Der stärkste Abarth aller Zeiten verbindet Elektro mit Attitüde: Der neue Abarth 600e Competizione - Bildnachweis: Abarth / Stellantis - Copyright: FerreroCommunication
Vom Kleinwagen zum Kraftpaket
Man erwartet viel, wenn ein traditionsreicher Name wie Abarth in die elektrische Zukunft startet – und doch überrascht der neue 600e Competizione auf seine eigene Weise. Er schreit nicht nach Aufmerksamkeit, er verströmt sie. Ein subkompakter Elektro-Sportler, der das Erbe seines Skorpions nicht nur weiterträgt, sondern neu interpretiert: lautlos, aber alles andere als leise.
Abarth hat sich nie damit begnügt, einfach leistungsstarke Kleinwagen zu bauen. Die Marke stand schon immer für Übermut auf Rädern – kompakt, aber bissig. Mit dem 600e Competizione will Abarth nun zeigen, dass dieser Charakter auch im batterieelektrischen Zeitalter Bestand hat. Während der normale Fiat 600e auf urbane Effizienz und Lifestyle setzt, verwandelt ihn Abarth in eine kompakte Kampfansage an alle, die elektrische Langeweile fürchten.

Der Competizione ist die neue Speerspitze der Baureihe. Mit 207 Kilowatt, also 280 PS, positioniert sich der stärkste Abarth aller Zeiten deutlich oberhalb des Basismodells 600e Turismo, das mit 240 PS bereits ein kräftiges Fundament bietet. Beide Varianten teilen sich den gleichen, für die Stellantis-Gruppe entwickelten Perfo-eCMP-Unterbau, der speziell für Elektrofahrzeuge optimiert wurde. Doch während der Turismo noch Alltagstauglichkeit mit Sportlichkeit balanciert, drängt der Competizione klar in Richtung Performance-Fahrmaschine.
Fahrleistungen und Technik – die Energie der Stille
Die nackten Zahlen beeindrucken ujnd sind nahezu identisch zum Konzernbruder Opel mokka GSE: In 5,9 Sekunden katapultiert sich der 600e Competizione aus dem Stand auf Tempo 100. Seine Höchstgeschwindigkeit wird bei 200 km/h elektronisch abgeregelt. Die Energie liefert ein 54-kWh-Akku mit netto rund 49 kWh nutzbarer Kapazität, identisch mit dem bekannten Batteriepaket aus dem Fiat 600e sowie dem Peugeot e-2008. Die Reichweite liegt im WLTP-Zyklus bei rund 320 bis 340 Kilometern. Im Alltag dürften aufgrund des höheren Leistungsabrufs rund 260 bis 280 Kilometer realistisch sein.

Interessant ist, dass Abarth trotz der hohen Leistung auf Frontantrieb setzt. Unterstützt wird die Kraftverteilung durch ein mechanisches, selbstsperrendes Differential, das vor allem aus schnellen Kurven heraus für Traktion sorgt. Diese Lösung ist typisch Abarth – puristisch, fahraktiv, aber technisch bewusst bodenständig. Im Zusammenspiel mit der tiefergelegten Karosserie, einer straffer abgestimmten Lenkung und überarbeiteten Dämpfern ergibt sich ein Fahrverhalten, das auf verwinkelten Strecken eher an einen Hot Hatch der 1990er erinnert als an ein modernes E-Auto mit klinischem Einschlag.

Besonderes Augenmerk verdient auch die Bremsanlage. An der Vorderachse sorgen Monoblock-Bremssättel und groß dimensionierte Scheiben für ein deutlich besseres Pedalgefühl und kürzere Verzögerungswege als beim Serien-600e. Rekuperation lässt sich in mehreren Stufen anpassen, bleibt aber bewusst zurückhaltend – Abarth will Fahrern den klassischen Rhythmus aus Gas und Bremse erhalten.
Sound und Emotion – künstlich, aber nicht beliebig
Ein traditioneller Abarth war nie leise. Das elektrisch angetriebene Modell bricht naturgemäß mit dieser Tradition, versucht sie aber akustisch neu zu deuten. Über einen eigens entwickelten Soundgenerator, der an den charakteristischen Auspuffklang des früheren 595 erinnert, simuliert der Competizione Motorengeräusche, die im Innenraum und außen abgestimmt erklingen. Sie sind optional deaktivierbar – ein Zugeständnis an Puristen und Anwohner zugleich. Der künstliche Motorsound polarisiert, doch er ist Teil der Inszenierung: Abarth möchte Emotion erzeugen, wo Technologie sonst steril wirkt.

