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Angriffs-Lust auf X7 und GLS: Wie Audi mit dem Q9 die XXL-Luxusklasse neu ordnet

Audi Q9 SUV - Bildnachweis: Audi

Einstieg in die automobile Königsklasse

Ingolstadt stoppt den Größenwahn keineswegs, sondern stößt die Tür zu einer völlig neuen Dimension des automobilen Reisens auf. Mit dem ersten echten Full-Size-SUV der Unternehmensgeschichte vergibt die Marke mit den vier Ringen erstmals die Ziffer 9 und erweitert das hauseigene Modellportfolio gezielt nach oben. Wo der bisherige Q7 in der dritten Sitzreihe bauartbedingt an Grenzen stieß und Personen jenseits des Kindesalters kaum längere Etappen zumuten konnte, baut der Neuling eine imposante Präsenz auf. Mit einer Gesamtlänge von 5,31 Metern, einer Karosseriebreite von 2,21 Metern und einer Höhe von 1,81 Metern übertrifft das Flaggschiff bisherige Dimensionen der Marke deutlich und nimmt den BMW X7 sowie den Mercedes GLS direkt ins Visier.

Audi Q9 SUV – Bildnachweis: Audi

Die technische Basis liefert die neu entwickelte Premium Platform Combustion, die als hochflexible Verbrenner-Architektur für längs eingebaute Motoren konzipiert wurde. Kombiniert mit einem mächtigen Radstand von 3,14 Metern verspricht Audi eine Business-Class-Atmosphäre auf allen Sitzplätzen. Neben elektrischen Einzelsitzen in der zweiten Reihe, automatischen Türen mit Hindernissensorik und einem neuartigen 4D-Soundsystem feiert im Q9 eine Weltneuheit der Lichttechnik ihre Premiere: dreidimensional gebogene digitale OLED-Heckleuchten aus Dünnglas. Bestellbar ist das neue Topmodell in Deutschland ab Ende Juli 2026 zu Preisen ab 108.400 Euro für den Q9 TDI quattro mit 220 kW, während die ersten Auslieferungen für das vierte Quartal 2026 vorgesehen sind.

Die Plattform-Strategie und Fertigung in Bratislava

Der strategische Unterbau des Q9 markiert einen interessanten Schwenk im Volkswagen-Konzern. Ursprünglich debattierten Branchenkenner über eine rein elektrische Plattform für das oberste SUV-Segment. Audi entschied sich jedoch für die Premium Platform Combustion, abgekürzt PPC, um der weltweiten Nachfrage nach hocheffizienten Verbrennern und teilelektrifizierten Antrieben gerecht zu werden. Diese Architektur nutzt ein klassisches Längsmotor-Layout, das nicht nur Vorteile bei der crashsicheren Unterbringung großer Aggregate bietet, sondern auch die ideale Achslastverteilung für das permanente Allradsystem quattro ermöglicht.

Deshalb erfolgt die Fertigung des Q9 im slowakischen Konzernwerk Bratislava. Dieser Standort blickt auf eine mehr als zwanzigjährige Erfahrung in der Produktion großer Luxus-SUV zurück und baut bereits die Schwestermodelle Q7 und Q8. Die Plattform nutzt hochentwickelte Fertigungsverfahren, bei denen gebördelte Aluminium-Gussbauteile mit hochfesten Warmumform-Stählen verschweißt werden, um trotz der gewaltigen Ausmaße die erforderliche Torsionssteifigkeit zu garantieren.

Audi Q9 SUV – Bildnachweis: Audi

Aber im Vergleich zur Konkurrenz besetzt Audi damit eine strategische Lücke. Während der Mercedes-Benz GLS auf der in die Jahre gekommenen MHA-Plattform baut und der BMW X7 vor einem Modellwechsel steht, bringt Audi eine völlig frische Verbrenner-Architektur auf den Markt, die von Beginn an für komplexe Mild-Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Systeme konstruiert wurde.

