Hyundai Tucson 2.0 CRDi AWD 48-Volt-Mildhybrid im Test

9. März 2019 00:40 Autor:
Hyundai Tucson Premium 2.0 CRDi Automatik 4WD mit 48 Volt Mildhybridsystem im ausführlichen Fahrbericht – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Emissions- und Kraftstoffeinsparungen mit zukunftsweisender Technologie

Laut Hyundai ist der Tucson das weltweit am meisten verkaufte SUV des Konzerns. Pro Jahr verbuchten die Südkoreaner einen weltweiten Absatz von über 600.000 Fahrzeugen. Ein Erfolgsfaktor dürfte sein Design sein. Formal präsentiert sich das talentierte Kompakt-SUV sehr europäisch und in seinen Qualitäts-Tugenden sogar ausgesprochen deutsch. Der Tucson erarbeitete sich ein Image insgesamt ein funktionelles Auto ohne besondere Schwächen zu sein. Angesichts der umfangreichen Serienausstattung ist er angemessen bepreist. Er steht im direkten Wettbewerb zum VW Tiguan, Audi Q3, BMW X3 oder Ford Kuga. Den Preiseinstieg markiert der Tucson 1.6 GDi Benziner mit 132 PS (97 kW) zu Preisen ab mindestens 22.970 Euro. Zur Modellpflege des Tucson hat Hyundai sein Bestseller-SUV umfassend aktualisert. Weltweit einmalig in diesem Segment ist das 48-Volt-Mild-Hybridsystem in Verbindung mit einem Dieselmotor. Der Tucson ist das erste Modell der Südkoreaner mit 48-Volt-Mildhybridsystem. In Europa ist der Diesel immer noch die meistgewählte Motorisierung im Tucson. Benziner haben nur einen verschwindend geringen Anteil. Wir haben überprüft, ob sich die Mehrinvestition lohnt und fuhren die verjüngste Neuauflage des kompakte SUV mit neuem Diesel samt 48 Volt Mild-Hybridsystem, Allradantrieb und Achtgang-Automatik in der Spitzenausstattung Premium.

Hyundai Tucson Premium 2.0 CRDi Automatik 4WD
Zur Modellpflege des Tucson hat Hyundai sein Bestseller-SUV umfassend aktualisert. Weltweit einmalig in diesem Segment ist das 48-Volt-Mild-Hybridsystem in Verbindung mit einem Dieselmotor - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Neue Optik

Optisch präsentiert sich die neue Tucson-Generation, die im Hyundai-Technikzentrum in Rüsselsheim entstand, mit einem dezenten Lifting. Die optischen Unterschiede sind schnell aufgezählt: Das neue Modell gibt sich durch eine neu gestaltete Front- und Heckpartie mit einem eindrucksvollen Kühlergrill und neuen Scheinwerfern zu erkennen. Die Leuchtengrafik haben die Koreaner geschärft, sodass die Scheinwerfer nun kleiner wirken. Außerdem ändern sich Frontschürze und Einsätze für die Nebelscheinwerfer. Die Rückleuchten am Heck erhielten im Rahmen des Facelift neben der neuen Leuchtgrafik auch eine anderes Design.

Interieur mit komplett neuem Armaturenbrett

Im Innenraum ändert sich im Vergleich zum Exterieur deutlich mehr und es geht nun spürbar komfortabler zu als bisher. Im Innenraum des Tucson gibt es ein komplett neu gestaltetes Armaturenbrett und die Smartphone-Standards Apple Carplay und Android Auto. Das Cockpit des Tucson wurde sichtbar überarbeitet und wirkt deutlich moderner. Die Umgestaltung des Armaturenbretts dient primär vor allem einer Angleichung an die anderen beiden SUV Santa Fe und den kleineren Hyundai Kona. Oberhalb Klimaanlage und Handschuhfach ist alles komplett neu. Insgesamt wirkt der Fahrerplatz vorbildlich aufgeräumt und die Bedienung erschließt sich intuitiv. Bislang steckte der Monitor des Infotainmentsystems beim Tucson im Armaturenbrett. Nun thront er auf der Mittelkonsole als bis zu acht Zoll großer Multimedia-Touchscreen. Der einstige Plastik-Look ist sichbar feineren Materialien gewichen. Die Oberflächen der Armaturentafel fassen sich zudem deutlich angenehmer an. Trotz Soft-Touch-Oberflächen ist der Hartplastikanteil allerdings auch weiterhin nicht gänzlich zu leugnen. Zu dem dennoch besseren Ambienté tragen zudem schickere Farben bei.

