Smart enthüllt das Smart Concept #2 und gibt einen konkreten Ausblick auf den kommenden Smart #2 - Bildnachweis: Smart / Geely
Stellen Sie sich vor, die quälende Suche nach einer Parklücke in der chronisch verstopften Münchner oder Berliner Innenstadt würde plötzlich ihren Schrecken verlieren, weil ein Fahrzeug genau dort hineinpasst, wo andere frustriert weiterrollen müssen. Mit der Enthüllung des Smart Concept #2 auf dem Global Brand Event in Peking hat die Marke, die einst das Segment der Kleinstwagen definierte, ein klares Signal gesendet, dass dieses Szenario keine nostalgische Erinnerung bleibt, sondern eine hochmoderne Zukunft hat. Das Interesse an einem kompakten Zweisitzer ist ungebrochen, doch die Anforderungen an Reichweite und Ladegeschwindigkeit haben sich seit den Tagen des ersten City-Coupés massiv gewandelt, weshalb Smart nun eine technologische Antwort liefert, die weit über das bisher Bekannte hinausgeht. Der Wunsch nach einer emissionsfreien, wendigen und dennoch luxuriösen Mobilitätslösung wird hier greifbar, denn der neue Smart #2 kombiniert das ikonische Layout seines Vorgängers mit einer völlig neuen Elektro-Architektur, die das Fahrzeug für die Herausforderungen der kommenden Dekade rüstet. Merken Sie sich den Oktober 2026 vor, wenn das Serienmodell in Paris seine Weltpremiere feiern wird, um kurz darauf die Straßen europäischer Metropolen zurückzuerobern.

Der Weg zu dieser Neuvorstellung war jedoch alles andere als geradlinig und markiert das Ende einer Ära sowie den Beginn einer globalen Transformation. Nachdem im März 2024 der letzte Smart EQ Fortwo im lothringischen Hambach vom Band lief und das dortige Werk von Ineos Automotive für die Produktion des Grenadier übernommen wurde, schien die Zukunft des ultrakompakten Zweisitzers für einen Moment ungewiss. Doch das 2019 gegründete Joint Venture zwischen der Mercedes-Benz Group und der Zhejiang Geely Holding Group verfolgte von Anfang an den Plan, den Markenkern nicht aufzugeben, sondern ihn auf ein profitables und technologisch konkurrenzfähiges Fundament zu stellen. Während die Modelle #1, #3 und der große #5 die Marke bereits in neue, größere Segmente geführt haben, stellt der Smart #2 die emotionale Rückkehr zu den Wurzeln dar, die nach einer intensiven Machbarkeitsstudie unter dem Codenamen Project Two nun Realität wird.

Technisch gesehen bricht der Smart #2 radikal mit der Vergangenheit, indem er die sogenannte Electric Compact Architecture, kurz ECA, einführt. Anders als die größeren Geschwister, die auf der SEA-Plattform von Geely basieren, wurde die ECA-Plattform speziell für Fahrzeuge mit extrem kurzem Radstand entwickelt, um keine Kompromisse bei der Fahrstabilität oder der Crash-Sicherheit eingehen zu müssen. Smart CEO Tong Xiangbei betonte in Peking ungewohnt deutlich, dass viele der derzeit am Markt befindlichen Micro-EVs aus seiner Sicht keine echten Automobile seien, da ihnen die strukturelle Integrität fehle, während der Smart #2 von Grund auf als vollwertiges Premium-Fahrzeug konzipiert wurde. Um dies zu belegen, durchliefen die Prototypen ein extrem harrtes Testprogramm, das unter anderem Wintererprobungen in Nordchina bei Temperaturen von bis zu minus 35 Grad Celsius sowie intensive Fahrwerksabstimmungen auf globalen Testgeländen umfasste.
Besonders interessant ist dabei der Ansatz der Ingenieure, die neue Technik zunächst in modifizierte Karosserien des alten Fortwo zu integrieren, um die Dynamik der ECA-Plattform unter realen Bedingungen zu validieren, was bestätigt, dass der neue Smart #2 mit einer Gesamtlänge von 2.792 Millimetern dem ursprünglichen Konzept extrem treu bleibt . Dennoch bietet er eine Agilität, die ihresgleichen sucht, was durch einen Wendekreis von lediglich 6,95 Metern unterstrichen wird. Aber technischer Fortschritt darf nicht bei der Wendigkeit aufhören, weshalb die neue Architektur einen Heckantrieb nutzt, der die Lenkung von Antriebseinflüssen befreit und so für ein präzises Fahrgefühl sorgt, das man sonst eher aus höheren Fahrzeugklassen kennt.
Das Design des Concept #2, das vom Mercedes-Benz Global Design Team unter der Leitung von Kai Sieber gestaltet wurde, folgt der Philosophie Love, Pure, Unexpected und hebt das Stadtauto auf ein neues ästhetisches Level. Der Leitspruch Function becomes Fashion verdeutlicht, dass der Smart #2 nicht mehr nur als praktischer Problemlöser verstanden werden will, sondern als Ausdruck einer individuellen Haltung und als modisches Accessoire für den urbanen Raum. Die Silhouette wirkt durch das Wheels-at-the-corners-Konzept, bei dem die Räder extrem weit nach außen gerückt sind, sehr stabil und präsent, während die Zweifarblackierung in mattem Weiß und warmem Gold einen hochwertigen Kontrast setzt. Ein besonderer Clou sind die transluzenten Oberflächen, unter denen bei Lichteinfall verborgene grafische Details zum Vorschein kommen, was dem Fahrzeug eine fast schon verspielte Tiefe verleiht.

Aber Design ohne Nutzwert bleibt in der Welt der Mobilitet oft nur eine schöne Hülle, weshalb Smart bei der Reichweite massiv nachgebessert hat. Während der alte EQ Fortwo oft schon nach kaum mehr als 130 Kilometern an die Steckdose musste, zielt der neue Smart #2 auf eine Reichweite von nahezu 300 Kilometern ab, was ihn auch für Pendler aus dem Umland attraktiv macht. Noch entscheidender für die Alltagstauglichkeit ist jedoch die Ladeperformance, denn dank der modernen 800-Volt-ähnlichen Effizienz der ECA-Plattform soll der Akku in weniger als 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden können. Damit wird das Zwischenladen während eines kurzen Kaffees oder Einkaufs zur Realität und nimmt der Elektromobilität im Kleinstwagen-Segment endgültig den Schrecken der Reichweitenangst. Deshalb wird das Fahrzeug auch mit einer Vehicle-to-Load-Funktion ausgestattet, die es ermöglicht, externe Geräte wie E-Bikes oder Laptops direkt aus der Fahrzeugbatterie zu speisen, was den Smart #2 zu einem mobilen Energieknotenpunkt macht.

Im Innenraum setzt sich der Premium-Anspruch fort, wobei feine Lederapplikationen und hochwertige Texturen eine Atmosphäre schaffen, die sich deutlich von der eher spartanischen Anmutung früherer Generationen abhebt. Das clevere Layout nutzt jeden Millimeter des Innenraums aus, um trotz der kompakten Maße ein luftiges Raumgefühl zu erzeugen, das durch moderne, nahtlos integrierte Displays und eine intelligente Sprachsteuerung ergänzt wird. Zweifel an der Praxistauglichkeit eines Zweisitzers in einer Welt von SUVs lassen sich kaum leugnen, doch Smart argumentiert hier kritisch abwägend: In einer Zeit, in der die meisten Fahrten in der Stadt alleine oder zu zweit stattfinden, ist ein überdimensioniertes Auto oft eher ein Hindernis als ein Gewinn.
Ein Blick auf die Marktpositionierung in Deutschland zeigt, dass der Smart #2 in ein spannendes Umfeld gerät. Mit einem erwarteten Einstiegspreis, der sich am Vorgänger orientiert und vermutlich zwischen 21.000 und 25.000 Euro liegen dürfte, positioniert er sich als gehobene Alternative zu Modellen wie dem Dacia Spring, der zwar deutlich günstiger ist, aber bei Materialqualität und technischer Raffinesse nicht mithalten kann. Auch der Fiat 500e wird ein direkter Konkurrent bleiben, wobei der Smart #2 durch seine extreme Kompaktheit und den kleineren Wendekreis klare Vorteile im dichtesten Großstadtdschungel bietet. Für Kunden, die Wert auf einen sorgenfreien Betrieb legen, führt Smart ab Mitte 2026 zudem die Servicemarke Smart care in Europa ein, die durch digitale Vernetzung und proaktive Wartungsangebote ein nahtloses Besitzererlebnis garantieren soll.
Die geopolitische Komponente der Produktion darf nicht außer Acht gelassen werden, da der Smart #2 in China entwickelt und dort auch primär gefertigt wird. Um den drohenden EU-Zöllen auf in China produzierte Elektroautos zu entgehen, die für Geely derzeit bei etwa 18,8 Prozent liegen, gibt es jedoch intensive Gespräche über eine europäische Fertigung . Spekulationen deuten darauf hin, dass Geely freie Kapazitäten in Ford-Werken nutzen könnte, wobei das Werk im spanischen Valencia als heißer Kandidat gilt, da es derzeit weit unter seiner Kapazität von 400.000 Fahrzeugen operiert . Eine solche Verlagerung der Endmontage nach Europa wäre ein strategisch kluger Schachzug, um die Preise für den deutschen Markt stabil zu halten und gleichzeitig die Akzeptanz der Marke als europäisch-chinesisches Gemeinschaftsprojekt zu stärken .
Dass Smart als Marke längst über den Zweisitzer hinausgewachsen ist, demonstrierte die Weltpremiere des Smart #6 EHD in Peking . Diese fast fünf Meter lange Fastback-Limousine ist ein direkter Gegenentwurf zum kleinen #2 und nutzt einen hochentwickelten Plug-in-Hybrid-Antrieb, der eine Gesamtreichweite von über 1.800 Kilometern ermöglicht. Auch wenn dieses Modell zunächst exklusiv für den chinesischen Markt vorgesehen ist, zeigt es doch die enorme Bandbreite, die das Unternehmen heute abdeckt, und unterstreicht den technologischen Transfer zwischen den verschiedenen Segmenten . Der Kontrast könnte kaum größer sein: Hier der Spezialist für die Parklücke, dort der Langstreckengleiter mit Hai-inspiriertem Design und über 400 PS Systemleistung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Smart #2 ein mutiges und notwendiges Statement für die Zukunft des urbanen Raums ist. Er verzichtet auf unnötigen Ballast und konzentriert sich stattdessen auf das, was in der Stadt wirklich zählt: Effizienz, Wendigkeit und ein Design, das Freude bereitet. Die technische Basis der ECA-Plattform verspricht Fahrleistungen und Ladezeiten, die den Zweisitzer aus seiner Nische als reines Zweitauto herausholen könnten. Ob das kühne Versprechen einer neuen Ära der Mobilität eingelöst wird, muss sich zwar erst nach dem Serienstart im Jahr 2027 zeigen, doch die in Peking präsentierten Fakten lassen vermuten, dass das Original wieder zu alter Stärke zurückfindet. Die Rückkehr des Smart #2 ist somit nicht nur ein Abschied von der reinen Zweckmäßigkeit, sondern ein klares Bekenntnis zu einer intelligenten und nachhaltigen Form der Fortbewegung, die den Menschen und seinen Lebensraum wieder in den Mittelpunkt stellt. Es bleibt abzuwarten, wie präzisse die finale Umsetzung der Serienversion die hohen Erwartungen erfüllen wird, doch der Grundstein für ein erfolgreiches Comeback wurde zweifellos gelegt.
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