CNG als die saubere Kraftstoff-Alternative: Seat Ibiza FR 1.0 TGI im Einzeltest



Der Seat Ibiza TGI spart mit Erdgas (CNG)

Der Polo-Bruder Seat Ibiza wird neben den klassischen Benzin- und Dieselvarianten auch mit einem Erdgasantrieb angeboten. Wir waren zwei Wochen lang mit dem Ibiza 1.0 TGI im Alltag unterwegs. Der Seat Ibiza ist eines der wenigen Fahrzeuge mit CNG-Antrieb im Kleinwagensegment. In der Theorie heißt das: niedrige Kosten, wenig Verbrauch und geringer CO2-Ausstoß. In der Praxis konnten wir nur geringe Abstriche entdecken. Aktuell gibt es bundesweit bereits rund 900 Erdgassäulen. Damit verfügt rund jede zehnte Tankstelle über CNG. Da der Ibiza einen bivalenten Antrieb hat, hilft hier der 9 Liter Benzintank zur Not weiter. Mit App-Unterstützung per Smartphone (z.B. der Erdgastankstellen-App von Zukunft ERDGAS ) haben wir immer schnell die nächste CNG-Tankstelle ausfindig  machen können.

Klein, flott und schnittig designt, ist der Ibiza der sportliche unter den Kleinwagen. Direkte Wettbewerber des ibiza sind Ford Fiesta und Hyundai i20. Aber als Erdgas-Ibiza hat er so gut wie keine direkten Wettbewerber. Wer etwas höher sitzen möchte kann zum Arona – ebenfalls als TGI erhältlich – greifen.




Interieur nur mit geringen Abstrichen im Stauraum

Der Erdgas-Ibiza erfordert nur geringe Abstriche und Kompromisse. Der Erdgas-Ibiza verfügt über einen von reduzierten Stauraum von 262 Litern. Sonst verfügt der Ibiza über 355 Liter. Bei umgelegter Rückbank (zweigeteilt im Verhältnis 1/3 zu 2/3) passen immerhin 1.072 Liter in den Ibiza. So gravierend das klingen mag ist es aber in der Praxis nicht. Der Raum geht erst unter dem doppelten Boden verloren. Im Alltag merkt man den Unterschied selten. Und immerhin entsteht bei umgelegten Rückenlehnen keine Stufe.

Die Haptik und Optik entspricht dem normalen Ibiza. Auf gewohnt hohem Seat-Niveau gibt der Innenraum wenig Anlass zur Kritik. Zwar setzt Seat auf ungepolsterte Hartplastik-Oberflächen, die sich aber zumindest optisch überzeugend präsentieren. Man sieht dem Seat das harte aber ansehlich gestaltete Oberfläche nämlich nicht an, die matten Flächen täuschen unterschäumten lederartigen Kunststoff vor. Die Türverkleidung besteht nicht nur hinten aus Hart-Kunststoff, sondern auch vorne inklusive des  oberen Bereich des Armaturenbretts. Wettbewerber setzen hier zumindest in den oberen Ausstattungslinien auf Soft-Touch. In unserem gut ausgestattetem Testwagen in der Ausstattungslinie „FR“ (=Formular Race) verkleidet Seat zumindest die senkrechten Armaturenbrett mit gepolstertem Leder-Imitat samt roten Kunstnähten an. Das sieht verdammt gut aus, fühlt sich auch haptisch so an. Die Verarbeitung gelingt insgesamt äußerst solide. Alle Nähte und Fugen sind sauber gezogen. Zu dem guten Qualitätseindruck des Kleinwagen trägt zudem bei, dass weder etwas wackelt noch knarzt.

Die mit einer Kombi aus Kunstleder und Microfaser bezogenen Sportsitze sind optisch ein echter Hingucker. Aber diese können sich nicht nur sehen lassen, sondern man sitzt auch richtig gut auf Ihnen. Das „Sitz-Paket Dinamica“ kostet auch für die Ausstattung FR noch 450 Euro Aufpreis.
Die Konnektivität und Smartphone-Anbindung via Android Auto und Apple CarPlay beherrscht das System. Die Full-Link-Anbindung  erfordert einen Ausfpreis in Höhe von 190 Euro und sind auch bereits für das kleine System mit 6,5-Zoll-Display ordern, das ab der Basis-Ausstattung Reference im Fahrzeug steckt. Allerdings nur beim TGI, alle anderen Modelle brauchen die zweite Ausstattung Style dafür.  In unserem Testwagen ist das Infotainmaent Vorteilspaket mit 8″-Media-System „Plus“ inkl. Navigationssystem ( 675 Euro) verbaut. Das Audiosdystem verfügt über ein Farb-Touch-Screen in 8 Zoll, Monochromes 3,5″ Display im Instrumententräger, Dynamische Routenführung über TMC, CD-Player (MP3, WMA) im Handschuhfach, 2 SD-Kartenslots im Handschuhfach, 2 USB-Schnittstellen, Aux-in-Schnittstelle, Bluetooth-Schnittstelle mit integrierter Freisprechanlage und Audio-Streaming, Sprachsteuerung sowie 6 Lautsprecher.

