MOTORMOBILES

Das Automagazin im Internet

Elektro-Siebensitzer-SUV unter 50.000 Euro: Produktionsstart des Skoda Peaq

Skoda startet die Produktion des neuen Peaq in Mladá Boleslav - Bildnachweis: Skoda

Pragmatismus in der XL-Klasse

Elektrische Familien-SUVs mit drei Sitzreihen galten in der Automobilbranche lange Zeit als unbezahlbare Luxusgüter für wenige Privilegierte oder als schwerfällige Kompromissfahrzeuge mit überschaubarer Alltagstauglichkeit. Mit dem offiziellen Anlauf der Serienproduktion des neuen Skoda Peaq am 6. August 2026 im tschechischen Stammwerk Mladá Boleslav unternimmt die tschechische Volkswagen-Tochter den Versuch, dieses stetig wachsende Segment neu zu ordnen und einer breiteren Käuferschicht zugänglich zu machen. Nach der Weltpremiere am 23. Juni 2026 und einem beachtlichen Bestelleingang von fast 8.500 Einheiten bis Ende Juli steht der exakt 4,87 m lange Stromer kurz vor seiner offiziellen Händlerpremiere Ende September 2026. Doch hinter den feierlichen Worten der Unternehmensführung verbirgt sich eine erhebliche fertigungstechnische sowie betriebswirtschaftliche Herausforderung. Der Peaq muss als neues elektrisches Flaggschiff der Marke fungieren und gleichzeitig beweisen, dass sich die flexible Mischproduktion von Verbrennern und Elektroautos auf ein und derselben Montagelinie unter schwankenden Marktbedingungen rechnet.

Industrielle Flexibilität und fertigungstechnische Umrüstung

Das Hauptwerk in Mladá Boleslav steht beispielhaft für die Strategie des Volkswagen-Konzerns, Fertigungsstraßße nicht mehr ausschließlich einer einzelnen Antriebsart vorzubehalten, sondern flexibel auf Volatilitäten der Nachfrage zu reagieren. Der Skoda Peaq rollt auf derselben Montagestraße vom Band wie die kleineren Elektro-Geschwister Enyaq und Elroq sowie der Bestseller Octavia Combi mit klassischem Verbrennungsmotor. Aber diese Multiantriebs-Strategie auf einer einzigen Linie stellt immense Anforderungen an die Werkslogistik und die Anlagentechnik. Die ursprünglich rein für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor konzipierte Fertigungslinie musste seit dem Produktionsstart des Enyaq im Jahr 2020 schrittweise und mit hohem finanziellen Aufwand modernisiert werden. Mit dem Anlauf des Elroq im Januar 2025 und der nun erfolgten Integration des Peaq erreichte der Ausbau seine bisher komplexeste Stufe. Um das massivste Fahrzeug der bisherigen Markengeschichte mit Abmessungen von 4,87 m Länge, 1,87 m Breite und 1,67 m Höhe sicher verarbeiten zu können, waren tiefgreifende Modifikationen im Presswerk, im Karosseriebau und in der Lackiererei zwingend erforderlich.

Deshalb mussten speziell für den Peaq vergrößerte Fertigungsschienen installiert werden, die den strengen Ergonomie- und Arbeitssicherheitsstandards entsprechen und das hohe Eigengewicht der Elektro-Karosserien stabil führen. Für das exakte Einsetzen der optionalen dritten Sitzreihe wurde ein neu entwickelter Manipulator in die Montagelinie integriert. Die komplexen Hochvoltbatteriesysteme montiert Skoda direkt vor Ort im neu errichteten Batteriewerk in Mladá Boleslav. Um auf der Stamm-Linie die nötigen Kapazitäten für die steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen zu schaffen, verlagerte das Unternehmen Teile der Octavia-Fertigung seit Mai 2026 schrittweise in das Werk Kvasiny, wo neben dem Octavia Combi auch die Octavia Limousine gefertigt wird. Zusammen mit den neun weltweiten Produktionsstätten und dem Getriebewerk in Vrchlabí verfügt der Hersteller damit über einen hochflexiblen Produktionsmix, um auf globale Lieferkettenstörungen unverzüglich reagieren zu können. Der zuständige Vorstand für Produktion und Logistik, Andreas Dick, betonte in diesem Zusammenhang, dass die Fertigung von vier Modellen mit unterschiedlichen Antriebskonzepten auf einer einzigen Linie die technologische Kompetenz des Standorts Mladá Boleslav unter Beweis stelle und das Werk optimal auf die Fertigung des neuen Flaggschiffs vorbereitet sei.

