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BYD startet Taxi-Offensive in Deutschland: Mit Plug-in-Hybrid und Hochvolt-Technik

V. l. n. r.: Carsten Schopf, Direktor B2B bei BYD Deutschland; Thorsten Schumacher, Geschäftsführer Lang Gruppe (DIE Transform) - Bildnachweis: BYD

Das Vakuum im Taxigewerbe: Mercedes zieht sich zurück, die Politik zieht die Daumenschrauben an

Der deutsche Markt für Personenbeförderung befindet sich in einer Phase des fundamentalen strukturellen Umbruchs. Jahrzehntelang war das Bild an den Taxiständen bundesweit unverrückbar von der Stuttgarter E-Klasse in der klassischen Farbe Hell-Elfenbein geprägt. Doch mit der Entscheidung von Mercedes, die aktuelle Baureihe 214 nicht mehr ab Werk mit einem speziellen Taxipaket anzubieten und die Konzernstrategie konsequent auf ertragsstarke Luxussegmente auszurichten, ist im gewerblichen Personentransport eine empfindliche Lücke entstanden. Die Absatzzahlen des einstigen Marktführers im Taxisegment brachen daraufhin um 71 Prozent ein. Gleichzeitig geraten Flottenbetreiber durch strenger werdende gesetzliche Rahmenbedingungen unter erheblichen Zugzwang. Städte wie Hamburg schreiben im Rahmen lokaler Klimaschutzgesetze vor, dass ab dem 1. Januar 2025 neu zugelassene Taxis und Mietwagen ausnahmslos lokal emissionsfrei angetrieben werden müssen. In diesem spannungsgeladenen Umfeld aus regulatorischem Druck und fehlenden Werksangeboten etablierter Hersteller startet der chinesische Automobilkonzern BYD eine gezielte Vertriebsoffensive für das Taxi- und Mietwagengewerbe in Deutschland.

Das Vorhaben beschränkt sich dabei keineswegs auf den reinen Verkauf von Serienfahrzeugen. Vielmehr basiert die Strategie auf einer Kombination aus unterschiedlichen Antriebskonzepten, vorgehaltenen Lagerbeständen zur Vermeidung langer Lieferzeiten sowie einer Partnerschaft mit spezialisierten Fahrzeugumrüstern. Um die strengen Vorgaben der Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr zu erfüllen, kooperiert BYD mit vier erfahrenen Umbaupartnern. Die Firmen Die Transform aus der Lang Gruppe in Nümbrecht, Intax in Oldenburg, Heedfeld in Berlin sowie Reuss in Hamburg übernehmen die branchenspezifische Ausrüstung. Ziel ist es, einsatzbereite Taxis und Mietwagen mit Voll- oder Teilfolierung, Taxameter-Vorrüstung, Dachzeichenhalterung und integrierter Notalarmanlage bereitzustellen. Um die für Flottenbetreiber essenzielle Ausfallsicherheit und spontane Nachbeschaffung zu gewährleisten, hält der Hersteller gemeinsam mit Die Transform einen ständigen Lagerbestand von rund 100 bereits umgebauten Fahrzeugen bereit.

Um die Tragweite dieser Offensive zu verstehen, ist ein analytischer Blick auf die jüngste Entwicklung des deutschen Taximarktes erforderlich. Der schleichende Rückzug traditioneller Anbieter hinterlässt spürbare Spuren. Zwar bieten Spezialfirmen wie Intax Nachrüstlösungen für die Mercedes E-Klasse zu Preisen von etwa 3.330 Euro netto an, doch der Wegfall der Option ab Werk verteuert die Anschaffung und verkompliziert die Logistik für Unternehmen beträchtlich. Zuvor hatte Mercedes bereits die Taxiversionen der B-Klasse und C-Klasse gestrichen und richtet das Portfolio vorrangig auf Großraum-Vans wie den Vito und die V-Klasse aus.

Gleichzeitig zwingt die Politik das Gewerbe zur beschleunigten Transformation. Hamburg nimmt mit dem Projekt Zukunftstaxi eine Vorreiterrolle ein und hat über gestaffelte Förderprogramme bereits Hunderte elektrischer Taxis auf die Straße gebracht. Die Pflicht zur emissionsfreien Neuzulassung ab 2025 setzt Maßstäbe, denen andere Metropolen schrittweise folgen dürften. Für Großraumtaxen und Fahrzeuge zur Rollstuhlbeförderung gelten noch Übergangsfristen bis Anfang 2027.

