Ford Focus IV Turnier 1.0 EcoBoost Titanium mit 125 PS: Der kompakte Kombi im Test

27. April 2019 16:10 Autor:
Im Test die vierte Generation des Ford Focus Turnier Titanium mit dem 125 PS starken 1.0 EcoBoost – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Lademeister mit Dreizylinder-Benziner

Ford hat den Focus neu aufgelegt. In seiner vierten Generation gibt es ihn nun auch in einer Kombi-Variante. Die neue Generation des Ford Focus Turnier soll verlorenes Terrain zurückerobern und Golf Variant & Co. Kunden abjagen. In Sachen Formensprache, Qualitätsanmutung, Innenraumgestaltung und Ausstattung machen die Kölner einen großen Schritt nach vorne. Rund 30 Zentimeter länger als das kompakte Basismodell erstreckt sich der Turnier nun auf gar nicht mehr so kompakte 4,67 Meter. Dafür punktet die neue Kombi-Variante des Ford Focus mit üppigem Laderaum (541 bis 1.653 Liter Fassungsvermögen), viel Platz für die Insassen samt hohem Komfort-Niveau. Als direkte Wettbewerber kommen der VW Golf Variant, Skoda Octavia und Hyundai i30 Kombi oder Opel Astra Sports Tourer in Frage. Zu Preisen ab 19.700 Euro steht der Kompakt-Kombi mit der großen Heckklappe seit wenigen Monaten beim Händler. Wir fuhren den Focus Turnier mit dem 1 Liter EcoBoost-Benziner mit 125 PS in der Ausstattungsversion Titanium.

Ford Focus Titanium Turnier 1,0 - 125 PS
Die Kombi-Variante des neuen Ford Focus in der Ausstattung Titanium im Fahrbericht: Lademeister mit Dreizylinder-Benziner - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Der Neue Kompakt-Kombi ist 30 Zentimeter länger als der Fünftürer – und bietet zu einbem Basispreis ab 19.700 Euro mehr Platz. Den cw-Wert konnte Ford auf 0,28 senken – durch  Luftleitbleche, welche die Luft gekonnt um die Vorderräder und die Heckschürze leiten. Eine windschlüpfrige Unterbodenverkleidung und variable Kühler-Lufteinlässe tragen ebenfalls zum guten Luftwiderstandsbeiwert bei.

Mehr Platz

Auch im Interieur hat der Focus einen großen Sprung nach vorne gemacht. Die Materailanmutung, Verarbeitung und Haptik sowie auch die Bedienung haben im Vergleich zum Vorgänger deutlich hinzugewonnen. Der Innenraum wirkt solide verarbeitet und man fühlt sich im Focus wohl. Die Zahl der Schalter wurde im Vergleich zum Vorgänger durch den bereits vom Fiesta bekannten Touch-Bildschirm drastisch reduziert und so zeigt sich das Interieur nebst USB-Anschlüssen und Ladezone für das Smartphone aufgeräumter als bisher. Das Armaturenbrett ist aufgeräumt, klar strukturiert und orientiert sich – dem aktuellen Trend folgend – an der Horizontalen. Gut platziert ist der Achtzoll-Touchscreen. Das je nach Ausstattungslinie bis 700 Euro teure Soundsystem von B&O inkl. Digitalradiuo (DAB plus) mit 675 Watt Ausgangsleistung, zehn Lautsprechern und Subwoofer unter dem dann nicht mehr verstellbaren Kofferraumboden sorgt für einen guten, ausgewogenen Klang auch vom Smartphone. Das lässt sich entweder über Bluetooth – mit gelungener Sprachassistenz des Sync-Systems, oder via Android Auto und Apple CarPlay mit dem Focus verbinden. Der Bildschirm ist nicht Fahrer-orientiert geneigt, dafür dann aber auch für den Beifahrer gut zu erreichen und ersatzweise von ihm zu bedienen. Das Bedienkonzept gefällt und kommt im Focus weitestgehend ohne Knöpfdrücken aus. Einzig die Klimasteuerung ist noch relativ schalterlastig. Die Sitzposition ist gut, Kopf und selbst Knie von Großgewachsenen finden vorne ordentliche Platzverhältnisse vor. Ford hat den Instrumententräger zehn Zentimeter nach vorne versetzt. Für ein sicheres und behaglicheres Raumgefühl sorgt die im Vergleich zum Vorgänger etwas erhöhte Fensterlinie.

Der neue Focus Turnier erhielt im Vergleich zum Vorgänger mit dem Modellwechsel fünf Zentimeter mehr Radstand. Dies kommt dem Innenraum zugute und hier insbesondere der üppigen Beinfreiheit in der zweiten Reihe. Der Laderaum des Kombi fasst 541 Liter, die sich durch Umlegen der geteilten Rückbank auf bis zu 1.653 Liter erweitern lassen. Die dann entstandene Ladefläche ist eben und noch einmal knapp 11 Zentimeter länger als beim Vorgängermodell. 12-Volt-Steckdose, Taschenhaken und Verzurrösen finden sich hier ebenfalls. Schon bei aufrechter Rückbank nimmt der Kombi 575 Liter Gepäck auf, zumindest wenn ein Notrad im Kofferraum-Zwischenboden liegt. Wer sich für ein aufpreispflichtiges, vollwertiges Ersatzrad entscheidet, muss sich mit 541 Litern begnügen. Aber auch damit empfiehlt sich der Focus Turnier immer noch als Kombi-Alternative mit mehr Platz im Vergleich zu vielen seiner modischen Kompakt-SUV.

Wie durchdacht die Kombivariante des Focus ist zeigt sich nicht nur über eine Fernentriegelung für die Rückbank an der Innenraumwand des Kofferraums. Zudem punktet der Turnier auch über die niedrige Ladekante von nur 63 Zentimetern über der Straße. Dank der erstmals zweigeteilten Rückleuchten fällt die Ladeöffnung sehr breit aus. Was das Beladen genauso erleichtert wie die (optionale) elektrische Heckklappe. Für 375 Euro lässt sich die Heckklappe wie bei unserem Testwagen elektrisch bedienen und sich durch einen angedeuteten Fußtritt unter die Heckstoßstange öffnen. Wer die Kofferraumabdeckung öfter ein- und ausbauen muss, dürfte sich über die clevere Lösung im Turnier freuen, die das fummelige Wiedereinsetzen deutlich erleichtert. Die Kassette wird einfach in einer Führungsschiene eingehängt und Richtung Rücksitzlehne bis zum Einrasten gedrückt.

Weiterentwickelter EcoBoost-Benziner

Wer sich beim Focus Turnier für einen Benziner entscheiden sollte, kommt seit dem modellwechsel um einen Dreizylinder nicht umhin. Der prämierte 1,0 Liter EcoBoost Benzinmotor gewann bereits sechsmal in Folge die Auszeichnung „Engine of the year“. Er gilt zu recht als „der“ Dreizylinder. Kaum zu glauben – aber genau dieses Triebwerk haben die Ford Ingenieure nun noch weiter optimiert. Neben innermotorischen Veränderungen für besseres Ansprech- und Abgasverhalten hat Ford als erster Hersteller eine Zylinderabschaltung bei Dreizylindermotoren implementiert und per Patent schützen lassen. Zu den Schlüsselelementen der modernen EcoBoost-Technologie zählen eine fortschrittliche Turbo-Aufladung, die Hochdruck-Benzindirekteinspritzung sowie die vollvariabel gesteuerten Ti-VCT-Nockenwellen (Twin-independent Variable Cam Timing) ermöglichen einen noch größerer Verstellbereich der Nockenwellen und in deren Folge optimierte Verwirbelungen innerhalb der Zylinder sowie ein höheres Verdichtungsverhältnis, um den Wirkungsgrad des Verbrennungsprozesses zu erhöhen. Ein serienmäßiger Otto-Partikelfilter säubert die Abgase. Mit dem vorgeschriebenen Otto-Partikelfilter sind die Leistungswerte unverändert. Neben dem 1,0 Liter EcoBoost, der in drei Leistungsstufen erhältlich ist (85/100/125 PS), stellen die Kölner noch zwei weitere Dreizylinder-Benziner mit 1,5 Liter Hubraum (150/182 PS) ebenso wie drei Turbodiesel zur Wahl. Der Sound des kleinen 1,0-Liter-Dreizylinder ist durchaus kernig. Der kombinierte Testverbrauch von 6,8 Litern Superbenzin je hundert gefahrene Kilometer geht durchaus in Ordnung. Dass der Focus Turnier dabei dank Zylinderabschaltung kurzzeitig im Teillast und Schubbetrieb im Zweizylinder-Modus unterwegs ist, bemerkt der Fahrer nicht.

Fahreigenschaften

Die vierte Generation des Focus baut erstmal auf der neuen C2-Plattform auf, die durch die Verwendung von hochfesten Stählen und einer neuen Struktur 20 Prozent torsionssteifer zeigt. Je nach Motorisierung speckte der Ford Focus um 40 bis 88 Kilogramm ab. Bereits der Vorgänger des Focus erhielt aufgrund seines ausgewogenen Fahrwerks bisher zu recht viel Zuspruch und Lob. Dennoch haben die Kölner auch hier noch einmal spürbar zugelegt. Dies lässt sich u.a. an dem recht guten Federungskomfort festmachen. Erstmals bringt Ford zwei unterschiedliche Hinterachsen zum Einsatz. Je nach Modell und Motor wird entweder eine gewichtsoptimierte Verbundlenker-Hinterachse mit neu entwickelten Federn oder eine Multilink-Hinterachse verwendet. Optional stehen nun erstmals adaptive Dämpfer (nicht im Testwagen verbaut) zur Verfügung sowie ein serienmäßiger Fahrmodus-Schalter. Neben dem „Normal“-Programm stehen die Modi „Eco“ und „Sport“ zur Wahl. Im sportlichsten Modus ist die Gasannahme spürbar direkter.
In „Sport“ war uns die Lenkung geringfügig zur schwergängig, sodass wir meist in der normalen Einstellung gefahren sind. Trotz aller sportlicher Anlagen, die sich in einem direkten und sehr fahrsicheren Handling zeigen, werden die Insassen von Fahrbahnunebenheiten weitgehend verschont. Bemerkenswert gut ist die Bremse, die sich mit einem frühen Druckpunkt zeigt und trotzdem gut dosieren läßt. Auch nach starker Beanspruchung und mehreren starken Bremsvorgängen punktet sie mit einem gleichbleibenden Pedalgefühl.

Technische Daten Ford Focus Turnier Titanium 1.0 - 125 PS
Hersteller:Ford
Karosserie:Kombi-Limousine
Motor:1.0 Liter EcoBlue Turbodiesel Vierzylinder
Getriebe:6-Gang Schaltgetriebe manuell
Antrieb:Frontantrieb
Hubraum:998 ccm
Emissionsklasse:Euro 6d-TEMP
Leistung:92 kW (125 PS) bei 6.000 U/min
Drehmoment:170 Nm bei 1.400-4.500 U/min
Von 0 auf 100:10,3 s
Höchstgeschwindigkeit:198 km/h
Verbrauch (ECE):5,1 - 4,8 Liter
CO2-Ausstoß 114 -108 g/km
CO2-EffizienzklasseA
Kraftstoff:Benzin
Wendekreis:10,7 Meter
Kofferraum:541 bis 1.653 Liter
Bereifung205/60 R 16
Tankinhalt:47 Liter
Leergewicht/Zuladung inkl Fahrer:1.383 kg / 52 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:4.668/1.469/1.825/2.700 mm
Grundpreis des Testwagen ab 26.500 Euro
Testwagenpreis inkl. aller Extras32.985 Euro

