MOTORMOBILES

Das Automagazin im Internet

Elektroantriebe und Feststoffakkus von Rimac: Serienreife Technologien für OEMs

Der kroatische Zulieferer Rimac zeigt sein Elektroauto-Portfolio auf der IAA 2025 - Bildnachweis: Rimac


Kroatischer Zulieferer

Rimac Technology präsentiert auf der IAA Mobility 2025 in München wegweisende Entwicklungen im Bereich Batterietechnik und Elektromechanik. Im Fokus stehen neue Feststoffbatterien und hochentwickelte E-Achsen, die den Anforderungen einer zunehmend elektrifizierten Automobilindustrie gerecht werden sollen. Diese Technologien markieren einen weiteren Schritt, mit dem sich das kroatische Unternehmen als bedeutender Zulieferer für große Fahrzeughersteller profiliert. Der Veranstaltungsort München dient dabei als geeignete Bühne, um neben Innovationen auch die Serienreife der Produkte in den Vordergrund zu stellen.

Der kroatische Zulieferer Rimac zeigt sein Elektroauto-Portfolio auf der IAA 2025 – Bildnachweis: Rimac Technology

Neue Generation von Feststoffbatterien

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der neuen Generation von Feststoffbatterien. Rimac entwickelte diese Plattform zusammen mit ProLogium aus Taiwan und der Mitsubishi Chemical Group aus Japan, wobei die Kernkomponenten auf der Festkörperzellentechnologie von ProLogium basieren. Die Kombination mit fortschrittlichen Werkstoffen von Mitsubishi zielt auf eine höhere Energiedichte, verbesserte Sicherheit und ein leichteres Batteriegehäuse ab. Diese Eigenschaften sind elementar, um sich vom Standard aktueller Lithium-Ionen-Systeme abzuheben und längerfristig die Reichweite, Sicherheit und Lebensdauer von Elektrofahrzeugen zu verbessern. Während konkrete Produktionsdetails noch spärlich kommuniziert werden, positioniert sich diese Lösung als zukunftsweisend und nahe an einer Serienreife für deutsche und europäische Automobilmärkte.

Ergänzend stellt Rimac auf der Messe mit der sogenannten Evo-Plattform eine Batterie vor, die auf bewährte NMC-Rundzellen im 46-Millimeter-Format zurückgreift. Diese Plattform punktet durch ein neuartiges Batteriegehäuse aus einem thermoplastischen Verbundwerkstoff, das in Kooperation mit Kautex Textron entwickelt wurde. Damit will Rimac unmittelbar verfügbare Hochleistungsbatteriesysteme offerieren, die mit bewährter Zellchemie fortschrittliche Lösungen bei Verpackung und Wärmemanagement verbinden. Somit wird ein Brückenschlag zwischen innovativer Festkörpertechnik und anwendungserprobter Lithium-Ionen-Technologie erzielt, der für die kurzfristige Serienfertigung in europäischen Fahrzeugen relevant sein dürfte.

Zulieferer Rimac arbeitet für verschiedene Autohersteller (hier BMW) – Bildnachweis: Rimac Technology

Darüber hinaus präsentiert das Unternehmen eine Hybridbatterieplattform, die für unterschiedliche Zellenformate – 46XX und 2170 – optimiert ist und eine flexible Skalierung in Packgrößen ermöglicht. Die Architektur setzt auf eine cell-to-pack-Integration mit modernen Sicherheits- und Wärmemanagementfunktionen. Diese Plattform richtet sich an Anwendungen, die sowohl eine hohe Speicherkapazität als auch eine hohe Leistungsdichte erfordern, und adressiert damit den wachsenden Bedarf im Bereich hybrider Antriebsstränge.

Im Bereich der elektromotorischen Antriebe stellt Rimac die neuen E-Achsenmodelle SINTEG 300 und 550 vor, die mit einer hohen Leistungs- und Drehmomentdichte aufwarten. Mit Werten von über acht Kilowatt pro Kilogramm Leistung und mehr als 90 Newtonmetern pro Kilogramm Drehmoment setzen diese kompakten Einheiten neue Maßstäbe. Kern der Technik ist ein Einzelmagnetantrieb mit einem patentierten, besonders leichten Rotor, der bis zu 25.000 Umdrehungen pro Minute erreichen kann. Die Baukastenstruktur erlaubt verschiedene Konfigurationen, abhängig von der Ausrichtung des Motors und der gewünschten Leistung. Diese Technik ist sowohl für sportliche Kompaktwagen als auch für Limousinen oder SUVs ausgelegt, die mit elektrischer Spitzenleistung dienen sollen.