 

 

Antrieb – Seat gibt Gas

Den Seat Ibiza gibt es als 1.0 TGI mit CNG-Antrieb. Unter der Haube des Ibiza 1.0 TGI arbeitet ein CNG-Motor der vom bekannten Einliter-Dreizylinder des 1.0 TSI Benziner abgeleitet ist und 66 kW (90 PS) mobilisiert. Der Antrieb spart Geld und erfordert nur kleine Kompromisse.  Der bivalente Verbrenner stemmt ein maximale Drehmoment von 160 Nm auf die Kurbelwelle. Die bivalente Auslegung ermöglicht neben Erdgas auch mit Benzin betrieben werden zu können. Der Vorrat beträgt allerdings nur neun Liter. Dem steht eine Kapazität von insgesamt 13,8 Kilogramm CNG zu Seite. Der Ibiza verteilt das Compressed Natural Gas (CNG) hierzu gleichmäßig auf drei CNG-Tankbehälter. Ist der CNG-Vorrat verbraucht schaltet der Ibiza selbstständig auf Benzinbetrieb um. Kombiniert liegt die Reichweite laut Seat bei 500 Kilometern, nur mit CNG gefahren, soll beim Ibiza nach 360 Kilometern Schluss sein.  

Erdgas verbrennt deutlich sauberer als flüssige Kraftstoffe, wie Benzin. Auch die CO2-Emissionen sind rund 35% niedriger als bei Benzin und sogar 23% unter denen von Diesel. Und es kommt noch besser: Klimaneutral Auto fahren, das geht. Aber nicht etwa mit Strom, sondern mit Gas, genauer: Biomethan, das aus organischen Abfällen oder Stroh gewonnen wird. Immer mehr CNG-Tankstellen verfügen über CNG mit Anteilen nicht-fossilen Ursprungs. CNG steht für Compressed Natural Gas. Auf Deutsch es mit Erdgas zu übersetzen ist zu ungenau. Ein weiterer Vorteil zeigt sich beim Thema Feinstaub. Gerade hier halten sich Erdgasautos zurück. Sie betragen weniger als die Hälfte eines Selbstzünder. Im reinen CNG-Modus verursacht der Ibiza TGI 88 Gramm CO2 je Kilometer, der Benziner mit 95 PS 106 Gram (beide Werte gem. NEFZ).

An die kleine Anfahrtschwäche des Erdgas-Ibiza gewöhnt man sich recht schnell. Hier erfordert der Erdgas-Ibiza einen etwas beherzteren Tritt auf das Gas-Pedal. Den Drehzahlkeller mag der kleine Spanier nicht. Der Motor dreht dann aber willig hoch und baut über den Turbolader spätestens ab 2.000 Umdrehungen genügend Druck auf um zügig voran zu kommen. Die Erdgas-Variante des Ibita ist also nichts für schaltfaule Fahrer. Die gute Abstufung des knackigen Sechsgang-Getriebe ist hier sehr hilfreich und schaltet präzise.

Im Vergleich zu den TSI- und TDI-Brüdern verfügt der Ibiza TGI zu seinen beiden Treibstoffvorräten auch über zwei Tankanzeigen. Im Drehzahlmesser befindet sich die Tankanzeige für den Erdgas-Tank, im Tacho jene für den Benzintank. Ist man im CNG-Modus unterwegs, wird einem dies auch durch eine grüne Kontrolllampe im Drehzahlmesser angezeigt.

Unser Testverbrauch war etwas höher als die Werksangabe. Die verringerte Reichweite dürfte gerade in der Stadt noch als voll alltagstauglich durchgehen. Der Tankvorgang gestaltet sich völlig unproblematisch.
  
Fahreigenschaften

Einen Unterschied zwischen dem TGI und den anderen Ibza-Modellen von Seat konnten wir nicht feststellen. Weder bei Straßenlage, Federung noch Fahrkomfort. Der Ibiza vermag auch als CNG-Variante überzeugen und bietet einen guten Mix aus guter Straßenlage, Komfort und Wendigkeit. Da es sich beim Testwagen um ein „FR“-Modell handelt, liegt der Ibiza für einen Kleinwagen erstaunlich satt auf der Straße – Sportfahrwerk sei Dank. Die Lenkung ist ausgewogen und dabei fast schon zu direkt. Auch hier unterscheidet sich das Erdgas-Modell nicht von seinem konventionell angetriebenen Brüdern. Die Preisliste des Seat Ibiza TGI startet bei 17.510 Euro. Der Testwagen in der sportlichen „FR“-Ausstattung beginnt bei 20.475 Euro.
   
