Fahrbericht: Toyota Yaris 1.5 Hybrid Style Selection – Kleinwagen mit der Kraft von zwei Herzen

10. Februar 2018 13:58 Autor:

Für das städtische Umfeld: Im Test der Toyota Yaris 1.5 L Hybrid Style Selection – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Facelift sorgt für Feinschliff

Toyota kann Hybrid. Auch im Kleinwagen, wie sich im überarbeiteten Yaris zeigt. Seit April 2017 fährt der japanische Kleinwagen mit einem umfassenden Facelift vor. Über die Aktualisierung wurden über 900 Teile am Fahrzeug erneuert. Die seit 2011 erhältliche dritte Generation fährt mit verbesserter Sicherheitsausstattung, überarbeiteten Motoren sowie aufgefrischter Optik vor. Wie gehabt bieten die Japaner ihren Bestseller als Drei- und Fünftürer an. Mindestens 12.540 Euro werden in Kombination mit dem 69 PS starken Dreizylinder fällig. Der Fünftürer kostet 700 Euro Aufpreis. Nur Kunden des kleinen Dreizylinders die Wahl zwischen den zwei Karosserievarianten. Alle anderen Motoren sind nur als Fünftürer verfügbar. Die Hybridversion – immer Fünftürig – steht ab 17.990 Euro in der Preisliste. Damit dürfte der Kleinwagen eines der günstigsten Hybridautos im Markt sein.  Die Zielgruppe sind Fahrer die eine Präferenz auf Sicherheit und Ökonomie legen – aber Performance hinten an stellen.

Stadtwagen mit Hybrid

Gebaut wird der japanische Kleinwagen seit 2001 im französischen Valenciennes. Seine wichtigsten Wettbewerber dürften im VW Polo, Seat Ibiza, Ford Fiesta, Opel Corsa, Skoda Fabia und Renault Clio zu suchen sein. Mit dem Facelift haben die Japaner die Front des Yaris etwas aggressiver gezeichnet. Hinten tragen größere Rückleuchten mit einer charakteristischen LED-Grafik zu einer Modernisierung bei. Außerdem gewährt Toyota seinen Käufern nun mehr Individualisierungsmöglichkeiten wie schwarz folierte Dachholme oder farblich abweichende Leisten und Außenspiegel sowie zum Lack passende farbige Innenräume. Auch das Farbspektrum möglicher Lackierungen ist farbintensiver geworden. Wer möchte, kann sein Fahrzeug zudem mit farbigen Außenspiegelkappen oder Elementen für die Front individualisieren. Insgesamt halten sich die Änderungen aber in engen Grenzen. Der Yaris ist auch nach dem umfangreichen Facelift bevorzugt ein Fahrzeug für Käufer, die Wert auf Sicherheit und Verbrauch legen, dafür die Themen Design und Performance weniger wichtig erachten. Schon rein äußerlich macht der Toyota Yaris Hybrid, als Testfahrzeug in einer Bicolor-Variante mit Karosserie in Metallic-Goldbraun und schwarzer Dachpartie sowie eigenständigen Alurädern, einen sehr erwachsenen Eindruck.

 

Toyota Yaris 1.5 l Hyrid 5-tg, Style Selection Grey
Im Test der Kleinwagen Toyota Yaris als Hyrid - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Interieur

Mit dem Facelift aus 2017 präsentiert sich der Innenraum des Yaris unter anderem mit neuen Polsterstoffen. Das Interieur ist in Sachen Design dennoch weiterhin recht unauffällig – aber zweckmäßig. Hier hat sich über das Facelift kaum etwas verändert. Nicht verändert hat sich überdies der Umstand, dass man beim Hybridmodell keine Einbußen in Bezug auf den Stauraum in Kauf nehmen muss. Der verbaute Nickel-Metallhybrid-Akku ist geschickt unter der Rückbank versteckt. Mit 286 und 1.119 Litern verfügt der 3,95 Meter lange Minivan über ein für seine Fahrzeugklasse ausgesprochen ordentliches Platzangebot.

Das Interieur des Yaris Hybrid ist sicherlich kein  Ausbund an Opulenz. Eine funktional und optisch gut gelöste Zweckmäßigkeit umschreibt den Innenraum am Besten. Die seitlichen Lüftungsdüsen im Audi-Style lassen sich gut bedienen. Schon ab der Ausstattungsvariante Comfort ist das Multifunktionsdisplay in der Mitte der Tachoeinheit nun farbig und damit übersichtlicher. Die weich aufgeschäumten Kunststoffe um den neuen 4,2-Zoll-Farbmonitor schauen im Yaris Style nicht nur vom Farbton schick aus, sondern sie fassen sich auch richtig gut und hochwertig an. Und auch Kleinwagen dürfen über Annehmlichkeiten verfügen. Die Armlehne am Fahrersitz verdeutlicht, wie gut aufgehoben man heute in einem 3,95 Meter langen Kompaktwagen sitzen kann. Die Stoffsitze sind bequem und verfügen über genügend Seitenhalt. Ansonsten punktet das Interieur damit, dass es sehr aufgeräumt aber dennoch als praktisch erweist. Ablageflächen gibt es genug, auch genug Beinfreiheit und Funktionen wie die Klimaanlagensteuerung oder die Elemente des Multifunktionslenkrads (MuFu) sind sehr schnell ersichtlich und geben keine großen Rätsel auf. Aber ein bisschen Kritik muss dann doch sein. Nicht mehr ganz zeitgemäß präsentiert sich der rustikale Automatikwahlhebel. Viel passender wäre hier der aus Auris Hybrid und Prius bewährte Shift-by-Wire Stick.

