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Die stille Kraft der 185 Newtonmeter: Der neue Yaris Cross mit weniger „Jaulen“

Der überarbeitete Toyota Yaris Cross - Bildnachweis: Toyota

 

Das Toyota Yaris Cross Facelift im Detail

Es gibt Autos, die man im Straßebild kaum noch wahrnimmt, weil sie an jeder Ecke stehen, doch beim überarbeiteten Toyota Yaris Cross lohnt sich der zweite Blick neuerdings vor allem mit den Ohren statt mit den Augen. Man muss schon sehr genau hinsehen, um die optischen Retuschen an der Frontpartie oder die neuen Farbtöne wie Urban Khaki zu identifizieren, doch unter dem Blech hat Toyota eine Operation am offenen Herzen vorgenommen, die weit über das übliche Maß einer Modellpflege hinausgeht. Der in Valenciennes gefertigte Bestseller, der sich im Jahr 2024 mit über 200.000 Einheiten an die Spitze seines Segments in Europa setzte, kämpfte bisher mit zwei klassischen Problemen der Hybrid-Technik: einer gewissen Anfahrschwäche bei höheren Lasten und einer Geräuschkulisse, die beim Beschleunigen eher an eine gequälte Nähmaschine als an ein modernes SUV erinnerte. Deshalb haben die Ingenieure beim Facelift das Stethoskop angesetzt und die techniche Architektur des Vollhybridsystems konsequent weiterentwickelt, um den gestiegenen Ansprüchen der europäischen Kundschaft gerecht zu werden.

Der überarbeitete Toyota Yaris Cross – Bildnachweis: Toyota

Ein neuer Herzschlag im Maschinenraum der Hybrid 130 Antrieb

Das Prunkstück der Modellpflege ist zweifellos die Einführung des neuen Hybrid 130 Antriebsstrangs, der die bisherige Variante mit 116 PS nicht ersetzt, sondern nach oben hin ergänzt. Während der bewährte 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner vom Typ M15A-FXE weiterhin im hocheffizienten Atkinson-Zyklus arbeitet und 92 PS sowie 120 Nm Drehmoment beisteuert, liegt der eigentliche Fortschritt im Getriebegehäuse verborgen. Toyota verbaut hier nun den Transaxle-Antrieb der 5. Generation, der über einen deutlich potenteren Elektromotor verfügt. Die Leistung des MG2-Generators stieg so massiv an, dass das Systemdrehmoment nun bei beachtlichen 185 Nm liegt, was einem Zuwachs von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorgänger entspricht. Aber dieser Zuwachs ist nicht nur auf dem Papier existent, sondern verändert die Charakteristik des Wagens spürbar, da die elektrische Unterstützung nun viel früher und kräftiger eingreift, was den Verbrenner in vielen Alltagssituationen entlastet. Deshalb gelingt der Sprint von 0 auf 100 km/h nun in 10,7 Sekunden, während der Hybrid 115 dafür 11,2 Sekunden benötigt, wobei die reine Zeitersparnis weniger wiegt als das Gefühl einer deutlich lineareren Kraftentfaltung.

MerkmalHybrid 115 (FWD)Hybrid 130 (FWD)Hybrid 130 (AWD-i)
Motorcode VerbrennerM15A-FXEM15A-FXEM15A-FXE
Systemleistung (kW / PS)85 / 11696 / 13096 / 130
Max. Drehmoment E-Motor (Nm)141185185 (+ 52 hinten)
Hubraum (cm³)1.4901.4901.490
Verdichtungsverhältnis14,0 : 114,0 : 114,0 : 1
Beschleunigung 0-100 km/h (s)11,210,711,3
Höchstgeschwindigkeit (km/h)170170170
CO2-Emission kombiniert (g/km)101-114103-122114-122
Kraftstoffverbrauch (l/100km)4,4-5,04,5-5,45,1-5,4

