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KGM Actyon 1.5 T-GDI 4WD im Fahrbericht: Luxuriöses Platzwunder mit Durst

Im Test der KGM Actyon Lux 120 kW mit Allrad - Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Marktumfeld und Wettbewerber – Zielgruppe

Der SUV-Markt ist in Europa hart umkämpft und wächst dennoch kontinuierlich. Mit dem Actyon will KGM, früher unter dem Namen SsangYong bekannt, vor allem preisbewusste Kunden ansprechen, die Wert auf Platz, Ausstattung und auffälliges Design legen. In direkter Konkurrenz stehen etablierte Modelle wie der VW Tiguan, der größere Skoda Kodiaq oder der VW Tayron. Auch Kia Sorento, Hyundai Santa Fe und der preisaggressive Dacia Bigster zählen zum Umfeld. Während die Konkurrenz zunehmend elektrifizierte bzw. teilelektrifizierte Antriebe anbietet, setzt KGM zum Start ausschließlich auf einen 1,5-Liter-Turbobenziner. Damit ist der Actyon im Vergleich technikseitig konservativer, preislich aber deutlich attraktiver. Hybridversionen sollen erst später folgen.

Im Test der KGM Actyon Lux 120 kW mit Allrad – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Für Privatkunden bietet er sich als geräumiges Familienauto an, das optisch mehr hergibt, als der Preis vermuten lässt. Für Flottenmanager könnte er durch seine großzügige Ausstattung interessant sein, allerdings sprechen der hohe Verbrauch und die fehlende Elektrifizierung gegen eine breite Tauglichkeit im Dienstwagensegment.

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Aus SsangYong wurde KGM

Die Umbenennung von SsangYong in KGM erfolgte 2023 und soll den Neustart der koreanischen Marke symbolisieren. Während SsangYong hierzulande lange Zeit nur Insidern ein Begriff war, positioniert sich KGM nunmehr deultich selbstbewusster. Mit einem neu aufgestellten Händlernetz und klaren Designlinien möchte man den Anschluss an die internationale Konkurrenz schaffen. Der Actyon ist dabei eines der Schlüsselfahrzeuge. Der Name ist nicht neu – zwischen 2006 und 2018 gab es bereits ein Modell gleichen Namens, das jedoch auf wenig Resonanz stiess. Heute gibt sich der Actyon deutlich moderner, sowohl optisch als auch technisch. Preislich positioniert er sich jedoch deutlich unterhalb vieler Wettbewerber.

Im Test der KGM Actyon Lux 120 kW mit Allrad – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Technische Einordnung – Premium-Ambitionen in der Mittelklasse

Angetrieben wird der Actyon von einem 1,5-Liter-GDI-Turbobenziner mit 120 kW respektive 163 PS. Das maximale Drehmoment von 280 Newtonmetern liegt bereits ab 1.500 Umdrehungen an. Die Kraftübertragung erfolgt je nach Ausstattung über ein manuelles Sechsgang-Getriebe oder wie in unserem Testwagen über eine Sechsstufen-Automatik. Optional steht ein Allradantrieb zur Verfügung, der stets mit der Automatik kombiniert wird. Mit einem Leergewicht ab 1.580 Kilogramm und einer Länge von 4,74 Metern bewegt sich der Actyon im oberen Mittelfeld des C-SUV-Segments. Die von uns gefahrene Version mit Allrad (4WD) bringt sogar ein Leergewicht von 1.640 Kilogramm auf die Waage. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 191 km/h. Ein Beschleunigungswert von null auf hundert ist vom Hersteller nicht angegeben. Ist aber aufgrund der Masse kein extremer Ausbund an Sportlichkeit.

Im Test der KGM Actyon Lux 120 kW mit Allrad – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Mit Blick auf die Premium-Ambitionen im Segment zeigt sich der Actyon zwiespältig. Einerseits bietet er Ausstattungsdetails wie Vollleder, Sitzbelüftung oder ein 360-Grad-Kamerasystem bereits ab Werk. Andererseits fehlen moderne Effizienztechnologien wie Mild- oder Vollhybrid, die mittlerweile fast zum Standard gehören. Damit gerät er in puncto Verbrauch ins Hintertreffen.