Innenraum – zwischen Dynamik und Design
Deshalb überrascht der Innenraum mit einer Materialanmutung, die man in dieser Fahrzeugklasse kaum erwartet. Dunkles Alcantara zieht sich über Armaturenträger, Türen und Mittelkonsole. Die Sabelt-Sportsitze, mit integrierten Kopfstützen und ausgeprägten Seitenwangen, sind ein klares Bekenntnis zum sportlichen Anspruch – und gleichzeitig eine Hommage an den Motorsport, aus dem die Marke einst geboren wurde. Wie bei vielen neuen E-Autos steht auch beim Abarth die User Experience im Zentrum. Ein zehneckiger Digitaltacho hinter dem Lenkrad informiert über Leistung, Energiefluss und Fahrzeugstatus, während ein 10,25-Zoll-Touchscreen den Infotainmentbereich dominiert. Die Bedienlogik folgt dem Fiat-Prinzip, ist also intuitiv und schnell erlernbar.
Aber Abarth sorgt im Detail für Unterschiede: Grafiken und Sounddesign sind auf die sportliche DNA abgestimmt, die Menüstruktur enthält zusätzliche Performance-Anzeigen für Temperatur, Power-Abgabe und Reaktionsgeschwindigkeit. Besonders der Modus „Scorpion Track“ zeigt, wie ernst es die Entwickler mit der Emotionalisierung des Elektrofahrens meinen: Hier wird das Ansprechverhalten des Motors verschärft, das Sperrdifferential reagiert aggressiver, und selbst die künstliche Soundkulisse verstärkt sich.
Design – ein Statement in Kleinformat
Das äußere Design des 600e Competizione ist weit mehr als ein auffälliger Anstrich. Die Karosserie bleibt zwar eng verwandt mit dem Fiat 600e, wirkt aber durch die breiteren Radläufe, das tiefergezogene Schürzenpaket und die markante Zweifarblackierung ungleich entschlossener. Farben wie Shock Orange oder Acid Green teilen die Blicke: Sie schreien förmlich nach Aufmerksamkeit, wirken auf den zweiten Blick aber fein abgestimmt und verleihen der Karosserie eine muskulöse Spannung. Ein grafischer Streifen entlang der Seitenlinie trägt diskrete Abarth-Schriftzüge – ein Detail, das bei Fans als Stilzitat gilt und an die klassischen 131er-Rallye-Abarth erinnert.
Deshalb ist dieser Abarth kein Blender, sondern Ausdruck der Transformation eines Markencharakters. Er will nicht mehr nur über brutalen Lärm und Rallye-Legenden definiert werden, sondern über eine neue Art von Leistung, die sich in Präzision, Drehmomentcharakteristik und Fahrdynamik ausdrückt. Dass Abarth hierfür die eCMP-Plattform nutzt – also dieselbe Basis wie Opel Mokka Electric oder DS 3 E-Tense – zeigt, wie konsequent Stellantis modulare Technik nutzt. Doch kein anderes Derivat fährt sich derzeit so emotional aufgeladen.
Fahrgefühl und Alltagstauglichkeit
Im Alltag entpuppt sich der 600e Competizione als zweischneidiges Schwert. Einerseits überzeugt die direkte Lenkung, das präzise Einlenkverhalten und die hohe Fahrwerkssteifigkeit. Andererseits erkauft sich der Wagen diesen Rennsportcharakter mit einem sehr straffen Federungskomfort, der auf längeren Strecken durchaus anstrengend wirken kann. Die Soundkulisse im Innenraum ist bewusst sportlich inszeniert, was einer ruhigen Langstreckenfahrt entgegenwirkt, aber auch genau das liefert, was Liebhaber erwarten: ein emotional aufgeladenes Fahrerlebnis. Schnell wird klar, dass dieser Abarth weniger als Kompakt-SUV, sondern als elektrischer Hot Hatch gedacht ist – irgendwo zwischen Opel Mokka GSE, Mini Cooper SE und Cupra Born, allerdings mit deutlich individuellerer Attitüde.
Deshalb lässt sich der 600e Competizione am besten in seiner eigenen Nische verstehen. Er soll kein Effizienzwunder sein, kein rationaler Alltagsheld – vielmehr ein elektrisches Statement gegen Uniformität. Seine WLTP-Reichweite von 315 bis 344 Kilometern zeigt, dass er durchaus alltagstauglich bleiben will. Doch sein wahrer Reiz liegt darin, wie unruhig und lebendig sich dieses Auto anfühlt, sobald man das Gaspedal tritt.
Preise, Ausstattung und Marktposition
Mit einem Einstiegspreis von 45.990 Euro ist der Competizione kein Schnäppchen, aber auch kein abgehobenes Prestigeobjekt. Der günstigere 600e Turismo startet bei 41.990 Euro. Beide Modelle werden ab Werk mit einer umfangreichen Serienausstattung angeboten, zu der digitale Instrumente, adaptiver Tempomat, Infotainmentsystem mit kabelloser Smartphone-Integration, LED-Beleuchtung und 18-Zoll-Leichtmetallräder gehören. Optional bleiben nur wenige, klar strukturierte Pakete – etwa für Zweifarblackierungen oder ein erweitertes Soundsystem.
Im Vergleich dazu wirkt ein Mini Cooper SE fast kultivierter, ein Cupra Born technischer und ein MG4 XPower deutlich preisaggressiver. Doch keiner von ihnen transportiert diesen eigenwilligen, fast anarchischen Abarth-Charakter. Das macht den 600e Competizione zu einem Auto, das nicht auf die große Masse zielt. Er will geliebt oder ignoriert werden. Dazwischen gibt es wenig Raum.
Carlo Abarths Erbe
Carlo Abarth hätte wohl seine Freude an diesem Auto. Er verstand Autos nie als Mittel zum Zweck, sondern als Projektionsfläche von Leidenschaft und technischer Exzellenz. Auch der neue Competizione folgt dieser Philosophie: keine Kompromisse beim Design, klare Konzentration auf Performance, und der Wille, aus einer simplen Plattform ein emotionales Fahrerlebnis zu formen. Wie authentisch diese Idee im Elektrozeitalter wirkt, bleibt letztlich dem Fahrer überlassen. Aber Abarth schafft es, das Unmögliche zu versuchen: Emotionale Mobilität ohne Auspuff, Leidenschaft ohne Lärm, und Tradition ohne Nostalgie.
Deshalb ist der 600e Competizione mehr als nur ein weiteres elektrisches Derivat im Stellantis-Kosmos. Er ist der Versuch einer Defibrillation für die Seele der Marke. Wenn Elektromobilität oft für Gleichförmigkeit steht, zeigt Abarth, dass kleine Autos mit großem Charakter auch jenseits von Verbrennern lebendig bleiben können.

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