Der Omoda 5 -Bildnachweis: Chery
Start mit der IAA im September 2025: Geplanter Fahrplan und Ziele
Chery betritt die deutsche Automobilbühne – und das kaum unbemerkt. Der größte chinesische Autoexporteur bringt seine Marken Omoda und Jaecoo [LINK] im vierten Quartal 2025 offiziell nach Deutschland und zielt dabei sowohl auf breite Käuferschichten als auch gezielt auf Skeptiker westlicher Herkunft. Vom viel beachteten Auftritt auf der IAA Mobility in München wagt Chery den nächsten Schritt, um im europäischen Wettbewerbsumfeld Fuß zu fassen. Die Erwartungen sind hoch, die Fragen nach Chancen und Herausforderungen ebenso.

Schrittweise dringt Chery seit Jahren mit seiner Modellstrategie in Europa vor und konnte sich bereits in Ländern wie Spanien, Italien, Polen und Großbritannien bewähren. Das Unternehmen verfolgt ausdrücklich keine Billigstrategie. Vielmehr sieht sich Chery als Wettbewerber für etablierte Volumenhersteller – allen voran im Segment elektrifizierter Kompakt-SUV, das als Wachstumsfeld der kommenden Jahre gilt. Der Verkaufsstart in Deutschland ist für das vierte Quartal 2025 angesetzt, wobei die erste Präsentation der Modelle Omoda 5 BEV und Jaecoo 7 Plug-in-Hybrid im Rahmen der IAA stattfindet. Dabei geht es Chery nach eigenen Angaben noch nicht vorrangig um hohe Erstverkäufe, sondern um Markenbildung und Vertrauensaufbau in einem Markt, der durch Skepsis gegenüber neuen asiatischen Marken geprägt ist.

Modellpolitik: Omoda 5 und Jaecoo 7 als Speerspitze
Der Omoda 5 startet als batterieelektrische Variante mit einer angepeilten Reichweite von bis zu 500 Kilometern, was ihn direkt in das Wettbewerbsfeld gegen bekannte Modelle wie den VW ID.4, Hyundai Kona Electric oder Kia Niro EV katapultiert. Bei Jaecoo 7 handelt es sich um ein Plug-in-Hybrid-SUV, das klassische Verbrennerreichweite mit elektrischer Alltagstauglichkeit verbinden will. Beide Fahrzeuge wurden im europäischen Entwicklungszentrum in Raunheim umfangreich an die Anforderungen des deutschen Markts angepasst. Hier liegen die Schwerpunkte explizit auf Fahrwerksabstimmung, Sicherheitsausstattung und Komfort, um liebgewonnene Standards deutscher Autokäufer nicht zu unterlaufen. Alle Modelle werden europaweit nach neuesten Normen zertifiziert und erhalten unter anderem Euro-NCAP-, WVTA- sowie TÜV-Prüfungen.

