Ford Mustang GT 5.0 Fastback im Einzeltest

15. November 2015 20:18 Autor:
ford_mustang201511_03

Das neue Pony-Car ist eines der Überraschungen des Jahres: Der 421 PS starke Ford Mustang GT 5.0 Fastback (Coupé) Automatik im Fahrbericht

Hubraum statt Turbo: 421 reifengefährdende Pferdestärken für ein Ponycar

Es gibt im Autobereich nur wenige US-Stilikonen. Der Ford Mustang ist da eine rühmliche Ausnahme. Der Ford Mustang bringt es seit seinem Start 1964 immerhin auf sechs Generationen und mehr als 9,3 Millionen verkaufte Exemplare. Zwar schaffte es das Pony-Car nicht offiziell über den großen Teich. Der Inbegriff von amerikanischer Freiheit erfreut sich auch in Europa einer großen Beliebtheit. Mit dem Mustang – das ursprünglich nach dem Jagdflieger P51 Mustang benannt war –  begründete Ford eine Fahrzeugklasse, bei der günstige Mobilität mit sportlichen Ambitionen im Vordergrund stand. Umso erstaunlicher, dass der Hersteller erst 50 Jahren nach seinem Debüt – das Geschäft nicht mehr den freien Importeuren überlassen möchte. Die ersten fünf Generationen des Sportwagens
hat Ford nie offiziell nach Europa exportiert. Liebhaber des Mustang waren damit auf Importeure oder Eigeninitiative angewiesen. Die neue Mustang-Generation befindet sich nun auch technisch auf einem Reifegrad der einem offiziellen Angebot mehr als rechtfertigt. Wir sind die jüngste Ausgabe der US-Stilikone gefahren. Und zwar so wie die meisten Kunden ihn ordern. Mit dem bärenstarken und bulligen V8 der 421 PS mobilisiert.

Zu einem Preis ab 44.000 Euro erhält der Kunde den Mustand GT samt  V8-Benziner, Automatikgetriebe, elektrischen Ledersitzen,  Klimaautomatik, Xenon-Scheinwerfer, Launch Control, Line Lock sowie einen Acht-Zoll-Touchscreen. Eine Aufpreisliste ist quasi nicht vorhanden: Es gibt ein Navi, eine Automatik, Parktronic, Recaro-Sportsitze und ein noch leistungsstärkeres Soundsystem. Die Positionen in der Aufpreisliste sind übersichtlich und – ganz besonders bemerkesnwert – fair bepreist. Der Mustang GT ist durchaus soetwas wie ein Sportwagen zum Discountpreis. Viele dürften sich mit dem Mustang GT einen Jugendtraum erfüllen. Meist als Zweit- und Garagenwagen.

Ford Mustang GT 5.0
Die neue Mustang-Generation befindet sich nun auch technisch auf einem Reifegrad der einem offiziellen Angebot mehr als rechtfertigt. Wir sind die jüngste Ausgabe der US-Stilikone gefahren. Und zwar so wie die meisten Kunden ihn ordern.
« 1 von 30 »

Optik – die sechste Generation ist sicher die schönste

Auch nach dem Generationswechsel und den Designmodifkationen ist der Mustang noch immer auf den ersten Blick als selbiges Original zu identifizieren. Lange Motorhaube, markant abfallende Dachlinie und knackiger Heckabschluss. Mit seinen massiven Schultern, dem Mustang-typischen Haifischmaul und grimmig dreinblickenden Scheinwerferschlitzen wirkt das Ponycar erstaunlich stilsicher und auf keinen Fall wie ein Retro-Aufguss. Die Designer haben dem Klassiker eine gekonnte Mischung aus der modernen Formensprache des Ford-Design und einigen wenigen Retro-Elementen zusammengefügt. Damit gibt sich der Mustang auf den ersten Blick als selbiger sofort zu erkennen.