Die Sitze wie auch des Lenkrad punkten mit ihrem weiten Verstellbereich. Die Fondlehne läßt sich zulasten des Kofferaum auch in der Neigung verstellen. Selbst vier Erwachsene der 1,85-Meter-Fraktion kommen sich nicht in die Quere und finden gute und ausreichend bequeme Platzverhältnisse vor, das sie auch längere Strecken weitgehend ermüdungsfrei überstehen lassen. Der hintere Mittelplatz ist aufgrund des Kardantunnels eine Notlösung. Die Fixierung eines dritten Kindersitzes in der Mitte erweist sich ebenfalls wegen der Konturierung der Sitz- und Lehnenflächen als nicht so ideal.

Mit dem Lithium-Ionen-Akku verkleinert sich das Kofferraumvolumen um 54 auf 459 bis 1.449 Liter. Im Alltag dürfte das kleine Volumen-Minus unter dem Ladeboden leicht zu verschmerzen sein. Platz für die Passagiere ist genug vorhanden.

Antrieb – Mildhybrid mit 48 Volt-Bordnet und 12 kW-Boost

Wir fuhren den Tucson mit einen 2,0 Liter CRDi-Diesel der als erstes Hyundai-Modell mit einem zweiten, 48 Volt starken Bordnetz, das den Wagen zum 186 PS (136 kW) starken Mildhybriden macht. Wie alle Modelle der Marke Hyundai erfüllt auch der Diesel die neue Abgasnorm Euro 6d-Temp.

Der Mild Hybrid Starter Generator (MHSG) ist eine Kombination von Elektro- und Verbrennerantrieb. Dem Elektroantrieb wird hier nur als partielle Unterstützung herangezogen, zum Beispiel beim Beschleunigen. Der leistungsstärkere 48 Volt Zusatz-Bordnetz versorgt einen über Riemen mit der Kurbelwelle verbundenen Startergenerator. Er unterstützt den Verbrennungsmotor bei jedem Beschleunigungsvorgang mit bis zu 12 kW Leistung. Beim leichten Beschleunigen entlastet der Startergenerator den Diesel und reduziert so Emissionen und Kraftstoffverbrauch. Effizienz und Fahrspaß ergänzen sich optimal.

Während Vollhybridfahrzeuge auch für eine gewisse Zeit auf den Antrieb eines Benzin- oder Dieselaggregats verzichten können, übernimmt ein Mildhybridsystem den Antrieb nie exklusiv. Dennoch macht sich sein Einfluss auf Verbrauch und Abgasverhalten positiv bemerkbar. So reduzieren sich laut Hersteller Kraftstoffverbrauch und Abgasemissionen um bis zu sieben Prozent bzw. nach WLPT noch um 4%. Die notwendigen Energiereserven stellt eine Speicherbatterie unter dem Gepäckraumboden bereit, deren Kapazität 0,44 kWh beträgt. Zudem schaltet sich der Motor schon beim Ausrollen ausund unauffällig wieder an. Die Batterie lädt sich beim Bremsen und „Segeln“ wieder auf. Die für die Elektrifizierung konzipierte Technologie umfasst eine 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie mit 0,44 kWh Speichervolumen, einen Mildhybrid-Startergenerator (MHSG) und einen Gleichspannungswandler, der das herkömmliche 12-Volt-Bordnetz mit dem neuen 48-Volt-System verbindet. Da die elektrischen Verbraucher nicht mehr über den Motor aufgeladen werden müssen, sinkt überdies der Kraftstoffverbrauch. Den Wechsel zwischen Antriebs-und Lademodus regelt ebenso wie das reibungslose Zusammenspiel aller Komponenten eine intelligente Steuerelektronik unmerklich und vollautomatisch, ganz ohne Zutun des Fahrers. Auch gewährt das System keine weitreichenden Information zu Modus und Antriebsanteil des Mildybridsystem.

Der Antrieb ist generell kraftvoll und sorgt für Agilität. Hierzu tragen sicherlich auch die zusätzlichen 16 Elektro-Pferdestärken bei. Mit satten 400 Newtonmeter ab 2.750 Touren erweist sich der 1,8 Tonnen schwere Tucson schon als recht flott motorisiert – und zeigt sich dank der E-Power-Unterstützung des Mildhybridsystems noch etwas spritziger. Der 48V-Hybrid ist ein aufwändiges System. Der Verbrauchsvorteil ist in der Praxis dagegen ernüchternd. Hyundai gibt einen kombinierten Normverbrauch von 5,8 Litern je hundert gefahrene Kilometer an. Wir lagen im Alltag mit tatkräftiger Unterstützung des milden Hybridsystems zwischen 7 und 7,5 Liter.

