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Pick-Up: Der neue Mitsubishi L200 musste sich im ausführlichen Fahrbericht beweisen - Bildnachweis: MOTORMOBILES

Der seit 40 Jahren über sechs Generationen gereifte Pick-Up ist eine Erfolgsgeschichte und fand in Deutschland bisher 60.000 Kunden. Wir haben die Neuauflage einem Einzeltest unterzogen.

  

Die Optik ändert sich mit dem Modellwechsel deutlich

Vor 4 Monaten im Herbst 2019 brachte Mitsubishi mit dem L200 die Neuauflage ihres Pick-Ups auf den Markt. Die Neuauflage des Pritschenwagen präsentiert sich deutlich geschärft. Der seit 40 Jahren über sechs Generationen gereifte Pick-Up ist eine Erfolgsgeschichte, wird in Thailand montiert und in 150 Ländern exportiert. Seit Marktstart in Deutschland im Jahr 1993 haben sich bereits über 60.000 Kunden für den rustikalen Kraxler entschieden.

Die Japaner bieten ihren Offroad-Lastesel als Club, Cab oder Double Cab und modernen Assistenten an. Mit dem Wechsel auf Generation 6 entfällt die Version mit Einzel-Kabine. Wir haben uns für einen Test der Double-Cab entschieden, in der bis zu fünf Personen Platz finden. Der L200 ist mit seiner mindestens 1,52 Meter langen Pritsche auch weiter ein Nutztier. Direkte Wettbewerber des L200 sind der Nissan Navara, SsangYong Musso und VW Amarok.

In optischer Hinsicht verfehlt die Linienführung der jüngste Evolutionsstufe des L200 nicht ihre Wirkung. Kam der bisherige L200 einfach zu brav rüber, so vermag die Neuaflage mit ihrem optisch selbstbewußten Auftritt hier ordentlich zu punkten. Die Fahrzeugfront im „Dynamic Shield“-Design erscheint durch eine hoch angesetzte Linienführung und höher positionierten Scheinwerfern nun deutlich moderner und imposanter. Die Front des L200 orientiert an der seinerzeit viel beachteten Studie e-Evolution Concept aus 2017. Die Designsprache setzt sich an den verbreiterten Radhäusern und den scharfen Konturen der übrigen Karosserie fort.

 

Die Doppelkabine unseres Testwagen ist wiederum als echter Fünfsitzer und Viertürer konzipiert, verfügt dafür aber nur über eine 1,52 Meter lange Ladefläche – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

 
Die Motorhaube wurde vier Zentimeter angehoben. In ihr platziert sich ein schmalerer Kühlergrill mit den für Mitsubishi typischen Doppelstreben. Die großen Lufteinlässe und Chromspangen sorgen für einen bulligeren Look. Auch das Heck mit neu gestalteten LED-Rückleuchten wurde kräftig aufgefrischt. Die Neuaflage des L200 wird von einem modernen SCR-gereinigten 2,2-Liter-Diesel mit 150 PS befeuert. Der Motor überträgt seine Kraft optional über die neue Sechsgang-Automatik und erfüllt die Abgasnorm Euro 6d-Temp-Evap. Eine Offroad-Traktionskontrolle mit vier Fahrmodi und Bergabfahrhilfe unterstützen den Fahrer in anspruchsvollem Gelände. Optional steht ein permanenter Allradantrieb und Geländeuntersetzung zur Verfügung. Durch den aufwändigen Super-Select-Allradantrieb verfügt der L200 auch weiterhin über ein Alleinstellungsmerkmal im Segment der Pick-Ups.

Der Mitsubishi L200 Facelift (2019) basiert weiterhin auf einer Leiterrahmen-Architektur. Diese wurde vom Vorgängermodell übernommen und gezielt weiterentwickelt sowie optimiert. Neu sind  die Vielzahl von Sicherheits- und Assistenzsysteme. Das sogenannte „Forward Collision Mitigation“-System (FCM) erkennt Fußgänger vor dem Fahrzeug. Das „Ultrasonic Misacceleration Mitigation System“ (UMS)  verhindert, dass das Fahrzeug beim Rangieren ruckartigen beschleunigt.