Audi Q9 SUV

Imposante Karosserie und aerodynamische Details

Das Exterieur des Q9 strahlt ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein aus. Die Fahrzeugfront wird von einem aufrecht stehenden Singleframe-Kühlergrill dominiert, der tiefer als bei kleineren Baureihen nach unten gezogen ist und dem Fahrzeug eine betonte Vertikalität verleiht. In der Basisversion advanced prägen vertikale Chromlamellen das Antlitz, wohingegen die optionale S line auf ein sportlich betontes Wabenmuster setzt. Auf Wunsch lässt sich der Singleframe mit einer dezenten LED-Umfeldbeleuchtung ausstatten, die dem Grill bei Dunkelheit eine eigene Kontur verleiht.

Die Seitenansicht wird durch eine straff gezogene Fensterlinie und prägnante Schultermuskeln charakterisiert. Besonders der lange hintere Überhang und die großen Fondtüren verdeutlichen den Fokus auf den Raumgewinn im Innenraum. Wer das Fahrezeuge bei Dunkelheit entriegelt, wird von einer projizierten Lichtgrafik begrüßt, die das typische Audi-Sport-Rautenmotiv auf den Boden neben den Türen zeichnet.

Audi Q9 SUV – Bildnachweis: Audi

Aber die schiere Größe bringt im Alltag auch spürbare Herausforderungen mit sich. Mit einer Breite von 2,21 Metern inklusive Außenspiegeln wird die Durchfahrt von Baustellenbereichen auf deutschen Autobahnen zu einer Konzentrationsaufgabe. Auch bei der Wahl der Leichtmetallräder, die in Größen von 20 bis 23 Zoll lieferbar sind, zeigt sich der Fokus auf den Reisekomfort: Alle Räder ab 22 Zoll verfügen ab Werk über spezielle Geräuschdämpfer aus Schaumstoffeinlagen im Reifeninneren, um das Abrollgeräusch in der Kabine zu minimieren.

Innenraum-Architektur und flexible Sitzkonzepte

Im Innenraum setzt Audi auf ein Raumkonzept, das konsequent um den Passagier herum entwickelt wurde. Serienmäßig rollt der Q9 als Siebensitzer vom Band, bei dem die zweite Sitzreihe im Verhältnis 35/30/35 geteilt ist. Ein unbestreitbarer Vorteil für Familien besteht darin, dass auf allen drei Plätzen der zweiten Reihe vollwertige Kindersitze über Isofix-Verankerungen montiert werden können. Dank des langen Radstands bietet selbst die dritte Sitzreihe ausreichend Platz für erwachsene Personen, wenngleich der Kniewinkel auf langen Strecken bauartbedingt recht steil ausfällt.

Deshalb greifen Langstreckengenießer bevorzugt zur optionalen Sechssitz-Konfiguration. Hier weichen die Fondbänke zwei elektrisch verstellbaren Einzelsitzen im Business-Class-Stil. Sämtliche Sitze sind mit elektrischen Stellmotoren ausgerüstet. In der Ausführung mit Sportsitzen plus verfügen die vorderen Plätze zusätzlich über eine integrierte Belüftung sowie mehrstufige Massageprogramme. Überdies beheizt die optionale Flächenheizung plus nicht mehr nur die Sitzflächen, sondern auch die Armauflagen in den Türen und der Mittelkonsole.

Ein Novum im Modellprogramm sind die elektrisch angetriebenen Türen. Sie öffnen und schließen auf Knopfdruck am Türgriff, über das MMI-Display, den Fahrzeugschlüssel oder per myAudi-App. Eine Umfeldsensorik scannt den Bereich vor dem Türflügel und stoppt die Öffnungsbewegung automatisch, sobald sich Hindernisse wie Pfeiler oder parkende Fahrzeuge im Weg befinden. Den Schließvorgang übernimmt eine sanft arbeitende Zuziehhilfe. In der Alltagspraxis bleibt jedoch abzuwarten, ob die automatischen Türen in engen Parklücken oder bei stürmischem Wetter absolut verzögerungsfrei arbeiten oder eher Geduld vom Fahrer einfordern.

