MOTORMOBILES

Das Automagazin im Internet

Französischer E-Kraftzwerg auf dem Prüfstand: Die Alpine A290 GTS im Fahrbericht

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest - Bildnachweis: MOTORMOBILES

Die Renaissance der blauen Marke im Zeichen der Elektrifizierung

Die Automobilwelt blickt im Jahr 2026 auf eine Marke, die wie kaum eine andere den Spagat zwischen glorreicher Historie und radikaler Zukunftssuche vollzogen hat. Alpine, die Performance-Tochter von Renault, befindet sich inmitten einer tiefgreifenden Transformation, die weit über das Image einer kleinen Sportwagenschmiede aus Dieppe hinausreicht. In Deutschland konnte Alpine seine Präsenz massiv ausbauen, was sich in den Neuzulassungszahlen des vergangenen Jahres widerspiegelt, die eine Steigerung von über 133 Prozent auf rund 1.050 Fahrzeuge verzeichneten. Dieser Erfolg basiert primär auf dem Fundament der Ikone A110, doch das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt, da die Produktion des klassischen Verbrenner-Coupés ausläuft und Platz für die sogenannte Dream Garage macht, ein rein elektrisches Portfolio, das bis 2030 auf sieben Modelle anwachsen soll.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Der Startschuss für diese neue Ära ist die Alpine A290, die als erstes vollelektrisches Modell der Marke den Weg in den Massenmarkt ebnen soll, ohne dabei die sportlichen Kerntugenden zu opfern. Die Strategie von Ex-Renault-CEO Luca de Meo, Alpine als eigenständige Premium-Marke mit hoher Wertschöpfung zu positionieren, scheint aufzugehen, da das Händlernetz in Deutschland auf wichtige Standorte wie Frankfurt, München und Berlin ausgeweitet wurde, um eine anspruchsvolle, urbane Klientel zu erreichen. Für dieses Jahr wird erwartet, dass Alpine durch die Einführung weiterer Modelle wie dem Sport-Fastback A390 und dem vollelektrischen Nachfolger der A110 seine Marktrelevanz weiter festigt und eine neue Generation von Fahrern anspricht, die Agilität und französisches Design auch ohne fossile Brennstoffe erleben wollen.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Das Erbe von Jean Rédélé wird dabei nicht einfach nur verwaltet, sondern in ein neues Zeitalter transformiert. Die A290 GTS steht hierbei exemplarisch für den Versuch, das geringe Gewicht und die spielerische Natur der historischen Modelle mit den Anforderungen der modernen Elektromobilität zu verknüpfen. Dabei profitiert Alpine massiv von der neuen Konzernstruktur Ampere, die sich ausschließlich der Entwicklung von Elektrofahrzeugen und Software widmet. Diese technologische Synergie erlaubt es Alpine, auf bewährte Komponenten des Renault 5 E-Tech zurückzugreifen und diese durch spezifische Anpassungen auf ein Leistungsniveau zu heben, das den Namen Alpine rechtfertigt. In einem Marktumfeld, das zunehmend von schweren SUV-Modellen dominiert wird, besetzt die A290 GTS somit eine wichtige Nische für Enthusiasten, die den klassischen Hot Hatch vermissen.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Marktsegment und Wettbewerbsumfeld der kompakten Stromer