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Exterieur-Design und Optik

Optisch weiß der Actyon zu gefallen. Mit seiner markanten Frontpartie, den schlanken LED-Leuchten und den serienmäßigen 20-Zoll-Leichtmetallfelgen tritt er wuchtig auf. Die Dachlinie fällt sanft nach hinten ab, was ihm einen coupéartigen Charakter verleiht. Gerade am Heck erinnert die Gestaltung an britische Vorbilder wie Range Rover Velar oder Evoque, ohne diese offen zu kopieren. Die massiven C-Säulen und der Dachspoiler verstärken den Eindruck eines robusten und zugleich edlen Auftritts. Die Farbpalette reicht von klassischem Weiß über dunkle Metallic-Lacke bis hin zu auffälligen Tönen wie Royal Copper. Die optionale Zweifarb-Lackierung setzt zusätzliche Akzente, das optionale (in unserem Testwagen fehlende) Panorama-Glasschiebedach verspricht in der Topversion Lux für eine großzügige Lichtstimmung im Innenraum.

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Interieur: Raumökonomie sowie Platzverhältnisse und Variabilität, Oberflächen und Haptik sowie Klimasteuerung und Infotainment

Im Innenraum setzt KGM auf viel Platz und moderne Optik. Fahrer und Beifahrer profitieren von elektrisch einstellbaren Sitzen, serienmäßigem Lederbezug, Sitzheizung vorn und hinten sowie Sitzbelüftung.

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Auch große Personen finden auf allen Plätzen genügend Kopf- und Beinfreiheit. Das Kofferraumvolumen liegt bei 668 Litern und wächst bei umgeklappter Rückbank auf bis zu 1.568 Liter – ein Wert, der über dem VW Tiguan liegt. Die Variabilität wird durch die im Verhältnis 60:40 teilbare Rückbank unterstützt, auch die Neigung der Lehnen lässt sich verstellen. Gut gefallen haben uns zudem die Kopfstützen mit integriertem Taschen- und Jackenhalter.

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Bei den Materialien zeigt sich ein differenziertes Bild. Während die Oberflächen im direkten Blickfeld extrem hochwertig wirken, treten in den unteren Bereichen Kunststoffverkleidungen zutage, die dann doch dem Kostendruck geschuldet sind. Kritisieren läßt sich zudem die sichtbare Befestigungstechnik an Türrahmen. Insgesamt bleibt das Ambiente aber wohnlich und für die Preisklasse äußerst ansprechend. Die Verarbeitung ist gut. Der Wagen ist innen ruhig, nichts knarzt.

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Das Infotainment besteht aus zwei nebeneinander platzierten hochauflösenden 12,3-Zoll-Displays, die mit dem neuen Betriebssystem Athena 2.0 arbeiten. Die Darstellung ist modern, die Bedienung grundsätzlich logisch. Die Menüs samt Touchbedienung reagieren performant. Die Navigationshinweise widersprechen sich teilweise. Zudem funktioniert die Smartphone-Integration von Android Auto und Apple Carplay  nur kabelgebunden. Auch eine kabellose Lösung fehlt. Für Fuhrparkmanager bedeutet das: In der täglichen Nutzung sind Geduld und Eingewöhnung gefragt.

