MOTORMOBILES

Das Automagazin im Internet

Geely schafft mit neuem Hybrid-Antrieb den Effizienz-Rekord von 2,2 Litern Normverbrauch als neuen Benchmark

Bildnachweis: Geely - YouTube-Video

 

Hat der klassische Motor plötzlich wieder eine Zukunft?

48,41 Prozent – ein Wert, der bisher eher in der Formel 1 oder in hochgezüchteten Labortests zu finden war, schickt sich nun an, den Alltag auf deutschen Autobahnen zu revolutionieren. Während die etablierte Automobilwelt den Verbrennungsmotor bereits auf dem Schrottplatz der Geschichte wähnte, brennt in den Entwicklungslaboren von Geely ein Feuer, das die gesamte Branche zur Neuorientierung zwingen könnte.

Der thermodynamische Durchbruch in der Serienfertigung

Man stelle sich vor, ein herkömmlicher PKW könnte mit weniger als drei Litern Kraftstoff über die Autobahn gleiten, ohne dabei auf schwere Batterien oder langanhaltende Ladestopps angewiesen zu sein. Genau dieses Szenario rückt mit der Vorstellung des neuen i-HEV Intelligent Hybrid-Systems in greifbare Nähe, das nicht nur technologische Grenzen verschiebt, sondern den Wirkungsgrad-Rekord für Serienmotoren pulverisiert. Es ist ein Weckruf aus China, der zeigt, dass die Evolution der Kolbenmaschine noch lange nicht an ihrem thermodynamischen Ende angelangt ist. Für Autofahrer, die bisher skeptisch auf die reine Elektromobilität blickten, bietet diese Entwicklung eine hocheffiziente Alternative, die den Geldbeutel zu schonen verspricht und gleichzeitig die Emissionen drastisch senkt. Deshalb lohnt es sich, einen tiefen Blick unter die Motorhaube zu werfen, wo modernste Metallurgie auf künstliche Intelligenz trifft.

Thermodynamischer Meilenstein, den viele Ingeneure für kaum erreichbar hielten

Der Kern dieser Entwicklung ist ein thermodynamischer Meilenstein, den viele Ingeneure für kaum erreichbar hielten. Geely gibt für seinen neuesten BHE-Serienmotor einen thermischen Wirkungsgrad von 48,41 Prozent an. Um diesen Wert einzuordnen: Ein moderner Ottomotor in einem Standard-Pkw erreicht oft nur Werte zwischen 30 und 38 Prozent, während Toyota mit seinen gefeierten Dynamic Force Motoren bisher bei etwa 41 Prozent die Benchmark setzte. Aber Geely geht nun fast 7 Prozentpunkte weiter und nähert sich damit Regionen an, die bisher nur von den hochexperimentellen Power-Units der Formel 1 mit ihrem enormen technischen Aufwand erreicht wurden. Dieser Fortschritt bedeutet im Klartext, daß fast die Hälfte der im Benzin enthaltenen Energie tatsächlich in Bewegung umgesetzt wird, statt ungenutzt als Hitze zu verpuffen. Deshalb deutet dieses Hybrid-System an, den Verbrenner im Wettbewerb der Antriebsarten wieder zu etwas mehr Konkurrenzfähigkeit zu verhelfen.

Die geheime Zutat: Fire Tornado und Miller-Zyklus

Aber wie gelingt ein solcher Sprung in der Effizienz, ohne dass der Motor nach wenigen Kilometern den Dienst versagt? Die Antwort liegt in einem System, das die Chinesen plakativ als Fire Tornado bezeichnen. Dahinter verbirgt sich eine hochkomplexe Optimierung der Verbrennungsabläufe im Zylinder. Durch eine spezielle Gestaltung der Ansaugwege, die als „Duckbill“-Einlass bekannt ist, wird die Luft so in den Brennraum geführt, dass ein extrem starker vertikaler Wirbel entsteht. Diese gezielte Verwirbelung sorgt dafür, dass sich der Kraftstoff in Millisekunden perfekt mit der Luft vermischt, was eine fast rückstandsfreie und extrem schnelle Verbrennung ermöglicht. Deshalb kann das System mit einem für Benzinmotoren ungewöhnlich hohen Verdichtungsverhältnis von 15,5 zu 1 arbeiten, ohne dass es zum gefürchteten Klopfen kommt.

