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IAA Mobility 2025: Xpengs P7 startet mit Hightech und Herausforderungen in Europa

Die Neuauflage des Xpeng P7 feiert in München auf der IAA ihr Debüt - Bildnachweis: Xpeng

Wie der neue Xpeng P7 in Deutschland überzeugen will

Die Hallen der IAA Mobility 2025 in München werden in diesem September wieder zur Bühne für zahlreiche Elektromobilitäts-Premieren. Eine Marke, die dabei besonders im Rampenlicht stehen dürfte, ist Xpeng aus China. Das noch junge, 2014 gegründete Unternehmen hat in Deutschland bislang nur einen verhaltenen Start hingelegt. Doch die Präsentation der zweiten Generation der Elektrolimousine P7 soll genau das ändern. Mit neuer Technik, überarbeitetem Design und einer klaren Strategie spricht das Modell nicht nur Technikbegeisterte an, sondern könnte auch für den Massenmarkt eine Alternative werden.

Die Neuauflage des Xpeng P7 feiert in München auf der IAA ihr Debüt – Bildnachweis: Xpeng

Im Fokus der Präsentation steht die Einführung der 800-Volt-Technologie, die im SUV G6 und im Flaggschiff G9 von Xpeng bereits zum Einsatz kommt. Beim bisher in Europa angebotenen P7 mussten Kunden noch mit einem 400-Volt-System vorliebnehmen, was insbesondere bei schnellen Langstreckenfahrten als Nachteil galt. Die neue Architektur soll Ladeleistungen von bis zu 486 Kilowatt ermöglichen. In China bedeutet das, dass sich der Akkustand von zehn auf achtzig Prozent innerhalb von knapp elf Minuten auffüllen lässt. Auf europäischen Straßen relativiert sich dieses Versprechen allerdings: Die aktuell am weitesten verbreiteten HPC-Säulen etwa aus dem Ionity-Netzwerk ermöglichen maximal 350 Kilowatt. Dennoch gehört der P7 damit zu den technisch fortschrittlichsten Angeboten im Feld der Elektro-Limousinen.

Die Neuauflage des Xpeng P7 feiert in München auf der IAA ihr Debüt – Bildnachweis: Xpeng

Auch bei Antrieb und Energiespeicher legt Xpeng nach. In China wird der neue P7 als Hecktriebler mit 270 kW Leistung sowie als Allradmodell mit 437 kW angeboten. Dazu kommen Akkuvarianten mit 74,9 kWh und 92,2 kWh, wahlweise in LFP- oder NMC-Chemie. Nach dem chinesischen CLTC-Zyklus sind damit Reichweiten bis 820 Kilometer möglich, wobei realistischere europäische WLTP-Messungen vermutlich Werte zwischen 600 und 700 Kilometern ergeben dürften. Damit bewegt sich der P7 in direkter Konkurrenz zu etablierten Größen wie dem Tesla Model S, dem Mercedes EQE und dem BMW i5, die ebenfalls hohe Reichweiten mit luxuriöser Ausstattung kombinieren.

Der neue Xpeng P7+ feiert in München auf der IAA sein Debüt – Bildnachweis: Xpeng

Das äußere Erscheinungsbild des neuen P7 wurde sichtbar überarbeitet. Mit 5,02 Metern Länge ist er rund 13 Zentimeter gewachsen und präsentiert sich nun breiter, aber flacher, was ihm eine gestreckte, elegante Silhouette verleiht. Die vordere Lichtsignatur zeigt eine auffällige H-Form, am Heck sorgt ein aktiver Spoiler für zusätzliche Dynamik. Besonders betont Xpeng den cW-Wert von 0,201, was den P7 in die Nähe aerodynamischer Spitzenreiter wie Mercedes EQS oder Lucid Air bringt. Neu ist auch die große Heckklappe, die deutsche Autofahrer seit jeher bevorzugen, da sie die Alltagstauglichkeit im Vergleich zum bisherigen Stufenheck deutlich erhöht.

