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Das Erbe des Panda verpflichtet: Stellantis plant die elektrische Kehrtwende in Pomigliano mit einem Elektro-Kleinstwagen

Bildnachweis: Stellantis

 

Gegenbewegung im Kleinwagensegment oder strategisches Taktieren auf Zeit

Die Ankündigung klingt wie ein Befreiungsschlag für die europäische Automobilindustrie, aber bei genauerer Betrachtung offenbaren sich die gewaltigen industriellen Herausforderungen, vor denen der transatlantische Großkonzern Stellantis steht. Mitten in einer Phase, in der günstige Einstiegsmodelle mit Batterieantrieb fast ausschließlich aus China auf den europäischen Markt drängen oder von Wettbewerbern wie dem Volkswagen-Konzern mit Hochdruck vorangetrieben werden, platziert die Unternehmensleitung eine weitreichende Zusage für den traditionellen Standort Pomigliano darco nahe Neapel. Ab dem Jahr 2028 soll dort eine völlig neue Generation kompakter, erschwinglicher Elektrofahrzeuge vom Band laufen, die intern unter dem Begriff E-Car geführt werden. Das Management versucht damit, die emotionale Bindung der europäischen Käufer an das Segment der Kleinst- und Kleinwagen wiederzubeleben, das in den vergangenen Jahren durch verschärfte Abgasnormen und explodierende Entwicklungskosten vernachlässigt wurde. DeshaIb stellt sich für Branchenexperten und potenzielle Kunden gleichermaßen die Frage, ob dieser strategische Vorstoß rechtzeitig kommt oder ob man den Markt bis zum Ende des Jahrzehnts kampflos der Konkurrenz überlässt.

Die europäische Kommission begleitet das Vorhaben mit auffällig viel Wohlwollen, da die Sicherung von Arbeitsplätzen in Design und Fertigung auf dem alten Kontinent zu einer Überlebensfrage für ganze Industrieregionen geworden ist. Stellantis vermarktet das Projekt mit dem plakativen Akronym, bei dem der Buchstabe für europäisch, emotional, elektrisch und umweltfreundlich stehen soll. Hinter dieser charmanten Rhetorik verbirgt sich jedoch ein knallhartes Kalkül: Der Markt verlangt nach pragmatischen Lösungen für die alltägliche, stadtorientierte Mobilität, die für den Normalverdiener finanzierbar bleiben müssen. Aber der beispiellose Rückgang des Segments der kleinen Automobile in Europa zeigt, dass die bisherigen Konzepte an den Realitäten der Produktionskosten gescheitert sind. Konzernchef Antonio Filosa betont zwar die tiefe Verwurzelung dieses Segments in der DNA der europäischen Konzernmarken, doch der Weg zur Realisierung im Jahr 2028 ist lang und mit erheblichen Risiken behaftet.

Das Erbe des Panda und die Realität der Produktion im Süden Italiens

Die Wahl des Werks Giambattista Vico in Pomigliano darco ist kein Zufall, sondern eine Entscheidung mit Symbolcharakter und gleichzeitig ein Zugeständnis an die italienische Industriepolitik. Seit Jahrzehnten laufen hier einige der prägendsten Volumenmodelle der Markengeschichte vom Band, allen voran der legendäre Fiat Panda, der als Inbegriff des pragmatischen und bezahlbaren Automobils gilt. Aktuell teilen sich der treue Panda, der mittlerweile als Pandina weiterlebt, und das Kompakt-SUV Alfa Romeo Tonale die Fertigungslinien. Reine Elektroautos sucht man in den Hallen südlich von Rom bislang vergeblich. Das soll sich mit dem neuen Projekt grundlegend ändern, wobei signifikante Produktionsmengen angestrebt werden, um die Fabrikauslastung langfristig zu sichern.

Technisch beschreitet Stellantis bei diesem Anlauf neue Wege, die in der Fachwelt durchaus für Diskussionsstoff sorgen. Anstatt ausschließlich auf die bestehenden Konzernarchitekturen wie die Smart-Car-Plattform zu setzen, die bereits beim neuen Citroen e-C3 oder dem kommenden Fiat Grande Panda Verwendung findet, spricht das Management von fortschrittlichen Batterie-Technologien, die mit ausgewählten Partnern entwickelt werden. Diese Formulierung lässt tief blicken. Sie deutet darauf hin, dass Stellantis die technologische Abhängigkeit und den Kostendruck minimieren möchte, indem gezielt externes Know-how eingekauft wird, um die Entwicklungszeit zu verkürzen und die Fahrzeuge überhaupt erst zu einem wettbewerbsfähigen Preis anbieten zu können. Gerüchte in der Zulieferindustrie besagen, dass hierbei auch strategische Partnerships mit chinesischen Technologielieferanten wie Leapmotor eine Rolle spielen könnten, an denen Stellantis maßgebliche Anteile hält. Das Ziel ist ambitioniert: Die Basismodelle sollen in einem Preisbereich von zirka 15.000 Euro kalkuliert werden, um der asiatischen Konkurrenz die Stirn zu bieten.