Deshalb ergibt sich für Taxiunternehmer ein komplexes Anforderungsprofil. Ein modernes Flottenfahrzeug muss hohe Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb, geringe Energiekosten, ausreichend Raumangebot für Fondpassagiere und Gepäck sowie vertretbare Anschaffungskosten miteinander verbinden. Zudem variieren die Einsatzmuster stark. Während im reinen Stadtverkehr reine Elektrofahrzeuge ihre städtischen Effizienzvorteile ausspielen, fordern Überlandfahrten, Krankentransporte und Flughafen-Shuttles flexible Reichweitenreserven ohne zeitraubende Ladestopps. BYD begegnet diesem gespaltenen Anforderungsprofil mit einer zweigleisigen Antriebsstrategie aus Plug-in-Hybriden und reinen Elektrofahrzeugen.

Die BYD-Offensive: Plug-in-Hybrid und Hochvolt-Stromer als Systemangebot

Der chinesische Hersteller, der sich vom Batterieproduzenten zum global agierenden Automobilkonzern entwickelt hat, versucht den deutschen Markt nicht allein über den Preis, sondern über ein strukturiertes Gewerbekonzept zu erschließen. Die Verantwortlichen im deutschen B2B-Bereich rund um B2B-Direktor Carsten Schopf betonen, dass der Markteintritt im Personenbeförderungssektor auf eine langfristige Präsenz ausgelegt ist. Die Kooperation mit der Lang Gruppe und weiteren Spezialisten soll garantieren, dass Fahrzeuge ohne monatelange Ausfallzeiten bei Umbauten direkt in den Betrieb gehen können.

Aber die Ankündigung von 100 Lagerfahrzeugen ist nur der erste Schritt in einem extrem umkämpften Segment. Flottenbetreiber reagieren bei neuen Marktteilnehmern gewöhnlich zurückhaltend, da der Wiederverkaufswert, die Ersatzteilverfügbarkeit und die Robustheit im harten Schichtbetrieb entscheidende TCO-Faktoren darstellen. BYD versucht diesen Bedenken mit umfangreichen Garantiemodellen und einer breiten Palette an Antriebsformen zu begegnen. Das Angebot erstreckt sich vom teilelektrischen Kombi bis hin zum leistungsstarken Allrad-SUV.

BYD Seal 6 DM-i Touring: Der Steckdosen-Kombi für die Langstrecke

Im Zentrum der Modellpalette für das Gewerbe steht der BYD Seal 6 DM-i Touring, ein Kombi des D-Segments mit Plug-in-Hybridantrieb. Mit einer Gesamtlänge von 4.840 mm, einer Breite von 1.875 mm und einer Höhe von 1.505 mm sowie einem Radstand von 2.790 mm tritt der chinesische Kombi direkt gegen etablierte Vertreter wie den Volkswagen Passat Variant an. Aus technischer Sicht nutzt das Fahrzeug die sogenannte Super DM-i Hybridtechnologie. Unter der Motorhaube arbeitet ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Saugbenziner, der nach dem hocheffizienten Atkinson-Zyklus arbeitet. Der Verbrennungsmotor mit 1.498 ccm Hubraum leistet 72 kW respektive 98 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 122 Nm bei 4.000 U/min. BYD beziffert den thermischen Wirkungsgrad des Triebwerks auf 43 Prozent, was einen Spitzenwert im Serienautomobilbau darstellt.

In der Fahrpraxis dient der Verbrenner primär als Generator zur Stromerzeugung, während der Hauptantrieb von einer permanentmagneterregten Synchronmaschine an der Vorderachse übernommen wird. Dieser Elektromotor leistet 145 kW gleich 198 PS und stellt vom Stand weg ein Drehmoment von 300 Nm bereit. Je nach Ausstattungsausführung unterscheidet sich das Gesamtsystem jedoch grundlegend. Die Basisvariante Boost bietet eine Systemleistung von 135 kW beziehungsweise 184 PS und ist mit einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie von 10,1 kWh Kapazität ausgestattet. Damit erreicht die Einsteigerversion eine rein elektrische WLTP-Reichweite von 54 km. Das Laden erfolgt hier ausschließlich über Wechselstrom mit bescheidenen 3,3 kW. Der Einstiegspreis für den Seal 6 Touring Boost liegt bei 42.990 Euro.

