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Facelift: Ford Explorer und Capri setzen auf neue LFP-Zellchemie statt auf Preissteigerungen

2026 Ford Capri - Bildnachweis: Ford

 

Umfassende Modellpflege für das Jahr 2026

Wer heute an den Ford Capri denkt, hat meist das flache, sehnige Sportcoupé der Siebzigerjahre vor Augen, doch die Realität im Kölner Electric Vehicle Center sieht mittlerweile deutlich wuchtiger und vor allem spannungsgeladener aus. Man könnte fast meinen, Ford wolle die Automobilwelt provozieren, indem man einen traditionsreichen Namen auf ein elektrisches Crossover-Modell klebt, doch die eigentliche Provokation sitzt viel tiefer, nämlich im Unterboden der aktuellen Modellpflege für das Jahr 2026. Während die Branche oft mit immer höheren Spitzenleistungen bei der Ladegeschwindigkeit prahlt, geht Ford bei den neuen Basisversionen des Explorer und des Capri einen Weg, der auf den ersten Blick wie ein Rückschritt wirkt, technisch aber eine kluge Neuausrichtung darstellt. Es ist die Geschichte einer stillen Evolution, die den Fokus weg von kurzzeitigen Rekordwerten hin zu echter Alltagstauglichkeit und Langlebigkeit verschiebt.

2026 Ford Explorer in Arctic Blue – Bildnachweis: Ford

Die Zellchemie-Revolution im Unterboden

Das Herzstück der jüngsten Modellpflege ist zweifellos der Wechsel der Batterietechnologie für die Standard-Range-Modelle. Ford verabschiedet sich in der Basis von der bisherigen Nickel-Mangan-Cobalt-Chemie, kurz NMC, und setzt stattdessen auf Lithium-Eisenphosphat-Zellen. Dieser Schritt ist deshalb so bemerkenswert, weil er eine technische Gratwanderung darstellt. LFP-Batterien gelten als deutlich robuster und zyklenfester, was bedeutet, dass der Nutzer den Akku ohne schlechtes Gewissen täglich auf volle einhundert Prozent laden kann. Bei den bisherigen NMC-Speichern wurde oft empfohlen, im Alltag nur bis achtzig Prozent zu laden, um die Zellchemie zu schonen und die Lebensdauer nicht unnötig zu verkürzen. Deshalb ergibt sich hier ein paradoxer Nutzwertvorteil: Obwohl die Netto-Kapazität nominell von zweiundfünfzig auf achtundfünfzig Kilowattstunden steigt, ist der real nutzbare Bereich im täglichen Betrieb noch deutlicher gewachsen.

2026 Ford Capri beim AC-Laden – Bildnachweis: Ford

Man muss jedoch kritisch anmerken, dass LFP-Akkus physikalisch bedingt eine geringere Energiedichte aufweisen, was normalerweise zu einem höheren Gewicht führt. Doch Ford scheint dieses Manko durch eine optimierte Integration in die von Volkswagen zugelieferte MEB-Plattform ausgeglichen zu haben. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn die eigentliche Überraschung zeigt sich beim Blick auf die Ladekurve. Zwar ist die maximale Ladeleistung von einhundertfünfundvierzig auf einhundertzehn Kilowatt gesunken, was in Stammtischgesprächen zunächst nach einer Verschlechterung klingt. In der Praxis jedoch zählt die durchschnittliche Ladeleistung über den gesamten Hub von zehn auf achtzig Prozent. Hier zeigt sich, dass die neue Zellchemie die einhundertzehn Kilowatt über einen längeren Zeitraum halten kann, sodass die Ladezeit mit achtundzwanzig Minuten nur unwesentlich über dem alten Wert liegt. Dennoch bleibt ein leiser Zweifel, ob Kunden in einer Welt, die nach immer schnelleren Ladezeiten dürstet, diesen technischen Kompromiss sofort verstehen werden.

Antriebseffizienz und das Streben nach Reichweite

Neben dem chemischen Update im Keller des Fahrzeugs hat Ford auch den Dachboden, also den Antriebsstrang, gründlich renoviert. Der bisherige Heckmotor, der mit einhundertfünfundzwanzig Kilowatt beziehungsweise einhundertsiebzig PS für ein eher beschauliches Vorankommen sorgte, wurde durch eine leistungsstärkere Einheit ersetzt. Mit nun einhundertvierzig Kilowatt, was einhundertneunzig PS entspricht, rückt das Einstiegsmodell deutlich näher an die Performance-Regionen heran, die man von einem modernen Elektroauto erwartet. Besonders das Drehmoment, das von dreihundertzehn auf dreihundertfünfzig Newtonmeter angehoben wurde, verleiht dem Explorer und dem Capri eine Souveränität, die man auf der Autobahnauffahrt oder beim Überholen auf der Landstraße spürt.