Kampfansage an die Dezibel die neue Akustik-Strategie

Ein wesentlicher Kritikpunkt der Fachpresse und der Kunden war bisher die akustische Präsenz des Dreizylinders, der unter Last und in Verbindung mit dem e-CVT-Getriebe oft unangenehm laut wurde. Toyota hat hier mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen reagiert, die man sonst eher aus der Oberklasse kennt. Auf der linken Seite der Motoraufhängung wurde ein dynamischer Dämpfer installiert, um Vibrationen im Keim zu ersticken, und der Ansaugtrakt erhielt einen zusätzlichen Resonator, der die fahrtypischen Frequenzen glätten soll. Aber damit nicht genug, denn auch die Dämmung der Fahrgastzelle wurde massiv aufgewertet. Die Isolierung hinter dem Armaturenbrett besteht nun aus drei statt nur einer Schicht, und am oberen Abschluss der Spritzwand kam eine extra Lage Filz zum Einsatz. Wer sich für die höheren Ausstattungslinien entscheidet, profitiert zudem von dickerem Glas an der Windschutzscheibe sowie den vorderen Seitenscheiben, was den Yaris Cross zu einem der leiseren Vertreter seiner Zunft macht. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den typischen Gummiband-Effekt des Getriebes bei Autobahnfahrten völlig zu eliminieren, darf jedoch bezweifelt werden, da das physikalische Prinzip der stufenlosen Übersetzung konstruktionsbedingt immer zu einem Drehzahlanstieg führt, wenn volle Leistung abgefragt wird.

Der überarbeitete Toyota Yaris Cross – Bildnachweis: Toyota

Digitale Welten und nachhaltiger Komfort im Inenraum

Im Cockpit macht die Digitalisierung einen großen Sprung nach vorn, was besonders Technik-Affine begeistern dürfte. Je nach Ausstattung blickt der Fahrer auf ein voll digitales 12,3-Zoll-Kombimeter, das sich weitreichend personalisieren lässt und Informationen glasklar darstellt. Das Herzstück des Infotainments bildet das neue Toyota Smart Connect System mit einem bis zu 10,5-Zoll großen Touchscreen, das spürbar schneller auf Eingaben reagiert und dank Cloud-Anbindung stets aktuelle Verkehrsdaten liefert. Ein nettes Detail ist der Sprachassistent, der nun natürliche Sprache versteht und auf Befehle wie mir ist kalt mit einer Erhöhung der Temperatur reagiert. Trotz aller digitalen Spielereien bleibt Toyota jedoch vernünftig und hält an physischen Tasten für die Klimatisierung fest, was die Bedienung während der Fahrt deutlich sicherer macht als das Herumsuchen in Untermenüs. Besonders hervorzuheben ist das neue Material SakuraTouch, eine hochwertige Ledernachbildung, die zu über 40 Prozent aus pflanzlichen Rohstoffen und recycelten PET-Flaschen besteht. Es zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht billig wirken muss, sondern sich haptisch durchaus auf Augenhöhe mit klassischem Leder bewegen kann, während es gleichzeitig die CO2-Bilanz in der Produktion drastisch senkt.

Der überarbeitete Toyota Yaris Cross – Bildnachweis: Toyota

Sicherheit als Standard die Assistenzsysteme der nächsten Generation

Bei der Sicherheit lässt Toyota keine Kompromisse zu und stattet den Yaris Cross serienmäßig mit der neuesten Version von Toyota Safety Sense aus. Die Kamera- und Radarsysteme erfassen nun ein deutlich breiteres Feld, wodurch das Pre-Collision System jetzt auch Motorräder im Gegenverkehr erkennt und Kollisionen beim Abbiegen verhindern kann. Ein techniches Highlight ist der Proaktive Fahrassistent, der das Fahrzeug sanft verzögert, wenn man sich einem langsameren Vordermann nähert, ohne daß der Tempomat aktiv sein muss. Das fühlt sich anfangs ungewohnt an, hilft aber im dichten Stadtverkehr enorm dabei, entspannter durch den Alltag zu kommen. Auch der neue Ausstiegs-Assistent, der vor herannahenden Radfahrern warnt, wenn man die Tür öffnen möchte, ist ein sinnvolles Feature für den urbanen Raum. Man merkt hier deutlich, daß Toyota die Rechenpower der neuen Plattform nutzt, um die Systeme harmonischer und weniger bevormundend abzustimmen, was den Fahrkomfort im Vergleich zur ersten Serie spürbar erhöht.

