CATL stellt auf der IAA Mobility 2025 Shenxing Pro vor - Bildnachweis: CATL
Akku mit langer Lebensdauer und hoher Sicherheit
Auf der IAA Mobility 2025 in München sorgte der chinesische Weltmarktführer für Fahrzeugbatterien, Contemporary Amperex Technology (CATL), für großes Aufsehen. Das Unternehmen stellt mit der Serie „Shenxing Pro“ eine neue Generation von Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP) vor, die speziell für die Bedürfnisse des europäischen Marktes entwickelt wurden. Mit dieser Vorstellung zielt CATL klar auf zentrale Punkte, die Käufer von Elektroautos in Deutschland und Europa seit Jahren beschäftigen: Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Lebensdauer und Sicherheit.

Zwei Varianten mit unterschiedlichem Fokus
Die neue Batteriegeneration gibt es in zwei technischen Ausführungen. Während sich eine Version auf maximale Reichweite und lange Haltbarkeit konzentriert, legt die zweite den Schwerpunkt auf ultraschnelles Nachladen. Die sogenannte „Super Long Life & Long Range“-Variante verspricht nach dem europäischen WLTP-Zyklus bis zu 758 Kilometer Reichweite und eine Lebensdauer von zwölf Jahren beziehungsweise einer Million Kilometer. Selbst nach 200.000 gefahrenen Kilometern soll der Leistungsverlust unter zehn Prozent liegen. Damit richtet sich diese Akku-Auslegung nicht nur an private Käufer, sondern auch an Flotten- und Leasingkunden, für die eine geringe Degradation entscheidend ist.

Die „Super-Fast Charging“-Variante bietet etwas geringere Reichweite, soll aber in nur zehn Minuten genügend Energie für 478 Kilometer nachladen können. Eine Besonderheit ist die Wintertauglichkeit. Selbst bei Temperaturen von minus 20 Grad soll der Akku in zwanzig Minuten von 20 auf 80 Prozent aufgeladen werden. Damit adressiert CATL ein europäeisches Problemfeld, denn gerade in Nordeuropa sinkt die Ladeleistung vieler heutiger Akkus bei Frost rapide.

Sicherheitstechnologie auf Systemebene
CATL betont bei der Shenxing-Pro-Familie nicht nur Reichweite und Ladeleistung, sondern auch die Sicherheit. Herzstück ist dabei das NP-3.0-System. Dahinter steckt die Fähigkeit, bei einer thermischen Überlastung, etwa durch Beschädigung oder Fehler einer Zelle, eine Ausbreitung auf Nachbarzellen zu verhindern. Statt Rauch- oder Flammenbildung bleibt das Energiepaket über eine Stunde lang funktionsfähig, wobei kritische Fahrzeugfunktionen wie Lenkung, Bremskraft oder Licht weiterhin versorgt werden könnten. Für die Sicherheit im Alltagsbetrieb wie auch für den Einsatz in künftigen hochautomatisierten Fahrzeugen ist dieses Konzept von großer Bedeutung, da ein Totalausfall der Stromversorgung vermieden werden soll.
Neue Zellarchitektur aus China für Europa
Technisch setzt CATL bei den neuen Akkus auf einen modularfreien Cell-to-Body-Ansatz in Kombination mit einer neuartigen „Wave-Zelle“. Durch diese Bauweise sollen sich Energie und Kühlung besser integrieren lassen, was wiederum die Volumen- und Gewichtseffizienz erhöht. Zudem soll das neue Zelldesign Vibrationen reduzieren und die strukturelle Steifigkeit um rund ein Viertel verbessern. Das Resultat ist ein robusterer Akku, der thermischen und mechanischen Belastungen besser standhält. Damit verbunden sind Verbesserungen bei Langlebigkeit und Ladezyklen, die für die hohen Laufleistungen in europäischen Leasingflotten oder im Taxi- und Ride-Hailing-Bereich essenziell sein können.
Fertigung in Europa als strategische Leitlinie
Für die Produktion setzt CATL auf seine „In Europa, für Europa“-Strategie. Schon seit 2018 betreibt der Konzern ein Werk in Erfurt. Anfang 2026 soll die Gigafabrik im ungarischen Debrecen ihren Betrieb aufnehmen. Mit einer geplanten Kapazität von 100 Gigawattstunden pro Jahr wäre diese Anlage groß genug, um Batterien für bis zu zwei Millionen Fahrzeuge zu fertigen. Zu den dortigen Abnehmern zählen künftig Konzerne wie BMW, Stellantis und Volkswagen. Zusätzlich plant CATL eine weitere Fertigung in Spanien im Rahmen eines Joint Ventures mit Stellantis. Parallel dazu eröffnen die Chinesen Service- und Recyclingzentren innerhalb der EU, darunter ein After-Sales-Kompetenzzentrum im niederländischen Eindhoven. Für Deutschland bedeutet dies eine engere und verlässlichere Belieferung der heimischen OEMs sowie die Schaffung neuer Abhängigkeiten, da die europäische Batterieproduktion ohne CATL bislang hinter den Plänen zurückliegt.
Wettbewerb
Für deutsche Autofahrer wie auch die Hersteller sind die angekündigten Werte der Shenxing Pro von hoher Relevanz. Während viele europäische Batterieprojekte – etwa beim schwedischen Anbieter Northvolt – ins Stocken geraten sind, baut CATL seine Marktposition konsequent aus. Mit derzeit knapp 40 Prozent Weltmarktanteil dominiert das Unternehmen den Markt für Fahrzeugbatterien. Die Reichweiten von über 750 Kilometern und die Ladeleistung von über einer Million Watt an der Ladesäule klingen eindrucksvoll, allerdings bleibt der infrastrukturelle Teil kritisch. Solche Ladeleistungen erfordern High-End-Ladeparks, die bislang nur vereinzelt in Europa existieren. Auch die Frage nach Rohstoffversorgung, Recyclingstrukturen und Kosten ist bei aller technologischen Euphorie offen.
Für Deutschland stellt sich zudem die Frage, in welchem Preissegment die Fahrzeuge mit Shenxing Pro Batterien positioniert werden. Da die LFP-Zellchemie grundsätzlich günstiger ist als klassische Nickel-Kobalt-Mangan-Akkus, könnten mittel- bis langfristig auch Modelle der Kompaktklasse profitieren. Offizielle Preisangaben für Batteriemodule liegen derzeit noch nicht vor. Branchenexperten erwarten allerdings, dass die Autohersteller durch die günstiger kalkulierbare LFP-Basis Kosten senken oder Reichweiten erhöhen können.
Ab 2026 könnten erste in Europa gefertigte Shenxing Pro Batterien in Serienfahrzeugen deutscher Hersteller zum Einsatz kommen. Für den europäischen Markt ist das ein wichtiger technologischer Schritt – nicht nur aus Sicht der Reichweite, sondern auch für das Vertrauen vieler Verbraucher in Haltbarkeit und Sicherheit von E-Autos. Ob sich die angepeilten Leistungswerte praxistauglich im realen Fahrbetrieb realistisch darstellen lassen und wie die Preisstruktur aussieht, bleibt abzuwarten. Klar ist: CATL hat mit seinem Auftritt in München den Druck auf europäische Wettbewerber erhöht. Gleichzeitig erhöht sich das Anspruchsniveau und Erwartungshaltung bei künftigen Auto-Käufern.

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