Interessanterweise führt diese Mehrleistung nicht zu einem höheren Durst. Im Gegenteil: Durch eine Optimierung der Motorsteuerung und vermutlich auch durch Verbesserungen beim Thermomanagement ist der kombinierte Energieverbrauch gesunken. Beim Capri bewegen wir uns nun in einem Bereich von vierzehn Komma acht bis fünfzehn Komma sieben Kilowattstunden pro einhundert Kilometer, während der etwas weniger aerodynamische Explorer mit fünfzehn Komma vier bis sechzehn Komma vier Kilowattstunden geringfügig darüber liegt. Das Resultat dieser Effizienzkur ist eine Reichweite, die beim Capri auf bis zu vierhundertvierundsechzig Kilometer klettert. Das sind stolze siebzig Kilometer mehr als beim Vorgängermodell, was einer Steigerung von rund siebzehn Prozent entspricht. Damit knackt Ford die psychologisch wichtige Grenze von vierhundert Kilometern nun auch in der Basisversion zuverlässig, was den Explorer und den Capri endgültig aus der Nische der reinen Stadtautos für Kurzstreckenpendler heraushebt.

Preisstabilität als strategische Waffe

In einer Zeit, in der fast jedes Facelift mit einer saftigen Preiserhöhung einhergeht, überrascht Ford mit einer bemerkenswerten Konstanz. Die Basispreise bleiben trotz der technischen Aufwertung stabil. Der Ford Explorer in der Ausstattungslinie Style steht weiterhin mit neununddreißigtausendneunhundertneunzig Euro in der Preisliste, während der sportlicher positionierte Capri bei zweiundvierzigtausendvierhundert Euro startet. Man muss sich fragen, wie Ford diesen Spagat schafft, zumal die LFP-Batterie mit achtundfünfzig Kilowattstunden eine größere Kapazität bietet als der alte zweiundfünfzig Kilowattstunden Akku. Die Antwort dürfte in den geringeren Herstellungskosten der LFP-Zellen liegen, die ohne teures Kobalt auskommen.

Dennoch stellt sich die Frage, ob die Positionierung des Capri als teureres Modell gegenüber dem Explorer allein durch das Design gerechtfertigt ist. Der Capri ist im Grunde die Coupé-Variante des Explorer, bietet aber durch seine aerodynamisch günstigere Form eine etwas höhere Reichweite und einen niedrigeren Verbrauch. Für den Kunden bedeutet dies eine Abwägung zwischen dem praktischen Nutzwert des kantigen Explorer und der etwas eleganteren, wenn auch historisch gesehen streitbaren Linienführung des Capri. Dass beide Modelle nun in nur acht Sekunden von Null auf einhundert Kilometer pro Stunde sprinten – fast eine Sekunde schneller als zuvor – macht sie beide zu ernstzunehmenden Teilnehmern im dynamischen Verkehrsgeschehen.

Einordnung in den Konzernkontext und Ausblick

Es ist kein Geheimnis, dass Ford für seine Kölner Elektromodelle die MEB-Plattform von Volkswagen nutzt. Die aktuellen Neuerungen lassen jedoch tief blicken, was die zukünftige Entwicklung dieser Plattform betrifft. Es liegt die Vermutung nahe, dass wir hier bereits die ersten Vorboten der sogenannten MEB-Plus-Plattform sehen, die Volkswagen für seine kommenden Facelifts von ID.4 und ID.5 plant. Ford scheint hier jedoch eine Vorreiterrolle einzunehmen oder zumindest eine sehr eigenständige Abstimmung gewählt zu haben. Die Kombination aus LFP-Chemie und gesteigerter Motoreffizienz könnte zum neuen Standard in der kompakten Elektroklasse werden.

Deshalb ist der Schritt von Ford nicht nur als reines Produktupdate zu sehen, sondern als strategische Positionierung gegen die starke Konkurrenz aus Asien, die LFP-Batterien schon länger erfolgreich einsetzt. Ford zeigt, dass man in Köln verstanden hat, dass Reichweite nicht nur durch immer größere Akkus, sondern durch kluge Chemie und effiziente Motoren gewonnen wird. Ob die Marke mit dem blauen Oval damit auch die Skeptiker überzeugen kann, die dem Namen Capri noch immer hinterhertrauern, bleibt abzuwarten. Doch technisch gesehen ist das Duo aus Explorer und Capri mit diesem Update erwachsen geworden und bietet nun ein Gesamtpaket, das in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis und Alltagstauglichkeit kaum noch Wünsche offen lässt.