Bildnachweis: Geely – YouTube-Video

Präzisionsmechanik und Reibungsminimierung

Auch die Geometrie des Motors spielt eine entscheidende Rolle. Der Hub-Bohrungs-Faktor liegt bei 1,39, was bedeutet, dass der Motor ein ausgeprägter Langhuber ist. Diese Bauweise minimiert die Oberfläche des Brennraums im Verhältnis zum Volumen und reduziert so die thermischen Verluste über die Zylinderwände. Um den extremen Drücken standzuhalten, wurde das Einspritzsystem auf einen Spitzenwert von 500 Bar aufgerüstet. Das sorgt für eine feinste Zerstäubung des Krafstoffs, die selbst bei hohen Lasten für ein stabiles Flammbild sorgt. Aber auch die Mechanik selbst wurde verfeinert: Geely nutzt Diamond-Like Carbon Beschichtungen und Präzisionspolitur für alle beweglichen Teile, was die Reibungsverluste im Vergleich zum Vorgänger um 16,3 Prozent senkt.

Künstliche Intelligenz als Effizienz-Turbo

Aber Hardware allein reicht im Jahr 2026 nicht mehr aus, um Weltrekorde aufzustellen. Das i-HEV System wird von einer Rechenzentrale gesteuert, die Geely als Xingrui AI Cloud Power 2.0 bezeichnet. Diese künstliche Intelligenz fungiert als das Gehirn des Antriebsstrangs und geht weit über das hinaus, was herkömmliche Motorsteuergeräte leisten. Die KI analysiert in Echtzeit Parameter wie die aktuelle Luftfeuchtigkeit, die Meereshöhe und die Umgebungstemperatur. Deshalb kann das System die Verbrennungsstrategie vorausschauend anpassen, wenn das Fahrzeug beispielsweise von einer kühlen Küstenregion in die dünne Luft eines Gebirgspasses fährt. In Tests konnte die Gesamtenergieeffizienz durch diese adaptive Steuerung um mehr als 10 Prozent gesteigert werden.

Bildnachweis: Geely – YouTube-Video

Das hybride Zusammenspiel der Kräfte

Deshalb ist das i-HEV System kein reiner Verbrenner, sondern ein hochintegrierter Hybridantrieb mit einer P1+P3-Architektur. Das bedeutet, daß ein Elektromotor als Starter-Generator fungiert, während ein zweiter, 230 kW starker Elektromotor primär für den Antrieb sorgt. In typischen urbanen Szenarien kann das Fahrzeug dadurch bis zu 80 Prozent der Zeit rein elektrisch fahren, wobei der Verbrennungsmotor lediglich als hochefizienter Stromlieferant im Hintergrund läuft. Die Beschleunigung von 0 auf 30 km/h gelingt so in nur 1,84 Sekunden, was im Stadtverkehr für eine Agilität sorgt, die man sonst nur von reinen Elektroautos kennt. Aber im Gegensatz zu diesen benötigt das i-HEV System keine schwere und teure Batterie, da ein kleiner 1 bis 2 kWh Akku mit hoher C-Rate ausreicht, um die Energieflüsse zu puffern.

Guinness-Rekorde und Realverbrauch

Aber was bedeutet das konkret für den Endkunden? Die ersten Modelle, die mit dieser Technik auf den Markt kommen, sind die Limousine Preface und das SUV Monjaro. Für den Preface i-HEV gibt Geely einen offiziellen WLTC-Verbrauch von 3,98 Litern an. Bei einer Rekordfahrt auf der Insel Hainan konnte ein Emgrand i-HEV mit dieser Technik sogar einen Guinness-zertifizierten Wert von 2,22 Litern erzielen. Das sind Regionen, die bisher nur von Mopedmotoren erreicht wurden, hier aber einer ausgewachsenen Familienlimousine zugutekommen. Deshalb ist auch die Preisgestaltung eine Kampfansage an die Konkurrenz. In China startet der Preface i-HEV in der Lingyun Edition zu lokalen Preisen von etwa 15.600 USD (ca. 13.300 Euro). Die besser ausgestatteten Varianten Xinghan und Wangshu liegen bei 16.500 USD (14.100 Euro) beziehungsweise 17.300 USD (14.800 Euro).

Langlebigkeit unter Extrembedingungen

Es stellt sich natürlich die Frage nach der Haltbarkeit bei solch extremen technischen Parametern. Ein Verdichtungsverhältnis von 15,5 zu 1 und ein Einspritzdruck von 500 Bar belasten die Zylinderkopfdichtung und die Lager massiv. Geely versucht diesen Zweifeln mit harten Daten zu begegnen. Der Motor hat laut Hersteller 15.000 Stunden auf dem Prüfstand absolviert, was einer Laufleistung von etwa 4,8 Millionen Kilometern entsprechen würde. Dennoch bleibt eine gewisse Skepsis, wie sich diese Hochleistungstechnik unter den oft vernachlässigten Wartungsbedingungen im Alltag über 10 oder 15 Jahre schlägt. Aber der Beobachter muss anerkennen, dass die Validierung unter Extrembedingungen von minus 40 bis plus 55 Grad zeigt, dass Geely hier keine halben Sachen macht.

