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Die Kunst der Nuancen beim Multivan: Wie Volkswagen den erfolgreichsten Allrounder seiner Klasse für die zweite Lebenshälfte fit macht

Neuer VW Multivan steht in den Startlöchern: VWN zeigt erste Details des großen Updates - Bildnachweis: VWN

Der VW Multivan schärft sein Profil gegen den Stern aus Stuttgart 

Der erste Blick auf die neue Frontpartie lässt einen kurz innehalten, da man sich unweigerlich fragt, ob hier ein Nutzfahrzeug oder ein überdimensionaler Sportwagen im Rückspiegel auftaucht. In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen funktionalem Raumwunder und technologischem Vorzeigeprojekt zunehmend verschwimmen, schickt Volkswagen Nutzfahrzeuge nun die neueste Evolutionsstufe seines Flaggschiffs ins Rennen. Es ist ein mutiger Schritt, ein Fahrzeug, das erst vor wenigen Jahren den radikalen Wechsel auf den Modularen Querbaukasten (MQB) vollzogen hat, bereits jetzt mit einer so markanten optischen und technischen Schärfung zu versehen. Dennoch zeigt der Erfolg des aktuellen Modells, dass die Entscheidung, den Multivan technologisch näher an den Golf als an den Transporter zu rücken, von den Kunden mit einem massiven Absatzplus von über 30 Prozent im vergangenen Jahr honoriert wurde. Aber dieser Erfolg bringt auch eine hohe Erwartungshaltung mit sich, der sich die Entwickler in Hannover nun stellen müssen. Deshalb wurde das Design nicht nur oberflächlich angefasst, sondern die gesamte Frontgrafik in ihrer Wirkung neu kalibriert.

Das Herzstück der optischen Erneuerung bildet die überarbeitete Frontpartie, die sich deutlicher als bisher an der klassischen DNA orientiert und diese gleichzeitig in ein hochmodernes Licht rückt. Die Designer haben den Stoßfänger und den Kühlergrillbereich nun konsequenter in zwei horizontale Segmente unterteilt, was dem Fahrzeug eine deutlich größere optische Breite verleiht. Aber es bleibt abzuwarten, ob diese Breitenbetonung im oft engen Stadtverkehr nicht eine psychologische Barriere aufbaut, obwohl die tatsächlichen Abmessungen nahezu identisch geblieben sind. Die neu gestalteten LED-Scheinwerfer verfügen über eine modifizierte Lichtsignatur, die das Gesicht des Multivan bei Nacht unverwechselbar machen soll. Deshalb ist die Lichttechnik hier nicht nur ein funktionales Element, sondern ein wesentliches Stilmittel, das die Wertigkeit des Fahrzeugs unterstreichen soll.

Besonderes Augenmerk verdient die Erweiterung der Farbpalette und der Felgenauswahl, da Individualisierung in diesem Segment ein immer wichtigerer Verkaufsfaktor wird. Volkswagen bietet nun erstmals auch Mattlackierungen an, was für ein Fahrzeug dieser Größenordnung ein Novum darstellt und einen klaren Akzent in Richtung Exklusivität setzt. Die Zweifarblackierung in Candy Weiß Uni kombiniert mit Graubraun Metallic stellt eine von drei neuen Bicolor-Optionen dar, die den klassischen Charme der frühen Bulli-Generationen in die Neuzeit transportieren sollen. Bei den Rädern wurden die 17 und 18 Zoll großen Leichtmetallfelgen komplett neu entworfen, während das bei Enthusiasten beliebte 19-Zoll-Rad namens Halmstad eine dezente Überarbeitung erfahren hat. Aber trotz dieser optischen Finessen stellt sich die Frage, ob die Materialauswahl im Innenraum mit dem schicken Äußeren Schritt halten kann, da hier in der Vergangenheit oft der Wunsch nach mehr unterschäumten Kunststoffen laut wurde.

Technisch basiert der Multivan weiterhin auf der bewährten MQB-Evo-Plattform, was ihm Fahr- und Assistenzsysteme ermöglicht, die man sonst nur aus der Oberklasse kennt. Der Fokus liegt dabei auf einer Spreizung zwischen Langstreckenkomfort und agilerem Handling, als man es von einem Fahrzeug mit diesem Volumen erwarten würde. Deshalb kommen im neuen Modelljahr auch Updates in der Software zum Einsatz, die die Bedienbarkeit der oft kritisierten Touch-Elemente verbessern sollen. Es bleibt jedoch ein leiser Zweifel bestehen, ob die reine Software-Optimierung ausreicht, um die haptische Rückmeldung physischer Tasten vollständig zu ersetzen. Dennoch bietet der Multivan mit seinem variablen Sitzsystem, bei dem die Einzelsitze im Fond leicht verschoben oder ausgebaut werden können, weiterhin eine Flexibilität, die im Wettbewerbsumfeld ihresgleichen sucht.

