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CES 2026: 1900 PS starkes Hypercar von Dreame

Nebula Next 01 Concept - Bildnachweis: Dreame

Design: Aggressiv, aerooptimiert, zweitürig im Viertürer-Gewand

Wenn ein Staubsaugerhersteller plötzlich ein Hypercar mit knapp 1.900 PS auf die CES-Bühne rollt, fühlen sich selbst hartgesottene Automobiljournalisten wie vor einem optischen Trugbild. Denn mit dem Nebula Next 01 markiert Dreame den Einstieg in die Automobilbranche. Die Premiere auf der CES 2026 in Las Vegas wirkt wie ein kalkulierter Schachzug: Der chinesische Elektronikkonzern aus Suzhou, bislang bekannt für smarte Haushaltsgeräte, testet mit diesem grün lackierten Viertürer die Grenzen dessen, was ein Quereinsteiger im Luxus-Elektrosegment wagen kann.

Nebula Next 01 Concept – Bildnachweis: Dreame

Die Bezeichnung des Konzeptfahrzeugs schwankt in den ersten Berichten zwischen Nebula Next 01 Concept und Kosmera Nebula 1, was auf eine bewusste Mehrspurigkeit der Markenführung hindeutet. Nebula Next positioniert sich als kreative Plattform für innovative Designs und Technologieexploration, während Kosmera eher als produktnahes Label für zukünftige Serienmodelle taucht auf. Aber genau diese Doppelstrategie birgt Risiken: Im engen Hypercar-Markt, wo Marken wie Rimac oder Pininfarina durch klare Identität punkten, könnte ein solcher Namenspluralismus potenzielle Kunden verwirren und die Wahrnehmung als seriösen Player schwächen.

Deshalb bleibt abzuwarten, ob Dreame nach der CES-Euphorie eine einheitliche Nomenklatur durchsetzt oder bewusst mit Submarken arbeitet, um Flexibilität für eine breitere Modellpalette zu schaffen. Für Experten erinnert das an frühere Fehltritte von Newcomern, die mit zu vielen Labels starteten und sich später konsolidieren mussten. Laien indes werden sich fragen, ob sie ein Nebula Next oder ein Kosmera kaufen – eine Frage, die vor der Serienreife geklärt werden muss.

Optisch schlägt der Nebula Next 01 sofort zu: Eine extrem flache Silhouette mit langem Radstand, die die zusätzlichen Fondtüren geschickt in den Supersportwagen-Look integriert. Die grüne Lackierung, durchgehend sichtbare Carbonlaminate und ein monströser Heckflügel vermitteln pure Aggressivität, während der cw-Wert von angeblich 0,185 auf radikale Aerodynamik hindeutet. Vorne dominieren multifunktionale Einlässe für Kühlung und Abtrieb, die Seitenlinie integriert aktive Luftführungen, und das Heck vereint Diffusor, Flügel und Crashtruktur zu einem Ganzen, das Effizienz mit Optik balanciert.

Nebula Next 01 Concept – Bildnachweis: Dreame

Aber gerade diese Aero-Fokussierung wirft Fragen auf: Fehlende Türgriffe und rein integrierte Elemente passen perfekt zur Hochgeschwindigkeitslogik, reduzieren jedoch den Alltagsnutzen. Die markante Lightning Waistline, inspiriert von grünem Blitz in Superstürmen, verändert das klassische Golden Ratio der Karosserie und betont Muskelkraft selbst im Stand. Kritisch betrachtet orientiert sich das Design stark an Bugatti-Chiron-Linien, was als Hommage oder als Mangel an Eigenständigkeit gewertet werden kann – je nach Blickwinkel.

Für den deutschen Markt, wo Hypercars oft als statusbeweisende Objekte dienen, könnte dieser Look punkten, solange er nicht als bloße Kopie abgestempelt wird. Die gelben Bremssättel und Sechs-Speichen-Felgen runden das Bild ab, doch fehlt es bisher an Innenraumfotos, um den Luxusanspruch wirklich zu bewerten.

Struktur und Fahrwerk: Carbon, 3D-Druck und Linearmotoren

Die Basis bildet ein Carbon-Monocoque mit 3D-gedruckten Verstärkungen, das eine Torsionssteifigkeit jenseits von 45.000 Nm/Grad verspricht – Werte, die moderne Hypercars wie den Rimac Nevera erreichen. Ergänzt wird das durch ein tiefgewebtes Blue Carbon Fiber als Panzer, das im Super Track Mode extreme Belastungen aushalten soll. Dreame betont hier seine Materialexpertise aus der Robotik, doch ob diese nahtlos auf Fahrzeugskalen übertragbar ist, muss Crash- und Dauertests zeigen.

