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Erbe und Ausblick: Der Mazda MX-5 als Fixstern am Firmament der klassischen Automobile

Der Mazda MX-5 (NA) wurde beim Motor Klassik Award 2026 als Sieger in der Kategorie‚Japanische Klassiker‘ ausgezeichnet - Bildnachweis: Mazda

Analoge Seele in digitaler Zeit

Ein kleiner japanischer Sportwagen, der Ende der achtziger Jahre eigentlich nur als nostalgisches Experiment gegen das Aussterben klassischer britischer Roadster gedacht war, bestimmt heute, fast vier Jahrzehnte später, immer noch das Idealbild des erschwinglichen Fahrvergnügens. Man könnte meinen, daß die Zeit an einem solch simplen Konzept aus Saugmotor, Hinterradantrieb und Stoffdach nagt, doch das Gegenteil ist der Fall. Beim Motor Klassik Award 2026 hat der Mazda MX-5 erneut unter Beweis gestellt, dass wahre technische Reife keine Verfallszeit kennt. In einer feierlichen Zeremonie im Mazda Classic Automobil Museum Frey in Augsburg wurden gleich zwei Generationen dieses Fahrzeugs geehrt, was tief blicken lässt in die Psychologie der deutschen Automobil-Enthusiasten und die technische Substanz dieses Modells. Es ist nicht allein das Design, das die rund 17.000 Teilnehmer der Leserwahl überzeugt hat, sondern das konsequente Festhalten an einer Philosophie, die in einer Welt von schweren Elektro-SUVs und überfrachteten Assistenzsystemen fast schon subversiv wirkt.

Die historische Perspektive auf die Baureihe NA

Dass die erste Generation des MX-5, intern NA genannt, die Kategorie der japanischen Klassiker mit beeindruckenden 47,4 Prozent der Stimmen für sich entscheiden konnte, ist bei genauerer Betrachtung keine Überraschung. Aber hinter diesem Erfolg steckt mehr als nur Nostalgie für Klappscheinwerfer und ein handliches Format. Der NA, der im April 1990 seine Premiere auf dem deutschen Markt feierte, war eine technische Punktlandung. Mit seinem 1,6 Liter großen Vierzylindermotor, der anfangs 85 kW beziehungsweise 115 PS leistete, setzte Mazda nicht auf schiere Kraft, sondern auf das Leistungsgewicht. Ein Leergewicht von lediglich rund 950 Kilogramm in Verbindung mit einer Gewichtsverteilung von exakt 50 zu 50 zwischen den Achsen schuf ein Handling, das viele deutlich teurere Sportwagen jener Ära alt aussehen ließ. Die Verwendung einer Doppelquerlenker-Aufhängung rundum war ein technisches Statement, das in dieser Preisklasse absolut unüblich war und die Ernsthaftigkeit unterstrich, mit der die Ingenieure das Projekt verfolgten. Deshalb gilt der NA heute als der Goldstandard für das, was man einen ehrlichen Klasiker nennt. Die solide Haltbarkeit der Triebwerke und die im Vergleich zu europäischen Mitbewerbern vorbildliche Ersatzteilversorgung machen ihn auch Jahrzehnte später zu einem gefragten Objekt auf dem Gebrauchtmarkt. Dennoch muss man kritisch anmerken, dass gute Exemplare mittlerweile Preise erreichen, die weit über dem damaligen Neupreis liegen, was den Einstieg in die Welt des MX-5 zunehmend erschwert.

Dino Damiano, Direktor Marketing Mazda Motors Deutschland (mitte), nahm den Motor Klassik Award für den Mazda MX-5 als Klassiker der Zukunft entgegen – Bildnachweis: Mazda

Der MX-5 ND als Klassiker der Zukunft

Doch die Leser der Motor Klassik blicken nicht nur zurück. Die aktuelle vierte Generation, der ND, wurde in der Kategorie Cabrios zum Klassiker der Zukunft gekürt. Dies ist eine Auszeichnung, die oft an Fahrzeuge vergeben wird, von denen man annimmt, dass sie das letzte ihrer Art sind. Mit einem Stimmenanteil von 31,9 Prozent setzte sich der aktuelle Roadster gegen eine Konkurrenz durch, die oft mit mehr Zylindern und komplexerer Aufladung antritt. Technisch ist der ND ein Meisterwerk der sogenannten Gram-Strategie. Während fast alle modernen Autos mit jeder Generation schwerer wurden, schaffte es Mazda, den aktuellen MX-5 wieder auf das Gewichtsniveau des Ur-Modells von 1990 zu drücken. Das Basismodell mit dem 1,5 Liter Skyactiv-G Motor wiegt fahrfertig inklusive Fahrer kaum mehr als 1.000 Kilogramm. Aber genau hier liegt der Knackpunkt für viele Kritiker: Die Beschränkung auf Saugmotoren und der Verzicht auf exzessives Drehmoment aus dem Drehzahlkeller erfordern eine aktive Fahrweise. Der MX-5 will gedreht werden, er verlangt nach dem präzisen Griff zum kurzen Schalthebel des Sechsganggetriebes. Das ist mechanische Interaktion in reinster Form, die heute oft durch Software und Automatikgetriebe weggeregelt wird.