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Allrad und Fahreigenschaften

Das Fahrwerk des Actyon ist angenehm straff abgestimmt. Auf Landstraße und Autobahn liegt er stabil, in der Stadt wirkt er jedoch mitunter hölzern. Kurvenfahrten quittiert er mit einem leichten Tendenz zur Seitenneigung. Die Lenkung reagiert etwas träger und weniger präzise als man es von einem kleinen PKW kennt. Dennoch überzeugt die Bedienung und Ergonomie. Sportliche Ambitionen sollte man dennoch nicht freien Lauf lassen. Vielmehr ist der Actyon als komfortabler Reisewagen ausgelegt, der seine Passagiere entspannt ans Ziel bringt. Die Sechsstufen-Automatik schaltet sanft. Die eingelegte Fahrstufe wird zuweilen etwas verzögert angenommen. Gerade im Stadtverkehr stört, dass sich Vorwärts- und Rückwärtsgang nicht direkt ansteuern lassen.

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Das optionale Allradsystem erweitert die Einsatzmöglichkeiten, wenngleich es eher für Traktion auf rutschigem Untergrund als für ernsthafte Geländegänge mit schwerem Offroad konzipiert ist. Mit einer maximalen Anhängelast von 1.500 Kilogramm erfüllt der Actyon die Anforderungen und Dimensionierung für typische Freizeit- und Familienanhänger wie aber auch Fahrradträgern. Aber empfiehlt sich wegen zu geringer Anhängerlast nicht bei der lukrativen Zielgruppe der Reitsportler und Wassersport-Enthusiasten mit Bootsanhänger. 

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Effizienz und Verbrauch

Die Achillesferse des Actyon ist sein hoher Verbrauch. Laut WLTP beträgt der kombinierte Verbrauch unseres 4WD-Testwagen 9,0 Litern je 100 Kilometer. Im Alltag betrug der kombinierte Spritkonsum selten unter 10 Liter zuweilen auf der Autobahn auch über 11 bis 12 Liter. Damit ist der Actyon weder besonders effizient noch zeitgemäß.

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Auch die CO₂-Bilanz fällt mit 194 bis 205 g/km damit entsprechend aus und wird nach EU-Klassen in die ungünstige Stufe G eingeordnet. Zwar arbeitet die Abgasreinigung effizient und hält Grenzwerte gemäß der Abgasnorm Euro 6e ein, dennoch erweist sich der Benziner ohne Hybridtechnik dem Wettbewerb unterlegen. Besserung ist in Sicht: KGM hat zumindest für 2026 eine Vollhybrid-Version angekündigt, die den Verbrauch dann deutlich senken soll.

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Technische Daten KGM Actyon Lux 1.5 GDI Turbo Benziner 120 kW mit Start-/Stopp-Automatik
Hersteller:KGM
Karosserie:SUV
Motor:4-Zyl.- Ottomotor
Start/Stopp-SystemJa
Getriebe6-Gang-Automatik mit elektronischer Shift-by-Wire-Bedienung
AntriebAllradantrieb (4WD)
Hubraum:1.497 ccm
EmissionsklasseEuro 6e
Leistung:120 kW (163 PS) bei 5.000 bis 5.500 Umdrehungen pro Minute
Drehmoment:280 Nm bei 1.500 bis 4.000 Umdrehungen pro Minute
Höchstgeschwindigkeit:191 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h) in sk.A.
Verbrauch WLTP in Litern/100 km 9,0 Liter /100 km
CO2-Ausstoß 205 g/km
CO2-Klasse:G
Kraftstoff:Super Bleifrei (95 ROZ)
Tankinhalt:50 Liter
Leergewicht:1.670 kg
Zul. Gesamtgewicht:2.170 kg
Zul. Anhängelast gebremst bei 12%:1.800 kg
Zul. Anhängelast ungebremst:500 kg
Kofferraum652 – 1650 Liter
Zuladung:484 kg
Wendekreis:10,86 m
Abmessungen (LxBxHxRadstand):4.740x1.910x1.680x2.680 mm
Bodenfreiheit:1.145 mm
Garantie:•5 Jahre Herstellergarantie oder bis zu 100.000 km (das zuerst Erreichte gilt)

• 6 Jahre Garantie gegen Durchrostung

• 5 Jahre europaweite KGM Mobilitätsgarantie
Preise (Ausstattung Core) ab:35.790 Euro
Testwagenpreis ab:42.250 Euro zzgl. 4WD (2.200 Euro), Zweifarblackierung (600 Euro), metallic (700 Euro), Leder/Wildleder (600 Euro)

