Die Mercedes C-Klasse C300 MJ 2019 (W205) im Fahrbericht

13. Juni 2019 23:48 Autor:
Die aktualisierte Mercedes C-Klasse (C300 MJ2019) musste sich in einem Einzeltest beweisen – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Mercedes hat die C-Klasse ge-„mopft“

Mitte 2018 hat Mercedes nach vier Jahren Laufzeit seiner C-Klasse eine Überarbeitung angedeihen lassen. Im Rahmen des Facelifts der C-Klasse hat Mercedes die Optik behutsam geändert. Wir haben den Mercedes C300 als Limousine einem Einzeltest unterzogen. Weitaus umfangreicher ist das Update bei Technik und Antrieben. Mehr als die Hälfte aller Bauteile wurden einer Veränderung unterzogen. Mit etwa 6.500 Neuteilen ist die Modellpflege (MOPF) das aufwendigste Update in der Modellgeschichte. Mit frischen Motoren und neuen Assistenzsystemen möchte die C-Klasse gegen die aktualisierten beiden Erzrivalen der neuen Generation des BMW 3er sowie das Facelift des Audi A4 bestehen können. Der 300er Benziner (ab 43.982 Euro als Limousine) wird von einen 2-Liter-Vierzylinder mit 258 PS, angetrieben und schafft Tempo 100 in 5,9 Sekunden. Das Drehmoment beträgt 370 Nm.

Am Exterieur hat sich mit der vor allem technischen Aktualisierung gar nicht soviel getan. Selbst Mercedes-Kenner müssen zweimal hinschauen, um die geliftete C-Klasse am Exterieur von ihrem Vorgänger unterscheiden zu können.

Mercedes C 300 - W205 MJ2019
Gut gefallen haben uns die neuen Aerofelgen im 18-Zoll-Format - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Interieur

Im Innenraum ändert sich auf den ersten Blick ebenfalls wenig. Aber technisch und funktional bringt die marke mkit dem Stern ihre C-Klasse damit auf den Stand von S- und E-Klasse. In der Basis verfügt auch die neue C-Klasse standardmäßig weiterhin über klassische Tubeninstrumente. Zu einem Aufpreis in Höhe von 893 Euro erhält der Kunden ein volldigitales Cockpit mit allen Vorteilen. Dieses läßt sich komplett in Bezug auf Größe, Farbe, analog oder digital-Anzeige individualisieren. Der hochauflösende 12,3 Zoll große Monitor hinter dem Lenkrad ist ein großer Schritt nach vorn. Das neue 10,25 Zoll große Zentraldisplay des Infotainmentsystems (NTG 5.5 ) ist extrem flach geworden und erstreckt sich bis über die Mitteilkonsole. Ohne das Comand-Online-System erfordert dieses inklusive Android Auto und Apple CarPlay-Konnektivität eine Investition je nach Ausstattung von ungefähr 1.000 Euro. Erst in der nächsten Generation der C-Klasse ab Ende 2021 werden die Bildschirme optisch wie in GLB und E- und S-Klasse miteinander zu einem Widescreen verschmelzen. Anders als in der günstigeren A-Klasse ist dieser, trotz des großen Infotainment-Updates, noch immer kein Touchscreen und beherrscht auch noch nicht alle Funktionen der Sprachsteuerung. A- und B-Klasse/GLB sowie Sprinter sind mit MBUX schon etwas weiter bei NTG 6.0.

Die Exclusive-Line gibt sich über den klassischen Stern auf der Motorhaube zu erkennen. Gut gefallen haben uns die neuen Aerofelgen im 18-Zoll-Format – Bildnachweis: MOTORMOBILE 

Zu den Innvationen im Innenraum gehört das neue Bedienelement am Lenkrad. Die sogenannten Blackberry-Tasten, mit denen man fast alle Funktionen des Infotainmentsystems steuern kann. Neu ist auch die Bedienung der Distronic und des Tempomaten über das Lenkrad. Deren Bedienung gestaltet sich genau so, wie man es inzwischen aus E- und S-Klasse kennt. Auch die Massagesitze und die sogenannten Energizing-Funktionen, für die Mercedes-Klimasteuerung, Ambientelicht, Musikberieselung und Sitzmassage zu verschiedenen Wellnessprogrammen kombiniert hat, stammen ursprünglich aus der Oberklasse. Aus der S-Klasse stammt das Intelligent Drive – eine Funktion, die Assistenzsysteme bündelt und mit den Navigationsdaten verknüpft. So wird der Fahrer massiv entlastet.