Deutlich relevanter für den gewerblichen Einsatz sind die Ausstattungen Comfort Lite und Comfort. Hier wächst die Batteriekapazität auf 19,0 kWh brutto, was die rein elektrische WLTP-Reichweite auf 101 km steigert. Die Systemleistung klettert in diesem Fall auf 156 kW oder 212 PS, womit der Kombi in 8,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei allen Varianten elektronisch auf 180 km/h begrenzt. Entscheidend für die Flottentauglichkeit der Comfort-Varianten ist die Ladeausstattung. Neben einem zweiphasigen AC-Bordlader mit 6,6 kW verfügen diese Modelle über einen CCS-Gleichstrom-Schnellladeanschluss mit bis zu 26 kW Ladeleistung. Ein Ladevorgang von 30 auf 80 Prozent Kapazität dauert an einer entsprechenden DC-Säule etwa 23 Minuten.

Im kombinierten WLTP-Testzyklus ermittelt der Hersteller für die Versionen mit großem Akku einen gewichteten Kraftstoffverbrauch von 1,7 Litern Super auf 100 km sowie einen Stromverbrauch von 11,2 kWh pro 100 km. Bei entladener Batterie steigt der Benzinverbrauch im puren Hybridmodus auf einen Wert von 5,0 Litern je 100 km. Zusammen mit dem 65 Liter fassenden Kraftstofftank ergibt sich eine theoretische Gesamtreichweite von bis zu 1.350 km. Das Kofferraumvolumen liegt bei 500 Litern und lässt sich durch Umklappen der Rücksitzlehne auf bis zu 1.535 Liter erweitern. Das Leergewicht beträgt je nach Akkubestückung zwischen 1.710 kg und 1.805 kg bei einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 2.240 kg, was eine Zuladung von etwa 435 kg erlaubt.

Preislich verlangt der Hersteller für die langstreckentaugliche Ausführung Comfort Lite 48.990 Euro, während die voll ausgestattete Version Comfort mit 49.990 Euro in der Preisliste steht. Zum Serienumfang gehören bereits ab Werk LED-Scheinwerfer, elektrisch verstellbare Vordersitze, eine automatische Klimaanlage sowie ein zentraler Touchscreen mit einer Diagonale von 12,8 bis 15,6 Zoll, der sich drehen lässt.

Aber der Blick auf die technischen Daten offenbart auch funktionale Kompromisse, die Flottenbetreiber abwägen müssen. Das Kofferraumvolumen von maximal 1.535 Litern fällt spürbar kleiner aus als beim Passat Variant, der bis zu 1.920 Liter Stauraum bietet. Zudem liegt die maximale Anhängelast gebremst wie ungebremst bei lediglich 750 kg, was die Verwendbarkeit für schwere Gepäckanhänger einschränkt. Dennoch stellt das Fahrzeugkonzept für Taxiunternehmen, die den Übergang zur Elektromobilität flexibel gestalten wollen, eine praxistaugliche Option dar.

Die vollelektrischen Speerspitzen: Atto 3 Evo und Sealion 7

Für Märkte und Kommunen mit strengen Emissionsvorgaben erweitert BYD das Gewerbeangebot um die vollelektrischen Modelle Atto 3 Evo und Sealion 7. Der Atto 3 Evo stellt dabei eine überarbeitete Version des bisherigen Kompakt-SUVs dar. Mit Abmessungen von 4.455 mm Länge, 1.875 mm Breite und 1.615 mm Höhe bei einem Radstand von 2.720 mm bietet das Fahrzeug kompakte Außenmaße für den dichten Stadtverkehr bei guter Raumausnutzung.

Unter der Karosserie nutzt der Atto 3 Evo die e-Platform 3.0 des Konzerns und setzt auf eine moderne 800-Volt-Architektur. Die sogenannte Blade-Batterie nutzt Lithium-Eisenphosphat-Chemie und ist nach dem Cell-to-Body-Prinzip direkt als strukturelles Element in die Karosseriestruktur integriert. Die nutzbare Batteriekapazität beträgt einheitlich 74,8 kWh. Im Gegensatz zum Frontantrieb des Vorgängers setzt die Basisversion Design auf einen Heckantrieb mit einer Leistung von 230 kW beziehungsweise 313 PS und einem Drehmoment von 380 Nm. Diese Version beschleunigt in 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 510 km bei einem kombinierten Stromverbrauch von 16,4 kWh je 100 km. Der Listenpreis für den Atto 3 Evo Design liegt bei 44.990 Euro.

Das Topmodell Excellence AWD bietet durch einen zusätzlichen Motor an der Vorderachse einen Allradantrieb mit einer Systemleistung von 330 kW oder 449 PS sowie ein Drehmoment von 560 Nm. Den Standardsprint absolviert das Allradmodell in 3,9 Sekunden, während die WLTP-Reichweite auf 470 km sinkt. Der kombinierte Stromverbrauch wird hier mit 17,8 kWh pro 100 km angegeben. Die Anschaffungstkosten für diese Ausführung betragen 50.990 Euro.

