Volkswagen Touareg R-Line 2023 - Bildnachweis: VW
Umbruch im Premium-Segment bei VW
Nachdem Volkswagen im Premium-Segment aufhorchen ließ, steht nun ein bedeutender Wandel bevor. Wenige Fahrzeuge haben die Aufwärtsentwicklung der Marke so dargestellt wie der VW Touareg. Nun aber deutet sich das Ende einer über zwei Jahrzehnte währenden Geschichte an, denn nach diversen Presse-Berichten soll die Produktion des Oberklasse-SUV bereits 2026 eingestellt werden. Damit zieht Volkswagen den Schlussstrich unter einen ambitionierten Versuch, sich neben den Platzhirschen BMW und Mercedes im Luxussegment zu etablieren. Für die deutsche Automobillandschaft hat diese Entscheidung Signalwirkung: Sie markiert den schrittweisen Rückzug der Wolfsburger aus einem umkämpften Terrain, in dem die Kosten und regulatorischen Vorgaben längst den Takt bestimmen.
Warum VW den Touareg 2026 vom Markt nimmt
Als der Touareg im Jahr 2002 zusammen mit dem Phaeton eingeführt wurde, galt er als Prestigeobjekt und Beleg für die technische Kompetenz der Marke. Ursprünglich war das SUV, dessen Entwicklungsprojekt eng mit Porsche und Audi verbunden war, als Mittel gedacht, Volkswagen von anderen Volumenherstellern abzuheben. Die Plattform teilt er bis heute mit exklusiven Modellen wie dem Porsche Cayenne, dem Audi Q7, dem Bentley Bentayga und sogar dem Lamborghini Urus. Abgesehen davon, dass sich der Touareg stets durch hohe Verarbeitungsqualität und Technik auszeichnete, blieb er jedoch stets dem Status eines Nischenmodells verhaftet. In Deutschland wurden seit 2002 bis Ende 2024 etwas über 212.000 Einheiten verkauft.
Drei Generationen prägten das Bild des Touareg auf deutschen Straßen. Die dritte läuft seit 2018 und gehört zu den technisch aufwendigsten Modellen der Marke. Seit dem Facelift im Sommer 2023 gibt es weiterhin mehrere Motorvarianten: Den 340 PS starken V6-Benziner sowie zwei V6-Diesel mit Leistungswerten von 231 und 286 PS. Der Achtzylinder-Diesel ist bereits seit Ende 2020 Geschichte. Angesichts eines Leergewichts von über zwei Tonnen und eines hohen Anspruchsniveaus an Fahrwerk und Ausstattung bietet das SUV viel Komfort – der ADAC bewertet das Fahrwerk und die Federung als herausragend, kritisiert aber den Verbrauch: Im kombinierten WLTP-Zyklus werden rund acht Liter Diesel pro hundert Kilometer benötigt, bei einem CO2-Ausstoß von 211 Gramm pro Kilometer. Die technische Ausstattung lässt wenig Wünsche offen, optional ist beispielsweise eine Luftfederung mit Wankausgleich erhältlich. Der Grundpreis liegt für das Facelift-Modell bei knapp 80.000 Euro, während das günstigste Modell noch mit 77.320 Euro ausgeschrieben wurde.

Die Verkaufszahlen verdeutlichen den strategischen Wandel: Im ersten Halbjahr 2025 wurden laut Automobilwoche nur 3.345 Touareg in Deutschland zugelassen, der deutlich jüngere und günstigere Tayron kam im gleichen Zeitraum bereits auf 10.800 Einheiten. Das belegt nicht nur die Verschiebung der Nachfrage, sondern auch die neue Ausrichtung des Portfolios. Der Tayron, der 2024 eingeführt wurde, basiert auf einer modernen MQB-Evo-Plattform, misst 4,79 Meter in der Länge, ist damit nur rund zehn Zentimeter kürzer als der Touareg, bietet aber bis zu sieben Sitzplätze und eine variable Innenraumgestaltung. Die Anhängelast liegt mit 2,5 Tonnen unter der des Touareg, der 3,5 Tonnen ziehen kann und dadurch gerade als Zugfahrzeug beliebt war. Preislich liegt der Tayron mit etwa 45.000 Euro deutlich unter dem Niveau des VW Touareg und bietet optional teilelektrische Antriebe. Die Entscheidung, künftig auf solche Volumenmodelle zu setzen, ist eine bewusste Abkehr von der Premium-Strategie, deren prominentester Vertreter der Phaeton war. Dessen Produktion endete bereits 2016, sodass der Touareg noch das letzte Symbol der von Ferdinand Piëch eingeleiteten Luxusoffensive darstellte.
Ein Hauptgrund für die Einstellung des Touareg sind die ab 2027 geltenden, deutlich strengeren Euro-7-Abgasnormen. Die Kosten für die technischen Anpassungen rentieren sich laut Herstellerangaben angesichts der sinkenden Nachfrage und des hohen Wettbewerb in diesem Segment nicht mehr. Parallel dazu steht VW unter dem Druck, Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern – in wirtschaftlich angespannten Zeiten eine nachvollziehbare Entscheidung. Der Fokus von Volkswagen liegt daher künftig auf praxisgerechten Modellen mit hohem Absatzpotenzial und auf der Weiterentwicklung der elektrischen SUV-Familie.
Mit dem Produktionsende des Touareg endet auch die Zeit, in der man als Volumenhersteller gezielt gegen die Oberklassekonkurrenz aus München und Stuttgart antrat. Auch wenn Volkswagen mit Modellen wie Tiguan und Tayron weiterhin hochwertige SUVs im Angebot hat, verabschiedet sich die Marke mit dem Touareg von den einstigen Premium-Ambitionen. Die Lücke wird künftig vor allem von Konzernschwestern wie Porsche und Audi geschlossen. Für Kenner und Liebhaber der Marke ist das Ende des Touareg sicherlich ein Einschnitt. Allerdings zeigt sich, dass die Zeit exklusiver Prestigeprojekte im Wolfsburger Baukasten vorerst vorbei ist.

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