Panorama-Schiebedach und Soundinszenierung

Das Lichtkonzept der Kabine wird maßgeblich von einem riesigen Panorama-Schiebedach geprägt. Mit einer durchgehenden Glasfläche von über 1,5 Quadratmetern ist es das größte Glaselement, das Audi jemals verbaut hat. Es lässt sich stufenlos weit öffnen oder anheben. Ein klassisches Beschattungsrollo entfällt vollständig, da das Verbundsicherheitsglas mit einer schaltbaren Flüssigkristall-Schicht ausgestattet ist. Über neun einzeln ansteuerbare Segmente lässt sich das Dach elektrochrom von transparent auf blickdicht umschalten. Wird das Fahrzeug abgestellt, dunkelt sich das Glas automatisch ab. Die Beschichtung filtert mehr als 99,5 Prozent der schädlichen UV-Strahlung und hält Infrarot-Wärmestrahlung effektiv vom Innenraum fern. Bei Dunkelheit setzen 84 in den Dachrahmen integrierte LEDs Akzente, deren Farbe synchron zur gewählten Ambientebeleuchtung in 30 Farbtönen wechselt.

Akustisch hebt das Bang & Olufsen Premium Soundsystem mit 4D-Klang die Grenzen des Innenraums auf. Das System arbeitet mit einer Gesamtleistung von 1.360 Watt und verteilt das Klangfeld auf 22 Lautsprecher. Neben Hochtönern mit 3D-Klang und einem zentralen Subwoofer sind vier Lautsprecher direkt in die Kopfstützen der Vordersitze integriert. Sie ermöglichen vertrauliche Telefonate oder Navigationsdurchsagen, ohne die Mitreisenden zu stören. Zudem installieren die Ingenieure spezielle Niederfrequenz-Aktuatoren in den Rückenlehnen der Vordersitze. Diese Wandler übertragen tiefe Bässe als spürbare Vibrationen direkt auf den Oberkörper der Insassen, was ein konzertsaalähnliches Klangerlebnis erzeugt.

Lichttechnologie und erweiterte Sicherheitsfunktionen

Bei der Lichttechnologie unterstreicht Ingolstadt den gewohnten Innovationsanspruch. Am Heck setzen die Ingenieure erstmals gebogene digitale OLED-Panels der dritten Generation ein. Durch den Einsatz von lediglich 0,1 Millimeter dünnem Ultra-Dünnglas lassen sich die Leuchtflächen dreidimensional an die geschwungene Form der Heckpartie anpassen. Das Außenpanel ist das größte je in einem Audi verbaute OLED-Element und besteht aus 99 Segmenten. Insgesamt verteilen sich 512 einzeln ansteuerbare Segmente auf sechs digitale Panels. Dies erlaubt nicht nur dynamische Inszenierungen beim Entriegeln, sondern erhöht durch extreme Kontraste die seitliche Sichtbarkeit für nachfolgende Fahrzeuge erheblich.

Ergänzt wird das Heckleuchtenband durch ein neuartiges Kommunikationslicht. Bei Gefahrenstellen oder Vollbremsungen zeigt das OLED-Panel ein integriertes Warnsymbol in Form eines Dreiecks an. Die Ausstiegswarnung nutzt die Heckradare und projiziert bei herannahenden Radfahrern eine rote Warnraute auf den Boden neben der geöffneten Tür.

An der Front arbeiten digitale Matrix LED-Scheinwerfer, die ein neu entwickeltes Mikro-LED-Modul nutzen. Das System projiziert optische Führungslinien präzise auf die Fahrbahn, was die Orientierung in engen Baustellen erleichtert. Als zweite Licht-Innovation führt Audi das erweiterte Blinklicht ein. Beim Abbiegen oder Spurwechsel projizieren LED-Module im Außenspiegel bei Nacht synchrone Pfeilsymbole auf den Boden neben dem Fahrzeug, um Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer unmissverständlich über Richtungsänderungen zu informieren.