Eine umklappbare Fondlehne lassen sich die Schwaben mit 345 Euro vergüten. Standardmäßig ist sie starr. Zudem punktet der Schwabe mit einem Leergewicht von 1.480 kg sowie einer maximalen Zuladung von 552 Kilogramm. Auch die gebremste Anhängelast von 1.800 Kilogramm sind ein sehr guter Wert. Der Kofferraum präsentiert sich mit einem Stauvolumen von 552 Litern.

 

Neuer Park-Rempler-Assistent noch ohne Beweisfoto

Der neue Park-Rempler-Assistenten ist eine Art smarte Alarmanlage gegen Parkrempler. Das System meldet App-gesteuert („Mercedes Me“-App) umgehend auf dem Handy, wennn das Auto vom Hintermann in der Parklücke gerammt wurde. Die Bewegungsmelder bleiben hierzu auch beim abgestellten Auto aktiv und registrieren sofort, wenn der Wagen auch nur leicht touchiert wird. Alles was dann noch fehlt, ist, dass das Auto den mit seinen vielen Kameras auch noch einen Foto-Beweis liefert. Technisch wäre das kein problem. Aber rechtlich – Stichwort Datenschutz – befindet sich dies erst in der Prüfung.

Das Fahrassistenzpaket plus (ca. 2.500 Euro) wurde um teilautonome Fahrfunktionen wie zum Beispel einer Überholfunktion erweitert. Hierzu muss der Fahrer bei aktivem Spurassistenten nur den Blinker setzen, damit die Mercedes-Limousine selbständig überholt und nach erneuter Blinker-Betätigung wieder einschert. Ermöglicht werden diese teilautonomen Fahrfunktionen über erweiterte Kamera- und Radarsysteme, die sich nun mit dem Facelift auf S-Klasse Niveau angehoben wurden. Die C-Klasse kann nun bis zu 500 Meter voraus schauend fahren – und davon dann 90 Meter sogar räumlich interpretiert in 3D.

Antrieb

Die C-Klasse startet mit einem breiten Motorenangebot. Im Rahmen des Facelift hat Mercedes die gesamte Motorenpalette auf die Euro-6d-temp-Abgasnorm umgestellt. Sowie auch komplett neue Aggregate eingeführt. Preislich startet das C-Klasse Facelift bei 34.914 Euro für den Einstiegsdiesel C 180 d (122 PS) mit Handschaltung, das T-Modell mit gleichem Motor bei 36.580 Euro. Außerdem wird die C-Klasse mit einem 160 PS Selbstzünder (200 d) angeboten. Top-Diesel ist der neue C 300 d. Bei den Benzinern ist das Angebot ähnlich groß: Neben dem Einstiegsmodell C 160 gibt es den von uns gefahrenen C 300 mit 258-PS-Vierzylinder. Topmotorisierung ist der C 400 4Matic mit 333 PS starkem V6. Darüber rangieren die AMG-Modelle C 43 mit jetzt 390 PS und C 63 mit bis zu 510 PS. Bei dem von uns gefahrenem C300 befindet sich ein 2-Liter-Vierzylinder unter der Haube, der die Limousine überraschend agil und leichtfüßig zu bewegen vermag. Der Turbobenziner mobilisert 258 PS Leistung und stemmt ein durchaus beachtliches Drehmoment von 370 Nm auf die Kurbelwelle. Der gesamte Antrieb erweist sich je nach Fahrstil als kultiviert , leise und stets kraftvoll. Bei entsprechendem Leistungsabruf wird der Vierzylinder schonmal knurrig. Den Null-Hundert-Paradesprint erledigt der Schwabe unaufgeregt in 5,9 Sekunden.

Die Herstellerangabe des kombinierten Normverbrauch (WLPT) des C300 gibt der Hersteller mit 6,9 Litern an, entsprechend einer CO2-Emission von 158 g/km. Unser Praxisverbrauch mit neutraler Fahrweise betrug knapp 8 Liter. Dies ermöglicht gespeist aus dem 67 Liter Tank eine maximale Reichweite von über 800 Kilometern.

Während beim C 200 (184 PS) mit nur 1,5 Litern Hubraum (M 264) immer an ein 48-Volt-System mit riemengetriebenem Startergenerator an Bord ist, muss der C300 ohen Teilelektrifizierung auskommen. Wem Vierzylinder nicht genügen, dem sei der Sechszylinder des allradgetriebenen C400 empfohlen.

