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Kampfansage im Kompaktsegment: Jaecoo 5 startet als cleverer Vollhybrid ab 27.900 Euro

Jaecoo 5 startet als Vollhybrid ab 27.900 Euro - Bildnachweis: Jaecoo / Chery

Der Markt im Wandel: Ein neuer Herausforderer betritt die Bühne

Der deutsche Automarkt befindet sich in einer Phase der Verunsicherung. Viele Autofahrer zögern beim Umstieg auf reine Elektroautos, da die Ladeinfrastruktur abseits der Ballungsräume oft noch Lücken aufweist und die Anschaffungskosten hoch bleiben. Gleichzeitig gerät der klassische Verbrennungsmotor durch strengere Emissionsgrenzen zunehmend unter Druck. In dieses Spannungsfeld stößt der chinesische Automobilkonzern Chery mit seiner Marke Jaecoo und präsentiert ein Konzept, das die Brücke zwischen den Welten schlagen soll. Mit dem offiziellen Verkaufsstart des Jaecoo 5 HEV in Deutschland bringt der Hersteller ein Kompakt-SUV auf den Markt, das auf einen selbstladenden Vollhybrid setzt und damit maximale Unabhängigkeit verspricht. Ab einem Einstiegspreis von 27.900 Euro schielt der Neuling ganz unverhohlen auf preisbewußte Käufer, die bewährte Technik im modernen Gewand suchen.

Der Markteintritt erfolgt dabei nicht im luftleeren Raum, sondern ist Teil einer langfristig angelegten Vertriebsoffensive. Während andere Neueinsteiger aus Fernost oft auf den reinen Direktvertrieb setzen, baut die Muttermarke Chery für ihre Linien Omoda und Jaecoo ein klassisches Händlernetz auf. Dies soll vor allem das Vertrauen der deutschen Kundschaft stärken, die beim Autokauf nach wie vor großen Wert auf einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort legt. Damit der Service von der ersten Minute an funktioniert, wurde parallel eine flächendeckende After-Sales-Struktur hochgezogen. Über ein zentrales Ersatzteillager in Rheinland-Pfalz und in Kooperation mit dem Logistikdienstleister Kuehne+Nagel verspricht der Hersteller, seine Vertriebspartner innerhalb von 24 Stunden mit fast allen benötigten Komponenten zu beliefern. Der Deutschland-Chef der Marke, Eric Zheng, machte deutlich, dass man den Jaecoo 5 HEV ganz gezielt als unkomplizierte und widerstandsfähige Alternative auf dem deutschen Markt positionieren möchte. Das Modell richte sich vor allem an Autofahrer, die im Alltag auf eine aufwendige Routenplanung oder die Suche nach freien Ladestationen verzichten wollen. Reichweite, Raumaufteilung und der Anschaffungspreis seien genau auf jene Kundengruppe zugeschnitten, die nach einem fairen und alltagstauglichen Angebot verlangt.

Design und Karosserie: Robuster Auftritt mit praktischen Einschränkungen

Optisch gibt sich das Kompakt-SUV selbstbewusst und setzt auf eine kantige, fast schon klassische Geländewagen-Silhouette. Ein markanter Kühlergrill und eine schlanke LED-Lichtsignatur an der Front betonen die Breite des Fahrzeugs. Das Design versucht geschickt, die Brücke zwischen urbaner Eleganz und rustikalem Outdoor-Abenteuer zu schlagen. Aber hinter der robusten Fassade steckt ein präzise kalkuliertes Raumkonzept. Mit einer Länge von 4.380 Millimetern, einer Breite von 1.860 Millimetern und einer Höhe von 1.650 Millimetern sortiert sich das Fahrzeug mitten im hart umkämpften Segment der Kompakt-SUVs ein. Der Radstand von 2.620 Millimetern verspricht ordentliche Platzverhältnisse im Innenraum, während der Wendekreis von 10,9 Metern für eine gute Handlichkeit in engen Innenstädten sorgen dürfte.

Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die inneren Werte, wo sich auch die typischen Kompromisse eines solchen Konzepts offenbaren. Das Kofferraumvolumen beträgt im Normalzustand lediglich 314 Liter. Das ist für ein SUV dieser Größenordnung spürbar wenig und liegt eher auf dem Niveau eines klassischen Kleinwagens. Schuld daran ist vor allem die Unterbringung der Hybrid-Batterie im Heckbereich. Wer mehr transportieren möchte, muss die Rückbank umklappen, wodurch sich das Volumen auf bis zu 1.214 Liter erweitern lässt. Für den Transport von Freizeitgeräten oder zusätzlichem Gepäck stehen immerhin eine Dachlast von 75 Kilogramm sowie eine ungebremste Anhängelast von 750 Kilogramm zur Verfügung. Mit einer Bodenfreiheit von 155 Millimetern und Böschungswinkeln von 19,2 Grad vorne sowie 25,3 Grad hinten meistert das Modell auch unbefestigte Wege, ein echter Offroader wird aus dem Fronttriebler damit jedoch nicht. Technisch hervorzuheben ist das Fahrwerk mit einer unabhängigen Hinterradaufhängung, was in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit ist und für eine gute Stabilität sowie ordentlichen Komfort auf schlechten Straßen sorgen sollte.

Der Antrieb im Fokus: Cherys Hightech-Vollhybrid unter der Lupe

Die wahre Besonderheit des Jaecoo 5 HEV verbirgt sich unter der Haube in Form des von Chery entwickelten Vollhybrid-Antriebs. Das System kombiniert drei Kernkomponenten zu einer integrierten Antriebseinheit: einen 1,5-Liter-Benzinmotor mit Turboaufladung und Direkteinspritzung, einen Elektromotor auf der Vorderachse sowie ein dediziertes Hybridgetriebe. Der Vierzylinder-Verbrennungsmotor leistet 105 kW, was 143 PS entspricht, und stellt ein Drehmoment von 215 Newtonmetern bereit. Der Elektromotor steuert eine Spitzenleistung von 150 kW und ein Drehmoment von 310 Newtonmetern bei. In der Summe ergibt dies eine Systemleistung von 165 kW beziehungsweise 224 PS und ein Systemdrehmoment von 295 Newtonmetern. Gespeist wird der elektrische Teil des Antriebs aus einer NCM-Hochleistungsbatterie mit einer Kapazität von 1,83 Kilowattstunden.

Aus technischer Sicht ist vor allem der extrem hohe Wirkungsgrad des Verbrennungsmotors bemerkenswert. Der thermische Wirkungsgrad wird vom Hersteller mit 44,5 Prozent beziffert, was in der Automobilindustrie einen Spitzenwert darstellt. Erreicht wird dies durch ein Bündel hochentwickelter Technologien. Dazu gehört das Miller-Brennverfahren, bei dem das Einlassventil frühzeitig schließt, um das Expansionsverhältnis zu vergrößern und die Energie des Kraftstoffs besser zu nutzen. Unterstützt wird dies durch eine optimierte Verbrennungstechnologie, ein intelligentes Wärmemanagement für schnelle Betriebstemperaturen bei jeder Witterung sowie eine reibungsminimierte Schmierung. Ein Niederdruck-Abgasrückführungssystem sorgt zudem für eine Absenkung der Verbrennungstemperaturen, was wiederum die Stickoxid-Emissionen reduziert. Auf der elektrischen Seite arbeitet der Motor mit einem Wirkungsgrad von 98,5 Prozent fast verlustfrei. Die Batterie selbst ist nach IP68 gegen Staub und Wasser geschützt und für extreme Temperaturen von minus 35 bis plus 60 Grad Celsius ausgelegt, während ein Notabschaltsystem im Falle eines Unfalls Kurzschlüsse verhindern soll.

Die Betriebsmodi: Intelligentes Energiemanagement für den Alltag

Das Energiemanagement regelt das Zusammenspiel der Motoren vollkommen automatisch und geschwindigkeitsabhängig. Bei niedrigen Geschwindigkeiten bis 40 Kilometern pro Stunde fährt das SUV überwiegend rein elektrisch, was im städtischen Stop-and-Go-Verkehr für Ruhe und eine hohe Effizienz sorgt. Im mittleren Geschwindigkeitsbereich zwischen 40 und 60 Kilometern pro Stunde wechselt das System in den seriellen Hybridbetrieb, bei dem der Benzinmotor lediglich als Generator arbeitet, um Strom für den Elektromotor zu erzeugen. Erst ab 60 Kilometern pro Stunde arbeiten beide Motoren im parallelen Modus zusammen, um maximale Kraft an die Vorderräder zu leiten. Nach dem WLTP-Messverfahren ergibt sich so ein kombinierter Kraftstoffverbrauch von 5,3 Litern auf 100 Kilometer, was einem CO2-Ausstoß von 120 Gramm pro Kilometer entspricht.

