Mercedes-Benz Safety Truck & Safety Coach: Mercedes-Benz Trucks und Daimler Buses engagieren sich für mehr Verkehrssicherheit im E-Zeitalter - Bildnachweis: Mercedes-Benz Trucks
Die unbarmherzige Statistik auf deutschen Schulwegen
Jeden Morgen wiederholt sich auf deutschen Straßen ein kritisches Szenario, wenn hunderte tausend Kinder ihren Weg zur Schule oder zum Kindergarten antreten. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeichnen dabei ein besorgniserregendes Lagebild der Verkehrssicherheit. Im Jahr 2025 verunglückten in Deutschland rund 29.270 Kinder unter 15 Jahren bei Verkehrsunfällen, was einem deutlichen Anstieg von etwa 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 27.260 Verunglückten entspricht. Rechnerisch kommt damit durchschnittlich alle 18 Minuten ein Kind im Straßenverkehr zu Schaden. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den tödlichen Unfällen, denn die Zahl der getöteten Kinder stieg im selben Zeitraum von 53 auf 74 Opfer an.
Aber die unfallintensivste Zeit des Tages ist für Verkehrsforscher keine Überraschung. Genau in der morgendlichen Hektik zwischen 7 und 8 Uhr ereignen sich 13 Prozent aller Schulwegunfälle von Kindern zwischen 6 und 14 Jahren. Mit zunehmendem Alter verändert sich das Mobilitätsverhalten der Schüler gravierend. Während jüngere Kinder primär als Mitfahrer im Pkw verunglücken, verlagert sich das Risiko bei älteren Grundschulkindern massiv auf den Fuß- und Radverkehr. Rund 38 Prozent der verunglückten Schulkinder sind auf dem Fahrrad unterwegs, weitere 20 Prozent zu Fuß. In dieser Umgebung treffen ungeschützte schwache Verkehrsteilneher auf tonnenschwere Nutzfahrzeuge, was bei Kollisionen im Kreuzungsbereich oft fatale Folgen hat.
Deshalb gewinnen Kooperationen an Bedeutung, die technische Schutzsysteme in schweren LKW und Bussen direkt mit der praktischen Verkehrserziehung vor Ort verknüpfen. Der Stuttgarter Fahrzeugkonzern Daimler Truck engagiert sich mit seinen Sparten Mercedes-Benz Trucks und Daimler Buses in der bundesweiten Aufklärungskampagne Deutschland blickt’s des gemeinnützigen Vereins Blicki e.V.. Der Verein hat seit seiner Gründung im Herbst 2017 bereits über 90.000 Kinder für die Gefahren des Straßenverkehrs geschult. Mit speziellen Präsentationsfahrzeugen wie dem Mercedes-Benz Safety Truck und dem Safety Coach unterstützt der Hersteller Aktionstage an Schulen und in Kommunen, um die abstrakten physikalischen Gefahren großer Fahrzeuge für Kinder anschaulich demonstrierbar zu machen.
Das Blicki-Konzept: Wo Menschlichkeit vor Technik kommt
Vor dem Hintergrund der steigenden Verunglücktenzahlen gewinnt die pädagogische Arbeit an Grundschulen eine völlig neue Dringlichkeit. Die Initiative Deutschland blickt’s startete mit einer Auftaktveranstaltung in Leipzig unter Teilnahme der sächsischen Landespolitik und der Kommunalverwaltung. Nach einer witterungsbedingten Absage in Berlin folgten weitere Aktionstage im bundesdeutschen Raum wie etwa in Augsburg. Das erklärte Ziel des Vereins Blicki e.V. ist es, im laufenden Jahr bundesweit rund 11.000 Vorschul- und Grundschulkinder sowie Senioren direkt über gezielte Schulungen zu erreichen.