Der Euro-Variante des Mustang ist weitgehend identisch mit der US-Version. Lediglich das mehr als brauchbare Performance-Pack ist bei den Amis im Gegensatz zu Europa eine aufpreispflichtige Option. Neben dem Handling sollen die Bremseigenschaften nochmals verbessert worden sein. Das Paket umfasst unter anderem eine modifizierte Abstimmung des komplett neu konstruierten Fahrwerks, verstärkte Stabilisatoren hinten, angepassten Fahrwerkslagern sowie einer zusätzlichen Strebe an der oberen Radaufhängung. Desweiteren hat Ford für seine europäischen Kunden die Fahrerassistenz-Systeme und die elektrische EPAS-Servolenkung angepasst.

Die Modifikationen im Rahmen des Modellwechsel bewirken beim Coupé eine behutsam flachere Optik und präsentiert sich durch diverse Karosseriefalze optisch noch monströser als es die tatsächliche Länge von knapp 4,8  Metern erwarten läßt. Am Heck hat Ford geschickt einen dezenten Spoiler integriert. Die vorderen und hinteren Stoßfänger tragen beide ein Finish in Wagenfarbe. Die V8-Version diferenziert sich über einen GT-Kühlergrill. Der markante Heckdiffusor endet jeweils rechts und links der doppelflutigen-Auspuffanlage, die bei unserem Testwagen eines Mustang GT von einer polierten Blende eingerahmt wird.

ford_mustang201511_02

Pulsbeschleuniger: Ford hat den Mustang kräftig und absolut zeitgemäß modernisiert und fährt sich auch entsprechend kultiviert.

Der Ford Mustang ist zweifelsfrei mehr ist als nur ein bloßes Automobil oder emotionsloser Sportwagen. Der Ford Mustang ist auch ein Stück Lebensgefühl des „american way of life“. Jeder erinnert sich an die wohl grandioseste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte: Steve McQueen leistete sich im Kult-Thriller „Bullitt“ im 68er Ford Mustang ein Duell mit einem tief schwarzen Dodge Charger, bis dieser nach minutenlangen Rennen über die asphaltierten Sprunghügel von San Francisco in einer Tankstelle explodiert.

Interieur

Zu den positiven Überraschungen beim Mustang zählen die Qualität und Anmutung im Innenraum sowie der extravagante Sinn für liebevolle Details.

Im Interieur punktet der Mustang bereits mit dem serienmäßige Audiosystem. Dies umfasst einen MP3-fähigen CD-Player mit Radio samt Doppeltuner sowie digitalem Radioempfang DAB/DAB+, AUX-Eingang, zwei USB-Anschlüsse, SD-Kartenschacht, neun Lautsprecher, eine Lenkrad-Fernbedienung und ein Multifunktionsdisplay mit einer Bildschirmdiagonale von 10,7 Zentimetern. Viel komfort verspricht eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik mit automatischer Temperaturkontrolle. Die serienmäßige Rückfahrkamera erleichtert das Manövrieren. Auch nicht selbstverständlich sind die Ford Power-Startfunktion für schlüsselfreies Starten, inklusive Key-Free-System für ein schlüsselfreies Ent- und Verriegeln.

Weitere Features sind die sechsfach elektrisch verstellbaren und lederbezogenen Sportsitze die über eine einstellbare Lendenwirbelstütze verfügen. Eine Pedalerie in Aluminium-Optik unterstreicht das sportliche Ambiente. Die Bedienung ist eingängig, die Verarbeitung stimmt. Üppige Platzverhältnisse gibt es weder im Kofferraum (408 Liter) noch auf der Rückbank.

Antrieb

Fürs gleiche Geld gibt es andernorts einen aufgeladenen Vierzylinder, der etwas mehr als die Hälfte der Leistung an die Hinterräder schickt und dazu einen dünnen Tenor statt eines fetten Basses spielt. Aber stampft der neue Ford Mustang 5.0 GT überhaupt den Bigblock-Beat? Dank verstellbarer Ansaugwege und variablen sowie obenliegenden Nockenwellen mobilisuert der V8 421 Pferdestärken. Diesseits des großen Teiches löst diese Leistungsausbeute keine Jubelarien aus, doch mit 530 Nm an der Kurbelwelle sollte sich einiges anstellen lassen. Starten wir. Kurz schüttelt es den Fünfliter, dann blubbert er so tief und wohlig, dass es warm ums Herz wird.