Die Alpine A290 GTS tritt in ein Segment ein, das in der Vergangenheit durch ikonische Modelle wie den Renault Clio R.S. oder den Ford Fiesta ST geprägt war, nun aber eine radikale Elektrifizierung erfährt. Die Nische der leistungsstarken, kleinen Schrägheck-Limousinen ist heute zwar weniger dicht besiedelt als in der Ära der Verbrenner, bietet aber dennoch hochkarätige Konkurrenz. Der primäre Rivale ist der elektrische Mini Cooper SE, insbesondere in der sportlichen John Cooper Works Ausführung, der zwar ein noch direkteres Fahrgefühl vermittelt, jedoch in Bezug auf den Nutzwert und das Raumangebot hinter der Alpine zurückbleibt. Ein weiterer Wettbewerber ist der Abarth 500e, der zwar durch sein emotionales Klangdesign besticht, bei der Antriebsleistung und der Batteriekapazität jedoch deutlich schwächer aufgestellt ist als die Französin aus Dieppe.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Die Zielgruppe für diesen elektrischen Kraftzwerg ist äußerst heterogen. Auf der einen Seite stehen markentreue Enthusiasten, die eine moderne Interpretation des legendären Renault 5 Alpine oder Turbo suchen. Auf der anderen Seite adressiert das Fahrzeug eine jüngere, urbane Käuferschicht, die Wert auf digitales Prestige, nachhaltigen Antrieb und ein unverwechselbares Design legt. Auch für Flottenmanager gewinnt die A290 GTS an Bedeutung, da sie durch ihre hohe Restwertprognose und die steuerlichen Vorteile für Elektro-Dienstwagen in Deutschland eine attraktive Positionierung in den Fahrzeuglisten erfährt, insbesondere für Führungskräfte in urbanen Ballungszentren, die ein kompaktes, aber dennoch prestigeträchtiges Fahrzeug bevorzugen.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Im Vergleich zu größeren Elektrofahrzeugen wie dem VW ID.3 GTX oder dem Cupra Born punktet die Alpine durch ihre deutlich kompakteren Abmessungen und das geringere Gewicht, was ihr eine Agilität verleiht, die in dieser Klasse selten geworden ist. Dennoch muss sie sich dem Vorwurf stellen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zum technisch eng verwandten Renault 5 E-Tech eine große Hürde darstellt. Wer jedoch die spezifischen Fahrwerksoptimierungen und den exklusiven Innenraum der Alpine zu schätzen weiß, findet in ihr ein Fahrzeug, das weit über die Möglichkeiten eines herkömmlichen Kleinwagens hinausgeht und eine Brücke zwischen Alltagstauglichkeit und reinem Fahrvergnügen schlägt.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Technische Einordnung und die Synergie mit der Ampere-Plattform

Die technische Basis der Alpine A290 GTS ist die AmpR Small Plattform, die ehemals unter der Bezeichnung CMF-BEV bekannt war und speziell für die Anforderungen kompakter Elektrofahrzeuge des B-Segments entwickelt wurde. Diese Plattform ermöglicht es, die Batterieeinheit tief im Fahrzeugboden zu integrieren, was zu einem niedrigen Schwerpunkt führt, der für die sportliche Ausrichtung der Alpine essenziell ist. Während der Renault 5 E-Tech als Basisfahrzeug dient, hat Alpine weitreichende Modifikationen vorgenommen, um die Markenidentität technisch zu untermauern. So stammt etwa 60 Prozent der technischen DNA direkt von Renault, während 40 Prozent der Komponenten spezifisch für die A290 entwickelt wurden, um die Fahrdynamik auf ein neues Niveau zu heben.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Ein wesentliches technisches Unterscheidungsmerkmal ist die Verwendung eines verstärkten Aluminium-Hilfsrahmens an der Vorderachse, der nicht nur zur Steifigkeit beiträgt, sondern auch die Integration des größeren Elektromotors aus dem Renault Megane E-Tech ermöglicht. Die Spurweite wurde im Vergleich zum Renault 5 um beachtliche 60 Millimeter vergrößert, was die Stabilität in Kurven massiv erhöht und den Einsatz breiterer Reifen erlaubt. Die Hinterachse verfügt über eine aufwendige Mehrlenker-Konstruktion, die in dieser Fahrzeugklasse alles andere als Standard ist und maßgeblich zur präzisen Radführung beiträgt.