DoubleCab mit vier vollwertigen Türen und bequemen Zustieg

In Bezug auf Kabine und Ladeabteil ist der L200 weiter in zwei Varianten verfügbar. Die Club Cab mit gegenläufig zu den Vordertüren öffnenden hinteren Türen bietet Hinterbänklern weniger Platz, kann dafür aber mit einer 1,85 Meter langen Ladefläche aufwarten. Die Doppelkabine unseres Testwagen ist wiederum als echter Fünfsitzer und Viertürer konzipiert, verfügt dafür aber nur über eine 1,52 Meter lange Ladefläche.

Neue Materialien im Innenraum verbessern gezielt die Qualitätsanmutung verbessern und lassen den Geländegänger robuster erscheinen. Der L200 verbirgt seinen Nutzfahrzeugscharme im Testwagen der Ausstattungslinie „Top“ geschickt hinter viel Leder und ein paar Chromrähmchen im Cockpit. Als DoubleCab präsentiert sich sich zudem mit vier vollwertigen Türen und ordentlichen Platzverhältnissen für bis zu fünf Insassen. Punkten kann der L200 zudem mit soliden Handgriffen überall dort wo man sie braucht – auch auf der Fahrerseite. Die Vordersitze bieten einen soliden Komfort und ermöglichen sogar durchaus eine gewisse Langstreckentauglichkeit. Zudem lassen sie sich elektrisch einstellen. Dazu gibt es einen schlüssellosen Zugang.

 

Mitsubishi L200 Top 2.2 Di-D 110kW AT 4WD - Doppelkabine (2020)
- Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Bei der Konnektivität und Infotainment befindet sich der L200 nicht ganz auf dem jüngsten Stand von Mitsubishi. Auch der zentrale Multifunktionsbildschirm ist nicht mehr zeitgemäß. Leider haben es auch Apple CarPlay oder Android Auto nicht in den überarbeiteten L200 geschafft. Aber immerhin fanden über das Update digitale Instrumente und zwei USB-Schnittstellen ihren Weg in den Pick-Up. Die Anlage liefert eine ordentliche Audio-Leistung. Mit der kleinen Einschränkung, sofern man sie dazu bringt, das Gewünschte abzuspielen. Die Usability entspricht hier nicht mehr dem letzten Stand der Bedienergonomie und erweist sich im Test als deutlich verbesserungsbedürftig.

Antrieb

Um die neuen Abgasnomen zu erfüllen, kommt ein neuer 2,2-Liter-Turbodiesel zum Einsatz, der bereits die künftige für Nutzfahrzeuge erst ab September 2020 mindestens zu erfüllende Abgasnorm Euro 6d-Temp Evap normiert.

Der Vierzylinder-Diesel mobilisiert 150 PS und stemmt ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Serienmäßig werden die Gänge über ein Sechsgang-Schaltgetriebe sortiert. Der neue Diesel gibt seine Leistung bis zu 150 PS wohl dosiert ab. Für die von uns gefahrene Doppelkabine bieten die Japaner eine neu entwickelte Sechsstufen-Automatik an, die zudem über einen manuell zuschaltbaren Vorderachsantrieb („Easy Select 4WD“) verfügt. Der Automat erhöht den Komfort im Alltag, nimmt Gasbefehle allenfalls beim Anfahren leicht verzögert entgegen. Ansonsten vermag der Antrieb samt robuster Automatik durchaus in Bezug auf ihre Laufruhe, im schweren Gelände durch den bulligen Antritt des Turbodiesel mit 400 Nm Drehmoment zu überzeugen. Dank seines üppigen Tankvolumen von 75 Litern muss der L200 selten an die Zapfsäule. Dann alllerdings richtig. Die Herstellerangabe des  kombinierte Normverbrauch von 7,3 Litern haben wir mit einem Testverbrauch von 9,5 Litern um gut 2 Liter überhöht. Immer noch angemessen in Anbetracht der Masse und den Fahrzeug-Dimensionen, die bewegt werden möchten. 