In Verbindung mit dem 51-Liter-Kraftstofftank verspricht der Hersteller eine theoretische Gesamtreichweite von bis zu 980 Kilometern. Aber man muss hier realistisch bleiben: Auf der deutschen Autobahn bei Richtgeschwindigkeit schrumpft der Effizienzvorteil von Vollhybriden prinzipbedingt zusammen, da hier kaum rekuperiert werden kann und der Verbrennungsmotor die Hauptarbeit leisten muss. Ob die Reichweite im realen Langstreckenbetrieb tatsächlich die 900-Kilometer-Marke knackt, wird erst ein ausführlicher Praxistest zeigen. Den Sprint von null auf 100 Kilometer pro Stunde absolviert der Wagen in 7,9 Sekunden, was für den Alltag mehr als ausreichend ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 175 km/h elektronisch abgeregelt. Dem Fahrer stehen drei Fahrmodi namens Eco, Normal und Sport zur Verfügung, um das Ansprechverhalten des Antriebs den eigenen Vorlieben anzupassen.

Sicherheit und Konnektivität: Digitalisierung trifft auf soliden Stahl

Ein wichtiger Aspekt bei der Fahrzeugentwicklung für den europäischen Markt ist die passive und aktive Sicherheit. Hier geht Jaecoo keine Kompromisse ein und setzt auf eine Karosseriestruktur, die zu 76,5 Prozent aus hochfestem Stahl besteht. Ein vorderer Stoßfängerträger aus Aluminium sowie verstärkte Türstrukturen sollen die Aufprallenergie im Ernstfall gezielt um die Fahrgastzelle herumleiten. Im Innenraum schützen sieben Airbags die Insassen, darunter ein innovativer Zentralairbag zwischen den Vordersitzen, der das Zusammenstoßen der Köpfe von Fahrer und Beifahrer bei einem Seitenaufprall verhindert. Für den Nachwuchs stehen zwei standardisierte Befestigungspunkte für Kindersitze auf den äußeren Plätzen im Fond zur Verfügung. Die aktive Sicherheit wird durch ein System auf Level-2-Niveau gewährleistet, das seine Daten aus insgesamt elf Sensoren bezieht. Eine Frontkamera, acht Ultraschallsensoren und zwei Heckradare liefern die notwendigen Informationen für insgesamt 20 Assistenzfunktionen.

Zu den wichtigsten Helfern gehören ein adaptiver Abstandsregeltempomat, ein aktiver Spurhalteassistent, ein Stauassistent für teilautomatisiertes Fahren im zähflüssigen Verkehr sowie ein Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung. Auch eine Querverkehrswarnung hinten mit automatischem Bremseingriff und eine Ausstiegswarnung bei herannahenden Fahrzeugen sind ab Werk an Bord. Im Innenraum dominiert das digitale Cockpit mit einem 13,2-Zoll-Zentralbildschirm im Hochformat und einem 8,9-Zoll-Instrumentendisplay vor dem Fahrer. Ein moderner Snapdragon 8155 Prozessor von Qualcomm soll für eine extrem schnelle Rechenleistung und flüssige Menüwechsel sorgen. Die Instrumentenanzeige ist laut Hersteller in zwei Sekunden startbereit, während das Infotainment-System vier Sekunden benötigt. Smartphones lassen sich kabellos via Android Auto oder Apple CarPlay einbinden, der Ton wird über 6 Lautsprecher ausgegeben. Für ein angenehmes Innenraumklima sorgen eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik mit einem hochwirksamen Feinstaubfilter sowie eine zweilagige Akustikverglasung im vorderen Bereich, die Windgeräusche effektiv minimieren soll.

Ein ungewöhnlicher Schwerpunkt bei der Innenraumgestaltung betrifft die Haustierfreundlichkeit. Die Sitze in der Select-Variante sind mit einem speziellen Kunstleder bezogen, das vom TÜV Süd zertifiziert wurde. Dieses Material weist eine antibakterielle Hemmrate von 99,9 Prozent auf, ist extrem kratzfest und lässt sich im Alltag besonders leicht reinigen. Was auf den ersten Blick wie ein reiner Marketing-Gag klingt, könnte sich im Alltag für Hundebesitzer durchaus als echter Segen erweisen, da Schmutz und Krallen dem Material deutlich weniger anhaben können als herkömmlichen Stoffen oder empfindlichem Echtleder.