Aber das pädagogische Trainingskonzept beschränkt sich keineswegs auf theoretischen Frontalunterricht im Klassenzimmer. Das Programm gliedert sich systematisch in drei Phasen, die von der Unterrichtsvorbereitung über den praktischen Workshop an der Schule bis hin zur Nachbereitung im Alltag mit Eltern und Großeltern reichen. Bei den Aktionstagen klettern die Kinder selbst in das Fahrerhaus des Safety Trucks oder Blicki-LKW. Aus der erhöhten Sitzposition des LKW-Fahrers erleben die Schüler hautnah, wie eine gesamte Gruppe von Mitschülern im toten Winkel seitlich oder direkt vor der Motorhaube verschwinden kann, wenn keine modernen Sensoriksysteme zugeschaltet sind.

Deshalb vermittelt die Schulung den Kindern auch die physikalischen Bewegungsabläufe von Schwerlastfahrzeugen. Den Grundschülern wird verdeutlicht, dass die Hinterräder eines abbiegenden LKW die Kurve eng schneiden und dabei über den Gehweg rollen können, was eine enorme Gefahr für wartende Fußgänger darstellt. Ebenso demonstrieren die Ausbilder das weit ausschwenkende Heck des Aufliegers beim Abbiegen, das in den Gegenverkehr oder auf den Radweg ragen kann. Das Management von Mercedes-Benz Trucks um CEO Achim Puchert und Daimler Buses Chef Till Oberwörder hebt hervor, dass die kontinuierliche Weiterentwicklung von Sicherheitsassistenzsystemen stets Hand in Hand mit praxisnahen Workshops gehen muss. Auch der Geschäftsführer des Blicki e.V., Dirk Hendler, betont regelmäßig, dass Verkehrssicherheit aus menschlicher Rücksichtnahme, Vorsicht und Weitsicht entsteht.
Hochtechnologie im eActros 600: Was die Sensorik im Safety Truck leistet
Als technologischen Demonstrationsträger für den neuen Safety Truck nutzt die LKW-Sparte von Daimler Truck den batterieelektrischen eActros 600. Der für den Fernverkehr konzipierte Elektro-LKW setzt auf eine hauseigene 800-Volt-Antriebsachse und verwendet drei Lithium-Eisenphosphat-Batteriepakete mit einer Kapazität von jeweils 207 Kilowattstunden, was eine installierte Gesamtkapazität von 621 Kilowattstunden ergibt. Diese Energiespeicher ermöglichen dem bis zu 44 Tonnen schweren Lastzug eine praxistaugliche Reichweite von bis zu 500 Kilometern ohne Zwischenladung bei einer Nutzlast von rund 22 Tonnen. An künftigen Megawatt-Ladesäulen lässt sich die Batterie in etwa 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufladen.
Deshalb bringt die Transformation zur Elektromobilität ganz neuartige Herausforderungen für das Umfeld mit sich. Durch das sofort anliegende Drehmoment der Elektromotoren beschleunigt der eActros 600 beim Anfahren überraschend dynamisch. Gleichzeitig bewegt sich der Schwerlaster bei niedrigen Geschwindigkeiten nahezu lautlos durch den Stadtverkehr. Für Grundschulkinder, deren Gehör und Geschwindigkeitsabschätztung sich biologisch erst im Laufe der Jahre vollständig entwickeln, stellt diese Geräuschlosigkeit eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle dar. Aus diesem Grund verbaut der Hersteller serienmäßig ein externes akustisches Warnsystem namens AVAS, das beim Langsamfahren synthetische Fahrgeräusche an die Umgebung abgibt.
Der Safety Truck dient den Ingenieuren zudem als Testfeld für eine modernisierte Elektronikplattform. Die Entwickler kombinieren Radar- und Kameradaten zu einer verfeinerten 270-Grad-Umfelderfassung rund um das Fahrzeug. Das Fahrzeug nutzt das aerodynamische Fahrerhaus ProCabin mit einer um zehn Zentimeter verlängerten Frontpartie. Diese veränderte Cab-Geometrie verbessert durch tief nach unten gezogene Scheiben und optimierte Sichtwinkel die direkte Freisicht des Fahrers auf den Bereich unmittelbar vor der Stoßstange.