Fahreigenschaften

Mit seinem kantigen Bug und den muskulösen Flanken sieht der neue Pritschenwagen von Mitsubishi nicht nur tough aus, sondern verfügt mit seiner rustikalen Konstruktion und dem zuschaltbaren Allrad samt Untersetzungsgetriebe über echte Offrad-Fähigkeiten. Wie es sich für einen Pickup gebührt, ruht der Rohbau des neuen Mitsubishi L200 auf einem robusten Leiterrahmen, es gibt Starrachsen und Blattfedern und hinten wird sogar noch mit Trommeln gebremst. So richtig in seinem Element ist der L200 deshalb auch erst abseits asphaltierter Straßen. Sobald die Räder dann über unbefestigtes Terrain rollen, schlägt die Stunde des permanenten Allradantriebs: In der Grundeinstellung verteilt er die Kraft des Dieselmotors in einem Verhältnis von 40 zu 60 auf Vorder- und Hinterachse. Das zu 100 Prozent sperrbares Hinterachsdifferenzial ist ebenso wie der zuschaltbare Allradantrieb „Easy Select 4WD“ fester Bestandteil des Serienumfang. Der permanente Allradantrieb „Super Select 4WD-II“ in unserem Testwagen ist optional erhältlich. Um seine Offroad-Fähigkeiten zu verbessern, ist die Neuauflage des Mitsubishi L200 mit verschiedenen Offroad-Modi ausgestattet. In den Fahrprogrammen „Gravel“, „Mud/Snow“,“Sand“ und „Rock“ werden Radschlupf, Motorleistung und Antrieb entsprechend des jeweiligen Untergrunds so reguliert, dass der Pickup mit größtmöglicher Traktion vorankommt. Mit seinem langen hinteren Überhang und der verhältnismäßig geringen Bauchfreiheit kommt der L200 zwar bauartbedingt nicht so weit wie die typischen Hardcore-Offroader, weist aber die meisten weichgespülten SUV in ihre Schranken. Das Mittendifferenzial läßt sich über den Drehschalter hinter dem Automatikwählhebel sperren. Sinnvoll kann dies bei schlüpfrigen Untergrund wie Schnee und Matsch sein. Große Steigungswinkel im Gelände werden am Besten im „4LLc“-Modus angegangen. Mit seiner Geländeuntersetzung wird bei niedrigem Tempo ein Maximum an Kraft an alle vier Räder übertragen – und das mit Unterstützung einer neuen Offroad-Traktionskontrolle, die sich auf Schotter, Schnee, Sand und steinige Untergründe vorkonditionieren lässt. Steile und rutschige Abfahrten meistert der Pickup mit Unterstützung einer elektrischen Bergabfahrhilfe. Bei Fahrten im Gelände helfen zudem eine 360 Grad-Kamera. Desweiteren gibt es einen Auffahrschutz fürs Rangieren. Mit seiner Fahrzeuglänge von 5,30 Metern Länge und großem Wendekreis ist der L200 eher sperrig unterwegs. Mit seinem Leiterrahmen und Blattfedern an der Hinterhand, setzt die Federung den Fokus zwar nicht auf Komfort, ist aber in positiver Hinsicht weit entfernt von einem Nutzfahrzeugcharme. Trotzdem ist es erstaunlich wie geschmeidig der L200 Stöße und Wellen von den Insassen fernhält. Mitsubishi betont die umfangreiche Überarbeitung des Fahrwerks. Neue Dämpferabstimmung, neue Federpakete hinten und eine geänderte Federrate vorne versprechen deutlich mehr Komfort. Der Unterschied zum Vorgänger ist spürbar. Geblieben sind die vernehmbare Tendenz zum leichten Taumeln um die Längsachse und die auf groben Unebenheiten zuweilen auskeilende Hinterhand. Dies teilt der Mitsubishi L200 übrigens auch weiterhin mit den meisten seiner Wettbewerber im überschaubren Segment großer Pick-Up, aus dem sich Mercedes gerade zurückzieht.
Zum komfortablen Fahrgefühl tragen neben der Automatik auch die neuen Stoßdämpfer an der Hinterachse bei, denen Mitsubishi ein vergrößertes Ölvolumen zur Optmierung der Dämpfung spendierte.