Nebula Next 01 Concept – Bildnachweis: Dreame

Beim Fahrwerk setzt der Hersteller auf Linearmotoren als Federelemente, was ein aktives System mit enormer Spreizung zwischen Straßeneinsatz und Track ermöglicht. Solche Lösungen versprechen variable Dämpfung und Nivellierung, fordern aber hohe Rechenleistung und Zuverlässigkeit. Deshalb könnte das in der Serie durch konventionellere Adaptivsysteme ersetzt werden, um Homologationshürden zu senken. Die Crashtruktur am Heck verbindet Aerodynamik mit Energieabsorption, ein cleverer Ansatz, der in Europa streng getestet werden muss.

Insgesamt wirkt die Konstruktion ambitioniert, aber noch nicht serienreif – typisch für CES-Studien, die provozieren sollen.

Antrieb: 1.900 PS aus vier Radmotoren

Vier Elektromotoren, je einer pro Rad, liefern zusammen 1.399 kW oder rund 1.900 PS – pro Einheit etwa 469 PS. Der 0-100-km/h-Sprint in 1,8 Sekunden klingt beeindruckend und toppt viele Serienhypercars, ein Super Boost-Modus soll die Leistung kurzfristig um 30 Prozent steigern. Mit 23.000 Nm Radmoment verspricht das explosive Beschleunigung, vorausgesetzt, Reifen und Elektronik halten mit.

Aber ohne Höchstgeschwindigkeitsangabe – spekuliert wird mit über 400 km/h – bleibt der Track-Fokus klar. Verglichen mit Rimac C_Two (1.914 PS, 1,85 Sekunden) oder Pininfarina Battista liegt der Nebula Next 01 im Rennen, doch Dreames Robotik-Hintergrund muss sich in der Thermik und Dauerleistung beweisen. Kritisch: Ohne Batteriedaten fehlt die Grundlage für reale Einschätzungen.

Die offenen Fragen: Batterie, Reichweite, Laden

Bemerkenswert zurückhaltend fällt Dreame bei der Batterie aus: Keine Kapazität, keine Spannung, keine Reichweite. Für einen Hypercar, der Autobahn-Marathons meistern soll, ist das ein Manko. Wahrscheinlich setzt man auf eine große Hochvoltpackung mit 800-Volt-Architektur für schnelles Laden, doch ohne Zahlen bleibt es Spekulation. Effizienz bei High-Speed wird als Kernversprechen gehyped, aber reale Verbrauchswerte jenseits der Piste fehlen.

Deshalb zweifle ich persönlich: Kann ein Neuling aus dem Haushaltsgerätebereich wirklich eine langlebige, sichere Batterielösung skalieren? Xiaomi hat es vorgemacht, Dyson scheiterte – Dreames Erfolg hängt hier entscheidend davon ab.

Dreames Masterplan: Vom Staubsauger zum Global Player

Dreame Cars, mit 1.000 Mitarbeitern aus Auto- und Tech-Welten, verfolgt einen born-global-Ansatz: Kein Preiskampf, stattdessen Tech-Premium durch Sensorik, AI und Robotik-Know-how. Patente in Motorcontrol und HMI (über 6.000 weltweit) sollen den Vorsprung sichern. Der Slogan Dare to beat – Wind, Blitz, Rules – klingt pathetisch, transportiert aber den Mut zu Extremen.

User-Co-Creation und globale Lieferketten runden das ab. Doch im Luxusmarkt zählt Heritage: Dreame startet bei Null, muss Vertrauen aufbauen.

Brandenburg-Rolle: Europa als Priorität

Spannend für Deutschland: Dreame prüft ein Werk nahe Teslas Gigafactory in Brandenburg, finanziert mit BNP Paribas. Vorteile wie Lieferketten und Logistik sprechen dafür, seit IFA 2025 wirds konkret. Eine lokale Produktion würde Zölle umgehen, Jobs schaffen und Glaubwürdigkeit steigern – ein Cluster-Effekt pur.

Aber baut man wirklich? Oder bleibt es bei Ankündigungen? Die Region könnte profitieren, doch Genehmigungen und Fachkräfte sind knapp.

Marktchancen und Risiken 2027

Serienstart 2027 ist ambitioniert: Prototyp zu Kleinserie in 18 Monaten erfordert Reife. Preise fehlen, aber Hypercar-Niveau (2-5 Mio. Euro) ist anzunehmen. Konkurrenz wie Rimac Nevera (2,4 Mio.) oder Aspark Owl setzt Maßstäbe. Dreames Stärke: Kosten aus China, Schwäche: Markenimage.

Für Deutschland: Potenzial als Exoten-Import, wenn Homologation glückt. Doch Service-Netz? Langzeitqualität? Offen.

Fazit 

Der Nebula Next 01 fasziniert als Statement, überzeugt technisch noch nicht vollends. Design und Power sind Top, aber Batterie- und Namensfragen dämpfen Euphorie. Dreame könnte disruptieren, muss dann aber auch liefern. Spannung bis 2027!

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