Aber im Fahralltag nicht so beeindruckend und direkt spürbar kommt die Verbrauchsreduktion kommt vor allem kumuliert über die Lebensdauer des Fahrzeugs zum Tragen. Ein wirklicher Vorteil der Elektrifizierung mit 48 Volt erweist sich beim Starten des Motors. Der dank Riementrieb des Startergenerators sehr geschmeidige und unauffällig leise, wegen seiner Kraft aber auch sehr schnelle Startvorgang funktioniert prächtig und empfanden wir als ein nicht zu unterschätzenden Komfortgewinn. Besorgten Fahrern nimmt er die Angst vor den auch mal zur Unzeit eintreffenden Abschaltung durch die Stopp-Start-Funktion. Allen Motorisierungen des Tucson ist gemeinsam, dass sie die Abgasnorm Euro 6d-temp erfüllen. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, das nun das 48-Volt-System mit dem neuen 1,6-Liter-Diesel bestellbar ist, der den bisherigen 1.7 CRDi ersetzt.

Fahreigenschaften

Die Servounterstützung der Lenkung nimmt mit zunehmender Geschwindigkeit ab und vermittelt so einen spürbar besseren Kontakt zur Fahrbahnoberfläche. Trotzdem wünschen wir uns zuweilen etwas mehr Rückmeldung von der Lenkung. Das Fahrwerk meistert auch flott gefahrene Kurvenpassagen ohne Probleme. Das Fahrwerk ist komfortabel, aber nicht träge abgestimmt. Auch wenn Kanaldeckel und Schlaglöcher ihre Existenz den Passagieren deutlich mitteilen, bleibt der Fahrkomfort erhalten. Auf Strecken bei höherem Tempi zeigt sich der Selbstzünder als kultiviert und angenehm zurückhaltend und bereitet besondere Freude, wenn er seine Kraft über die von uns gefahrene optionalen Achtgang-Automatik überträgt.

Technische Daten Hyundai Tucson Premium 2.0 CRDi Automatik 4WD
Hersteller:Hyundai
Karosserie:SUV fünfsitzig
Motor:Hybrid: Vierzylinder-2.0 CRDi Diesel plus zwei Elektro-Motoren
HybridsystemStartergenerator über Riemen mit der Kurbelwelle verbunden)
Batteriekapazität0,44 kWh
Systemspannung:48 Volt
Stromspeicherung:Lithium-Polymer-Akku
Getriebe:Startergenerator maximale Leistung: 12 kW
Antrieb:Allradtantrieb
Hubraum:1.995 ccm
Emissionsklasse:Euro 6d-Temp
Systemleistung:136 kW / 185 PS bei 2.750-4.000 U/min
Drehmoment:400 Nm bei 1.750-2.750 U/min
Von 0 auf 100:9,5 s
Höchstgeschwindigkeit:201 km/h
Kraftstoffverbrauch kombiniert:5,8-5,4 Liter Diesel
CO2-Ausstoß153-142 g/km
Kraftstoffart:Diesel
Wendekreis:10,8 Meter
Rampenwinkel:19,5 Grad
Böschungswinkel vorn/hinten17,2/24,5 Grad
Kofferraum:513-1.503 Liter
Anhängelast ungebremst:750 kg
Dachlast:100 kg
Räder-/Reifengröße:7.5 J x 19, 245/45 R 19
Tankinhalt:62 Liter
Leergewicht/Zuladung inkl Fahrer:1.718 bis 1.871kg / 379 bis 532 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:4.480/1.850/1.650/2.670 mm
Grundpreis Testwagen (Premium) ab:43.750 Euro

Ausstattungsdetails

Der Hyundai Tucson als Mildhybrid ist sowohl mit manuellem Sechsganggetriebe als auch mit Achtgang-Wandlerautomatik zu haben. Die von uns gefahrene 48-Volt-Version mit Automatik und serienmäßigem Allradantrieb ist an die „Premium“-Linie gebunden und kostet mindestens 43.750 Euro.