Technische Details und Modellvielfalt

Wer sich heute für einen MX-5 entscheidet, sieht sich einer Preisstruktur gegenüber, die trotz der inflationären Tendenzen am Automarkt immer noch als fair bezeichnet werden kann, wenngleich die Zeiten der Schnäppchen vorbei sind. Das Angebot gliedert sich im Kern in zwei Karosserievarianten: den klassischen Roadster mit Stoffverdeck und den MX-5 RF, ein Retractable Fastback mit einem elektrischen Klappdach-System, das den Wagen optisch in ein Coupé verwandelt. Technisch gesehen ist der RF durch die Dachmechanik etwas schwerer, was das puristische Fahrverhalten minimal beeinflusst, dafür aber den Alltagsnutzen und den Geräuschkomfort steigert. Die Preisliste beginnt für den Roadster mit der Prime-Line und dem 1,5 Liter Triebwerk bei etwa 33.190 Euro. Wer mehr Ausstattung wünscht, landet bei der Exclusive-Line, die preislich bei circa 35.790 Euro startet. Das Topmodell Homura, das mit hochwertigen Recaro-Sitzen und einer Brembo-Bremsanlage an der Vorderachse aufwartet, markiert mit rund 39.390 Euro das obere Ende der Fahnenstange für die kleine Motorisierung. Interessanterweise wurde die 2,0 Liter Variante mit 184 PS aufgrund strengerer Emissionsvorschriften und Flottenverbräuche in vielen Märkten zurückgefahren oder modifiziert, was den Fokus wieder stärker auf den 1,5 Liter Motor lenkt. Dieser leistet 97 kW beziehungsweise 132 PS und bietet ein maximales Drehmoment von 152 Newtonmetern bei 4.500 Umdrehungen pro Minute. Das reicht für einen Sprint von Null auf 100 Stundenkilometer in 8,3 Sekunden, was auf dem Papier nicht nach viel klingt, sich aber durch die niedrige Sitzposition und die unmittelbare Rückmeldung der Lenkung deutlich schneller anfühlt.

Einordnung der aktuellen Modellpflege

Zum Modelljahr 2024 und darüber hinaus hat Mazda den MX-5 behutsam aber technisch sinnvoll aktualisiert. Besonders hervorzuheben ist die Einführung des DSC-Track-Modus. Dieses System erlaubt es dem Fahrer, die Stabilitätskontrolle so weit zu lockern, dass auf der Rennstrecke kontrollierte Drifts möglich sind, ohne dass die Elektronik sofort den Anker wirft, während im Extremfall dennoch eingegriffen wird. Des weiteren wurde die Lenkung überarbeitet, um die Reibung zu reduzieren und das Feedback weiter zu verfeinern. Das sind Nuancen, die der Laie kaum bemerken wird, die für den Kenner aber den Unterschied ausmachen. Aber man darf nicht verschweigen, dass auch ein MX-5 moderner werden musste. Das neue Infotainment-System mit einem größeren 8,8-Zoll-Display und verbesserter Konnektivität wirkt im sonst eher spartanischen Cockpit fast wie ein Fremdkörper, ist aber dem Zeitgeist und den Anforderungen an die Sicherheit geschuldet. Die Integration von modernen Assistenzsystemen wie dem Spurhalteassistenten oder der Verkehrszeichenerkennung ist für ein Auto, das vom Weglassen lebt, eine Herausforderung, die Mazda jedoch recht dezent gelöst hat.

Die Atmosphäre der Preisverleihung in Augsburg

Der Rahmen der Preisverleihung hätte kaum passender gewählt sein können. Das Mazda Classic Automobil Museum Frey in Augsburg ist nicht nur ein Ort der Aufbewahrung, sondern ein lebendiges Denkmal der Automobilgeschichte. In einem ehemaligen Straßenbahndepot untergebracht, bietet es die perfekte Kulisse, um die Brücke zwischen dem NA von 1990 und den aktuellen Modellen zu schlagen. Dino Damiano, der Marketingdirektor von Mazda Deutschland, unterstrich bei der Annahme der Preise, dass der MX-5 das Herz der Marke sei. Doch jenseits der offiziellen Worte ist es die Gemeinschaft der Fans, die den Erfolg trägt. Das Museum plant für 2026 wieder zahlreiche Events, darunter ein großes MX-5 Treffen im Juni, zu dem Hunderte von Fahrzeugen erwartet werden. Es ist diese soziale Komponente, die den MX-5 zum Klassiker macht. Ein Auto ist immer nur so viel wert wie die Leidenschaft, die es entfacht. Deshalb ist die Wahl zum Klassiker der Zukunft fast schon eine Prophezeiung, die sich von selbst erfüllt. Die geringen Stückzahlen vergleichbarer Konzepte bei anderen Herstellern führen dazu, dass der MX-5 in seiner Nische fast konkurrenzlos bleibt.