Grenzen und Vorteile des Hybridantrieb

Die Systemleistung des Vollhybriden liegt bei 74 kW/100 PS, der 1,5-Liter-Benziner mit 55 kW/74 PS stammt vom älteren Prius II. Die E-Maschine trägt bis zu 45 kW/61 PS bei. Den Null-Hundert-Sprint erledigt der kleine Stadtwagen in 11,8 Sekunden. Sein Durchschnittsverbrauch beträgt 3,6 bis 3,3 Liter je hundert gefahrene Kilometer – entsprechend einer CO2-Emission von 82 – 75 g  pro Kilometer.  Der Yaris erfüllt die Effizienzklasse A+ und enstpricht der Abgasnorm Euro 6.

Übertragen wird die Kraft über eine Automatik. Ein Kennzeichen des elektronisch gesteuerten stufenlose CVT-Getriebe bleibt leider weiterhin das Aufheulen samt Lärmbelästigung bei leistungsabruf im unweigerlich oberen Drehzahlbereich. Die Japaner stehen auf CVT-Getriebe.  Diese Präferenz ist nur bedingt auf Deutschland übertragbar. Aber für den Kleinwagen und im Stadtbetrieb reicht es. Mit seiner Systemleistung 101 PS ist der Toyota Yaris Hybrid erwartungsgemäß kein Sportwagen. Die ersten rein elektrisch angetriebenen Meter bleiben nur bei seichter Anfahrt rein elektrisch.  Sonst schaltet sich der Benziner hinzu. Immerhin lässt sich der Wagen auch bei Tempi jenseits der 80 km/h auch rein elektrisch rollen bzw. segeln. Im Toyota Yaris Hybrid kommt hierbei der grünen Infoleuchte mit dem Kürzel EV eine große Bedeutung im Engeriefluß zu. „EV“ steht hier für „Electric Vehicle“, also Elektroauto. Die übrige Zeit setzt der Verbrennungsmotor ein. Der 4-Zylinder-Saugmotor  ist mit 1,5 Litern Hubraum etwas kleiner ausgelegt als beim aktuellen Prius oder C-HR. Nach wie vor kommen die Vorteile der Hybridtechnik primär bei einer sehr schonenden und zurückhaltenden Fahrweise zu tragen. Hybrid gerät dort an die Grenzen, wo die ausgeklügelte Unterstützung des Verbrennungsmotors durch den Elektromotor nicht mehr greift. Bei zügiger Fahrt, im oberen Lastbereich des Verbrennungsmotors auf der Autobahn und insbesondere beim Ausreizen der Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h zeigen sich z.T. auch Verbrauchsnachteile. Der Strom für den Antrieb kommt beim Yaris aber nicht aus der Steckdose. Er wird immer dann gewonnen und in einer kleinen NiMh-Pufferbatterie mit einer Kapazität von 6,5 Ah gespeichert, wenn der Fahrer vom Gas geht oder bremst. Dann funktioniert die E-Maschine als Generator und produziert elektrische Energie. Beim Wiederanfahren wird dieser Strom zum Beschleunigen benutzt. Erst, wenn der Akku nach ein paar hundert Metern erschöpft ist oder mehr Motorleistung gebraucht wird, springt der traditionelle Vierzylinder-Benziner an. Das ist das Grundprinzip aller Toyota-Hybride: Sie sind sozusagen die perfektionierten Bremsenergieverwertungsmaschinen. Der Hybrid ohne Plug-in ist nur auf den Benzinmotor im Schubbetrieb und Rekuperation der Bremsenergie angewiesen um seine kleine Batterie zu füllen. Im Gegensatz zum Plug-in-Hybrid, der für seine größere Batterie die Energie aus der Steckdose holt, kann er demzfolge auch nur ganz kurze Strecken rein elektrisch fahren. Letzlich kommt es auf das Fahrprofil an
Fährt man diesen Yaris artgerecht und in vorausschauender Fahrweise, lässt sich der Verbrauch auf fünf Liter und auch deutlich weniger – unser Sparrekord betrug 4 Liter – drücken. Der Yaris Hybrid ist ein Fahrzeug für entspannte und defensive Fahrer. Den größten Verbrauchsvorteil dürften die Fahrer für sich verbuchen, die sich viel im innerstädtischen Verkehr bewegen.  Hier zeigt das Wechselspiel der zwei Motoren seine größten Vorteile.