Die Modellpalette und das kalkulierte Preisgerüst für den deutschen Markt

Für den deutschen Automobilmarkt, der durch das plötzliche Ende der staatlichen Kaufprämien stark verunsichert wurde, ist das Segment unter 20.000 Euro von elementarer Bedeutung. Stellantis plant daher eine stringente Staffelung der Modellversionen über mehrere Konzernmarken hinweg, um Skaleneffekte optimal zu nutzen. Die Preisgestaltung muss dabei extrem spitz kalkuliert werden, um sowohl urbane Pendler als auch Flottenbetreiber anzusprechen. Eine detaillierte Prognose der Modellstruktur zeigt, wie differenziert der Konzern die unterschiedlichen Käuferschichten ansprechen möchte, ohne dass sich die Fahrzeuge gegenseitig die Kunden abwerben.

Das Einstiegsmodell wird als puristischer Stadt-Stromer konzipiert, der sich auf das Wesentliche beschränkt. Mit einer reduzierten Batteriekapazität von rund 30 Kilowattstunden und einer WLTP-Reichweite von etwa 200 Kilometern ist diese Version konsequent für den urbanen Raum dimensioniert. Die Leistung des Elektromotors an der Vorderachse beläuft sich auf moderate 44 Kilowatt, was für den Stadtverkehr völlig ausreicht. Der Basispreis für diese Variante soll bei exakt 14990 Euro liegen. Hier müssen Käufer allerdings mit einer einfachen Ausstattung, Halogenscheinwerfern und einer Smartphone-basierten Infotainment-Lösung vorliebnehmen. Eine Schnellladefunktion mit Gleichstrom sucht man in dieser Klasse vergeblich; geladen wird primär mit Wechselstrom bis maximal 7,4 Kilowatt.

Darüber rangiert die Komfort-Version, die sich als vollwertiger Zweitwagen für Familien etablieren soll. Hier kommt ein Akkumulator mit 42 Kilowattstunden zum Einsatz, der auf einer günstigen Lithium-Eisenphosphat-Chemie basiert und eine Reichweite von gut 300 Kilometern nach WLTP ermöglichen dürfte. Der Elektromotor leistet in dieser Konfiguration 65 Kilowatt, und die Ausstattung wird durch eine serienmäßige Wärmepumpe, LED-Licht und ein eigenständiges 10-Zoll-Touchscreen-Display aufgewertet. Zudem ist ein dreiphasiger On-Board-Lader mit 11 Kilowatt sowie eine Gleichstrom-Schnellladung mit bis zu 50 Kilowatt an Bord. Stellantis visiert für diese Modellversion einen Verkaufspreis von 18.500 Euro an.

Die Speerspitze des Portfolios bildet eine Lifestyle-orientierte Variante, die vermutlich unter den Marken Fiat oder Opel vertrieben wird und sich durch ein markanteres Design sowie hochwertigere Materialien im Innenraum abhebt. Technisch gleicht sie der Komfort-Version mit dem 42-Kilowattstunden-Akku, bietet jedoch eine gesteigerte Systemleistung von 80 Kilowatt und zusätzliche Assistenzsysteme wie einen Spurhalteassistenten und eine Rückfahrkamera. Auch optische Individualisierungsmöglichkeiten wie eine Zweifarblackierung und Leichtmetallräder im Format 16 Zoll gehören hier zum Standard. Dieses Topmodell wird voraussichtlich mit 21900 Euro in den Preislisten geführt werden.

Kritische Würdigung der Zeitachse und des Wettbewerbsumfelds

So verheißungsvoll die Pläne für Pomigliano darco auf dem Papier klingen, so kritisch muss der Faktor Zeit bewertet werden. Das Jahr 2028 liegt aus Sicht der aktuellen Marktdynamik in weiter Ferne. Bis die ersten Serienfahrzeuge in Süditalien vom Band rollen, werden Wettbewerber wie Volkswagen mit dem ID.2 beziehungsweise dem kleineren ID.1 bereits etablierte Strukturen im Markt besitzen. Auch Renault wird mit dem elektrischen Twingo und dem R5 zu diesem Zeitpunkt längst um die Gunst der Käufer buhlen. Stellantis läuft Gefahr, eine strategische Lücke zu spät zu schließen, während die asiatische Konkurrenz ihre Lieferketten in Europa weiter festigt.

Zudem birgt die Produktion in Italien traditionell industriepolitischen Zündstoff. Die Beziehungen zwischen der Konzernleitung in Amsterdam und der Regierung in Rom gelten seit längerem als angespannt, da das Land um seine Bedeutung als Automobilstandort kämpft. Die Zusage für ein neues Volumenmodell ab 2028 kann daher auch als politisches Beruhigungsmittel verstanden werden, um aktuelle Spannungen zu deeskalieren. Ob die versprochenen Stückzahlen und die damit verbundenen Arbeitsplätze in der Region Kampanien tatsächlich im angekündigten Maße realisiert werden, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Batteriekosten in den kommenden zwei Jahren entwickeln. Die Kooperation mit externen Partnern zeigt, dass Stellantis das finanzielle Risiko minimieren möchte, nimmt dem Projekt aber auch ein Stück weit die technologische Unabhängigkeit. Für den Endverbraucher bleibt zu hoffen, dass das Versprechen eines echten, bezahlbaren Volkselekroautos im Zuge der Serienentwicklung nicht den Rotstiften der Controller zum Opfer fällt.