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Elektroautos als mobile Kraftwerke: V2G und V2H bei Hyundai und Kia

Hyundai Ioniq 6 beim Laden - Bildnachweis: Hyundai

   

Hyundai und Kia erweitern ihre Energiedienstleistungen für Elektroautos mit Vehicle-to-Grid und Vehicle-to-Home

Die Zukunft der Energieversorgung könnte schon bald aus dem Kofferraum kommen – denn Elektroautos von Hyundai und Kia sollen künftig nicht nur Strom verbrauchen, sondern auch als mobile Energiespeicher und Notstromquellen für Haushalte und das öffentliche Stromnetz fungieren. Mit ihren neuen Vehicle-to-Grid- (V2G) und Vehicle-to-Home- (V2H) Diensten treten die beiden Konzerne in Deutschland und Europa in die zweite Phase der Elektromobilität ein: weg vom reinen Antrieb, hin zum aktiven Teilnehmer am Energiesystem. Doch was steckt hinter diesen Versprechen, und welche Auswirkungen haben sie für Fahrer, Haushalte und die Energiewende?

Von der Vision zur Realität

Bislang war die Batterie eines Elektroautos vor allem ein Speicher für die eigene Mobilität. Doch mit V2G und V2H ändert sich diese Perspektive grundlegend. Beim Vehicle-to-Grid-Prinzip kann ein E-Auto überschüssige Energie aus der Batterie zurück ins öffentliche Stromnetz speisen, sobald dort der Bedarf steigt oder die Preise besonders hoch sind. Das heißt, Fahrer laden ihr Auto zu günstigen Zeiten und können Strom dann wieder verkaufen, wenn die Nachfrage und die Preise steigen. In Deutschland wird dieser Ansatz bereits mit Pilotprojekten getestet. Hyundai kooperiert dabei mit „Next Kraftwerke“, die als Zwischenhändler zwischen den Energieversorgern und dem Netz fungieren. Während solcher Pilotphasen wurden Hyundai-Fahrzeuge bereits zu einem virtuellen Kraftwerk gebündelt und konnten Sekundärregelleistung bereitstellen, also kurzfristig auf Schwankungen im Stromnetz reagieren und so zur Netzstabilität beitragen.

V2G: Elektroautos als flexibler Energiespeicher

Aber wie funktioniert das in der Praxis? Die dafür nötige Technologie ist das bidirektionale Laden, bei dem das Fahrzeug nicht nur Strom aufnehmen, sondern auch abgeben kann. Voraussetzung ist eine spezielle Ladeinfrastruktur und ein entsprechendes Fahrzeugmodell. In Deutschland sind zunächst der Hyundai Ioniq 9 und der Kia EV9 für V2G geeignet. Die Kundenakquise für den kommerziellen V2G-Dienst soll Ende 2025 beginnen. Fahrer, die einen Tarifplan der Energieversorgungspartner von Hyundai und Kia abonnieren, können von einer automatisierten V2G-Planung profitieren: Das Laden wird in Zeiten mit niedrigen Strompreisen optimiert, überschüssige Energie wird zu Spitzenzeiten an das Stromnetz verkauft. Das senkt die Stromkosten und eröffnet neue Einkommensquellen – allerdings nur, wenn die technischen und regulatorischen Voraussetzungen gegeben sind. Die Ausweitung auf weitere Modelle und Länder ist geplant, aber bislang bleibt der Fokus auf den Ioniq 9 und den EV9.

V2H: Das E-Auto als Notstromquelle 

Deshalb setzen Hyundai und Kia auch auf Vehicle-to-Home. Hier fungiert das Elektroauto als Notstromquelle für den eigenen Haushalt – besonders relevant bei Stromausfällen oder in Spitzenlastzeiten. Der V2H-Service von Kia ist bereits im Februar 2025 für den EV9 gestartet, Hyundai wird die Funktion zunächst für den Ioniq 9 anbieten. Kia plant, das Angebot auch auf den EV6 auszuweiten, sobald die entsprechende Hardware verfügbar ist. Die Leistung reicht dabei bis zu 11 kW AC, was für den Betrieb vieler Haushaltsgeräte ausreicht, aber bei großen Verbrauchern wie Herd oder Wärmepumpe an Grenzen stößt. Die V2H-Funktion ist vor allem ein Sicherheitsfaktor, der die Energiesicherheit für Haushalte erhöht und die Stromkosten senken kann, wenn Haushalte in Zeiten günstiger Tarife Strom speichern und bei Bedarf wieder abgeben.

Technische und wirtschaftliche Herausforderungen

Aber es gibt auch kritische Aspekte. Die V2G- und V2H-Technologie ist technisch komplex und erfordert nicht nur spezielle Fahrzeuge, sondern auch eine passende Ladeinfrastruktur und geeignete Tarifmodelle. Zudem ist die Lebensdauer der Batterie ein zentrales Thema: Häufiges Laden und Entladen kann die Akkulaufzeit beeinflussen. Auch rechtliche und regulatorische Hürden bestehen noch. Etwa bei der Zertifizierung der Fahrzeuge als Energiespeicher und bei der Abrechnung von Stromlieferungen an das Netz. In Deutschland ist die Einführung von V2G und V2H deshalb noch auf Pilotprojekte und einzelne Modelle beschränkt. Die breite Markteinführung hängt von der Entwicklung der Infrastruktur, der Tarifgestaltung und der gesetzlichen Rahmenbedingungen ab.

Modellübersicht und Preise in Deutschland  

Wer sich für die neuen Dienste interessiert, muss zunächst ein kompatibles Fahrzeug besitzen. Der Hyundai Ioniq 9 startet in Deutschland ab 68.500 Euro für das Basismodell als Siebensitzer, die Variante mit sechs Sitzen beginnt bei 85.750 Euro. Die Ausstattungslinien reichen von der Basisversion bis zur Top-Ausstattung Uniq, die Preise steigen entsprechend. Der Kia EV9 ist mit einem neuen Basismodell ab 61.990 Euro erhältlich, die Air-Version mit großem Akku kostet 64.990 Euro, die Allradvariante mit 283 kW Systemleistung 68.990 Euro. Die Top-Version EV9 GT ist ab 89.990 Euro bestellbar. Für den Kia EV6 Facelift sind die Preise für die GT-Line mit 84 kWh-Batterie und Allradantrieb aktuell bei etwa 52.000 bis 57.000 Euro zu finden. Die V2G- und V2H-Funktionen sind jedoch noch nicht bei allen Modellen verfügbar und werden schrittweise eingeführt.

Perspektiven und kritische Einordnung

Die neuen Dienste von Hyundai und Kia markieren einen Schritt hin zu intelligenten Energiesystemen. Elektroautos werden so zu flexiblen Energiespeichern und aktiven Teilnehmern am Strommarkt. Das kann die Energiewende beschleunigen, die Netzstabilität erhöhen und neue Einkommensquellen für Fahrer erschließen. Doch die Umsetzung ist komplex und mit technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen verbunden. Die breite Markteinführung hängt von der Entwicklung der Infrastruktur und der gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. In Deutschland sind V2G und V2H derzeit noch auf Pilotprojekte und einzelne Modelle beschränkt. Die Zukunft wird zeigen, ob sich diese Technologien tatsächlich durchsetzen und wie sie die Energiewende und die Mobilität von morgen prägen werden.