 

Technische Daten Mitsubishi L200 Top 2.2 Di-D 110kW AT 4WD - Doppelkabine (2020)
Hersteller:Mitsubishi
Karosserie:Pickup mit Doppelkabine, 5 Sitzplätze
Motor:2.2 Turbodiesel DOHC Direkteinspritzung CommonRail mit Ladeluftkühlung
Getriebe:6-Gang Automatik
Antrieb:Allradantrieb
Hubraum:2.268 ccm
Abgasnachbehandlung:Dieselpartikelfilter plus SCR-Katalysator
Emissionsklasse:Euro 6d-TEMP-EVAP
Leistung:110 kW (150 PS) bei 3.500 U/min
Drehmoment:400 Nm zwischen 1.750 bis 2.250 U/min
Von 0 auf 100:13,5 s
Höchstgeschwindigkeit:171 km/h
Verbrauch (ECE):7,9 Liter
Effizienzklasse:C
CO2-Ausstoß:206 g/km
Kraftstoff:Diesel
Wendekreis:11,8 Meter
Laderaumlänge:1.520 mm
Ladekantenhöhe:850 mm
Laderaumbreite:1.470 mm
Anhängelast ungebremst/gebremst750/3.100 kg
Tankinhalt:75 Liter
Leergewicht:2.147 bis 2.149 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:5.305/1.815/1.780/3.000 mm
Grundpreis Testwagen:44.190 Euro


  
Preise und Extras

Der L200 ist weiter in den Karosserievarianten Club Cab und Double Cab verfügbar, während „Basis“, „Plus“ und „Top“ bilden weiter die drei Ausstattungslinien. Die Preisliste des L200 startet mit 30.290 Euro als Club Cab – gekoppelt an eine manuelle 6-Gang Schaltung in der Ausstattung „Basis“ und hält eine Zentralverriegelung, ein Multimediasystem und verfügt bereits über ein paar weitere Komfortextras als Bestandteil des Serienumfangs. Für den von uns getestete L200 mit Doppelkabine und Automatik in der von uns gefahrenen Ausstattung „Top“ verlangen die Japaner bereits mindestens 44.190 Euro.

Mitsubishi bietet traditionell ein sehr umfangreiches und stimmiges  Zubehörprogramm an. Im Angebot sind u.a. eine bis über die Außenkante der Seitenwände reichende Permanentbeschichtung aus Zwei-Komponenten-Polyurethan. Zudem ist alternativ eine Laderaumwanne aus Kunststoff oder Alu erhältlich, die mit einem Verzurrösen-Set mit vier Schienen und sechs einstellbaren Ösen geliefert werden kann. Weiteres Zubehör sind eine Laderaumabdeckung, eine große Werkzeugbox, eine Auffahrrampe, ein Rollcover und viele weitere Laderaumabdeckungen – darunter ein Commercial Hardtop, das aus der Pritsche ein echtes Ladeabteil machen soll.


Fazit: Das umfassende Update sorgt beim L200 für viel Feinschliff

Das Facelift des L200 ist sehr umfassend ausgefallen. Optisch präsentiert sich der L200 nach seinem Facelift deutlich bulliger und kraftvoller. Über 50 Prozent der Teile seien neu, so Mitsubishi. Beim Preis hat Mitsubishi kräftig aufgesattelt. Im Vergleich zu seinem Vorgänger verlangen die Japaner für die Neuauflage gut und gerne 2.000 Euro mehr als bisher. Gediegene Qualität hat hier ihren Preis. Der Markt der Pick-Ups ist hierzulande noch kein Mainstream und sehr individuell. Über 80 Prozent aller in Deutschland verkauften Pick-Ups werden primär gewerblich genutzt. Und bei Freizeit und Gewerbe kann Mitsubishi gerade durch sein umfassendes Zubehörprogramm kräftig punkten. Insgesamt hat der L200 über die umfassende Aktualisierung sehr gewonnen und das nötige Rüstzeug für das hart umkämpfte aber in Europa sehr enge Segment der Pick-Ups erhalten. Mit Mercedes hat sich über die ersatzlose Einstellung der X-Klasse übrigens gerade ein großer Wettbewerber im Segment der Pick-Ups verabschiedet.

  

Mitsubishi L200 Top 2.2 Di-D 110kW AT 4WD - Doppelkabine (2020)
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