Die Ausstattungslinien: Select contra Exclusive

Der Einstieg in die Welt des Jaecoo 5 HEV beginnt mit der Ausstattungslinie Select für 27.900 Euro. Bereits diese Basisversion präsentiert sich überraschend komplett ausgestattet. Zum Serienumfang gehören Voll-LED-Scheinwerfer mit einer automatischen Fernlichtsteuerung, ein Regensensor für die Scheibenwischer, beheizbare Außenspiegel sowie eine elektrisch öffnende Heckklappe, die sich auch per Funkschlüssel bedienen lässt. Im Innenraum gibt es schwarze Stoffsitze mit einer sechsfach manuellen Verstellung für die vorderen Plätze sowie eine integrierte Sitzheizung. Ein beheizbares Multifunktionslenkrad in Kunstleder und die bereits erwähnte Akustikverglasung runden den Komfort ab. Das schlüssellose Zugangs- und Startsystem verriegelt das Fahrzeug zudem automatisch, sobald sich der Fahrer entfernt.

Wer noch mehr Komfort wünscht, greift zur Ausstattungslinie Exclusive für 30.900 Euro. Diese Version bietet zusätzliche äußere Erkennungsmerkmale wie eine Dachreling, getönte Scheiben im Fond und elektrisch anklappbare Außenspiegel. Für ein deutlich erleichtertes Rangieren sorgt eine Rundumsichtkamera, die auch den Bereich direkt unter dem Fahrzeug auf den Bildschirm projiziert. Im Innenraum werden die Sitze durch eine elektrische Verstellung und eine integrierte Belüftung aufgewertet. Das Armaturenbrett ist in einer weichen Softtouch-Ausführung gehalten, und eine in 64 Farben einstellbare Ambientebeleuchtung sorgt für eine stimmungsvolle Atmosphäre im Dunkeln. Ein hochwertiges Soundsystem von Sony mit acht Lautsprechern übernimmt die Beschallung, während Smartphones auf einer aktiv gekühlten Ladefläche kabellos mit bis zu 50 Watt geladen werden können. Eine zusätzliche 12-Volt-Steckdose im Kofferraum ermöglicht zudem den unkomplizierten Anschluss einer Kühlbox beim Camping.

Garantie und Service: Das Vertrauensversprechen der Newcomer

Ein entscheidender Fdaktor für den Erfolg auf dem deutschen Markt wird das Vertrauen in die Langlebigkeit des neuen Anbieters sein. Um eventuelle Bedenken der Käufer zu zerstreuen, ddder Hersteller das Fahrzeug mit einem äußerst umfangreichen Garantiepaket aus. Die allgemeine Fahrzeuggarantie läuft über einen Zeitraum von sieben Jahren oder bis zu einer Laufzeit von 150.000 Kilometern. Für die spezifischen Komponenten des Hybridantriebs sowie die Antriebsbatterie gewährt Jaecoo sogar eine Garantie von acht Jahren oder bis zu 160.000 Kilometern. Eine dreijährige Lackgarantie und eine zwölfjährige Garantie gegen Durchrostung runden das Paket ab.

Zudem ist für die ersten drei Jahre bis zu einer Laufzeit von 80.000 Kilometern eine europaweit gültige Pannenhilfe inklusive, die im Notfall eine telefonische Beratung, eine Vor-Ort-Hilfe oder einen Abschleppdienst umfasst. Sollte eine Garantie-Reparatur einmal länger als vier Stunden dauern, stellt der Händler dem Kunden zudem ein kostenloses Ersatzfahrzeug zur Verfügung, um die Mobilität im Alltag zu sichern. Das ist ein Serviceversprechen, mit dem sich der Hersteller deutlich von einigen etablierten Konkurrenten abheben möchte, bei denen Ersatzfahrzeuge oft extra bezahlt werden müssen.

Insgesamt stellt der Jaecoo 5 HEV ein technisch durchdachtes und preislich äußerst konkurrenzfähiges Angebot dar. Er zeigt, dass chinesische Hersteller zunehmend verstehen, worauf es der europäischen Kundschaft ankommt: effizente Alltagstechnologie, ein dichtes Servicenetz und finanzielle Planungssicherheit durch lange Garantien. Dennoch muss sich der Newcomer erst im harten deutschen Alltag beweisen. Das magere Kofferraumvolumen und das noch junge Image der Marke sind Hürden, die das Kompakt-SUV erst einmal überspringen muss. Doch mit einem Startpreis von unter 28.000 Euro für einen voll ausgestatteten Vollhybrid bringt das Fahrzeug beste Voraussetzungen mit, um frischen Wind in das Segment zu bringen.