Antriebstechnik und Mild-Hybrid-System für Deutschland

Deshalb setzt Audi bei der Motorenauswahl zum Vorverkaufsstart in Deutschland Ende Juli 2026 vorerst ausschließlich auf einen stäker überarbeiteten Selbstzünder. Der Q9 TDI quattro vertraut auf einen 3,0-Liter-V6-Turbodiesel, der eine Leistung von 220 kW, entsprechend 299 PS, sowie ein maximales Drehmoment von 630 Newtonmetern bereitstellt. Um das Turboloch beim Anfahren zu eliminieren, verbauen die Entwickler einen elektrisch angetriebenen Verdichter. Dieser verdichtet die Ansaugluft innerhalb von nur 1,2 Sekunden auf einen Ladedruck von bis zu 3,6 bar, noch bevor der klassische Abgasturbolader ausreichend Druck aufbaut.

Audi Q9 SUV – Bildnachweis: Audi

Unterstützt wird das Aggregat durch das MHEV-plus-System. Ein Triebstranggenerator steuert in Beschleunigungsphasen eine Zusatzleistung von bis zu 18 kW beziehungsweise 24 PS bei und stellt sofort ein zusätzliches Drehmoment von 370 Newtonmetern zur Verfügung. Das ermöglicht rein elektrisches Rangieren und kurzes Segeln mit abgeschaltetem Verbrennungsmotor. Die Kraftübertragung übernimmt serienmäßig eine wandlerschaltende 8-Stufen-tiptronic in Verbindung mit dem permanenten Allradantrieb quattro.

Aber bei einem geschätzten Leergewicht von deutlich über 2,5 Tonnen reißt der 299 PS starke V6-TDI keine Bäume aus. Er erlaubt zwar souveränes und entspanntes Reisen auf der Autobahn mit moderaten Verbrauchswerten zwischen 7,4 und 8,0 Litern Diesel je 100 Kilometer, bietet aber nicht die agile Antrittsstärke eines Hochleistungsmotors. Für ausgewählte europäische Märkte bietet Audi zudem eine gedrosselte Dieselvariante mit 180 kW, was 245 PS entspricht, und 500 Newtonmetern Drehmoment an.

Internationale Varianten und der Ausblick auf den SQ9

In den primären Zielmärkten Nordamerika und China sieht das Motorenangebot vollkommen anders aus. Dort geht das Full-Size-SUV überwiegend mit V6- und V8-Benzinmotoren an den Start. Für die USA dient ein 3,0-Liter-V6-TFSI mit Mild-Hybrid-Unterstützung als Basismotorisierung, die preislich bei rund 87.700 US-Dollar ansetzt.

Wer maximale Dynamik fordert, greift in Übersee zum SQ9. Dieses Sportmodell wird von einem 4,0-Liter-V8-Biturbo angetrieben, der stolze 591 PS leistet und eine heckbetonte Abstimmung des Allradantriebs mitbringt. Der SQ9 startet in den USA ab etwa 118.000 US-Dollar. Europäische Kunden gehen beim V8-Benziner nach aktuellem Stand vorerst leer aus, da strengere Flottenemissionswerte in der Europäischen Union den breiten Einsatz solch großer Hubräume erschweren.

Hinter den Kulissen arbeiten die Ingenieure jedoch bereits an einer weiteren Ausbaustufe auf Basis der PPC-Plattform. Erlkönigaufnahmen bestätigen Tests einer besonders exklusiven PHEV-Variante, die unter der Traditionsbezeichnung Horch firmieren könnte. Hier wird der Vierliter-V8-Biturbo mit einem starken Elektromotor gekoppelt, was zu einer Systemleistung von rund 782 PS und 1.000 Newtonmetern Drehmoment führen dürfte. Diese Ausführung zielt direkt auf den Mercedes-Maybach GLS und Bentley Bentayga ab und wird rein elektrisch über 100 Kilometer zurücklegen können.

