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C-SUV auf Schnee: Changan schickte den Deepal S05 AWD Max zum alpinen Härtetest

Changan Deepal S05 stellt seine Allrounder-Qualitäten auch im Winter eindrucksvoll unter Beweis - Bildnachweis: Changan

 

Die kalte Prüfung eines neuen Spielers

Wenn die Thermometer in den Minusbereich fallen und die Strassen sich in spiegelglatte Pisten verwandeln, trennt sich bei Elektrofahrzeugen sprichwörtlich die Spreu vom Weizen. Für viele Hersteller ist dieser Wintertest die ultimative Nagelprobe, denn Reichweitenverluste und Traktionsprobleme sind die natürlichen Feinde der Elektromobilität. Der chinesische Automobilkonzern Changan hat nun seinen Deepal S05 in die österreichischen Alpen nach Saalfelden geschickt, um genau diese Herausforderungen zu adressieren. Doch taugt das in Turin designte und in Birmingham mitentwickelte Fahrzeug tatsächlich für den harten deutschen Winteralltag oder ist das Versprechen von Allround-Qualitäten lediglich das Resultat geschickter Marketingstrategien?

Europäische Ansprüche versus chinesische Wurzeln

Es ist ein offenes Geheimnis, dass chinesische Hersteller mit Macht auf den europäischen Markt drängen. Changan ist dabei kein kleiner Player, sondern agiert mit einer beeindruckenden industriellen Basis im Rücken, die weltweit Millionen Fahrzeuge absetzt. Dennoch bleibt für den europäischen Kunden die Frage, ob die Abstimmung der Fahrwerke und die Effizienz der Antriebssysteme den spezifischen Anforderungen unserer Breitengrade gerecht werden. Der Deepal S05 tritt hierbei als C-SUV an, das sowohl mit klassischem Heckantrieb als auch mit einem intelligenten Allradantrieb verfügbar ist. Letzterer muss auf dem winterlichen Parcours beweisen, dass die Verteilung der Antriebsmomente nicht nur auf dem Papier, sondern auch bei schwierigen Reibwerten funktioniert.

Antriebskonzepte im direkten Vergleich

Technisch betrachtet setzt das Fahrzeug auf eine bewährte, wenn auch nicht revolutionäre Konfiguration. Der Hecktriebler agiert mit einem permanenterregten Synchronmotor, der 200 kW Leistung und 290 Nm Drehmoment bereitstellt. Das ist für ein Fahrzeug dieser Klasse ein ordentlicher Wert, der im Alltag für zügiges Vorankommen sorgt. Wer sich jedoch für die Allradvariante entscheidet, erhält an der Vorderachse zusätzlich eine asynchrone E-Maschine, die weitere 120 kW und 212 Nm beisteuert. Diese Kombination soll das Fahrzeug auch auf verschneiten Passstraßen stabilisieren. In der Theorie klingt das nach Souveränität, doch in der Praxis zeigt sich, dass eine präzise elektronische Regelung den entscheidenden Unterschied zwischen Vorwärtskommen und Stillstand ausmacht. Zweifel bleiben, wie feinfühlig die Systeme auf plötzliche Lastwechsel unter extremer Glätte reagieren, da eine zu aggressive Regelung gerade auf Schnee den Fahrfluss eher behindern als fördern kann.

Batterieperformance und das Winterdilemma

Das wohl kritischste Thema bleibt die LFP-Batterie mit 68,8 kWh Speicherkapazität. Lithium-Eisenphosphat-Akkus sind bekannt für ihre Robustheit und lange Lebensdauer, neigen bei Kälte jedoch zu einem schnelleren Leistungsabfall als andere Zellchemien. Changan reagiert darauf mit einer Puls-Batterieheizung und einer serienmäßigen Wärmepumpe, um die Effizienz zu steigern. Dass das Fahrzeug bei Temperaturen von bis zu minus 31 Grad noch 66 Prozent seiner WLTP-Reichweite mobilisieren kann, ist ein beachtlicher Wert für eine LFP-Batterie, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Nutzer in der kalten Jahreszeit dennoch deutliche Abstriche bei der Planbarkeit seiner Langstrecken machen muss. Die Ladeleistung von 200 kW an der DC-Säule ist hingegen ein starker Wert, der jedoch voraussetzt, dass der Akku durch das thermische Management ausreichend vorkonditioniert wurde.

Sicherheit und Assistenz als Pflichtprogramm

Bei der Sicherheitsausstattung geht Changan kein Risiko ein und verbaut ab Werk 17 Assistenzsysteme, die ein autonomes Fahren nach Level 2 ermöglichen sollen. Ob der adaptive Tempomat oder die Spurhalteunterstützung auf verschneiten Fahrbahnmarkierungen noch präzise arbeiten, ist eine Herausforderung, vor der fast alle Hersteller stehen. Das Euro-NCAP-Ergebnis mit fünf Sternen dient hier als beruhigendes Fundament. Dennoch zeigt sich im direkten Vergleich mit etablierten europäischen Premiummarken, dass die Abstimmung der Assistenten oft weniger subtil arbeitet. Das Vertrauen in diese Systeme muss sich in der täglichen Praxis erst noch festigen, gerade wenn die Sensorik durch Salz und Schneematsch getrübt wird.

Einordnung der Marktpositionierung

Der Deepal S05 ist preislich und konzeptionell so positioniert, dass er eine breite Käuferschicht ansprechen soll, die nicht bereit ist, die Preisaufschläge der etablierten Platzhirsche zu zahlen. Mit einer siebenjährigen Garantie auf das Fahrzeug und acht Jahren auf die Batterie versucht Changan, die Vorbehalte gegenüber neuen Anbietern proaktiv abzubauen. Es ist eine Strategie der Verlässlichkeit, die in der aktuellen Marktlage notwendig ist. Ob die Service-Infrastruktur jedoch in Deutschland in der Breite mithalten kann, bleibt abzuwarten. Die Modellversionen gliedern sich dabei schlicht in die heckgetriebene Basis und die allradgetriebene Max-Variante, wobei die Preisstruktur aktuell noch eine dynamische Größe ist, die sich nach dem offiziellen Verkaufsstart endgültig manifestieren wird. Aktuell ist von einer Preisspanne auszugehen, die den S05 als attraktive Alternative in der Kompaktklasse positioniert, ohne jedoch ein reiner Kampfpreis-Modell zu sein.

Voll Wintertauglich?

Das Fazit nach den Testtagen in Österreich fällt differenziert aus. Der Changan Deepal S05 ist kein Winterwunder, aber ein solide konstruiertes Fahrzeug, das die technischen Hürden bei Kälte dank konsequenter technischer Maßnahmen ordentlich meistert. Der Allradantrieb bietet einen spürbaren Sicherheitsgewinn, während die LFP-Technologie in Verbindung mit dem Thermomanagement zeigt, dass Changan die Hausaufgaben gemacht hat. Wer ein stylisches, gut ausgestattetes Elektro-SUV sucht und bereit ist, sich auf eine neue Marke einzulassen, findet hier ein interessantes Angebot. Kritisch bleibt jedoch die langfristige Performance der Software-Architektur unter winterlichen Bedingungen, was für Experten und technikaffine Käufer weiterhin ein Beobachtungspunkt sein wird.