Preise und Extras

Die Preise für den Kombi setzt Ford konsequent 1.000 Euro über den Limousinen-Preisen an. Das Basismodell Trend für 19.700 Euro ist allerdings hier wie da eher Lockangebot oder Köder für sehr sparsame Flottenbetreiber, lässt sich nur in der Grundausstattung ordern und kaum noch über die Optionsliste aufrüsten. Realistischer dürfte eine Konfiguration ab mindestens 23.900 Euro sein. Dafür gibt es dann den 100-PS-Benziner in der „Cool & Connect“-Ausstattung mit Navigationssystem, Alufelgen und Tempomat. Diese Ausführung zählt dann auch zu den Volumenvarianten. Der neue Ford Focus Turnier kommt aus dem saarländischen Werk Saarlouis. Dem neuen Focus steht eine breite Pallette an elektronischen Helferlein zur Verfügung. Rund 30 Assistenten vom Crash- über einen Ausweichassistent und der Warnung vor Querverkehr beim rückwärts Ausparken, einer Falschfahrerwarnung, die vor unbeabsichtigtem Befahren in falscher Fahrtrichtung schützt sind teils gegen Aufpreis und teils serienmäßig an Bord. Optional lässt sich der Kölner überdies unter anderem mit intelligenten LED-Scheinwerfern samt Kurvenlicht oder sogar einem Head-up-Display bestücken. Außerdem kann der Focus Turnier gegen Aufpreis teilautonom fahren – beispielsweise im Stau.

Unser Testwagen der Ausstatungslinie Titanium verfügt bereits u. a. über Ford Navigationssystem inkl. Ford Sync 3 mit AppLink und 8-Zoll Touchscreen mit Ford PassConnect inkl. eCall, eine Ambientebeleuchtung vorn inkl. Türablage-, LED-Fußraum und Getränkehalterbeleuchtung, el. anklappbare Außenspiegel mit Umfeldbeleuchtung, höhenverstellbarer Beifahrersitz mit einstellbarer Lendenwirbelstütze, Chrom-Dekor an den Seitenscheiben, Dachreling in Aluminium, Einstiegszierleisten vor, Key Free-System, Live-Traffic Verkehrsinformationen und W-Lan-Hotspot, Geschwindigkeitsregelanlage mit intelligentem Geschwindigkeitsbegrenzer, 2-Zonen-Klimaautomatik, LED-Rückleuchten, Mittelkonsole „Premium“ vorn mit verschiebbarer Armlehne, 2 Getränkehalter, Mittelarmlehne hinten, Nebelscheinwerfer inkl. statischem Abbiegelicht, Park-Pilot-System vorn und hinten, Scheibenwischer mit Regensensor, beleuchteter Make-up-Spiegel auf Fahrer- und Beifahrerseite, Sportsitze vorn, mit verstärktem Seitenhalt, Teppichfußmatten vorn und hinten, Velours, 4 Leichtmetallräder 6,5 J x 16 mit 205/60 R 16 Reifen. Unser Testwagen in der Ausstattung Titanium startet zu Preisen ab 26.500 Euro. Mit seinen Extras und der erweiterten Ausstattung kostet er mindestens 32.985 Euro.

Fazit: Moderne Technik und mehr Platz denn je

Die stark umkämpfte Krone in der Klasse der Kompakt-Kombis geht momentan zweifelsohne an die Kölner. Die direkten Wettbewerber – u. a. der Rivale aus Wolfsburg – ist allein schon aufgrund seines Modellzyklus im Rückstand. Der neue Ford Focus ist besser denn je, hat zahlreiche Stärken und präsentiert sich ohne nennenswerte Schwächen. Er punktet gerade in der von uns gefahrenen Version als Kombi mit deutlich mehr Platz und Nutzwert. Zudem bietet er im Vergleich zum Vorgänger mehr Komfort, eine äußerst umfangreiche (Sicherheits-)Ausstattung und eine breite Range aktualisierter Fahrerassistenzsysteme. Eine weitere Spezialität des Focus ist sein ausgewogenes Fahrwerk: Das Fahrverhalten bewegt sich wie bereits beim Vorgänger auf Topniveau und setzt den Benchmark, an dem sich die Wettbewerber werden messen lassen müssen. Ein weiteres Ausrufezeichen ist der Antrieb. Der kleinste Antrieb im Regal, der Dreizylinder-Turbobenziner 1.0 Ecoboost mit 85, 100 und 125 PS reduziert die Reibungsverluste mit gekühlten Kolben und leichtlaufenden Kolbenringen und punktet auch im Praxisalltag mit niedrigem Verbauch und kernigem Antrieb. Der EcoBoost mit 125 PS hat uns im Test hervorragend gefallen.

Ford Focus Titanium Turnier 1,0 125 PS
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