Besonders relevant für den Taxialltag sind die Ladeeigenschaften des Atto 3 Evo. Während der Vorgänger bei der DC-Ladeleistung auf 88 kW begrenzt war, verarbeitet das neue System Ladeleistungen von bis zu 220 kW an entsprechenden Schnellladesäulen. Ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent Kapazität verkürzt sich dadurch auf etwa 25 Minuten. Über den integrierten Wechselstrom-Bordlader lädt der Wagen dreiphasig mit 11 kW in zirka 8 Stunden auf. Das Kofferraumvolumen beträgt 490 Liter und lässt sich auf 1.360 Liter erweitern. Zusätzlich steht ein vorderer Kofferraum mit einem Volumen von 101 Litern zur Verfügung, der sich für Ladekabel eignet.

Für den gehobenen Personenbeförderungs- und Mietwagensektor schickt BYD zusätzlich den Sealion 7 ins Rennen. Das als SUV-Coupé gestaltete Modell der oberen Mittelklasse misst 4.830 mm in der Länge, 1.925 mm in der Breite und 1.620 mm in der Höhe, kombiniert mit einem Radstand von 2.930 mm. Der Innenraum zeichnet sich durch ein hohes Platzangebot im Fond aus. Das Kofferraumvolumen fasst zwischen 520 und 1.789 Liter, ergänzt durch einen 58-Liter-Frunk unter der vorderen Haube.

Der Sealion 7 steht in drei technischen Konfigurationen zur Wahl. Die Einstiegsversion Comfort nutzt einen Heckantrieb mit 230 kW respektive 313 PS und ein Drehmoment von 380 Nm. Der Energiespeicher fasst 82,5 kWh brutto, was eine WLTP-Reichweite von 482 km ermöglicht. Die maximale DC-Ladeleistung beträgt bei dieser Variante 150 kW, womit das Aufladen von 10 auf 80 Prozent 32 Minuten in Anspruch nimmt. Der Grundpreis startet bei 49.990 Euro.

Darüber rangiert der Sealion 7 Design AWD mit Allradantrieb, zwei Elektromotoren und einer Systemleistung von 390 kW gleich 530 PS sowie einem Drehmoment von 690 Nm. Mit demselben 82,5-kWh-Akku liegt die WLTP-Reichweite bei 456 km bei einem Listenpreis von 55.990 Euro.

Das Aushängeschild der Baureihe bildet die Variante Excellence AWD zum Preis von 60.990 Euro. Bei identischer Motorleistung von 390 kW kommt hier eine größere Blade-Batterie mit 91,3 kWh Kapazität zum Einsatz. Dies steigert die WLTP-Reichweite auf 502 km. Dank einer weiterentwickelten Ladeelektronik verkraftet das Topmodell maximale DC-Ladeleistungen von bis zu 230 kW. Dadurch sinkt die Ladezeit von 10 auf 80 Prozent trotz der größeren Akkukapazität auf etwa 24 Minuten.

Das BOKraft-Maßhemd: Technisches Anforderungsprofil und Umrüstung

Ein serienmäßiges Pkw-Modell unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von einem betriebsbereiten Taxi. Um ein Fahrzeug rechtssicher als Taxi oder Mietwagen nach den Bestimmungen der BOKraft einzusetzen, sind gezielte Modifikationen erforderlich. Hier setzt die Kooperation von BYD mit Spezialfirmen wie Intax, Die Transform, Heedfeld und Reuss an. Die technische Ausrüstung umfasst im Kern die elektrische Anbindung und physische Integration der branchenspezifischen Systeme.

Dazu gehört die Installation einer Einbauvorrüstung für Taxameter oder Wegstreckenzähler. Das Anzeigegerät selbst wird im Sichtfeld des Fahrers im Bereich des Innenspiegels oder der Mittelkonsole verbaut. Ebenfalls vorgeschrieben ist die gesetzlich vorgegebene Notalarmanlage. Diese muss über verdeckte Schalter im Fahrerfußraum bedienbar sein. Im Alarmfall bringt das System die Fahrzeug hupen zum Intervallton sowie Scheinwerfer und Blinker zum synchronen Blinken. Bei modernen Ausrüstungen kann zudem das Dachzeichen in das Alarmsystem eingebunden werden.

Das Taxenschild auf dem Dach erfordert eine Halterung sowie die Verkabelung mit dem Bordnetz zur automatischen Abschaltung bei eingeschaltetem Taxameter. Darüber hinaus ist eine Schaltung der Innenraumbeleuchtung notwendig, damit der Fondbereich beim Türöffnen ausgeleuchtet wird.