Ebenfalls in München: Der Xpeng P9- Bildnachweis: Xpeng

Im Innenraum zeigt sich die Mischung aus Minimalismus und Technikaffinität, die aus China kommende Elektroautos inzwischen auszeichnet. Ein 15,6-Zoll-Touchscreen bildet das Zentrum des Infotainments, ergänzt von einem Fahrerdisplay sowie einem großformatigen Head-up-Display. Das Lenkrad ist zweifach abgeflacht, an den Türverkleidungen gibt es multifunktionale Touchflächen, die freii belegbar sind. Diese Lösungen sollen den Innenraum nicht nur hochwertig wirken lassen, sondern zugleich eine neue Art der Interaktion zwischen Fahrer und Fahrzeug eröffnen. Parallel dazu betont der Hersteller seine Kompetenz bei künstlicher Intellgenz: Eine Reihe von Fahrerassistenzsystemen, die auf das künftige autonome Fahren vorbereiten, wird bereits in den Serienmodellen zum Einsatz kommen.

Xpeng Iron Roboter – Bildnachweis: Xpeng

Für Europa relevant ist jedoch nicht allein die Technik, sondern auch die Marktpositionierung. In Deutschland ist Xpeng offiziell erst seit 2024 präsent, doch die Zulassungszahlen blieben bisher überschaubar. Knapp 400 Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen neu registriert, bis Mitte 2025 waren es erst rund 266 weitere. Der größte Anteil entfiel auf die SUVs G6 und G9, während die Limousine P7 bislang keine große Rolle spielte. Hauptgrund war die geringere technische Attraktivität in Verbindung mit dem 400-Volt-System und der eingeschränkten Alltagstauglichkeit. Mit der Überarbeitung hofft Xpeng nun, wesentlich stärker in den Limousinenmarkt einzudringen.

Die Preisgestaltung dürfte ein entscheidender Faktor sein. Während die europäischen Hersteller in diesem Segment zum Teil deutlich über 70.000 Euro verlangen, könnte der P7 nach ersten Einschätzungen unter der Marke von 50.000 Euro in Deutschland starten. Damit würde Xpeng versuchen, preislich Druck auf die Konkurrenz auszuüben. Sollten die WLTP-Reichweiten tatsächlich im Bereich von 650 Kilometern liegen und das Laden zumindest im oberen Leistungsbereich des europäischen Netzes konstant funktionieren, könnte das Auto für Käufer interessant werden, die bislang vor allem zu Tesla griffen.

Auf der IAA zeigt Xpeng nicht nur den P7, sondern auch die erweiterte Modellfamilie. Dazu zählt der P7+, eine etwas größere Fastback-Variante mit betont coupéhafter Dachlinie, die noch mehr Platz bieten soll. Auch die SUVs G6 und G9 werden in überarbeiteten Versionen präsentiert, die vor allem auf optimierte Batterietechnik und noch schnelleres Laden setzen. Neu ist zudem der große Van X9, der mit 5,29 Metern Länge und Schiebetüren im Familiensegment angreift. Ergänzt wird dieser Auftritt durch den humanoiden Roboter Iron, der anschaulich demonstrieren soll, welche Rolle künstliche Intelligenz für die Zukunft der Mobilität spielen könnte.

Für Deutschland bleibt am Ende die Frage, wie groß die Nachfrage tatsächlich ausfallen wird. Limousinen tun sich hier traditionell schwer, wenn es nicht gerade Kompaktmodelle oder Kombis sind. Zudem erfordert der P7 für lange Strecken eine Schnelllade-Infrastruktur, die europaweit nach wie vor lückenhaft ist. Dennoch präsentiert sich Xpeng mit dem Launch auf der IAA 2025 nicht nur technisch, sondern auch strategisch neu aufgestellt. Der P7 mehr als eine Modellpflege – er ist eine Bewährungsprobe für die Marke auf dem europäischen Markt.