Kritische Würdigung der Marktsituation

Man muss jedoch auch die Schattenseiten betrachten. Ein kleiner Roadster ist heute ein Luxusgut, nicht im Sinne von Opulenz, sondern im Sinne von Unvernunft. Der Nutzwert ist gering, der Kofferraum mit rund 130 Litern Volumen kaum der Rede wert. Für viele junge Käufer ist ein solches Fahrzeug finanziell und praktisch unerreichbar geworden. Mazda schafft es zwar, das Gewicht niedrig zu halten, doch die Preise sind im Vergleich zu den neunziger Jahren massiv gestiegen. Damals war der MX-5 das Auto für den Studenten oder den jungen Angestellten. Heute ist er oft der Zweit- oder Drittwagen für das etablierte Klientel. Zudem stellt sich die Frage, wie lange ein solches Konzept mit reinem Verbrennungsmotor noch zukunftsfähig ist. Die CO2-Emissionen von 140 Gramm pro Kilometer und ein kombinierter Verbrauch von 6,2 Litern sind für einen Sportwagen zwar respektabel, doch der politische Druck zur Elektrifizierung wächst. Es bleibt abzuwarten, ob eine kommende Generation den Geist der Leichtigkeit in ein Zeitalter der Batterien retten kann, ohne die Seele des Fahrzeugs zu opfern.

Das Erbe der Kodo-Designsprache

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des aktuellen Modells ist zweifellos das Design. Mazda nennt es Kodo, die Seele der Bewegung. Beim MX-5 bedeutet dies den Verzicht auf unnötige Sicken und Kanten. Die Oberflächenspannung und die Proportionen mit der weit nach hinten gerückten Kabine zitieren klassische Proportionen, ohne dabei retro zu wirken. Das unterscheidet ihn vom NA, der ganz klar ein Kind seiner Zeit war. Der ND wirkt auch Jahre nach seinem Erscheinen noch frisch und modern. Aber Schönheit ist funktional; die niedrige Motorhaube ist nur möglich, weil der Motor weit hinter der Vorderachse als Front-Mittelmotor eingebaut ist. Dies sorgt für das geringe Trägheitsmoment um die Gierachse, was das zackige Einlenkverhalten erklärt. Es ist diese Symbiose aus Ästhetik und Technik, die den MX-5 so begehrenswert macht. Wer einmal die Motorhaube öffnet, sieht keinen Plastikdeckel, sondern den Blick auf die Technik, auf den Zylinderkopf und die Domstreben. Das ist Fahrvegnügen, das bereits im Stand beginnt. Der Doppelsieg beim Motor Klassik Award 2026 ist mehr als nur eine Marketing-Notiz. Er ist die Bestätigung dafür, dass eine konsequente technische Ausrichtung langfristig belohnt wird. Der Mazda MX-5 hat es geschafft, sich über 35 Jahre lang treu zu bleiben, ohne den Anschluss an die Moderne komplett zu verlieren. Er ist ein technisches Anachronismus im besten Sinne. Ob als historisches Modell NA oder als aktueller ND, der Roadster bleibt ein Statement gegen die allgemeine Verfettung im Automobilbau. Der Erfolg in Augsburg zeigt, dass es eine starke Basis von Enthusiasten gibt, die genau diese Werte schätzen. Es bleibt zu hoffen, dass Mazda den Mut aufbringt, dieses Erbe auch in einer zunehmend digitalisierten und elektrifizierten Welt zu verteidigen. Denn ein Klassiker wird man nicht durch Werbung, sondern durch Charakter. Und Charakter hat der MX-5 zweifellos genug, um auch 2036 wieder auf einem Siegertreppchen zu stehen. Die Kombination aus bezahlbarer Technik, zeitlosem Design und einer unvergleichlichen Leichtigkeit im Handling macht ihn zu einem Unikat der Automobilgeschichte, das seinen Platz in den Garagen und Herzen der Fans sicher hat. Es ist dieser besondere Mix aus japanischer Präzision und einem fast schon britischen Verständnis von Fahrspaß, der den MX-5 so einzigartig macht. Man mag über die mangelnde Leistung bei Autobahnetappen spotten, doch sobald die erste Kurve auf einer Landstraße auftaucht, verstummen die Kritiker. Der MX-5 ist kein Auto für das Quartett-Kartenspiel, sondern ein Werkzeug für den Asphalt. Deshalb ist die Auszeichnung als Klassiker der Zukunft nur folgerichtig, da es kaum ein anderes aktuelles Fahrzeug gibt, das so sehr auf das Wesentliche reduziert ist. Der Markt für diese Art von Mobilität mag schrumpfen, aber die Leidenschaft derer, die sie erleben dürfen, ist ungebrochen. Das Museum in Augsburg wird also auch in Zukunft ein Ort der Pilgerfahrt für all jene bleiben, die wissen, dass Fahrspaß nicht in Kilowatt oder Newtonmetern gemessen wird, sondern im Lächeln des Fahrers nach einer kurvigen Passage. Ein solches Klsiker-Potenzial ist in der heutigen Zeit selten gesäht und verdient daher jede Anerkennung, die es bekommen kann.