Bestandteil des Serienumfangs des von uns gefahrenen Tucson 2.0 CRDi 48-Volt-Mildhybrid sind ein respektables Soundsystem, LED-Scheinwerfer mit Abblendautomatik, Infotainment mit Navi auf 8-Zoll-Bildschirm und eine elektrifizierte Heckklappe. Besonders stolz ist Hyundai auf die umfassenden Sicherheitseinrichtungen des Tucson mit aktiver Motorhaube, die sich im Fall von Auffahrunfällen selbstständig um 60 Millimeter anhebt und somit zum Schutz von Fußgängern beiträgt. Weiterhin sorgen Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer und bis in den Fond reichende Vorhangairbags für ein hinreichendes Sicherheitsempfinden. Auch das LED-Tagfahrlicht, der Lichtsensor und die beheizbaren Außenspiegel tragen zum Sicherhistniveau bei. Zudem gibt es eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Start-Stopp-Funktion, einen Around-View-Monitor, der virtuelle Bilder aus der Vogelperspektive liefert, einen Aufmerksamkeitsassistenten, der vor Übermüdung warnt, einen Fernlichtassistenten, einen Notbrems-, Totwinkel- und Spurhalteassistenten, einen Querverkehrswarner hinten und eine Verkehrszeichen-Erkennung.

Der Hyundai Tucson hat mit dem Facelift an Reife gewonnen – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Mit der jüngsten Modellpflege kommt der Tucson auch in den Genuss des Abstandstempomat Smart Cruise Control mit Stop&Go-Funktion. Hier hält der Wagen bis zu einem Tempo von 180 km/h den Abstand zum Vordermann und bremst im Stau auf null herunter. Allerdings fährt der Tucson nur innerhalb von drei Sekunden wieder von alleine an. Steht man länger, genügt ein kurzer Tipp aufs Gaspedal.

Aufpreispflichtig zur Wahl stehen noch eine Lederausstatung für 1.600 Euro oder das Panorama-Glasschiebedach, für das Frischluft-Fans 1.200 Euro investieren müssen. Weitere aufpreispflichtige empfehlenswerte Extras sind ein 4,2-Zoll-Farbdisplay im Cockpit und Smartphone-Ablage mit induktiver Ladefunktion. Desweiteren setzt eine lederbezogene Armaturentafel und getönte hintere Seiten- und Heckscheiben zusätzliche optische Akzente in unserem opulent ausgestattetem Testwagen.
Mit „Pure“ , „Select“, „Trend“, „Style“ und der Top-Variante „Premium“ sollte sich für jeden Geschmack und jeden Bedarf die passende Variante finden. Die Preise variieren mittlerweile extrem. Hyundai gewährt auf den Tucson fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Hinzu kommt eine ebenfalls 60 Monate laufende Lackgarantie sowie eine Mobilitätsgarantie. Eine jährliche Wartung in einer Hyundai Vertragswerkstatt vorausgesetzt, springt sie im Fall einer Panne mit Ersatzwagen oder Übernachtung ein, ohne jede Limitierung des Fahrzeugalters und bis zu einer maximalen Fahrleistung von 200.000 Kilometern.

Fazit: Eine Kraftstoff-Ersparnis von vier Prozent

Die umfassende Modellpflege des Tucson wertet Hyundais Bestseller-SUV in vielen Bereichen gekonnt auf. Das Feintuning und die Modellpflege heben das SUV auf das Niveau seines deutschen Rivalen aus Wolfsburg. Der überarbeitete Tucson erlaubt sich wie sein Rivale praktisch keine Schwächen. Und wir fuhren das kompakte SUV mit einem in diesem Segment noch immer einmaligen Antrieb: Das 48-Volt-Mild-Hybridsystem in Verbindung mit einem Dieselmotor und Achtgang-Automatik ist nicht nur voll alltagstauglich, sondern auf Oberklasse-Niveau. Der Verbrauchsvorteil in der Praxis genügt allerdings nicht um den heftigen Mildhybrid-Aufpreis zu rechtfertigen. Dennoch geht die Technologie den richtigen Weg. Nur darf man in Bezug auf die Verbrauchsreduktion hier keine übertriebenen Erwartungen schüren. Alle Hersteller rüsten demnächst ihre Fahrzeuge sukzessive mit 48 Volt Mildhybridsystemen auf. Hyundai und Kia haben sich hier einen zeitlichen Innovationsvorsprung von gut zwei Jahren erarbeitet. Sie nutzen dabei übrigens die Technologie eines deutschen Zulieferer für das 48 Volt-Bordnetz mit Riemenstarter. Man fragt sich unwillkürlich, warum die deutschen Hersteller das System dagegen immer noch nicht anbieten. Die Mercedes C-Klasse hat es seit einem Jahr. Der Golf wird es zum Generationswechsel erst im Herbst einführen.

Hyundai Tucson Premium 2.0 CRDi Automatik 4WD
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