Fahrwerk, Lenkung und Fahrassistenzsysteme

Deshalb haben die Ingenieure beim Fahrwerk tief in die technische Trickkiste gegriffen, um die gewaltigen Fahrzeugmassen in Kurven zu kaschieren. Der Q9 rollt serienmäßig mit der Zwei-Kammer-Luftfederung Pro vom Band, die eine kontinuierliche Adaption der Dämpferkräfte an den Straßenzustand ermöglicht. Das System kann das Aufbauniveau für den Einstieg oder die Beladung absenken sowie im Offroad-Modus für maximale Bodenfreiheit anheben.

Gegen Aufpreis verbaut Audi eine Allradlenkung. Bei niedrigen Geschwindigkeiten schlagen die Hinterräder mit bis zu fünf Grad entgegengesetzt zu den Vorderrädern ein, was den Wendekreis spürbar verkleinert und das Rangieren in engen Umgebungen erleichtert. Bei höherem Tempo lenken die Hinterräder gleichsinnig mit, was die Fahrstabilität bei schnellen Spurwechseln auf der Autobahn erhöht.

Für sportlich orientierte Fahrer steht die 48-Volt-elektromechanische Wankstabilisierung zur Wahl. Stellmotoren an den Entkopplungsgliedern der Stabilisatoren wirken der Seitenneigung der Karosserie in schnellen Kurven aktiv entgegen. Das Bremsen übernimmt eine groß dimensionierte Anlage mit innenbelüfteten Scheiben. An der Vorderachse kommen Leichtbauverbundscheiben mit einem Durchmesser von 400 Millimetern zum Einsatz, während an der Hinterachse Scheiben mit 350 Millimetern Durchmesser verbaut werden. Auch als Zugfahrzeug empfiehlt sich das Schiff: Die maximale Anhängelast beträgt beachtliche 3.500 Kilogramm. Der optionale Anhänger-Rangierassistent übernimmt beim Rückwärtsfahren das selbstständige Einlenken des Gespanns über das MMI-Display.

Cockpit, Infotainment und automatisierte Fahrfunktionen

Das Cockpit wird von der sogenannten Digital Stage dominiert. Diese Anzeigefläche kombiniert das 11,9 Zoll große Audi virtual cockpit hinter dem Lenkrad mit einem leicht geschwungenen 14,5 Zoll großen MMI-Touchdisplay in der Mittelkonsole. Ergänzt wird das Ensemble durch einen eigenständigen 12,3-Zoll-Bildschirm für den Beifahrer. Dieser Monitor ist mit einer speziellen Sichtschutzfolie ausgestattet, sodass der Beifahrer während der Fahrt Filme streamen kann, ohne das Blickfeld des Fahrers zu lenken oder abzulenken.

Die Konnektivität nutzt ein schnelles 5G-Mobilfunkmodul. Smartphones laden kabellos auf dem neuen Qi2-Dual-Charger mit integrierter Kühlung. Kabelgebunden stehen in der ersten Reihe USB-C-Anschlüsse mit 60 Watt, in der zweiten Reihe sogar mit bis zu 100 Watt Ladeleistung zur Verfügung, womit sich selbst Laptops problemlos betreiben lassen.

Beim teilautomatisierten Fahren bietet der adaptive Fahrassistent plus ein System nach SAE Level 2. Auf freigegebenen Autobahnabschnitten in Deutschland, den USA und Kanada kann der Fahrer die Hände bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h vom Lenkrad nehmen. Eine Kamera auf der Lenksäule überwacht dabei permanent die Blickrichtung des Fahrers. Reagiert der Fahrer bei Unwohlsein oder einem medizinischen Notfall nicht mehr auf optische und akustische Warnungen, übernimmt der Notfallassistent. Er kann den Q9 im Geschwindigkeitsbereich zwischen 30 und 50 km/h selbstständig auf den freien Standstreifen steuern, das Fahrzeug dort zum Stillstand bringen, die Warnblinkanlage einschalten und einen automatischen Notruf absetzen.

Kritische Einordnung und Kaufaspekte

Aber trotz der beeindruckenden Fülle an Spitzentechnologie zeigt der Q9 bei genauerer Betrachtung kleine Schwächen, die im Luxussegment Diskussionsstoff liefern. Erstens stößt die Materialauswahl auf Kritik, da Audi im Gegensatz zu manchen Mitbewerbern keine komplett tierfreien beziehungsweise veganen Interieur-Linien anbietet. Kunstleder und nachhaltige Wollstoffe wie Alpaka sind zwar verfügbar, jedoch sind vollwertige Premium-Ausstattungen nach wie vor an Echtlederbezüge gekoppelt.

Zweitens sorgt das digitale Bedienkonzept nicht ausnahmslos für Begeisterung. Einige Infotainment-Funktionen, wie etwa erweiterte Hintergrundgrafiken oder spezielle Lichtinszenierungen im Innenraum, erfordern nachträgliche In-App-Käufe oder Abonnement-Modelle. Dass Kunden bei einem Grundpreis von weit über 100.000 Euro für digitale Zusatzfunktionen extra zur Kasse gebeten werden, hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Drittens erweist sich das Bedienkonzept der automatischen Türen in engen Garagen als gewöhnungsbedürftig. Stoppt die Hinderniserkennung die Tür frühzeitig, verbleibt nur ein schmaler Spalt zum Einsteigen, der das Einsteigen sperriger macht als bei einer manuell geführten Tür. Überdies erfordert die Einarbeitung in die tiefen Menüstrukturen des MMI-Bedienfelds eine gewisse Eingewöhnungszeit, da physische Schalter für die Klimatisierung weitgehend eliminiert wurden.

Fazit und Marktchancen im Luxus-Segment

Der Einstiegspreis für den Audi Q9 TDI quattro liegt in Deutschland bei genau 108.400 Euro. Wer die sportlichere S line wählt, das adaptive Fahrwerk inklusive Allradlenkung ordnet, das Panorama-Glasdach mit schaltbarer Transparenz wählt und das Bang & Olufsen 4D-Soundsystem konfiguriert, überschreitet die Marke von 130.000 Euro mühelos.

Im direkten Vergleich mit den Mitbewerbern zeigt sich eine punktgenaue Positionierung. Der BMW X7 xDrive40d startet in Deutschland bei rund 103.000 Euro, ist mit 5,18 Metern Länge jedoch spürbar kürzer und bietet hinter der dritten Sitzreihe weniger Gepäckraum. Der Mercedes-Benz GLS 450 d schlägt mit knapp 108.000 Euro zu Buche, nutzt allerdings eine ältere Plattform-Architektur. Der amerikanische Gigant Cadillac Escalade übertrifft den Audi zwar mit 5,38 Metern Länge nochmals leicht, reicht bei der Verarbeitungsqualität und der Komplexität der Technikik jedoch nicht ganz an das Niveau des Ingolstädters heran.

Audi deckt mit dem Q9 eine Marktlücke ab, die von Großfamilien mit hohem Platzbedarf, Shuttle-Diensten und luxusorientierten Vielfahrern gefordert wurde. Während der europäische Markt aufgrund der Fahrzeugabmessungen eher überschaubare Stückzahlen abnehmen dürfte, liegen die Hauptabsatzmärkte ganz klar in den USA, China und den Golfstaaten. Zusammenfassend schließt das bisher mächtigste Modell aus Ingolstadt eine verbliebene Lücke im Portfolio mit technischer Akribie. Wer ein hochmodernes Reisefahrzeug mit maximalem Raumangebot, erstklassiger Dämmung und zukunftsweisenden Assistenzsystemen sucht, findet im Q9 ein überzeugendes Angebot. Das Luxus-Schiff hat allerdings seinen Preis, der mit passender Ausstattung schnell Richtung 140.000 Euro klettert.