Die Synergien innerhalb des Renault-Konzerns zeigen sich auch bei der Batterietechnologie. Die 52 kWh fassende Batterieeinheit wird ab Sommer 2025 direkt im französischen ElectriCity-Verbund in Douai gefertigt, was die Lieferketten verkürzt und die ökologische Bilanz verbessert. Alpine nutzt hierbei die BEV-Technologie der neuesten Generation, die auch Funktionen wie bidirektionales Laden (V2L, V2H, V2G) unterstützt. Damit positioniert sich die A290 GTS nicht nur als Sportwagen, sondern als integraler Bestandteil eines modernen Energie-Ökosystems, was sie technologisch an die Spitze ihres Segments rückt.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Exterieur-Design: Zwischen Retro-Charme und Rallye-Aggressivität

Das äussere Erscheinungsbild der Alpine A290 GTS ist eine gelungene Hommage an die Motorsport-Historie der Marke, ohne dabei in kitschige Retro-Muster zu verfallen. Mit einer Länge von 3.997 Millimetern und einer Breite von 1.823 Millimetern steht der Wagen deutlich wuchtiger auf der Straße als sein ziviler Bruder. Die Designer haben die Proportionen des Renault 5 geschickt genutzt, um durch ausgestellte Radhäuser und tief heruntergezogene Seitenschweller eine athletische Statur zu kreieren. Besonders prägnant ist die Vier-Leuchten-Signatur an der Front, wobei die Zusatzscheinwerfer mit einer X-Grafik versehen sind, die an die mit Klebeband gesicherten Rallye-Scheinwerfer vergangener Dekaden erinnert.

Die Aerodynamik spielt bei der A290 GTS eine zentrale Rolle, wobei funktionale Elemente gleichzeitig als Designmerkmale dienen. Die Frontschürze verfügt über große Lufteinlässe zur Kühlung der Brembo-Bremsanlage, während am Heck ein funktionaler Diffusor und eine dezente Abrisskante auf der Heckklappe, von den Entwicklern als Entenbürzel bezeichnet, für den nötigen Abtrieb sorgen. Die 19-Zoll-Leichtmetallfelgen im Snowflake-Design sind nicht nur optisch ein Highlight, sondern wurden speziell gewichtsoptimiert, um die ungefederten Massen zu reduzieren und das Einlenkverhalten zu verbessern.

Die Farbpalette unterstreicht den exklusiven Charakter des Fahrzeugs, wobei das klassische Alpine Vision Blau weiterhin die bevorzugte Wahl vieler Kunden sein dürfte. Neu hinzugekommen sind jedoch auch moderne Nuancen wie satiniertes Dolomit-Grau, das die scharfen Kanten der Karosserie besonders gut zur Geltung bringt. Details wie die französische Tricolore an der C-Säule und die diskret platzierten Alpine-Logos an den vorderen Kotflügeln runden das Gesamtbild ab und machen die A290 GTS zu einem echten Blickfang im städtischen Umfeld.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Qualität und Verarbeitung auf Premium-Niveau

In der Kabine setzt Alpine den hohen Anspruch fort, den das Exterieur verspricht. Die Verarbeitungsqualität in der GTS-Variante hebt sich deutlich von herkömmlichen Kleinwagen ab und nähert sich dem Niveau höherer Fahrzeugklassen an. Besonders hervorzuheben ist die Materialwahl: Ein großer Teil des Interieurs ist mit feinem Nappa-Leder in den Farbtönen Blau und Grau bezogen, das sich nicht nur hochwertig anfühlt, sondern auch exzellent verarbeitet ist. Die Ziernähte sind präzise geführt und die Integration von Alcantara-Elementen sorgt für eine sportliche Atmosphäre, die gleichzeitig einen Hauch von Luxus versprüht.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Trotz der Verwendung von Hartplastik im unteren Bereich der Türtafeln und der Mittelkonsole, was in dieser Klasse aus Gewichts- und Kostengründen unvermeidlich ist, wirkt das Cockpit sehr solide. Nichts knarzt oder klappert, selbst wenn der Wagen über unebenes Kopfsteinpflaster bewegt wird. Dies ist maßgeblich auf die hohe Torsionssteifigkeit der Karosserie zurückzuführen, die durch die tragende Rolle des Batteriepakets im Fahrzeugboden zusätzlich verstärkt wird. Die Haptik der Schalter und Bedienelemente ist überzeugend; Alpine hat bewusst auf billig wirkende Tasten verzichtet und stattdessen hochwertige Materialien für die wichtigsten Kontaktpunkte gewählt.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Die akustische Isolierung wurde gegenüber dem Renault 5 nochmals verbessert. Durch den Einsatz spezieller Dämmmaterialien und einer optimierten Verglasung bleiben Windgeräusche selbst bei höheren Geschwindigkeiten draußen, was den Langstreckenkomfort spürbar erhöht. Auch das Abrollgeräusch der breiten 19-Zoll-Reifen wird gut gefiltert, ohne dass der Fahrer den Kontakt zur Straße verliert. Insgesamt vermittelt die A290 GTS eine Wertigkeit, die den hohen Anschaffungspreis rechtfertigt und zeigt, dass Alpine den Sprung zur Premium-Marke ernsthaft vollzogen hat.