Preise und Extras

Beim Ibiza Style sind schon ein Media System mit 6,5″-Touchscreen, eine Bluetooth Freisprecheinrichtung, ein Multifunktionslenkrad, elektrische Fensterheber vorne, eine Klimaanlage, der Frontassistent mit City- Notbremsassistent und vieles mehr serienmäßig mit an Bord. Den Listenpreis von 18.540 Euro kann man aber dennoch mit einigen Komfort- und Sicherheitsfeatures weiter erhöhen, wie es bei unserem Testfahrzeug der Fall war.

Serienmäßig bremst der Seat Ibiza im Notfall im Stadtverkehr automatisch, auch für Fußgänger. Mehr Assistenten sind erstmal nicht Bestandteil des Serienumfangs. Erst ab der Ausstattung Xcellence oder der sportlichen Version FR hält der Ibiza die Geschwindigkeit und warnt müde Fahrer.  Der Abstandstempomat (ACC) kostet für den Testwagen 460 Euro und beinhaltet den schlüssellosen Zugang. Eine Einparkilfe kostet mindestens 270 Euro für Parkpiepser hinten oder 525 Euro für vorne und hinten sowie die Rückfahrkamera.

Wir erfreuten uns noch am Innovations Vorteilpaket inkl. Voll-LED-Scheinwerfer (750 Euro), adaptiven Tempomat ACC inkl. Keyless Go Kessy (FR 460 Euro), elektrischen Fensterhebern hinten, einer Parkhilfe vorne und hinten inkl. Rückfgahrkamera, getönten Schieben hinten, DAB Radio (210 Euro) , Wlan inkl. Full-Link (270 Euro), dem Winter-Paket (350 Euro), Textil-Matten und einem Navi mit 8″-Touchscreen. Der Listenpreis summiert sich damit auf 27.834 Euro und dürfte damit bereits viele Ausstattungswünsche erfüllen.

 

Technische Daten Seat ibiza Connect 1.0 TSI Start/Stopp 95 PS
Hersteller:Seat
Karosserie:Kleinwagen fünftürig
Motor:Dreizylinder 1.0 TGI Start&Stop
Getriebe6-gang manuell
Hubraum:999 ccm
EmissionsklasseEuro 6
Leistung:66kW/90 PS bei 4.500 bis 5.800 Umdrehungen pro Minute
Drehmoment:160 Nm bei 1.900 bis 3.500 Umdrehungen pro Minute
Von 0 auf 100: Handschalter12,1 s
Höchstgeschwindigkeit:180 km/h
Verbrauch (ECE)4,0 - 3,9 kg/100 km
CO2-Ausstoß 106 bis 108 g/km
Emissionsklasse Euro 6DG
EffizienzklasseA+
Kraftstoff:CNG und Benzin
Wendekreis10,5 Meter
Leergewicht 1.257 kg
Kofferraum262/1072 Liter
TankinhaltBenziner 9 Liter
CNG: 13,8 kg
ReichweiteCNG: 420 km
Zuladung508 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand 4.059/1.780/1.444/2.469 mm
Basispreis Testwagen:20.585,- Euro
Testwagenpreis:27.834,- Euro

 

Fazit: Eine echte Alternative  – Vorurteile nicht gerechtfertigt

In unserem Alltagstest haben wir nur verschmerzbare Abstriche in Sachen Geräuschkomfort und Durchzug feststellen können. Der Kofferraum ist geringfügig verkleinert. Auf der Haben-Seite präsentiert sich der Seat ibiza TGI enorm sparsam, kostengünstig und umweltfreundlich. Die Spanier sind im VW-Konzern das Kompetenzzentrum für CNG-Antriebe. Neben der Elektrifizierung verfolgen die Spanier das Ziel über CNG eine weitere vielversprechende Antiebs-Alternative zu verfügen. Die Intention von Seat, den CO2-Ausstoß mit einem breiten Angebot an Erdgas-Modellen den dazu notwendigen Flottenverbrauch zu senken, ergibt Sinn. Erdgas-Modelle sind eine vielversprechende Brückentechnologie im Übergang zum Zeitalter der Elektroautos. Und dies auch im Kleinwagenbereich, wie der Ibiza TGI eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die geringfühgig höheren Anschaffungskosten werden durch aktuell weiter verlängerte Aktionen und Prämien großteils nivelliert oder vor allem bei Vielfahrern sehr schnell wieder eingespart. Im wirtschaftlichen Sinne überzeugt uns der Seat Ibiza TGI auf ganzer Linie.