Preise und Ausstattungslinien auf dem deutschen Markt

Die Preisstruktur für das Facelift beginnt in Deutschland bei 28.540 Euro für die Basisversion Comfort mit dem 116 PS starken Hybridantrieb. Wer jedoch in den Genuss des neuen Hybrid 130 kommen möchte, muss mindestens zur Ausstattung Teamplayer greifen, die mit 30.590 Euro in der Liste steht. Die Business Edition, die sich primär an Flottenkunden richtet, startet bei 28.280 Euro. Für Enthusiasten bietet Toyota die GR Sport Variante für 37.500 Euro an, die neben einer sportlicheren Optik auch eine gestraffte Fahrwerksabstimmung mitbringt, was den Wagen zwar agiler macht, aber beim Komfort auf Querfugen Tribut fordert. Das obere Ende markiert die Premiere Edition, die für 39.600 Euro fast voll ausgestattet vorfährt und exklusive Zweifarb-Lackierungen bietet. Wer den in dieser Klasse seltenen Allradantrieb AWD-i wünscht, muss mit einem Aufpreis von etwa 3.100 Euro kalkulieren, wobei dieses System bauartbedingt den Kofferraum von 397 auf 320 Liter schrumpfen lässt, da der zusätzliche Elektromotor an der Hinterachse Platz beansprucht. Die 130 PS Systemleistung sind bei den höheren Linien wie Lounge, die ab 36.600 Euro startet, bereits obligatorisch.

Das Relax-Garantieversprechen als Ruhepol für den Käufer

Ein Aspekt, der den Yaris Cross besonders für Privatkäufer attraktiv macht, ist die Toyota Relax Garantie. Was auf den ersten Blick wie ein Marketing-Gag wirkt, ist bei genauerer Betrachtung ein knallhartes techniches Qualitätsversprechen. Nach Ablauf der dreijährigen Neuwagengarantie verlängert sich der Schutz mit jeder jährlichen Inspektion beim Vertragshändler automatisch um ein weiteres Jahr, bis zu einem Fahrzeugalter von 15 Jahren oder einer Laufleistung von 250.000 Kilometern. Das schafft eine langfristige Sicherheit, die kein anderer Wettbewerber in dieser Form bietet und bestetigen das Vertrauen der Japaner in ihre Hybrid-Komponenten. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass dieser Schutz an die regelmäßige Wartung im offiziellen Netz gebunden ist, was die Flexibilität bei der Werkstattwahl einschränkt. Dennoch ist es ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass selbst nach einem Jahrzehnt teure Komponenten wie der Inverter oder die Hybrid-Batterie noch unter den Schutzschirm fallen können.

Fahrverhalten und Dynamik im Alltagstest

Auf der Straße besticht der Yaris Cross durch seine Agilität, die er der steifen GA-B Plattform verdankt. Der niedrige Schwerpunkt sorgt dafür, dass sich das SUV trotz der erhöhten Bodenfreiheit von 170 Millimetern kaum in Kurven neigt. Die Lenkung ist leichtgängig und präzise, könnte aber für meinen Geschmack etwas mehr Rückmeldung von der Fahrbahn vermitteln. Auf der Autobahn merkt man dem Wagen jedoch seine kompakten Wurzeln an. Ab Tempo 130 nehmen die Windgeräusche trotz der verbesserten Dämmung zu, und der Verbrauch steigt von den traumhaften 3,5 Litern im Stadtverkehr auf Werte um die 6 bis 7 Liter an. Das liegt daran, dass der kleine 1,0 kWh Akku bei konstant hohen Geschwindigkeiten kaum noch Entlastung bieten kann und der Dreizylinder dann Schwerstarbeit leisten muss. Dennoch bleibt der Yaris Cross eines der sparsamsten Autos seiner Klasse, solange man ihn in seinem natürlichen Habitat, der Stadt und der Landstraße, bewegt. Er ist kein Langstreckenbomber, sondern ein hochintelligentes Werkzeug für den urbanen Raum, das nun auch technisch die Reife besitzt, die man von einem Marktführer erwartet.