Telemetriedaten über “Driveco”

Was man beim Cockpit des Yaris nicht vermuten möchte: Der Yaris Hybrid kann auf ein fortschrittliches Telemetrie System zurückgreifen. Deren Auswertung kann helfen ergonomischer zu fahren und welcher Fahranteil in Prozent  rein elektrisch gefahren wurde. Wir fuhren den Yaris im Schnitt zu mehr als 54% rein elektrisch. Unser Testverbrauch mit 50% Autobahnanteil betrug im Mittel 4,9 Liter je hundert gefahrene Kilometer.

 

Technische Daten Toyota Yaris 1,5 l Hybrid Style Selection
Hersteller:Toyota
Karosserie:Kleinwagen
Motor:1.5 Liter Reihenvierzylinder DOHC VVT-i - 16V
Getriebe:Automatik - stufenlos (CVT)
Antrieb:Hybrid Frontantrieb
Hubraum:1.498 ccm
Emissionsklasse:Euro 6
Elektromotor:Permanent erregter Synchronmotor 45 KW
Max Spannung520 V
Systemleistung HSD:74 kW/ 100 PS
Drehmoment:111 Nm ab 3.600 bis 4.400 U/min Ottomotor
Batterie :Ni-Mh, 144V, 6,5 Ah, 120 Zellen
Von 0 auf 100:11,8 s
Höchstgeschwindigkeit:165 km/h
Verbrauch (ECE):3,3 Liter
CO2-Ausstoß:75 g/km
Kraftstoff:Benzin
Wendekreis:10,2 Meter (16 Zoll Räder)
Kofferraum:286 bis 786 Liter
Tankinhalt:36 Liter
Leergewicht/Zuladung:1.090 kg/400 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:3.945/1.695/1.510/2.510 mm
Basispreis Hybrid Style Selection:22.290,- Euro

Narrensichere Fahreigenschaften

Deutlich spürbar sind die Verbesserungen und der Feinschliff des Fahrwerks. Der Yaris bleibt stets gelassen und schluckt die meisten Unebenheiten souverän weg. Der Toyota Yaris federt deutlich komfortabler als bisher. Mit Blick auf Fahrsicherheit und Fahrstabilität sind ihm Wankbewegungen völlig fremd. Der Hybrid für einen Kleinwagen gut schallgedämpft und auch angenehm leise – sofern der Motor nicht aufheult.  Sehr positiv ist uns auch die gut abgestimmte und direkt agierende Lenkung samt angenehmen Lenkwiderstand in Erinnerung geblieben.

Preise und Extras

Die wirklich coole LED-Signatur ist serienmäßig in der ab 22.290 Euro teureren “Style Selection” erhältlich. Ansonsten ziert nur eine Halogen-Tagfahrlicht-Leuchte die Scheinwerfer in bekannter Form. Im Konfigurator hat man in Detail die Möglichkeit, Farbakzente zu setzen. So kosten bunte Außenspiegel (rot, grün oder blau) oder Farbtupfer an den Nebelscheinwerfern jeweils um die hundert Euro. Auch die Auswahl einer Shark-Dachantenne (sieht besser aus und kann nicht einfach abgeschraubt werden) für 49 Euro oder ein mehr oder weniger sinnvoller Dachkantenspoiler in Carbonoptik für 180 Euro sind optisch ansprechende Detailmerkmale bei der Konfiguration des kleinen Hybrid-Stadtwagen. Das empfehlenswerte Navigationssystem Toyota Touch&Go kostet 590 Euro Aufpreis. Ab Werk gibt es für den Kleinwagen ein umfangreiches Sicherheitspaket. Das sogenannte Safety-Sense-Paket beinhaltet Kollisionsverhinderer sowie Spurhalte- und Fernlichtassistent. Die meisten Kunden entscheiden sich für die Comfort-Ausstattung (ab 16.040 Euro, Hybrid: ab 19.590 Euro). Dies umfasst auch eine Verkehrszeichenerkennung. Zudem sind hier unter anderem Klimaanlage, 4,2-Zoll großes Display für den Bordcomputer, Rückfahrkamera und Lederlenkrad Bestandteil des Serienumfang.

Mit dem 1.5 Dual-VVT-IE kostet der Yaris Comfort 17.040 Euro. Die Stufenlosautomatik (Multidrive S) gibt es zum Preis von 1.500 Euro; Der Hybrid, der ja ebenfalls eine Automatik hat, kostet dann in der Ausstattunmgsversion Comfort mit 19.590  Euro nur 1.050 Euro mehr als der gewöhnliche Automatik-Benziner. Die Preise für den Basis-Yaris mit drei Türen und 69 PS beginnen bei 12.790 Euro.

Fazit: In der Stadt sparsam

Der Verbrauch von um 4-5 Litern des kleinen Hybriden kann sich sehen lassen. Der Yaris erweist sich im Alltag zudem als ungemein praktisch.
Wer also einen Kleinwagen mit vollwertigem Hybridantrieb sucht, landet unweigerlich beim Toyota Yaris. Andere kleine Stadtflitzer mit Doppelherz sind aktuell – zumindest in Deutschland – nicht erhältlich.

 

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