Ab 2026 soll die sogenannte High Torque XXL Axle, basierend auf der Dual EM EDU 550 E-Achse, in Serie gehen und bei einem großen, global agierenden Automobilhersteller zum Einsatz kommen. Diese Variante bietet ein Achsdrehmoment von über 11.000 Newtonmetern bei einer Effizienz von mehr als 95 Prozent, was auf einem Validierungsniveau für Serienanwendungen steht. Die Produktion erfolgt in eigens dafür errichteten Fertigungsstätten in Kroatien, welche eine hohe Automatisierung und Skalierbarkeit gewährleisten. Damit untermauert Rimac seine Ambition, nicht nur als Entwickler, sondern auch als etabliertes Fertigungsunternehmen für Antriebssysteme zu agieren.

Neben den mechanischen Komponenten zeigt Rimac auch Fortschritte im Bereich der Fahrzeugsteuerung. Mit einer Produktpalette aus Domain- und Zonensteuergeräten, die auf den NXP S32E2 Prozessoren basieren, verfolgt das Unternehmen den Trend zu softwaredefinierten Fahrzeugarchitekturen. Die Konzentration mehrerer Funktionen in zentralen Steuergeräten reduziert Komplexität, Gewicht und Kosten und ermöglicht durch Over-the-Air-Updates eine kontinuierliche Verbesserung der Fahrzeugsoftware. Dabei steuert die Elektronik essenzielle Aufgaben von der Drehmomentverteilung bis hin zur Karosserie- und Energieverteilung, wodurch sie entscheidend zur Funktionalität moderner Elektrofahrzeuge beiträgt.

Die vorgestellten Innovationen spiegeln die kontinuierliche Entwicklung von Rimac wider, die sich in den letzten Jahren durch Partnerschaften mit großen Automobilherstellern wie BMW, Porsche und CEER Motors verstärkt hat. Die Kroaten positionieren sich als technologieoffener und strategischer Partner für die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten. Die Investitionen in die hochmodernen Produktionsanlagen, die sich auf einem Campus nördlich von Zagreb erstrecken und mit über 200 Millionen Euro veranschlagt werden, verdeutlichen darüber hinaus die langfristige Ausrichtung auf hohe Serienvolumen.

In der deutschen Automobilindustrie, die sich intensiv mit neuen Akkutechnologien und effizienten Antrieben auseinandersetzt, sind solche Entwicklungen von besonderem Interesse. Die Feststoffbatterie gilt als eine der vielversprechendsten Technologien für die nächste Batteriegeneration, allerdings stehen deren Serienfertigung und Wirtschaftlichkeit noch vor Herausforderungen. Rimacs Ansatz, diese Technologie mit bewährten Partnern weiterzuentwickeln und gleichzeitig massentaugliche Antriebe und Steuerungslösungen zu bieten, erscheint pragmatisch und marktgerecht. Die Kombination von Sicherheit, Energiedichte und Skalierbarkeit ist entscheidend, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben und den steigenden Anforderungen an Reichweiten, Ladezeiten und Produktionsvolumen gerecht zu werden.

Insgesamt zeigen die Entwicklungen von Rimac Technology auf der IAA Mobility 2025, dass der kroatische Zulieferer seine Position als ernstzunehmender Tier-1-Partner weiter ausbaut. Die vorgestellten Batterie- und Antriebssysteme stehen kurz vor der Serienreife und könnten künftig bedeutende Beiträge zur Elektrifizierung in Europa leisten. Gleichzeitig bleiben Aspekte wie Produktionskosten, Langzeitverfügbarkeit und Integration in bestehende Fahrzeugarchitekturen wichtige Faktoren für die Marktdurchdringung. Rimacs Auftritt bestätigt, dass technologische Innovationen bei Batterie und Antrieb in der kommenden Dekade maßgeblich von spezialisierten Zulieferern geprägt sein werden.