Im Zentrum der aktiven Sicherheitsausstattung steht der Active Brake Assist der sechsten Generation. Das Notbremssystem überwacht den Verkehrsraum vor dem Fahrzeug mit einer Mehrspurüberwachung auf eine Distanz von bis zu 250 Metern. Die entscheidende Weiterentwicklung von ABA 6 liegt in der Reaktion auf ungeschützte Verkehrsteilnehmer. Wenn Fußgänger oder Radfahrer die Fahrbahn querend schneiden, entgegenkommen oder in der eigenen Spur laufen, leitet der Assistent bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 60 km/h selbstständig eine automatische Vollbremsung ein. Auf stehende Hindernisse reagiert das System bei Geschwindigkeiten von über 80 km/h mit maximaler Verzögerung.
Beim kritischen Rechtsabbiegen im Stadtverkehr setzt der Hersteller auf automatisierte Eingriffe. Der Active Sideguard Assist 2 überwacht die Beifahrer- und Fahrerseite über die gesamte Fahrzeuglänge plus 30 Meter nach hinten und sieben Meter nach vorne. Erkennt die Sensorik beim Abbiegen bei Geschwindigkeiten von bis zu 20 km/h eine drohende Kollision mit einem Radfahrer oder Fußgänger, erfolgt zunächst eine optische und akustische Warnkaskade. Reagiert der Fahrer nicht, bremst das System das Fahrzeug eigenständig bis zum Stillstand ab. Ergänzt wird dies durch den Front Guard Assist, der den Bereich von 0,8 bis vier Metern vor dem Stoßfänger beim Anfahren bis 15 km/h überwacht, sowie durch den Traffic Sign Assist und den Aufmerksamkeits-Assistenten. Ab Anfang 2026 folgen mit dem Active Brake Assist 6 Plus und dem Attention Assist 2 weitere Ausbaustufen.
Partnerschutz bei Bussen: Konstruktion und Assistenz im Safety Coach
Parallel zur LKW-Sparte demonstriert Daimler Buses mit dem Mercedes-Benz Safety Coach auf Basis moderner Stadt- und Reisebusse wie dem eCitaro den aktuellen Stand der Omnibussicherheit. Bei Bussen steht der passive Partnerschutz bei Frontalkollisionen sowie der Schutz von stehenden Fahrgästen im konstruktiven Fokus. Der integrierte Front Collision Guard bildet ein passives Sicherheitselement, das bei einem Frontalaufprall auf einen Pkw das gefährliche Unterfahren des Busses verhindert. Speziell dimensionierte Crashelemente absorbieren die Aufprallenergie gezielt durch Verformung, während eine verstärkte Fahrerplatzkonstruktion den Überlebensraum des Fahrers sichert.
Mercedes-Benz Trucks stellt neue Sicherheits-Assistenzsysteme in Hannover auf der IAA Transportation 2026 im September vor
Aber auch für Passagiere im Innenraum bringt der elektrische Antrieb im eCitaro technologische Anpassungen mit sich. Eine elektronisch geregelte Beschleunigungssteuerung verhindert abrupte Rucke beim Anfahren an Haltestellen, sodass Schulkinder auch ohne festen Sitzplatz im Gang nicht den Halt verlieren. Zur Vermeidung von Schulwegunfällen beim Vorbeifahren an Haltestellen kommt das Kamerasystem MirrorCam zum Einsatz. Das Kamerasystem ersetzt konventionelle Außenspiegel durch Digitalkameras und Bildschirme an den A-Säulen im Cockpit. Dadurch entfällt der durch massive Spiegelgehäuse verursachte tote Winkel im Nahbereich der Ein- und Ausstiegstüren, was Fahrern im komplexen Haltestellenumfeld eine deutlich präzisere Übersicht gewährt.