Kooperation in Europa zu Renault: Horse Powertrain und Repsol

Aber der Fortschritt beschränkt sich nicht nur auf den Motorblock aus Fernost. Über das Gemeinschaftsunternehmen Horse Powertrain, das Geely zusammen mit Renault und Aramco betreibt, wird die Brücke nach Europa geschlagen. In Spanien wurde der H12 Concept Motor vorgestellt, der auf dem bewährten 1,2-Liter-Dreizylinder basiert, aber für den Betrieb mit 100 Prozent erneuerbarem Kraftstoff optimiert wurde. In Kooperation mit dem Energieriesen Repsol wurde ein synthetisches Benzin entwickelt, das bereits an 30 Tankstellen in Spanien für lediglich 10 Cent Aufpreis pro Liter erhältlich ist. Dieser Kraftstoff ermöglicht es, den CO2-Ausstoß um bis zu 90 Prozent zu senken, ohne dass am Fahrzeug Hardware-Änderungen vorgenommen werden müssen. Das ist deshalb so bedeutend, weil es eine sofortige Lösung für die Millionen bereits existierenden Verbrenner bietet.

Marktaussichten und ökonomische Realität

Deshalb ist die Strategie von Geely so gefährlich für die Konkurrenz: Man bietet nicht nur den sparsamsten Motor an, sondern integriert ihn in ein Ökosystem aus erneuerbaren Kraftstoffen und intelligenter Software. Der Monjaro i-HEV, der in China für umgerechnet etwa 19.600 USD (16.800 Euro) in der Basisversion Lingyun startet, zeigt, dass diese Technik auch in großen SUVs funktioniert. Mit einem Sprittverbrauch von 4,75 Litern unterbietet er klassische Rivalen wie den Toyota RAV4 Hybrid deutlich. Aber man sollte nicht vergessen, dass diese Preise stark von den chinesischen Produktionsbedingungen profitieren. Bei einem Marktstart in Deutschland, der für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet wird, dürften die Preise durch Zölle, Logistik und hiesige Steuern deutlich höher – meist im Bereich Faktor 2 – ausfallen.

Digitale Welten und kritische Stimmen

Dennoch bleibt die technische Leistung beeindruckend. Das System nutzt das 3-Gang-DHT-Getriebe, um in jeder Situation die optimale Übersetzung zu finden, während das GEEA 3.0 Bordnetz für eine blitzschnelle Datenübertragung sorgt. Im Cockpit erwartet den Fahrer eine digitale Erlebniswelt mit Flyme Auto Infotainment und einem Snapdragon 8155 CPU. Aber auch hier gibt es Kritikpunkte: Tester berichten von einer fast schon zu weichen Federabstimmung, die zwar komfortabel ist, aber auf schnellen Autobahnetappen in Europa etwas mehr Rückmeldung vermissen lassen könnte. Zudem sind die Assistenzsysteme oft sehr sensibel eingestellt und neigen zu häufigen Warntönen, was im Alltag eher nervt als hilft.

Ein technologisches Statement

Aber trotz dieser Detailmängel markiert die i-HEV Technologie einen Wendepunkt. Geely beweist, daß der Verbrennungsmotor durch radikale Optimierung und die Hilfe von KI wieder Boden gut machern kann. Ob er zu einer ernsthaften Konkurrenz für das Elektroauto werden kann, dürfte zu bezweifelkn sein. Aber wenn man bedenkt, dass die Ladeinfrastruktur in vielen Teilen der Welt noch lückenhaft ist, bietet dieser hocheffiziente Hybrid eine pragmatische Lösung für den Klimaschutz gerade in Schwellenländern. Deshalb werden wir möglicherweise in den nächsten Jahren einen neuen Wettlauf bei den Antrieben erleben. Toyota wird reagieren müssen, und auch die europäischen Hersteller können es sich nicht mehr leisten, die Entwicklung von Verbrennungsmotoren komplett einzustellen. Der i-HEV aus China ist mehr als nur ein neuer Motor – er ist ein technologisches Statement für die Vielseitigkeit der zukünftigen Mobilität.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen