Taycan Turbo GT mit Manthey Kit fährt neuen Rekord in 06:55,533 Minuten - Bildnachweis: Porsche
Die Neudefinition der elektrischen Dynamik: Der Porsche Taycan Turbo GT mit Manthey Kit
Manche Zahlen klingen wie ein Tippfehler der Redaktion, bis man den heißen Gummi auf dem Asphalt der Eifel riechen kann. Wenn eine viertürige Limousine die 20,832 Kilometer der Nürburgring Nordschleife in einer Zeit von 06:55,533 Minuten absolviert, dann verschieben sich die Koordinaten dessen, was in der Automobilwelt als physikalisch möglich galt. Der Porsche Taycan Turbo GT hat mit dem neuen Manthey Kit ein Statement gesetzt, das weit über die reine Elektromobilität hinausstrahlt und die etablierte Welt der Verbrenner-Supersportwagen in ihren Grundfesten erschüttert. Es ist die Geschichte einer konsequenten Evolution, bei der die Spezialisten aus Weissach und Meuspath Hand in Hand arbeiteten, um aus einem ohnehin schon extremen Fahrzeug ein präzises Rennwerkzeug zu formen, das nun offiziell den Thron der straßenzugelassenen Elektrofahrzeuge in der Oberklasse beansprucht.
Dass diese Fabelzeit kein Zufallsprodukt ist, zeigt ein Blick in die Historie der Rekordfahrten auf dem Nürburgring. Erst im Oktober 2023 hatte Lars Kern mit einem serienmäßigen Taycan Turbo GT inklusive Weissach-Paket eine beeindruckende Marke gesetzt, doch der Hunger nach Perfektion und der Druck durch internationale Konkurrenten wie Xiaomi führten zur Entwicklung dieses umfassenden Upgrades. Mit dem Manthey Kit unterbietet der Taycan seine eigene Bestmarke um gewaltige zwölf Sekunden und distanziert den bisherigen Rekordhalter in der Kategorie der elektrischen Oberklasse-Fahrzeuge um mehr als neun Sekunden. Es ist der Triumph der Ingenieurskunst über die schiere Masse, denn trotz eines Leergewichts von über 2,2 Tonnen agiert dieser Porsche in Regionen, die bisher dem legendären 918 Spyder vorbehalten waren.
Die Symbiose aus Weissach und Meuspath
Die Zusammenarbeit zwischen Porsche und Manthey Racing hat eine lange Tradition, die bisher vor allem durch die GT-Modelle der 911er-Baureihe geprägt war. Dass nun erstmals ein Elektrofahrzeug eine solche Kur erhält, markiert einen Wendepunkt in der Strategie des Hauses. Das Manthey Kit für den Taycan Turbo GT ist das bisher umfangreichste Paket, das die Experten aus Meuspath je für ein Straßenfahrzeug geschnürt haben. Es ist kein bloßes Optik-Paket, sondern ein tiefgreifender Eingriff in die Aerodynamik, den Antrieb, das Fahrwerk und die Bremsanlage, um die Performance auf der Rundstrecke auf ein neues Niveau zu heben.

In der Entwicklung wurde kein Stein auf dem anderen gelassen. Während Porsche die Basis mit dem Turbo GT und seinem innovativen Active Ride Fahrwerk lieferte, brachte Manthey die jahrzehntelange Erfahrung aus dem Langstreckensport ein. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das laut Lars Kern eine Stabilität und ein Vertrauen vermittelt, wie man es sonst nur von reinrassigen Rennwagen kennt. Aber diese Perfektion hat ihren Ursprung in den Details der Luftführung und der elektronischen Steuerung, die weit über das hinausgehen, was im normalen Serienbau üblich ist. Deshalb ist das Kit auch mehr als die Summe seiner Einzelteile; es ist die konsequente Umsetzung des Porsche Intelligent Performance Ansatzes in das Zeitalter der Hochvolt-Technologie.
Aerodynamik als Schlüssel zum Erfolg
Wer den Taycan Turbo GT mit Manthey Kit betrachtet, erkennt sofort die Handschrift der Aerodynamiker. Im Mittelpunkt der Modifikationen steht eine massive Steigerung des Abtriebs, die im Vergleich zum Standardmodell mehr als eine Verdreifachung darstellt. Bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h generiert das Fahrzeug nun einen Gesamtabtrieb von 310 Kilogramm, während es beim Serienmodell lediglich 95 Kilogramm sind. Erreicht der Wagen seine Höchstgeschwindigkeit, die durch das Kit leicht auf 310 km/h angehoben wurde, presst die Luft den Boliden mit gewaltigen 740 Kilogramm auf den Asphalt.
Der adaptive Heckflügel und seine Wirkung
Zentrales Element am Heck ist der neue, manuell verstellbare Flügel mit deutlich vergrößerten Endplatten. Er ermöglicht es dem Fahrer, das Setup des Fahrzeugs individuell an die Charakteristik der jeweiligen Rennstrecke anzupassen. Auf der Nordschleife mit ihren extrem schnellen Passagen wie dem Schwedenkreuz oder der Mutkurve ist maximaler Anpressdruck gefragt, um die Spurstabilität zu gewährleisten. Ergänzt wird dies durch einen hocheffizienten Heckdiffusor mit verlängerten Finnen, der den Luftstrom unter dem Fahrzeug beschleunigt und so einen Unterdruck erzeugt, der den Wagen regelrecht an den Boden saugt.
Frontdesign und Unterboden-Optimierung
An der Frontpartie wurde ebenfalls massiv nachgebessert. Ein optimierter Frontsplitter sorgt im Zusammenspiel mit neuen Air-Deflektoren am Unterboden für eine beruhigte Luftströmung und reduziert den Auftrieb an der Vorderachse signifikant. Besonders auffällig sind die Radlaufverbreiterungen aus Sicht-Carbon, die nicht nur Platz für die breitere Spur schaffen, sondern auch über integrierte Entlüftungsöffnungen verfügen, um den Staudruck in den Radhäusern abzubauen. Ein technisches Schmankerl sind die Carbon-Aerodiscs an den Hinterrädern, die turbulente Luftströmungen an den Felgen minimieren und so die Gesamteffizienz des Aerodynamik-Konzepts abrunden.
Revolution im Antriebsstrang: Mehr als nur Software
Ein Novum für Manthey Kits ist der direkte Eingriff in die Leistungscharakteristik des Elektroantriebs. Bisher konzentrierten sich die Upgrades meist auf die mechanischen Komponenten, doch beim Taycan Turbo GT wurde erstmals auch der Bereich der Leistungselektronik angefasst. Durch Optimierungen an der Hochvoltbatterie, dem Steuergerät und vor allem den Pulswechselrichtern konnte der maximale Entladestrom während der Fahrt von 1.100 auf 1.300 Ampere gesteigert werden.
Modellvariante Antrieb Leistung (max. PS) Preis (ab Euro inkl. MwSt.)
Taycan Heck 408 102.600,00
Taycan 4 Allrad 408 107.300,00
Taycan 4S Allrad 598 122.000,00
Taycan GTS Allrad - 148.800,00
Taycan Turbo Allrad 884 177.200,00
Taycan Turbo S Allrad 952 211.000,00
Taycan Turbo GT Allrad 1.034 241.100,00
Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket Allrad 1.034 241.100,00
Pulswechselrichter mit Siliziumkarbid-Technologie
Das Herzstück dieser Leistungssteigerung ist der Einsatz von Siliziumkarbid (SiC) als Halbleitermaterial in den Invertern an der Hinterachse. Im Vergleich zum herkömmlichen Silizium ermöglicht SiC deutlich höhere Schaltfrequenzen bei gleichzeitig reduzierten Wärmeverlusten. Dies führt dazu, dass die Systemleistung im Dauerbetrieb um 20 kW auf nun 600 kW (ca. 816 PS) ansteigt. Aber es ist vor allem die Konstanz, mit der diese Leistung abgerufen werden kann, die den Unterschied auf einer 20 Kilometer langen Runde macht.
Der Attack Mode in neuer Dimension
Besonders spürbar werden die Modifikationen beim Aktivieren des sogenannten Attack Mode. Diese Funktion, die ihre Wurzeln in der Formel E hat, stellt für einen Zeitraum von zehn Sekunden zusätzliche Reserven bereit. Mit dem Manthey Kit liefert dieser Boost nun bis zu 130 kW Mehrleistung, was die kurzzeitige Gesamtleistung auf beeindruckende 730 kW (993 PS) hebt. Die maximale Leistung bei der Launch Control bleibt zwar mit 760 kW (1.034 PS) identisch zum Standard Turbo GT, jedoch steigt das maximale Drehmoment um 30 Nm auf nun 1.270 Nm an. Diese schiere Kraft katapultiert die Limousine in Regionen, in denen sonst nur reinrassige Hypercars agieren.
Fahrwerkstechnik auf höchstem Niveau
Um eine derartige Leistung kontrolliert auf den Asphalt zu bringen, bedarf es einer Fahrwerkstechnik, die die massiven Radlasten präzise verarbeitet. Das Porsche Active Ride System ist hierbei der entscheidende Faktor. Für das Manthey Kit wurde eine spezifische Software-Abstimmung entwickelt, die das Zusammenspiel zwischen den aktiven Dämpfern, der Hinterachslenkung und dem Allradantrieb weiter schärft. Das Ziel war eine maximale mechanische Traktion bei gleichzeitiger Erhöhung der Kurvengeschwindigkeiten.
Reduzierung der ungefederter Massen
Ein wesentlicher Aspekt der Manthey-Philosophie ist die Reduzierung der ungefederten Massen. Die neu entwickelten 21-Zoll-Schmiederäder im spezifischen Manthey-Design sind trotz ihrer größeren Breite leichter als die ohnehin schon gewichtsoptimierten Räder des Serienfahrzeugs. In Kombination mit Radbolzen aus hochfestem Titan konnte das Gewicht pro Radsatz um insgesamt drei Kilogramm gesenkt werden. Dies verbessert nicht nur das Ansprechverhalten der Dämpfer, sondern erhöht auch die Präzision der Lenkung in schnellen Lastwechselreaktionen.
Reifen und Bremsen für den Extrembereich
Den Kontakt zur Fahrbahn halten speziell für diesen Einsatzzweck entwickelte Pirelli P Zero Trofeo RS Reifen. Diese sind an der Vorderachse um vier Zentimeter und an der Hinterachse um drei Zentimeter breiter als beim Standard Turbo GT, was die Kontaktfläche zum Asphalt massiv vergrößert. Damit die Verzögerung mit dem immensen Vorwärtsdrang Schritt halten kann, wurde die Bremsanlage verstärkt. Die Keramik-Verbundbremse (PCCB) verfügt nun über 440 Millimeter große Scheiben an der Vorderachse und 410 Millimeter am Heck, ergänzt durch spezielle Performance-Bremsbeläge, die auch bei extremster thermischer Belastung einen stabilen Druckpunkt garantieren.
Analyse der Rekordrunde: Wenn jede Sekunde zählt
Der Rundenrekord von 06:55,533 Minuten ist mehr als nur eine Zahl; er ist das Ergebnis einer nahezu perfekten Fahrt von Lars Kern. Die Telemetriedaten offenbaren, dass das Manthey Kit vor allem in den Hochgeschwindigkeitsabschnitten seine Stärken ausspielt. So lag die Geschwindigkeit im berüchtigten Bereich „Lauda-Links“ um 14 km/h höher als bei der vorherigen Rekordfahrt mit dem Standardfahrzeug. Dies ist ein direkter Beleg für das gesteigerte Vertrauen, das die neue Aerodynamik und das optimierte Fahrwerk dem Fahrer vermitteln.
Aber man muss auch die physischen Grenzen der Technik betrachten. Eine volle Runde auf der Nordschleife unter maximaler Last ist für jedes Elektroauto eine thermische Tortur. Während der Rekordfahrt sank der Ladestand der Batterie von 96 Prozent auf 52 Prozent, während die Zelltemperatur von anfangs 10 Grad Celsius auf bis zu 64 Grad Celsius anstieg. Diese Daten verdeutlichen, warum Porsche so viel Aufwand in das Thermomanagement und die Effizienz der Inverter steckt. Nur wer die Hitze beherrscht, kann am Ende der Döttinger Höhe noch die volle Leistung abrufen.
Die Konkurrenz im Visier: Ein globaler Schlagabtausch
Porsches Vorstoß mit dem Manthey Kit ist keine reine Selbstbespiegelung, sondern eine gezielte Antwort auf die globale Herausforderung. Lange Zeit galt das Tesla Model S Plaid als der Maßstab für elektrische Performance-Limousinen, wurde jedoch vom Taycan Turbo GT bereits deutlich distanziert. Doch dann betrat Xiaomi mit dem SU7 Ultra die Bühne. Der chinesische Technik-Gigant setzte mit einem Prototyp eine Zeit von 06:46,874 Minuten, was für viel Aufsehen sorgte.
Deshalb war es für Porsche von strategischer Bedeutung, den Rekord für straßenzugelassene Serienfahrzeuge zurückzuholen. Während der Xiaomi SU7 Ultra in der Serienversion eine Zeit von 07:04,957 Minuten benötigte, war der Taycan mit dem Manthey Kit über neun Sekunden schneller. Selbst gegen elektrische Hypercars wie den Rimac Nevera, der fast doppelt so viel Leistung bietet, konnte sich der Taycan behaupten. Es zeigt sich einmal mehr, dass auf der Nordschleife die Balance des Gesamtfahrzeugs wichtiger ist als die reine PS-Zahl auf dem Papier.
Einordnung der Modellvarianten und Preisgefüge
Der Erwerb eines Taycan Turbo GT mit Manthey Kit ist ein exklusives Vergnügen, das eine erhebliche finanzielle Investition erfordert. Das Kit wird als Nachrüstsatz für bereits existierende Fahrzeuge mit Weissach-Paket angeboten, ist aber auch direkt ab Werk bestellbar – eine Premiere für Manthey-Komponenten. In der folgenden Übersicht sind die aktuellen Basispreise der Taycan-Modellpalette für den deutschen Markt aufgeführt, um das Rekordfahrzeug preislich einzuordnen.
Es ist zu beachten, dass das Manthey Kit für den Turbo GT mit Weissach-Paket zusätzlich erworben werden muss. Offizielle Preislisten für das Kit liegen noch nicht final vor, doch Experten gehen davon aus, dass inklusive Montage und Abnahme Kosten im Bereich von ca. 100.000 Euro entstehen könnten, was den Gesamtpreis eines fertig aufgebauten Fahrzeugs auf weit über 340.000 Euro heben würde. Im Vergleich dazu kosten die Manthey Kits für den 911 GT3 RS in den USA ebenfalls bereits über 110.000 Dollar.
Kritische Betrachtung: Sinnhaftigkeit und Zielgruppe
Bei aller technischer Brillanz darf man die Frage nach dem Sinn eines solchen Fahrzeugs nicht völlig ausblenden. Ein Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket ist bereits ein Auto der Extreme, bei dem auf die Rücksitzbank verzichtet wurde, um Gewicht zu sparen. Das Manthey Kit treibt diese Spezialisierung nun auf die Spitze. Für den normalen Straßenverkehr sind die aerodynamischen Vorteile kaum nutzbar, da sie erst in Geschwindigkeitsbereichen greifen, die weit jenseits der StVO liegen.
Aber Porsche zielt hier auf eine sehr spezifische Klientel ab: Trackday-Enthusiasten und Sammler, die das absolut Machbare besitzen wollen. Der Wagen ist ein technologischer Imageträger, der beweisen soll, dass die Marke auch im elektrischen Zeitalter die Hoheit auf der Rennstrecke behält. Dass man dafür Kompromisse beim Komfort und vor allem beim Preis eingehen muss, gehört bei den GT-Modellen aus Zuffenhausen seit jeher zum guten Ton.
Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack beim Blick auf die Effizienz. Der Stromverbrauch im gemischten Betrieb nach WLTP ist mit fast 25 kWh auf 100 Kilometern für das Manthey-Modell deutlich höher als bei den Standardvarianten. Auf der Rennstrecke multipliziert sich dieser Wert natürlich um ein Vielfaches. Es zeigt sich, dass maximale Performance auch in der Elektro-Welt teuer erkauft werden muss – nicht nur mit Geld, sondern auch mit Energie.
Fazit: Ein Denkmal für die Elektro-Performance
Der Porsche Taycan Turbo GT mit Manthey Kit ist ein faszinierendes fahrzeuch, das die Grenzen des derzeit technisch Möglichen im Bereich der Elektromobilität markiert. Mit einer Rundenzeit von unter sieben Minuten auf der Nordschleife ist er in einen Olymp aufgestiegen, der bisher nur den absolut exklusivsten Supersportwagen vorbehalten war. Die Kombination aus massiver Leistungssteigerung durch modernste Invertertechnik und einem radikalen Aerodynamik-Konzept macht ihn zum derzeitigen Maßstab seiner Klasse.
Dass Porsche diesen Weg gemeinsam mit Manthey geht, zeigt das Vertrauen in die Expertise des Partners aus Meuspath. Das Kit ist mehr als nur ein Tuning-Teil; es ist die Veredelung eines Spitzenprodukts zu einem echten Rekordjäger. Auch wenn die hohen Kosten und die extreme Spezialisierung die Zielgruppe klein halten werden, so ist die Signalwirkung für die gesamte Branche enorm. Porsche hat bewiesen, dass die emotionale Faszination des Automobils auch ohne den Klang eines hochdrehenden Verbrennungsmotors überleben kann, solange die Fahrdynamik und die Präzision auf diesem astronomischen Niveau liegen.
Der Rekord wird sicherlich nicht ewig Bestand haben, denn der Wettbewerb, insbesondere aus China, schläft nicht. Aber für den Moment steht fest: Wenn es darum geht, zwei Tonnen Masse mit der Eleganz und Geschwindigkeit eines Blitzes durch die Grüne Hölle zu jagen, führt derzeit kein Weg am Taycan Turbo GT mit Manthey Kit vorbei. Es ist ein technisches Meisterwerk, das uns einen Blick in eine Zukunft erlaubt, in der Fahrspaß und elektrische Effizienz keine Gegensätze mehr sein müssen – vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld in der Tasche und den Mut, das Pedal bis zum Bodenblech durchzudrücken.
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