Die betriebswirtschaftliche Realität: Kosten, Leasing und Fuhrpark-Investitionen
Die Implementierung dieser hochentwickelten Sicherheitstechnologien steht im Fuhrparkalltag immer in direktem Zusammenhang mit den finanziellen Rahmenbedingungen der Transportunternehmen. Ein konventioneller Diesel-LKW vom Typ Mercedes-Benz Actros L – beispielsweise in den Modellvarianten Actros 1853 LS oder Actros 2551 L – liegt im Markt je nach Fahrzeugalter, Ausstattungsgrad und Aufbaulösung bei Nettopreisen zwischen 95.900 Euro für Lager- und Bestandsfahrzeuge und bis zu 255.900 Euro für neuwertige Fahrgestelle. Im gewerblichen Leasing bewegen sich die monatlichen Raten für einen Actros L 1851 LS ab etwa 1.990 Euro, während für einen Actros L 2551 L WAB rund 2.445 Euro monatlich einkalkuliert werden müssen.
Aber beim Schritt hin zum batterieelektrischen eActros 600 steigen die Kapitalkosten für Fuhrparkbetreiber drastisch an. Für die Sattelzugmaschine eActros 600 LS 4×2 liegt die monatliche Leasingrate bei rund 4.045 Euro. Die dreiachsige Fahrgestellvariante eActros 600 L 6×2 WAB fordert sogar eine Monatsrate von etwa 4.265 Euro. Diese Konditionen basieren in der Regel auf einer dreijährigen Vertragslaufzeit bei einer kalkulierten Fahrleistung von 120.000 Kilometern pro Jahr.
Deshalb stehen Speditionen vor einer komplexen wirtschaftlichen Rechnung. Zwar lassen sich durch die Befreiung von der CO2-Maut und geringere Energiekosten – bei einem durchschnittlichen Strompreis von 0,28 Euro pro Kilowattstunde errechnet sich eine jährliche Energiekostenersparnis von über 51.000 Euro gegenüber dem Diesel – die Betriebskosten senken, doch verlangt die hohe Leasingrate den Unternehmen erhebliche Liquidität ab. Die verbauten Sicherheits-Assistenzstysteme wie der Active Sideguard Assist 2 und der Active Brake Assist 6 gehören beim eActros 600 zwar zur Serienausstattung, erhöhen aber den Grundpreis der Fahrzeuge herstellerübergreifend.
Grenzen der Sensorik und verbleibende Restrisiken
Trotz aller technologischen Fortschritte im Safety Truck und Safety Coach verbleiben im Verkehrsalltag Risikobereiche, die eine kritische Würdigung verlangen. Die verbauten Assistenzstysteme arbeiten zwar auf Basis moderner Radarsensoren und Kameras, stoßen jedoch bei extremen Witterungsbedingungen wie starkem Schneefall, dichtem Nebel oder Verschmutzung der Linsen an ihre physikalischen Grenzen. Zudem belegen die Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes, dass verunglückte Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren zu 38 Prozent auf Fahrrädern unterwegs sind und gerade morgens zwischen 7 und 8 Uhr in komplexe Abbiegesituationen geraten.
Deshalb reicht es nicht aus, sich allein auf die elektronischen Assistenten im LKW zu verlassen. Die Erneuerung der Flotten im Güterkraftverkehr nimmt in Deutschland viele Jahre in Anspruch, wodurch ältere LKW ohne automatische Notbrems- und Abbiegeassistenten noch lange im Straßenbild präsent bleiben. Die Kooperation von Mercedes-Benz Trucks und Daimler Buses mit dem Blicki e.V. setzt an der richtigen Stelle an, indem sie Kindern ein realistisches Gefahrenbewusstsein vermittelt. Letztlich kann die Reduzierung der Unfallzahlen nur gelingen, wenn modernste Fahrzeugtechnik, vorausschauende Straßeninfrastruktur und eine kontinuierliche Verkehrserziehung lückenlos ineinandergreifen.

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