Der Ford Mustang verfügt als GT 5.0 V8 über Hubraum satt: Das 5,0 Liter große Triebwerk (nicht Verbrauch, sondern Hubraum) befeuert den Mustang mit einer Leistung von 421 PS und stemmt ein maximales Drehmoment von 524 Nm auf die Kurbelwelle. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h abgeregelt. Die Automatik-Version beginnt zu Preisen ab 42.000 Euro.
Unabhängig von der Vernunft und Verbrauchswerten. Es gibt den Mustang auch mit einem Motor aus dem Mondeo als Ecoboost, der 314 PS und 434 Nm Drehmoment mobilisert. Dieser ermöglicht  durchaus passable – ja sogar sportliche Fahrwerte. Und nun kommt das große ABER: In ein amerikanisches Muscle-Car passt einfach kein Vierzylinder. Viele Kunden werden sich erstmalig mit einem V8 einen Traum erfüllen. Wer den fünf Liter großen, 421 PS starken und natürlich beatmeten V8-Motor zum Vergleich fährt, wird gerne bereit sein den moderaten V8-Aufpreis des GT zu zahlen. Bei der Durchzugskraft mit 407 Newtonmetern fährt derEcoboost dem Achtzylinder (529 Nm) deutlich hinterher. Im Testdurchschnitt spült der Fünfliter-V8 pro 100 Kilometer 12,0 Liter Super durch seine acht Brennräume. Mit vorsichtiger Fahrweise sind allerdings auch Verbräuche nahe 10 Liter je hundert Kilometer möglich. Aber selten weniger.

Einen Mustang genießt sein Fahrer nicht nur über seine Fahr- sondern auch über seine Klangeigenschaften

Viel Aufwand haben die Amerikaner in das Fahrwerk gesteckt. Die Einzelradaufhängung an der Vorderachse wird an McPherson-Federbeinen mit doppelten Kugelgelenken und Querstabilisator geführt. Die anachronistische Starachse auf der Hinterhand wurde endlich entsorgt. In der sechsten Generation des Ford Mustang erhält das Gründerauto der Pony-Car-Klasse autarke Einzelrad-Aufhängungen am Heck. Die Hinterachse zeichnet sich durch eine neu konstruierte Integrallenker-Aufhängung mit Spiralfedern, massivem Querstabilisator und Doppelrohrdämpfern (Mustang) oder wie bei unserem GT etwas aufwändiger mit Einzelrohrdämpfern aus. Rundum gelangen sportlich abgestimmte Gasdruckstoßdämpfer zum Einsatz. Die Verzögerung erfolgt über Scheibenbremsen vorn und hinten, beim Mustang GT über eine Sechs-Kolben-Hochleistungsbremsanlage von Brembo. Die gewisse Kurvenhemmung bleibt erhalten. Damit nicht genug: Die hydraulische Lenkung wird auf eine moderne und effiziente elektromechanische Lenkung umgestellt.

Ford hat den Mustang kräftig und absolut zeitgemäß modernisiert. Er ist geradezu tugendhaft im positiven Sinne. Schnell schaltende Automatik, straffe Fahrwerksabstimmung und präzise Lenkung zaubern ein Grinsen in das Gesicht des Fahrers. „Pferde gehören in die Natur und nicht in die Stadt“ – so auch dieser Mustang mit einem einem Wendekreis von 12,20 Metern. Parkhäuser und enge Parklücken sind nicht das Metier dieses Pony-Car. Trotz vieler Unzulänglichkeiten erfreuen die im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbesserten Fahreigenschaften. Der neue Mustang GT fährt und bremst deutlich besser als sein Vorgänger. Nie war ein Mustang leichter zu reiten als dieser.  Zwar sind mit diesem Mustang erstmals auch höhere Tempi möglich, trotzdem ist der Sportwagen noch immer kein Rennwagen. Im Verhältnis zur Fazination die der Mustang ausübt, verbesserte sich die Technikgrundlage der kultigen US-Sportwagenikone auf einen deutlich angemesseneres Niveau. Uns hat der Ford unglaublich viel Freude und Fahrspaß bereitet. Auch wenn der Wagen noch lange nicht perfekt ist. Für die wahren Fans darf er das auch nicht.