Interieur: Raumökonomie und die Tücken der Kompaktheit

Die Raumökonomie der Alpine A290 GTS ist ein klassisches Beispiel für die Herausforderungen, die ein kurzes Fahrzeug im B-Segment mit sich bringt. Während man vorne auf den tief montierten und hervorragend konturierten Sportsitzen auch als großgewachsener Fahrer eine nahezu perfekte Sitzposition findet, geht es im Fond deutlich enger zu. Die Knie- und Kopffreiheit für erwachsene Passagiere ist stark begrenzt, insbesondere wenn die Vordersitze weit nach hinten geschoben sind. Die Alpine ist somit primär als Fahrzeug für zwei Personen mit gelegentlicher Nutzung der Rückbank konzipiert, was jedoch genau dem Profil der anvisierten Zielgruppe entspricht.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Variabilität ist nicht die Stärke der Französin. Die Rücksitzbank lässt sich zwar asymmetrisch im Verhältnis 60:40 umklappen, bietet aber ansonsten keine weiteren Funktionen wie eine Längsverschiebung oder eine Neigungsverstellung. Das Kofferraumvolumen ist mit 326 Litern für ein Auto von unter vier Metern Länge hingegen beachtlich und übertrifft viele Wettbewerber. Wer sich für das hochwertige Devialet-Soundsystem entscheidet, muss jedoch eine Reduktion auf 300 Liter in Kauf nehmen, da der Subwoofer einen Teil des Stauraums beansprucht. Ein Frunk unter der Fronthaube fehlt gänzlich, da der Platz dort komplett vom Elektromotor und der Leistungselektronik beansprucht wird.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Ein Kritikpunkt bleibt das Angebot an Ablagemöglichkeiten im Innenraum. Die Mittelkonsole wirkt zwar stylisch, bietet aber kaum Platz für Alltagsgegenstände oder größere Smartphones, und auch Getränkehalter sucht man vergeblich – ein Detail, das bereits bei der A110 bemängelt wurde. Die Türfächer sind schmal und nur bedingt nutzbar. Alpine setzt hier klar auf ein fahrerfokussiertes Layout, bei dem alles Unnötige weggelassen wurde, was jedoch im täglichen Gebrauch zu gewissen Kompromissen zwingt.

Digitales Cockpit und Google Automotive Infotainment

In puncto Infotainment setzt die Alpine A290 GTS neue Maßstäbe im Kleinwagensegment. Das System basiert auf Android Automotive OS und bietet eine nahtlose Integration von Google-Diensten. Der 10,1 Zoll große zentrale Touchscreen besticht durch eine scharfe Darstellung und eine extrem flüssige Bedienung, die ohne die oft üblichen Ruckler auskommt. Dank der integrierten Google Maps Navigation erfolgt die Laderoutenplanung in Echtzeit und berücksichtigt dabei nicht nur den aktuellen Batteriestand, sondern auch das Höhenprofil und die Außentemperatur, um präzise Ankunftszeiten und nötige Ladestopps zu berechnen.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Das 10,25 Zoll große digitale Instrumentencluster hinter dem Lenkrad ist hochgradig konfigurierbar und bietet spezielle Alpine-Grafiken, die die Bergsilhouette der Marke aufgreifen. Ein Highlight ist die App Alpine Telemetrics, die in der GTS-Version serienmäßig an Bord ist. Hier können sich technikbegeisterte Fahrer Live-Daten zu G-Kräften, Drehmomentverteilung, Temperaturen von Bremsen und Batterie sowie Rundenzeiten anzeigen lassen. Das System bietet zudem interaktive Challenges und Coaching-Funktionen, die den Fahrer dabei unterstützen, seine fahrerischen Fähigkeiten zu verbessern.

Die Konnektivität ist auf dem neuesten Stand: Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sind ebenso vorhanden wie ein App Store, über den Drittanbieter-Anwendungen wie Spotify, Tidal oder YouTube direkt auf das System geladen werden können. Die Spachsteuerung via Google Assistant funktioniert zuverlässig und erlaubt es, viele Funktionen des Fahrzeugs zu steuern, ohne die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen. Trotz der digitalen Überlegenheit hat Alpine lobenswerterweise eine Leiste mit physischen Tasten unter dem Bildschirm beibehalten, über die die Klimatisierung direkt gesteuert werden kann, was die Ergonomie während der Fahrt massiv verbessert.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Akustisches Erlebnis mit französischer Präzision

Die Audioanlage der Alpine A290 GTS ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mit dem französischen Audiospezialisten Devialet. Das System verfügt über insgesamt neun Lautsprecher und einen 615-Watt-Verstärker, der speziell auf die Akustik des kleinen Innenraums abgestimmt wurde. Durch den Einsatz patentierter Technologien wie SPACE, die eine immersive Klangbühne erzeugt, und SAM (Speaker Active Matching), das die Signale exakt an die physikalischen Eigenschaften der Lautsprecher anpasst, bietet die Anlage eine Detailtreue und Dynamik, die man sonst nur in deutlich teureren Fahrzeugen findet.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Ein besonderes Feature ist der Alpine Drive Sound, der den fehlenden mechanischen Klang des Elektromotors kompensiert. Statt auf künstliche Science-Fiction-Geräusche zu setzen, haben die Ingenieure die natürlichen Frequenzen des E-Motors verstärkt und moduliert, um eine akustische Rückmeldung zu geben, die sich an der Geschwindigkeit und dem Lastzustand orientiert. Es stehen zwei Klangcharakteristiken zur Auswahl: Eine dezentere für den Alltag und eine sportlichere für ambitionierte Fahrten, wobei sich beide auf Wunsch auch komplett deaktivieren lassen.

Das Klangerlebnis wird durch vier voreingestellte Modi ergänzt: Fidelity für maximale Wiedergabetreue, Speech für Podcasts und Radio, Dynamic für ein energetisches Hörerlebnis und Heavy für kraftvolle Bässe. Die Integration ins Google-System erlaubt zudem eine einfache Steuerung der Klangeinstellungen über das zentrale Display. Insgesamt zeigt das Devialet-System, dass auch ein kleiner Elektroflitzer akustisch eine große Bühne bieten kann, was den Premium-Anspruch der Marke Alpine eindrucksvoll untermauert.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Antrieb und Leistung: Der frontgetriebene Wirbelwind

Die Alpine A290 GTS wird von einem fremderregten Synchronmotor angetrieben, der seine Kraft ausschließlich an die Vorderachse abgibt. In der GTS-Ausführung leistet das Triebwerk 160 kW, was einer Leistung von 218 PS entspricht, und stellt ein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern bereit. Diese Leistungswerte ermöglichen einen Sprint von 0 auf 100 km/h in nur 6,4 Sekunden. Besonders beeindruckend ist die unmittelbare Gasannahme, die vor allem im Sport-Modus für ein sehr lebendiges Fahrgefühl sorgt. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 170 km/h begrenzt, um die Batterieeffizienz zu wahren, was für die primären Einsatzgebiete des Wagens jedoch vollkommen ausreicht.

Ein technisches Highlight am Lenkrad ist die rote OV-Taste (Overtake), die dem Fahrer für bis zu zehn Sekunden die volle Leistung und das maximale Drehmoment zur Verfügung stellt. Während dies in der Realität einem Kickdown gleichkommt, unterstreicht es den spielerischen und an den Motorsport angelehnten Charakter der Alpine. Um die Traktion des Fronttrieblers zu optimieren, kommt das System Alpine Torque Pre-Control zum Einsatz, das die Kraftverteilung so feinfühlig regelt, dass Schlupf an den Vorderrädern weitgehend unterbunden wird, ohne den Vortrieb unnötig zu beschneiden.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Trotz der beachtlichen Leistung bleibt die Alpine stets kontrollierbar. Die Ingenieure haben bewusst darauf verzichtet, ein ungestümes Kraftmonster zu kreieren, sondern legten den Fokus auf eine lineare Leistungsentfaltung, die auch für weniger erfahrene Fahrer sicher zu beherrschen ist. Auf nasser Fahrbahn oder beim Herausbeschleunigen aus sehr engen Kehren spürt man zwar gelegentlich die Grenzen des Frontantriebs, doch die kluge Elektronik und die exzellente Abstimmung des Differenzials minimieren diese Einflüsse auf ein erträgliches Maß, sodaß der Fahrspaß immer im Vordergrund steht.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Fahrwerk und Fahreigenschaften: Die Kunst der Agilität

Das Fahrwerk ist ohne Zweifel das Prunkstück der Alpine A290 GTS. Hier haben die Entwickler aus Dieppe ihre gesamte Erfahrung aus dem Rallyesport und der Entwicklung der A110 einfließen lassen. Ein entscheidender Faktor für die überragenden Fahreigenschaften sind die Stossdämpfer mit hydraulischen Anschlägen. Diese Technik erlaubt es, die Grundabstimmung des Fahrwerks sehr straff und direkt auszulegen, um Wankbewegungen in Kurven zu minimieren, während sie gleichzeitig in der Lage ist, harte Stöße und kurze Bodenwellen souverän wegzubügeln. Das Ergebnis ist eine Straßenlage, die sich äußerst satt und stabil anfühlt, ohne die Insassen mit übermäßiger Härte zu malträtieren.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Die Lenkung der A290 GTS arbeitet präzise und mit einer angenehmen Direktheit, die das Fahrzeug sehr handlich wirken lässt. Dank des kurzen Radstands von 2.534 Millimetern und der um 60 Millimeter verbreiterten Spur lässt sich der Wagen äußerst agil um Ecken zirkeln. Die Gewichtsverteilung von 57 Prozent auf der Vorderachse sorgt für eine gute Traktion beim Einlenken, während das Heck bei Lastwechseln sanft und berechenbar mitlenkt, was der Alpine eine spielerische Note verleiht, die vielen anderen Elektroautos fehlt. Die Bremsanlage von Brembo mit 320-mm-Scheiben vorne greift beherzt zu und bietet auch nach mehreren harten Bremsmanövern einen konstanten Druckpunkt.

Ein weiteres Highlight ist das einstellbare Rekuperationssystem, das über einen blauen Drehregler am Lenkrad in vier Stufen justiert werden kann. Während Stufe 0 nahezu ungehindertes Segeln erlaubt, ermöglicht die höchste Stufe eine starke Verzögerung, die fast einem One-Pedal-Driving entspricht, wenngleich das Fahrzeug für den vollständigen Stillstand auf den letzten Metern oft noch die mechanische Bremse benötigt. Insgesamt bietet die Alpine A290 GTS eine Fahrdynamik, die beweist, dass Fahrspaß und Elektromobilität kein Widerspruch sein müssen, solange das Know-how im Bereich der Fahrwerksgeometrie und Abstimmung konsequent genutzt wird.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Batterie und Zellchemie: Das Herz des Stromers

Die Alpine A290 GTS nutzt ein 52 kWh großes Batteriepaket, das ausschließlich auf Lithium-Ionen-Zellen mit NMC-Chemie (Nickel-Mangan-Kobalt) setzt. Diese Zellchemie wurde gewählt, da sie im Vergleich zu LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat) eine höhere Energiedichte bietet, was bei den kompakten Abmessungen des Fahrzeugs entscheidend ist, um ein akzeptables Gewicht und eine angemessene Reichweite zu erzielen. Die Zellen werden von Envision AESC zugeliefert und zeichnen sich durch eine hohe thermische Stabilität und Zyklenfestigkeit aus, was für ein performanceorientiertes Fahrzeug von großer Bedeutung ist.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Die Ladeleistung der A290 GTS ist mit maximal 100 kW am DC-Schnelllader solide, aber nicht klassenbestimmend. Unter optimalen Bedingungen lässt sich der Akku in rund 30 Minuten von 15 auf 80 Prozent laden. Für die Langstrecke bedeutet dies, dass man etwa alle 200 bis 250 Kilometer einen Ladestopp einplanen sollte, was den Charakter der Alpine als primär urbanen Sportwagen unterstreicht. An einer Wechselstrom-Ladestation (AC) lädt das Fahrzeug mit bis zu 11 kW, was eine vollständige Ladung in etwa fünf Stunden ermöglicht.

