die BMW anstrebt, klingen vielversprechend für den Stadtverkehr, doch auf der Rennstrecke zählt Dauerleistung. Bei wiederholten Vollbremsungen aus 250 km/h muss die Batterie Ströme schlucken, ohne zu throttlen. Hier zeigt sich der Vorteil der Design-to-Power-Philosophie: Nicht maximale Reichweite, sondern Peak-Performance steht im Vordergrund, was M-typisch priorisiert.

Elektronik-Revolution: Superbrains im Einsatz

Die Neue Klasse Architektur mit vier Superbrains zentralisiert die Intelligenz: Heart of Joy für Dynamik, separate für Assistenz, Infotainment und Basis. Schnellerer Datenaustausch bedeutet reaktionsschnellere Regelkreise und OTA-Updates für Fahrmodi. Das reduziert Komplexität im Vergleich zu Dutzenden Steuergeräten und ermöglicht Upgrades ohne Werkstattbesuch.

Deshalb profitiert der eDrive von Echtzeit-Berechnungen, die Stabilität und Traktion verknüpfen. Doch Zentralisierung birgt Risiken: Ein Superbrain-Ausfall könnte Kaskadeneffekte auslösen. Redundanz ist entscheidend, und im M-Bereich, wo Grenzen ausgereizt werden, muss die Robustheit überzeugen. Langfristig öffnet das Tür zu personalisierbaren Fahreigenschaften via Software, was die M-Welt dynamischer macht.

Fahrwerk und Leichtbau: Physik trifft Nachhaltigkeit

Vier Motoren erhöhen das Gewicht, weshalb Leichtbau zentral ist. BMW setzt erstmals serienmäßig auf Naturfaserverbundstoffe, erprobt seit 2019 im Motorsport. Diese ersetzen Carbon mit 40 Prozent weniger CO2-Emissionen, bei vergleichbarer Steifigkeit. In Karosserie und Interieur senken sie das Gesamtgewicht, verbessern Agilität.

Das Batteriegehäuse als Träger optimiert den Tiefschwerpunkt, Achsen reagieren präziser. Aber im Vergleich zu reinen Rennwagen bleibt das SUV-Layout der Vision Neue Klasse X schwerfällig. Die Ingenieure müssen Physik und Effizienz balancieren, um Querdenker zu begeistern. Persönlich zweifle ich, ob Naturfasern in hochbelasteten Zonen die Haltbarkeit von klassischen Fasern toppen.

Fahrzeugkonzepte: Von SAV bis Limousine

Die Technik debütiert in Modellen wie dem SAV auf Vision Neue Klasse X-Basis, einem sportlichen SUV mit M-Power. Eine Limousine folgt, niedriger und agiler. Beide nutzen die Plattform für Allrad, entkoppelbarer Front und hohe Reichweite. Preise bleiben offen, doch oberhalb des XM bei sechsstelligem Start zu erwarten, abhängig von Ausstattung.

Deshalb staffelt BMW M Performance unterhalb, vollelektrische Topmodelle oben. Für Deutschland spielen Steuern, Ladeinfrastruktur und Restwert eine Rolle. Der Markt verlangt Differenzierung: Wie positioniert sich der Viermotor-SUV gegen Porsche oder Audi? Die Antwort liegt in der Balance aus Power und Alltag.

Markt und Kritik: Chancen im Wettbewerb

Im Segment der E-High-Performer konkurriert BMW M mit etablierten Playern. Vorteile: Präzise Radsteuerung, M-Erfahrung, Netzwerk. Schwächen: Höhere Komplexität, Abhängigkeit von Software. Regulierungen fordern Nachhaltigkeit, wo Naturfasern punkten. Doch ohne Preise und Tests bleibt es spekulativ.

Aber die größte Herausforderung ist emotional: Kann Elektro das M-Feeling transportieren? Storytelling via Sound und Modi hilft, doch Physik siegt langfristig. BMW M muss beweisen, dass Viermotor nicht nur schnell, sondern fesselnd ist. Die kommenden Jahre entscheiden.

Ausblick: M im Stromzeitalter

Der BMW M eDrive mit vier Motoren verkörpert den Übergang zu einer neuen M-Ära. Technisch ambitioniert, mit Potenzial für Rekorde, birgt er Fragen zu Haltbarkeit und Authentizität. Ab 2027 rollen die ersten Modelle aus, bereit für Tests. Ob sie die Erwartungen erfüllen, zeigen Praxis und Fahrer. Die Reise beginnt – spannend, risikoreich, zukunftsweisend.