Preisstruktur und Garantieversprechen
Angaben zu den genauen Einstiegspreisen stehen offiziell noch aus. Es ist aber klar, dass Chery kein Billigsegment adressieren möchte, sondern sich mit Preisen voraussichtlich im Bereich etablierter europäischer Volumenhersteller positioniert. Die Preisstrategie gilt als Schlüssel zur Markenpositionierung, insbesondere, um Vorbehalte aufgrund des Produktionsstandorts zu adressieren. Im Gespräch sind Modellpreise, die sich im unteren bis mittleren Bereich der Konkurrenzmodelle von VW, Hyundai, Toyota oder Renault ansiedeln könnten. Zudem werden umfangreiche Garantieleistungen mit fünf Jahren oder bis zu 100.000 Kilometern zugesichert. Diese Offensive soll vor allem Vertrauen bei Erstkunden schaffen, die mit den chinesischen Marken bislang keine praktischen Erfahrungen verbinden.
Händlernetz und Servicekonzept: Präsenz in Metropolen, Ausbau geplant
Bis Ende des Jahres möchte Chery ein Netz von zunächst 45 Händlerstandorten aufbauen, 2026 bereits auf 100 und mittelfristig auf bis zu 365 Filialen erweitern. Der Fokus zu Beginn liegt auf großen Ballungsräumen – in Städten wie Frankfurt, München, Berlin oder Hamburg werden bereits Vertriebs- und Servicestandorte vorbereitet. Das System der sogenannten 4S-Betriebe ermöglicht es, Verkauf, Wartung, Ersatzteilversorgung und umfassende Kundenbetreuung an einem Standort zu bündeln. Kleine regionale Autohäuser werden erst zu einem späteren Zeitpunkt in das Vertriebsnetz eingebunden, weil Chery auf professionelle Standards und funktionierende Strukturen Wert legt. Die Investitionen pro Standort liegen im niedrigen sechsstelligen Bereich, sodass sich auch etablierte Handelsgruppen angesprochen fühlen.
Lokalisierung und europäische Integration
Damit Fahrzeuge von Chery in Deutschland bestehen können, werden gezielt technische Anpassungen vorgenommen. Über die reine Produktentwicklung hinaus plant Chery mittelfristig eine Produktion in Europa. Gespräche über eine mögliche Fertigung in einem noch nicht benannten Werk eines großen deutschen Herstellers – Spekulationen gibt es in Richtung Volkswagen – sollen die Markteintrittsbarrieren senken und europäische Produktionsanteile stärken. Dadurch könnten auch die Auswirkungen von möglichen EU-Schutzmaßnahmen, etwa höheren Zöllen auf in China gefertigte Elektroautos, abgefedert werden. Chery betont, dass der lokale Produktionsanteil schrittweise erhöht werden soll und Batterien perspektivisch auch außerhalb Chinas bezogen werden könnten – dies gilt als strategische Antwort auf drohende Handelsbarrieren.
Absatz- und Produktstrategie: Ziele für Deutschland
Chery möchte sich auf Sicht von fünf Jahren mit einem Marktanteil von etwa drei Prozent etablieren und strebt langfristig eine Jahresverkaufszahl von etwa 85.000 Fahrzeugen an. Zum Marktstart werden zunächst etwa 13.000 Zulassungen erwartet, im Folgejahr sollen es bereits über 27.000 sein. Die Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern wie Spanien, wo Chery bereits einen Marktanteil von rund zwei Prozent erreicht hat, dienen als Vorbild für die deutschen Ambitionen. Entscheidend für den Erfolg wird sein, ob die Modelle nicht nur bei Preis und Ausstattung, sondern auch hinsichtlich Fahrkultur, Verarbeitungsqualität und After-Sales-Service überzeugen.
Unabhängige Bewertung: Chancen und Herausforderungen
Der Deutschlandstart von Chery ist kein gewöhnlicher Markteintritt, sondern könnte weitreichende Folgen für das hiesige Wettbewerbsumfeld haben. Mit umfassender Produktoffensive und schnellem Ausbau der Handelspartner sowie gezielter technischer Anpassung liefert Chery zwar Antworten auf zentrale Marktanforderungen, steht jedoch weiterhin vor Unsicherheiten. Dazu zählen etwa das deutsche Markenbewusstsein, der hohe Qualitätsanspruch von Kunden sowie Unsicherheiten bezüglich politischer Rahmenbedingungen und möglicher Handelsbeschränkungen. Auch der Aufbau einer eigenen Identität abseits vom pauschalen Image chinesischer Billighersteller ist eine zentrale Hürde.
Fazit: Spannende Zeiten mit offenem Ausgang
Chery bringt zum Start in Deutschland solide Produkte mit hohem technologischen Anspruch und attraktiver Preispositionierung mit. Die Strategie ist durchdacht und lernt aus Erfahrungen anderer Märkte. Doch ob die Ansprache im stark umkämpften und von Traditionen geprägten deutschen Automarkt wirklich gelingt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Chery bleibt damit ein Beispiel dafür, wie globalisierte Mobilität neue Wege sucht und Märkte in Bewegung setzt.

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