Ein wegweisendes Feature ist die serienmäßige Wärmepumpe, die insbesondere bei kalten Temperaturen dazu beiträgt, den Effizienzverlust zu minimieren und die Innenraumheizung batterieschonend zu betreiben. Zudem ist das System für bidirektionales Laden vorbereitet (V2L und V2H), was es erlaubt, externe elektrische Geräte mit bis zu 3,7 kW zu betreiben oder das Fahrzeug als Pufferspeicher für das Eigenheim zu nutzen. Diese technologische Tiefe zeigt, dass Alpine nicht nur auf Fahrspass setzt, sondern die Anforderungen an ein modernes Elektrofahrzeug vollumfänglich verstanden hat.

Effizienz und Verbrauch: Die Realität der Reichweite

In der offiziellen WLTP-Messung erreicht die Alpine A290 GTS eine kombinierte Reichweite von bis zu 364 Kilometern, was einem Normverbrauch von 16,5 kWh pro 100 Kilometer entspricht. Rechnet man diesen Wert in ein Benzinäquivalent um, so konsumiert die Französin lediglich 1,87 Liter auf 100 Kilometer. Diese Zahlen suggerieren eine hohe Effizienz, die jedoch in der Fahrpraxis stark vom Gasfuß und den äußeren Bedingungen abhängt. Bei engagierter Fahrweise auf kurvigen Landstraßen klettert der Verbrauch schnell auf über 20 kWh, was die reale Reichweite auf etwa 240 Kilometer reduziert.

Besonders im Winter offenbaren sich die Grenzen des 52 kWh-Akkus. Bei niedrigen Temperaturen und Autobahntempo steigt der Energiebedarf auf bis zu 25 kWh pro 100 Kilometer an, wodurch die Reichweite auf rund 200 Kilometer schrumpft. Dies erfordert auf längeren Reisen eine sorgfältige Planung, die glücklicherweise durch die intelligente Google-Software gut unterstützt wird. Im Stadtverkehr hingegen kann die Alpine ihre Stärken voll ausspielen: Dank der effizienten Rekuperation lassen sich hier problemlos Verbräuche von 12 bis 13 kWh erzielen, was Reichweiten von über 400 Kilometern in greifbare Nähe rückt.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Für den Flotteneinsatz ist dieser Aspekt zweischneidig. Während die geringen Energiekosten und die steuerlichen Vorteile die TCO (Total Cost of Ownership) positiv beeinflussen, schränkt die begrenzte Langstreckentauglichkeit den Einsatzbereich auf regionale Tätigkeiten oder als Poolfahrzeug ein. Insgesamt zeigt sich, daß die Alpine A290 GTS zwar ein effizientes Elektroauto ist, ihre wahre Bestimmung jedoch im Fahrspaß auf kürzeren Strecken liegt und sie weniger als primäres Reisefahrzeug für Kilometerfresser konzipiert wurde.

Alpine A290 GTS 160 kW / 218 PS (52 kWh) 1-Gang-Automatik - 2025
Hersteller:Alpine / Renault
Karosserie:Schrägheck Kleinwagen 5-türig
Motoren:Stromerregte Synchronmaschine (SSM) an der Vorderachse
GetriebeReduktionsgetriebe, 1-Gang
AntriebFrontantrieb
Leistung:160 kW / 218 PS
Drehmoment:300 Nm
Batterietyp:NCM
Brutto-Batterieenergieinhalt:52 kWh
Nennspannung:400 V
Elektrische Reichweite kombiniert (WLTP):360 km
Elektrische Reichweite innerorts (WLTP):480 km
Ladedauer AC 11 kW 0-100% SOC3:13 h
Maximale DC Ladeleistung100.0 kW
Ladezeit 15-80 % SOC mit max. kW DC ca.:00:30 h
Ladeanschlussposition:Vorne rechts (Fahrerseite)
V2L:Optional
V2G:Serie
Von 0 auf 100: 6,4 s
Höchstgeschwindigkeit:170 km/h
Verbrauch WLTP:16,5 kWh/100 km
CO2-Klasse:
A
CO2-Ausstoß:0 g/km
Wendekreis:10,2 Meter
Leergewicht:1.479 kg
Zulässiges Gesamtgewicht:1.950 kg
Zul. Anhängelast gebremst bei 12%:500 kg
Zul. Anhängelast ungebremst:500 kg
Stützlast:63 kg
Kofferraum:326 (300 mit Devialet audio System) bis 1.106 Liter (Rückbank 60:40 geteilt)
Räder und Bereifung:Michelin Pilot Sport 5S - 225/40R19 93V
Länge/Breite/Höhe/Radstand:3.990/1.820/2.020/2.530 mm
Garantie:3 Jahre / 100.000 km
Hochvolt-Batteriegarantie:8 Jahre oder max. 160.000 km, mit 70% Akkuleistung (SoH)
Basispreis A290 GTS Ab 45.000 Euro
Testwagenpreis:Mind. 47.150 Euro

Preisgestaltung und Modellvarianten

Der Einstieg in die Welt von Alpine beginnt bei 38.700 Euro für die 177 PS starke GT-Version. Die hier getestete GTS-Variante mit voller Leistung und exklusiver Ausstattung schlägt mit 44.700 Euro zu Buche. Dazwischen positionieren sich die Versionen GT Performance für 41.700 Euro und GT Premium für 41.900 Euro. Die GTS-Ausführung läßt kaum Wünsche offen und beinhaltet bereits das Devialet-Soundsystem, die Nappa-Lederausstattung, die Wärmepumpe sowie ein umfangreiches Paket an Assistenzsystemen inklusive 360-Grad-Kamera. Aufpreispflichtige Extras beschränken sich primär auf optische Individualisierungen wie spezielle Lackierungen oder Styling-Pakete mit der französischen Trikolore. Im Vergleich zum technisch verwandten Renault 5 ist der Aufpreis für die Alpine zwar saftig, wird aber durch das deutlich überlegene Fahrwerk, die höhere Exklusivität und das sportliche Markenimage gerechtfertigt.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Viel Fahrspaß trifft auf begrenzte Reichweite

Die Alpine A290 GTS ist ein mutiges Bekenntnis zum sportlichen Fahren im Elektrozeitalter. Den Ingenieuren ist es gelungen, auf der soliden Basis eines Kleinwagens ein Fahrzeug zu kreieren, das durch Agilität, Präzision und eine enorme Liebe zum Detail besticht. Das Fahrwerk setzt Maßstäbe in dieser Klasse und beweist, dass Sportlichkeit nicht zwingend zu Lasten des Komforts gehen muss. Die Integration des Google-Infotainments und das exzellente Soundsystem machen jede Fahrt zu einem digitalen Erlebnis. Dennoch bleibt die begrenzte Reichweite der Achillesferse dieses Konzepts. Die Alpine A290 GTS ist kein Vernunftauto für Kilometerfresser, sondern ein hochemotionales Spielzeug für Enthusiasten und ein exklusiver Begleiter für den urbanen Lifestyle. Wer bereit ist, den Preis für Individualität und Fahrfreude zu zahlen, bekommt einen charakterstarken Sportler, der zeigt, dass die Marke Alpine auch ohne fossile Brennstoffe eine glänzende Zukunft hat. Viel Fahrspaß trifft hier auf eine Reichweite, die Disziplin erfordert, doch der Gewinn an Emotionen pro gefahrenem Kilometer ist in diesem Segment derzeit unerreicht.

Alpine A290 GTS 160 kW / 52 kWh