Die Antriebspalette des überarbeiteten Multivan bleibt gewohnt breit gefächert, wobei der Plug-in-Hybrid (eHybrid) weiterhin eine zentrale Rolle einnimmt. Dieser kombiniert einen effizienten TSI-Benziner mit einem Elektromotor und einer Batteriekapazität, die für die meisten täglichen Pendelstrecken rein elektrisches Fahren ermöglicht. Aber für die echten Kilometerfresser auf der Autobahn bleibt der 2,0-Liter-TDI der unverzichtbare Anker im Programm, da sein Drehmoment und die Reichweite bei hoher Zuladung nach wie vor ungeschlagen sind. Die Leistungsstufen der Dieselmotoren beginnen bei 150 PS, während die Benziner das Spektrum bis über 200 PS abdecken. Alle Motoren sind serienmäßig an ein Doppelkupplungsgetriebe (DSG) gekoppelt, was den Komfortanspruch unterstreicht.

Ein wesentlicher Aspekt für Kaufinteressenten ist die Preisgestaltung, die Volkswagen für das neue Modelljahr nun detailliert aufgeschlüsselt hat. Der Einstieg in die Welt des Multivan beginnt in Deutschland bei rund 54500 Euro für die Basisversion mit dem kleinen TSI-Motor. Wer die Ausstattungslinie Life bevorzugt, die bereits viele nützliche Komfortfeatures wie eine Drei-Zonen-Klimaanlage und verbesserte Sitze enthält, muss mit einem Startpreis von etwa 60.200 Euro rechnen. Das Topmodell Style, das unter anderem über die neuen LED-Matrix-Scheinwerfer und das große Navigationssystem verfügt, knackt schnell die Marke von 72.000 Euro. Der beliebte Dieselmotor schlägt im Vergleich zum Basis-Benziner mit einem Aufpreis von circa 3.500 Euro zu Buche, während der eHybrid preislich bei etwa 62.000 Euro startet, was ihn durch potenzielle Förderungen oder steuerliche Vorteile für Dienstwagenfahrer besonders attraktiv macht.

Deshalb muss man konstatieren, dass der Multivan preislich mittlerweile in Regionen vorgestoßen ist, die früher der luxuriösen V-Klasse vorbehalten waren. Aber Volkswagen rechtfertigt dies durch die deutlich gesteigerte Serienausstattung und die modernere PKW-Plattform. Die Liste der Sonderausstattungen bleibt gewohnt lang und bietet von dem riesigen Panorama-Glasdach über ein High-End-Soundsystem bis hin zu komplexen Anhänger-Assistenten alles, was das technikaffine Herz begehrt. Deshalb kann ein voll ausgestatteter Multivan auch problemlos die Grenze von 90.000 Euro überschreiten, was ihn endgültig vom einfachen Familienbus zum Statussymbol für gut situierte Haushalte oder exklusive Shuttle-Dienste befördert.

Kritisch zu betrachten bleibt die Nutzlast, die beim MQB-basierten Modell systembedingt etwas geringer ausfällt als beim alten T6.1, der noch auf einem schweren Nutzfahrzeugchassis stand. Aber für die meisten privaten Anwender wird die gebotene Kapazität mehr als ausreichend sein. Deshalb ist der neue Multivan eher als der legitime Nachfolger des Sharan im XXL-Format  zu sehen denn als ein klassischer Lastenesel. Die Ingenieure haben viel Arbeit in die Geräuschdämmung gesteckt, um das Reisen noch entspannter zu gestalten, was besonders bei den hohen Geschwindigkeiten, die der Multivan mühelos erreicht, spürbar wird. Dennoch bleibt die Aerodynamik bei einem Fahrzeug dieser Stirnfläche physikalisch limitiert, weshalb der Verbrauch bei forcierter Autobahnfahrt erwartungsgemäß ansteigt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Update des Volkswagen Multivan konsequent den Weg der Pkw-Werdung weiterverfolgt. Die geschärfte Optik verleiht ihm eine Präsenz, die im Segment der Großraumlimousinen Maßstäbe setzt. Aber es ist die Summe der kleinen technischen Verbesserungen und die Erweiterung der optischen Möglichkeiten, die den Reiz des neuen Jahrgangs ausmachen. Volkswagen hat es verstanden, die ikonischen Merkmale des Bulli zu bewahren und sie mit der Technologie von morgen zu verknüpfen. Deshalb wird der Multivan auch in seiner neuesten Ausprägung ein Bestseller bleiben, auch wenn er preislich und technologisch einen weiten Weg von seinen rustikalen Ursprüngen zurückgelegt hat. Die Markteinführung der neuen Varianten im Spätsommer wird zeigen, ob die Kunden bereit sind, den eingeschlagenen Pfad der Premium-Mobilität in diesem Umfang mitzugehen, doch die aktuellen Auftragsbücher sprechen eine deutliche Sprache für den Erfolg des Hannoveraner Allrounders.