Plattformarchitektur MEB+ und die technische Auslegung der Antriebe

Unter der Auspressung der Blechhaut des Skoda Peaq kommt die weiterentwickelte MEB+ Plattform des Volkswagen-Konzerns zum Tragen. Skoda bietet den Kunden das Fahrzeug in drei klar abgegrenzten Leistungsstufen an, die sich sowohl in ihrer Motorisierung als auch in ihrer Batteriebestückung deutlich unterscheiden. Das Einstiegsmodell Peaq 60 vertraut auf einen im Heck platzierten Elektromotor mit einer Leistung von 150 kW, was umgerechnet 204 PS entspricht, sowie ein maximales Drehmoment von 350 Nm. Der Energiespeicher dieser Basisversion verfügt über eine Bruttokapazität von 63 kWh beziehungsweise netto 59 kWh. Dies genügt nach dem normierten WLTP-Standard für eine kombinierte Reichweite von 389 bis 456 Kilometern. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt dem Basismodell in 8,4 Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit bei 160 km/h elektronisch abgeregelt wird. Der Stromverbrauch beläuft sich hierbei laut Herstellerspezifikation auf Werte zwischen 14,9 und 17,6 kWh pro 100 Kilometer.

Aber für ausgeprägte Langstreckenfahrer bildet der Peaq 90 das eigentliche Herzstück des Modellprogramms. In dieser Variante verbaut Skoda die größte Hochvoltbatterie der bisherigen Firmengeschichte mit einer Bruttokapazität von 91 kWh und einer nutzbaren Nettokapazität von 86 kWh. Der weiterentwickelte Heckmotor leistet hier 210 kW (286 PS) und stellt ein kraftvolles Drehmoment von 545 Nm zur Verfügung. Damit verkürzt sich der Sprint auf 100 km/h auf 7,1 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit wird erst bei 180 km/h elektronisch begrenzt. Bei einem kombinierten Stromverbrauch von 15,1 bis 17,7 kWh pro 100 Kilometer ermöglicht dieser große Stromspeicher eine maximale WLTP-Reichweite von 553 bis 642 Kilometern. Das vorläufige Topmodell bildet der Allradler Peaq 90x 4×4, welcher durch einen zusätzlichen Elektromotor an der Vorderachse eine Systemleistung von 220 kW (299 PS) erreicht. Der Standardsprint erledigt sich im 90x in nur 6,7 Sekunden. Bedingt durch das Zusatzgewicht des Frontmotors und den Verbrauch von 16,0 bis 18,6 kWh pro 100 Kilometer pendelt sich die kombinierte Reichweite der Allradvariante zwischen 524 und 609 Kilometern ein.

Thermomanagement, Ladeleistung und die Tücken der 400-Volt-Technik

In Bezug auf die Ladeinfrastruktur verbleibt der Peaq in der etablierten 400-Volt-Architektur des Modularen E-Antriebs-Baukastens. Während fernöstliche Konkurrenten zunehmend auf 800-Volt-Systeme setzen, um extrem kurze Stopps an der Ladesäule zu realisieren, verfolgt der Volkswagen-Konzern beim MEB+ einen kostenoptimierten Ansatz. An Gleichstrom-Schnellladesäulen erreicht der Peaq 60 eine maximale Spitzenleistung von rund 160 kW, während die Modellvarianten mit der großen 91-kWh-Batterie Ladeleistungen von schätzungsweise 195 bis 200 kW erzielen. Unter idealen Laborbedingungen lässt sich der Akku damit in etwa 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent seiner Kapazität aufladen. 

Das thermische Management des Akkus ist im Alltagsbetrieb die entscheidende Stellschraube. Liegen die Außentemperaturen im Winter deutlich im einstelligen Bereich und versäumt es der Fahrer, die automatische Vorkonditionierung über das Navigationssystem zu aktivieren, dürften die realen Ladezeiten spürbar länger ausfallen als vom Hersteller versprochen. Aus fachlicher Sicht lässt sich durchaus bezweifeln, ob eine Spitzenladeleistung unterhalb von 200 kW auf langen Urlaubsfahrten mit voller Besetzung und Gepäck noch vollkommen zeitgemäß ist, wenn moderne 800-Volt-Mitbewerber dieselbe Lademenge in unter 20 Minuten nachfassen. Für den Ladevorgang an der heimischen Wallbox oder an städtischen AC-Säulen ist der Peaq serienmäßig mit einem dreiphasigen Onboard-Lader ausgestattet, der eine Leistung von 11 kW bereitstellt. Ein bemerkenswerter Fortschritt im funktionellen Bereich ist die Integration von bidirektionalem Laden (V2L). Über eine im Gepäckraum integrierte 230-Volt-Steckdose mit einer Dauerabgabe von bis zu 3,6 kW lässt sich das SUV als mobile Energiequelle nutzen, um beispielsweise E-Bikes aufzuladen oder elektrische Verbraucher beim Camping zu betreiben.

Raumökonomie, Karosseriebau und funktionale Alltagseigenschaften

Mit einem Radstand von knapp drei Metern reizt der Peaq die geometrischen Möglichkeiten des MEB+ Baukastens im Karosseriebereich voll aus. Die äußere Gestalt des großen SUVs zeichnet sich durch eine aerodynamisch optimierte Linienführung aus, die trotz der stattlichen Abmessungen zu einem effizienten Luftwiderstandsbeiwert beiträgt. Erstmals bei der Marke Skoda kommen bündig in die Karosserie integrierte Türgriffe zum Einsatz, die bei Annäherung elektrisch ausfahren und im geschlossenen Zustand den Luftstrom nicht stören. Zusammen mit gezielten Luftleitelementen im Frontbereich und einer strömungsgünstigen Unterbodenverkleidung dient dies dazu, den Stromverbrauch auf Autobahnetappen in erträglichen Grenzen zu halten.

Aber seine eigentlichen Qualitäten entfaltet das tschechische Flaggschiff beim Blick auf die innere Raumökonomie. In der klassischen Fünfsitzer-Konfiguration bietet der Peaq ein Gepäckraumvolumen von beeindruckenden 935 Litern bei aufrechter Sitzposition der zweiten Reihe. Werden die im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzlehnen komplett umgelegt, erweitert sich das Ladevolumen auf bis zu 2.150 Liter. Entscheidet sich der Käufer für die optional erhältliche dritte Sitzreihe, reduziert sich das Kofferraumvolumen bei voller Bestuhlung mit sieben Personen auf verbleibende 299 Liter. Bei umgeklappter dritter und zweiter Sitzreihe stellt der Siebensitzer immer noch ein maximales Ladevolumen von 2.075 Litern bereit. Unter der vorderen Haube befindet sich zusätzlich ein 37 Liter fassender Frunk, der sich hervorragend für die saubere Unterbringung der Ladekabel eignet. Ein optisches und technisches Merkmal im Innenraum ist das bisher größte Panoramadach der Markengeschichte mit Dynamic Shade Control. Über neun einzeln steuerbare Segmente auf Flüssigkristallbasis lässt sich die Lichtdurchlässigkeit des Glases ohne mechanisches Rollo stufenweise von vollkommen transparent bis hin zu Blickdicht elektrisch verändern.

Detaillierte Preisstruktur und Ausstattungslogik für den deutschen Markt

Beim Blick auf die Preisgestaltung zeigt sich, dass Skoda den Peaq im deutschen Markt preislich bewusst unterhalb vergleichbarer Konkurrenzmodelle positioniert. Das Fahrzeug wird in zwei grundlegenden Ausstattungslinien namens Selection und Sportline angeboten, die mit den drei verfügbaren Antriebsvarianten kombiniert werden können. Die Basisausführung Selection 60 mit 150 kW Leistung und Heckantrieb startet bei einem Bruttolistenpreis von 49.900 Euro. Wer die größere Batterie mit 91 kWh Kapazität bevorzugt, muss für den Peaq Selection 90 mindestens 57.900 Euro investieren. Die Allradvariante Selection 90x schlägt mit einem Einstiegspreis von 60.400 Euro zu Buche. Für Kunden, die eine sportlichere Optik bevorzugen, steht die Sportline-Ausstattung zur Wahl. Diese beinhaltet unter anderem 21-Zoll-Leichtmetallräder, spezifische Stoßfänger, abgedunkelte Akzente an der Karosserie sowie Sportsitze mit dunklen Microfaser-Bezügen. Der Peaq Sportline 60 beginnt bei 54.800 Euro, während der Sportline 90 mit 62.800 Euro gelistet ist. Das Topmodell Sportline 90x mit Allradantrieb markiert mit 65.300 Euro das obere Ende der Preisliste.

Deshalb ergänzt der Hersteller die Serienausstattung durch eine verschachtelte Paketstruktur, um den Konfigurationsaufwand für den Kunden zu strukturieren. Das Ausstattungspaket Clever erfordert einen Aufpreis von 1.600 Euro und umfasst eine induktive Phonebox zum zeitgleichen Laden von zwei Smartphones, den erweiterte Travel Assist für teilautomatisiertes Fahren sowie eine 230-Volt-Steckdose im Kofferraum. Das darauf aufbauende Paket Plus kostet 3.110 Euro und fügt Matrix-LED-Scheinwerfer, animierte Blinkleuchten und ein 360-Grad-Kamerasystem hinzu. Für die Stufe Advanced berechnet Skoda 4.260 Euro Aufpreis. Das umfangreichste Paket hört auf den Namen Maxx und schlägt mit 6.720 Euro zu Buche. Es beinhaltet unter anderem das adaptive Fahrwerk DCC inklusive Fahrprofilauswahl, Vordersitze mit pneumatischer Massagefunktion und ausziehbaren Beinstützen sowie ein High-End-Soundsystem von Sonos mit 16 Lautsprechern. Die Einbindung der dritten Sitzreihe für den Betrieb als Siebensitzer kostet bei allen Modellen einen einheitlichen Aufpreis von 990 Euro. Unter Berücksichtigung üblicher Händlernachlässe und Gewerberabatte dürften die effektiven Einstiegspreise auf dem freien Markt im Bereich von 41.800 bis 43.900 Euro beginnen.

Marktchancen, Wettbewerbsvergleich und das strategische Gesamtbild

Auf dem hart umkämpften deutschen Neuwagenmarkt trifft der Skoda Peaq auf ein überschaubares, aber technisch hochgerüstetes Wettbewerbsumfeld. Rein elektrische SUVs mit bis zu sieben Sitzplätzen waren bislang primär im oberen Preissegment angesiedelt. Modelle wie der Kia EV9 oder der Hyundai Ioniq 9 bedienen zwar ähnliche Platzbedürfnisse, bewegen sich preislich jedoch meist weit jenseits der Grenze von 65.000 Euro. Der französische Mitbewerber Peugeot e-5008 stellt den direktesten Konkurrenten dar, kann jedoch beim maximalen Ladevolumen und der Spitzenladeleistung der großen Akku-Variante nicht ganz mit den Werten des Tschechen Schritt halten. Die maximale Anhängelast des Peaq von 1.800 kg bei den Hecktrieblern und bis zu 2.000 kg beim Allradmodell 90x unterstreicht zudem den Anspruch, auch als vollwertiges Zugfahrzeug für Wohnwagen oder Anhänger im Alltag zu bestehen.

Deshalb fügt sich der Peaq nahtlos in die erweiterte Modelloffensive des Volkswagen-Konzerns ein. Zeitgleich zur Vorbereitung des Peaq-Anlaufs treibt Skoda die Entwicklung des kleineren Epiq voran, eines urbanen Einstiegs-Crossovers auf der MEB Small Architektur. Der Epiq wird im spanischen Werk Pamplona gefertigt, soll zu Preisen ab etwa 32.100 Euro auf den Markt kommen und trotz kompakter Maße einen Kofferraum von 490 Litern sowie eine WLTP-Reichweite von über 400 Kilometern bieten. Mit dem Doppelpack aus Peaq und Epiq verdoppelt Skoda sein Angebot an rein elektrischen Baureihen im Jahr 2026. Nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr 2026, in dem Skoda auf dem europäischen Gesamtsmarkt den zweiten Rang bei den Verkaufszahlen belegte, zeigt die breite Auffächerung des Elektro-Portfolios die Absicht, diese Marktposition abzusichern.

In der abschließenden Bewertung erweist sich der Produktionsstart des Skoda Peaq in Mladá Boleslav als technisch durchdachter und kaufmännisch pragmatischer Schritt. Die Zusammenlegung von Verbrenner- und Elektroproduktion auf einer flexiblen Montagelinie schützt das Werk vor drastischen Auslastungsschwankungen und minimiert das finanzielle Risiko in Zeiten schwankender E-Auto-Nachfrage. Der Peaq überzeugt durch seine hohe Raumfunktionalität, das gelungene Bedienkonzept mit 13,6-Zoll-Display und AR-Head-up-Display sowie ein konkurrenzfähiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Ob die Batteriethermik und die 400-Volt-Architektur auf extremen Langstrecken unter winterlichen Bedingungen völlig schmerzfreie Ladezeiten garantieren, bleibt abzuwarten; das Gesamtpaket stellt jedoch ein äußerst starkes Angebot im Segment der großen Familien-SUVs dar.