 
Preise und Extras

Preislich startet der Actyon in der Basisversion Core bei 35.790 Euro. Sie bietet bereits Lederbezüge, Sitzheizung, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Navigation und 20-Zoll-Leichtmetallfelgen. Die nächsthöhere Ausstattungslinie Bliss kostet ab 39.450 Euro und bringt serienmäßig die Automatik, Totwinkelassistent, Keyless-Go und zusätzliche Komfortdetails.

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Die von uns gefahrene Topausstattung Lux beginnt bei 42.250 Euro und umfasst unter anderem eine elektrische Heckklappe, ein 360-Grad-Kamerasystem, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage sowie erweiterte Sicherheitsfunktionen. Hinzu kommen weitere Optionen wie Metallic-Lackierungen ab 700 Euro, eine zweifarbige Kontrastlackierung für 600 Euro oder das Panorama-Glasschiebedach für 1.200 Euro. Wer Allradantrieb und Automatik kombiniert, zahlt jeweils 2.200 Euro Aufpreis. Ein Lux-Modell mit Allrad und Glasdach kommt damit auf etwa 45.000 Euro. Zum Vergleich: Ein Skoda Kodiaq mit ähnlicher Ausstattung liegt mindestens 10.000 Euro höher.

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Beim Kauf eines KGM Actyon (Modelljahr 2025) erhält der Käufer eine recht solide Garantieabsicherung, die typisch für koreanische Hersteller großzügiger ausfällt als bei vielen europäischen Marken. Konkret umfasst das Paket 5 Jahre Herstellergarantie oder bis zu 100.000 Kilometer, je nachdem, was zuerst erreicht wird. Zusätzlich gibt es eine 6‑Jahres-Garantie gegen Durchrostung sowie eine 5‑jährige europaweite Mobilitätsgarantie, die im Fall einer Panne Unterstützung bietet. Damit möchte KGM nicht nur für Vertrauen in die noch junge Marke sorgen, sondern auch die Betriebssicherheit und Alltagstauglichkeit des Actyon unterstreichen.

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Unterm Strich liefert KGM eine Garantie die weit über die üblichen Neuwagengarantie hinaus ein Rundum-Sorglos-Paket für fünf Jahre gewährt und sowohl Defekte als auch Pannenhilfe abdeckt – allerdings sollte beachtet werden, dass die Kilometerbegrenzung bereits ab 100.000 km greift. Wer also sehr viel fährt, erreicht die Garantiegrenze möglicherweise vor Ablauf der vollen fünf Jahre.

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Fazit: Großes Luxus-SUV mit viel Platz zu günstigem Preis aber hohem Verbrauch

Der KGM Actyon Lux 1.5 GDI Turbo ist ein Auto mit zwei Gesichtern. Einerseits beeindruckt er mit viel Raum, üppiger Ausstattung und einem Auftritt, der an deutlich teurere SUVs erinnert. Er bietet Komfort, moderne Sicherheitsausstattung und ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das für viele Familien attraktiv sein dürfte. Auch für Fuhrparks könnte er aufgrund der Garantie und der niedrigen Einstiegskosten interessant sein. Andererseits zeigen sich auch ein paar Schwächen wie bei Verbrauch oder der Verarbeitungsqualität im Detail. Wer regelmäßig lange Strecken fährt, wird den hohen Spritkonsum schnell als Kostenfaktor spüren. Damit bleibt der Actyon ein Geheimtipp für Käufer, die viel Auto fürs Geld suchen und Kompromisse bei Effizienz und Detailqualität akzeptieren. Für das Königshaus taugt er nicht, für die breite Masse als preisgünstige Alternative zu Tiguan bzw Tayron, Kodiaq und Sorento hingegen durchaus.

KGM Actyon Lux 120 - 2025 kW 4WD