Ein zentraler Punkt bei der Fahrzeugumrüstung bleibt die farbliche Gestaltung. Zwar haben einige Bundesländer die strikte Pflicht zum Anstrich im Farbton Hellelfenbein gelockert, doch in vielen Konzessionsgebieten bleibt das Erscheinungsbild gefordert. Die Umrüstpartner lösen dies durch eine Folierung der Karosserie. Hierbei müssen die Techniker besondere Sorgfalt bei den im Stoßfänger verbauten Ultraschallsensoren und Radarsystemen der Fahrassistenzsysteme walten lassen. Spezielle Folien gewährleisten, dass die Parkpiepser, Notbremsassistenten und die Querverkehrswarnung voll funktionsfähig bleiben. Alternativ bieten die Partner auch folienfreie Mietwagenpakete an.

Ergänzt wird das Umrüstungsangebot durch robuste Materialien im Innenraum. Passform-Fußraumschalen aus leicht zu reinigendem Kunststoff sowie Kunstlederüberzüge für die Sitzbänke erhöhen die Widerstandsfähigkeit im Alltag mit wechselnden Fahrgästen.

Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, TCO und feine technische Kritik

Deshalb rückt neben der reinen Anschaffung die Gesamtbetriebskostenbetrachtung in den Fokus der Flottenbetreiber. Hier versucht BYD mit umfangreichen Garantiezeiten Vertrauen aufzubauen. Der Hersteller gewährt eine Neuwagengarantie von 6 Jahren oder 150.000 km auf das Gesamtfahrzeug. Auf die Hochvolt-Batterie sowie die wesentlichen Antriebskomponenten erstreckt sich die Garantie über 8 Jahre beziehungsweise eine Laufleistung von bis zu 150.000 bis 200.000 km.

Bei der Bewertung des Seal 6 DM-i Touring überzeugt der niedrige Verbrauch im Teillastbereich. Mit einem Kraftstoffverbrauch bei entladener Batterie von 5,0 Litern auf 100 km erweist sich der Verbrennungsmotor im Stop-and-Go-Verkehr als effizient. Die Kombination aus 19,0-kWh-Batterie und 26-kW-DC-Schnellladung gestattet es Fahrern, kurze Pausen an Schnellladesäulen zu nutzen, um den Akku aufzuladen. Auf der Kehrseite steht das Fahrwerk, das eher auf Disziplin und Komfort ausgelegt ist als auf Dynamik. Der Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,5 Sekunden reizt keineswegs zu sportlicher Fahrweise, reicht für den Beförderungsalltag jedoch völlig aus.

Beim Atto 3 Evo stellt der Wechsel auf die 800-Volt-Architektur und die Erhöhung der DC-Ladeleistung auf 220 kW einen echten Technologii-Sprung dar. Die Ladezeit von 25 Minuten für die Spanne von 10 auf 80 Prozent minimiert die Standzeiten an öffentlichen Ladesäulen spürbar. Der Heckantrieb der Basisversion verleiht dem SUV zudem einen agilen Wendekreis von 10,8 Metern, was das Rangieren in engen Innenstadtbereichen erleichtert. Allerdings bleibt das Leergewicht mit 1.880 kg für ein kompaktes Crossover hoch, was die Zuladung auf 530 kg begrenzt.

Der Sealion 7 wiederum punktet mit enormer Systemleistung von bis zu 530 PS in den Allradversionen, was im Taxialltag jedoch eine untergeordnete Rolle spielen dürfte. Viel entscheidender sind hier der lange Radstand von 2.930 mm und der daraus resultierende Knieraum im Fond. Nachteile ergeben sich beim Sealion 7 aus dem hohen Leergewicht von bis zu 2.435 kg in der Ausführung Excellence AWD. Dieses Gewicht schlägt sich im kombinierten WLTP-Stromverbrauch nieder, der mit 21,9 kWh je 100 km vergleichsweise hoch ausfällt.

Ein gewisser Zweifel bleibt hinsichtlich der langfristigen Belastbarkeit der verwendeten Innenraummaterialien im Dauerbetrieb. Zwar wirken das vegane Leder und die verarbeiteten Kunststoffe optisch ansprechend, doch der extreme Alltag in Mehrschichtbetrieben stellt hohe Anforderungen an Scheuerfestigkeit und Oberflächenhärte. Zudem muss sich das Servicenetz der chinesischen Marke in Deutschland erst noch flächendeckend bei der zügigen Abwicklung von Garantie- und Ersatzteilfällen beweisen.