Technische Daten Ford Mustang GT 5.0 Fastback Automatik
Hersteller:Ford
Karosserie:Fastback(Coupé) 3-türig - 4 Sitzplätze
Motor:5,0-Liter-Ti-VCT-V8, vorn längs
Getriebe6-Gang-Automatik mit Schaltwippen am Lenkrad
AntriebHeckantrieb
Hubraum:4.951 ccm
EmissionsklasseEuro 6
EnergieeffizienklasseG
Leistung:310 kW/421 PS bei 6.500 U/min
Drehmoment:530 Nm bei 4.250 U/min
Von 0 auf 100: Handschalter4,8 s
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h
Verbrauch (ECE)12,0 Liter
CO2-Ausstoß281 g/km
Kraftstoff:Benzin
Wendekreis12,3 Meter
Leergewicht1.732 kg
Kofferraum408 Liter
Tankinhalt61 Liter
Dachlast75kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand4.784/1.916/1.381/2.720 mm
Preise ab:ab 44.000 Euro

Preise

Ford hat den von uns getesteten GT besonders üppig ausgestattet: Feingnarbte Sportsitze in Vollelder, Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Audio-System und 19-Zoll-Felgen. Wer es richtig üppig haben will, der investiert nochmal 2500 Euro für das sogenannte Premium-Paket. Dann sind auch Navi, das Konnektivitätssystem Snyc 2, ein höherwertiges Sound-System und klimatisierte Vordersitze im Lieferumfang dabei.

Sicherheit

Auch die Sicherheit kommt nicht zu kurz. Der aktive Insassenschutz umfasst unter anderem Front-Airbag für Fahrer und Beifahrer, ein zusätzlicher im Handschuhfach platzierter Airbag für den Beifahrer, ein Knie-Airbag für den Fahrer sowie Kopf-Schulter-Airbags (außer Mustang GT Convertible). Neben dem Antiblockier-Bremssystem (ABS) mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBD) und elektronischem Sicherheits- und Stabilitätsprogramm (ESP) zählen unter anderem ein Sicherheits-Brems-Assistent (EBA), ein Berganfahrassistent (nur in Verbindung mit Schaltgetriebe) und eine Geschwindigkeitsregelanlage zur Serienausstattung.

Fazit: Ein US-Pony mit bärenstarken V8-Sauger zum Discount-Preis

Auch der Mustang des Jahres 2015 verfügt über alle optischen Insignien seiner Vorgänger: Haifischmaul, großer Grill, lange Motorhaube, dreigeteilte Rückleuchten – die klassischen Merkmale sind allesamt noch vorhanden – nur technisch neu und modern interpretiert. Und wie reitet sich das Pony in seiner jüngsten Evolotionsstufe? Erstaunlich gut transportiert die jüngste Evolutionsstufe dieses Pony-Cars das Feeling von sportlicher Freiheit auf vier Rädern. Das saugende, unflätig wummernder Bollern eines V8 bieten die Amerikaner nun endlich auch ihren euopäischen Kunden an.

Und das Beste: Die US-Ikone rollt auch in Europa zu einem unschlagbaren Preis vor. Für gleiche Anlagebeträge gab es bisher in Europa allenfalls einen aufgeladenen Vierzylinder, der etwas mehr als die Hälfte der Leistung an die Hinterräder schickt und allenfalls Tenor statt Bass zu spielen in
der Lage ist.

Ford Mustang GT 5.0
Ford Mustang GT 5.0 Fastback im Einzeltest: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
4,67 von 5 Sterne, basierend auf 3 abgegebene(n) Stimme(n).

Loading...