Ausgewogene Fahreigenschaften vermitteln ein echtes Benz-Gefühl

Viele Wettbewerber der C-Klasse scheinen Unebenheiten und Straßenschäden allenfalls abmildern zu wollen, statt sie gekonnt zu kaschieren. Nicht so der Mercedes C 300. Hier zeigt sich Fahrwerk und alle Systeme mit der notwendigen Komfort-Orientierung. Zudem punktet sie mit einer effektive Geräuschdämmung. Die Ruhe im Fahrwerk resultiert auch aus der effektiv abgestimmten Luftfederung (1.666 Euro Aufpreis). Diese ermöglicht ein bemerkenswertes Maß an Komfort und Langstreckenqualität. Gerade auf langen Autobahnpassagen vermag der C 300 seine Qualitäten optimal auszuspielen. Die C-Klasse ermöglicht – in der gehobenen Mittelklasse nicht selbstverständlich – ein ausgeruhtes Ankommen, selbst nach langen Passagen.

Was sich im positiven Sinne nur wenig verändert hat sind Fahrgefühl und Fahrverhalten der facegelifteten C-Klasse im Vergleich zum Vorgänger. Das Fahrwerk haben die Ingenieure noch einmal nachgeschärft. Aber die grundlegende Auslegung des Fahrwerk wurde nicht angetastet. Und dies war auch nicht nötig.

 

Technische Daten Mercedes-Benz Mercedes-Benz C300 W205 (2019)
Hersteller:Mercedes
Karosserie:Limousine (Stufenheck)
Motor:2.0 Turbo-Vierzylinder mit Start/Stop
Getriebe:9G Tronic Automatikgetriebe
Antrieb:Hinterradantrieb (RWD)
Hubraum:1.991ccm
Emissionsklasse:Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC
Leistung:190 kW (258 PS)
Drehmoment:370 Nm bei 1.800 bis 4.000 U/min
Von 0 auf 100:5.9 s
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h
Verbrauch (ECE):6,3 - 6.0 Liter
CO2-Ausstoß144 -136 g/km
CO2-EffizienzklasseC
Kraftstoff:Superbenzin
Reifen225/50 R17
Wendekreis:11,22 Meter
Kofferraum:480 Liter
Tankinhalt:66 Liter
Leergewicht/Zuladung:1.555 / 580 kg
Anhängelast ungebremst / gebremst bei 12%750 kg / 1.800 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:4.686/1.810/1.405/2.840 mm
Grundpreis Testwagen C 300 9G-Tronicab 44.458,40 Euro

 

Preise und Extras

Für die C-Klasse stehen vier Ausstattungslinien bzw. Exterieur-Lines zur Wahl. Dies ist neben der Basisversion die Option Avantgarde-, Exclusive- und die AMG-Line. Erstmals bieten die Schwaben in der C-Klasse sogenannte Multibeam-LED-Scheinwerfer (934 Euro) mit „Ultra Range“-Fernlicht an. In jedem Scheinwerfer sind hierfür 84 einzeln ansteuerbare LEDs verbaut, die sich blitzschnell auf die Situation einstellen und den Gegenverkehr ausblenden können. Für alle Varianten der neuen C-Klasse bietet Mercedes nnunmehr insgesamt 20 neue Felgendesigns an. An unserem Testwagen werteten spezielle Aerofelgen die Optik auf. Ebenfdalls gegen Aufpreis oferiert Mercedes ein Multikontursitz-Paket, bei dem sich die Seitenwangen und Lordosenstütze separant einstellen lassen. Neu im Angebot ist ein zusätzliches Soundsystem mit 225 Watt.

 

Fazit: Gutes noch besser zu machen ist schwierig – aber hier gelungen

Die Primärtugend des gekonnten Understatement beherrscht auch die neue C-Klasse. Die Änderungen betreffen außer den Scheinwerfern vor allem das Interieur. Das neue Cockpit präsentiert sich im Rahmen der Möglichkeiten umfassend modernisiert. Der Fortschritt zeigt sich vor allem im Bereich der Konnektivität sowie der Multimedia- und Assistenzfunktionen. In Summe hat die C-Klasse wieder aufgeschlossen oder sich sogar an die Spitze gesetzt. Im Wettbewerb muss sich die C-Klasse dem Konter des A4-Facelift sowie dem neuen BMW 3er stellen. Mit den technischen Innovationen als Rüstzeug sollte das C-Klasse-Facelift die nächsten Jahre bis 2021 zum Generationswechsel der nächsten C-Klasse wieder vorne mitmischen können.

 

Mercedes C-Klasse C 300/W2105 - MJ 2019
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