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Eon-Studie zu bidirektionalem Laden: E-Auto als Stromspeicher der Zukunft?

Beim bidirektionalen Laden wird der E-Auto-Akku als Zwischenspeicher für eigenen Sonnenstrom genutzt, der später wieder im Haus verwendet wer-den kann. Bildnachweis: E.ON

 

Elektroautos als Teil des Stromsystems – Potenzial und Realität

Elektroautos sollen künftig nicht nur fahren, sondern auch Strom geben können – zurück ins Haus oder ins öffentliche Netz. Dieses Konzept, bekannt als bidirektionales Laden, gilt in der Branche als wichtiger Baustein eines klimafreundlichen Energiesystems. Eine aktuelle Befragung von Eon unter über tausend E-Autofahrern in Deutschland deutet darauf hin, dass die Akzeptanz für diese Technologie wächst. Doch die Studie zeigt auch, dass bislang eher Neugier und theoretisches Interesse bestehen, während technische Umsetzung und Markt­bedingungen noch am Anfang stehen.

Eon-Studie zeigt große Offenheit für neue Tarifmodelle

Die Auswertung der Eon-Umfrage macht deutlich, dass innovative Stromtarife bei vielen Nutzern auf Interesse stoßen. Besonders gefragt ist ein Modell mit festem Preis pro Kilowattstunde und zusätzlichem Bonus für das Laden in Nachtstunden. Etwa 37 Prozent der E-Fahrer mit eigener Wallbox gaben an, dieses Konzept bevorzugen zu würden. Einen dynamischen Tarif, der sich am Strombörsenpreis orientiert, können sich immerhin knapp ein Fünftel vorstellen. Rund 18 Prozent würden lieber am klassischen Tarifmodell festhalten. Dass sich die Branche verändert, zeigt sich auch daran, dass bereits 73 Prozent von zeitvariablen Ladeangeboten gehört haben.

Für Anbieter wie Eon ist das eine Bestätigung, dass der Markt für flexible Tarife Fahrt aufnimmt. Für Verbraucher kann dies in Zukunft bedeuten, dass eine intelligente Steuerung des Ladevorgangs nicht nur den Geldbeutel, sondern auch das Stromnetz entlastet.

Was bidirektionales Laden leisten könnte

Das bidirektionale Laden erlaubt es, Strom nicht nur in den Fahrzeugakku zu laden, sondern auch wieder zu entnehmen. Im sogenannten Vehicle-to-Home-Betrieb (V2H)  kann das Auto beispielsweise Strom aus der hauseigenen Photovoltaikanlage zwischenspeichern und später im Haushalt verbrauchen. Damit ließe sich der Eigenverbrauch von Solarstrom deutlich erhöhen. Besonders an Tagen mit hohem Solarertrag könnte überschüssiger Strom zwischengelagert werden, der abends energieintensive Geräte versorgt, ohne Netzstrom einzukaufen. Im Vergleich zu stationären Hausspeichern bieten Fahrbatterien deutlich größere Kapazitäten – typischerweise 40 bis über 70 Kilowattstunden – und können so als flexible Reserve dienen.

Das Konzept Vehicle-to-Grid (V2G) geht noch einen Schritt weiter und speist bei Bedarf Strom ins öffentliche Netz ein. Hier könnten E-Autobesitzer Geld verdienen, indem sie dem Energieversorger kurzfristig Kapazitäten zur Verfügung stellen. Voraussetzung ist allerdings eine passende Ladeinfrastruktur, Softwaresteuerung und eine marktgerechte Vergütung. In der Praxis muss zudem gewährleistet sein, dass das Fahrzeug zum gewünschten Zeitpunkt einsatzbereit bleibt.

Technische Hürden und regulatorische Fragen

Auch wenn die Eon-Studie zeigt, dass 60 Prozent der befragten E-Mobilisten grundsätzlich offen für bidirektionales Laden sind, steht die Technik in Deutschland noch vor Hürden. Nicht jedes Elektroauto unterstützt die Rückspeisefunktion. Erst neuere Modelle, etwa von Nissan, Hyundai oder Volkswagen, bieten entsprechende Hardware. Auch auf Netzseite sind Anpassungen erforderlich. Ladegeräte müssen für bidirektionalen Stromfluss zertifiziert sein, die Abrechnungsmodelle mit Energieversorgern müssen rechtlich sauber definiert werden und es müssen Anreize geschaffen werden, die den ökonomischen Nutzen für den Fahrzeughalter klar machen. Dazu kommt, dass häufige Lade- und Entladezyklen den Verschleiß der Batterie erhöhen können, was für viele E-Autobesitzer ein Unsicherheitsfaktor ist.

Energie-Management im eigenen Zuhause

Viele E-Autofahrer verfügen bereits heute über eine Wallbox am Wohnsitz. Sieben von zehn Befragten der Eon-Studie laden dort regelmäßig. Intelligente Hausenergiemanagement-Systeme, sogenannte HEMS, können den Ladevorgang so steuern, dass möglichst viel eigener Solarstrom genutzt wird. 56 Prozent der Besitzer einer Photovoltaikanlage sehen hierin den größten Mehrwert. Wer keine Solarmodule auf dem Dach hat, könnte vor allem über die Einbindung dynamischer Stromtarife profitieren. Durch automatisierte Steuerung lassen sich Ladezeiten in günstige Zeitfenster verschieben, etwa in die Nachtstunden oder Zeiten hoher Windstromproduktion.

Bedeutung für Energiewende und Markt

Aus energiewirtschaftlicher Sicht könnte bidirektionales Laden helfen, die schwankende Einspeisung aus Wind- und Solarkraft besser auszugleichen. Theoretisch könnten schon ein paar Hunderttausend Fahrzeuge mehrere Gigawattstunden Speicherkapazität bereitstellen. Die Bundesnetzagentur und diverse Forschungsinstitute sehen darin eine Möglichkeit, den kostspieligen Netzausbau zu entlasten. Bis es so weit ist, müssen jedoch klare rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen und Standards für die Interoperabilität der Technik festgelegt werden.

Momentan befindet sich der Markt eher in einer Pilotphase. Einzelne Projekte in Deutschland testen, wie sich E-Fahrzeuge im Alltag in das Stromnetz integrieren lassen. Erfahrungen aus Japan oder den USA zeigen, dass die Akzeptanz steigt, sobald Nutzer zuverlässig finanziell profitieren und der Komfort in der Fahrzeugnutzung nicht eingeschränkt wird.

Ausblick

Ob bidirektionales Laden in Deutschland in wenigen Jahren zum Standard wird oder eine Nischenlösung bleibt, hängt vor allem von der Kombination aus technischer Reife, politischen Weichenstellungen und wirtschaftlichem Anreiz ab. Die Eon-Studie liefert dafür ein wichtiges Stimmungsbild: Die Bereitschaft ist vorhanden, allerdings bedarf es noch konkreter Angebote, damit aus theoretischem Interesse tatsächlich gelebte Praxis wird.