KGM Musso EV - 2025 - Bildnachweis: KGM / Niels Burock
Ein Stromer für Handwerker sowie Freizeit und Familien
Ein Pick-up, der leise surrt statt knattert, wirkt noch immer ungewöhnlich. Doch was in den USA längst Alltag wird, hält nun auch in Deutschland Einzug: Der bei Gewerbetreibenden bekannte Musso von KGM kommt als reines Elektroauto auf den Markt – mit dem ambitionierten Ziel, Praktikabilität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu verbinden.

Deshalb setzt KGM beim Musso EV auf eine doppelte Identität: Einerseits als Nutzfahrzeug mit echter Ladefläche und Zugkraft, andererseits als alltagstaugliches Familienauto mit fünf Sitzen und hohem Komfortniveau. Die 5,16 Meter lange Karosserie, die Doppelkabine und die knapp 1,35 Meter lange Pritsche machen klar, dass der elektrische Musso nicht nur für Lifestyle-Kunden gedacht ist, sondern vor allem auch für Bau- und Handwerksbetriebe, die einen robusten Begleiter benötigen.
Aber es bleibt nicht allein bei äußerem Pragmatismus. Unter dem Blech steckt moderne Antriebstechnik, die im Alltag leise und lokal emissionsfrei arbeitet. Ein 152 kW starker Elektromotor treibt in der Basisausführung die Vorderachse an und entwickelt ein Drehmoment von 339 Newtonmetern. Für jene, die regelmäßig mit voller Last auf rutschigen Untergründen unterwegs sind, bietet KGM optional einen zweiten Elektromotor für die Hinterachse an. Dann wird der Musso EV zum Allradler mit noch stärkerer Traktion.

Batterie und Reichweite
Die Energie liefert eine 80,6 kWh umfassende Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie. Laut WLTP kombiniert schafft der Musso damit bis zu 419 Kilometer Reichweite, im urbanen Zyklus werden theoretisch 546 Kilometer angegeben. Zahlen wie diese klingen attraktiv, aber im Alltagsbetrieb dürfte die Spanne realistisch kleiner ausfallen. Mit viel Beladung und Anhänger wird der Verbrauch deutlich steigen, so dass Handwerker die Effektivität genau kalkulieren müssen. Auf den Punkt gebracht: Als Stadtauto mit gelegentlichen Überlandfahrten bietet der Akku genügend Puffer, als Dauer-Zugfahrzeug auf Langstrecke ist Vorsicht geboten.

Ein Vorteil liegt jedoch auf der Hand: An 120-kW-Schnellladern lässt sich die Batterie in 36 Minuten von zehn auf achtzig Prozent laden – praktisch also für Pausen oder Kundentermine. Für den Arbeitsalltag ist dies ein Argument, das manchen Skeptiker überzeugen könnte.
Ladefläche statt Lifestyle
Die elektrische Version büßt nicht an Funktionalität ein. Bis zu 500 Kilogramm dürfen auf der Pritsche transportiert werden, 1,8 Tonnen zieht der Musso EV an die Kupplung. Damit liegt er im Bereich, den viele Handwerksbetriebe und Landwirte in Deutschland tatsächlich benötigen. US-amerikanische Modelle wie der Ford F-150 Lightning kommen zwar mit üppigerer Anhängelast, stoßen hierzulande jedoch schnell an rechtliche Grenzen aufgrund der Führerscheinklassen und Gewichtsregulierungen. Deshalb erscheint das Konzept des Musso bodenständiger und eher zugeschnitten auf den europäischen Markt.

Ausstattung und Preise
Interessant ist, dass KGM den Musso EV nicht als spartanisches Nutzfahrzeug versteht. Schon in der Einstiegsversion gehören Klimaautomatik, Sitzkomfort für fünf Personen und digitale Displays zur Serienausstattung. Hinzu kommen klapp- und beheizbare Außenspiegel, Rückfahrkamera und ein Zugangssystem ohne Schlüssel. Für Kunden, die bislang Dieselvarianten aus Kostengründen wählten, könnte die Preispolitik entscheidend sein.

Die Basisversion startet in Deutschland bei 41.990 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Damit liegt der Musso EV bemerkenswert deutlich unter den Preisen vergleichbarer US-Modelle oder größerer Elektro-SUVs, die ähnliche Akkugrößen bieten. Trotzdem bedeutet das für private Käufer eine Hürde, während Gewerbetreibende über steuerliche Vorteile und niedrigere Betriebskosten einen wirtschaftlichen Reiz finden könnten. KGM kündigt zusätzlich längere Garantiezeiträume von bis zu sieben Jahren an, was Vertrauen schaffen soll.
Die Rolle im Modellportfolio
KGM, vormals unter dem Namen SsangYong bekannt, baut seine Präsenz in Europa systematisch aus. Nach dem vollelektrischen Torres EVX ist der Musso EV das nächste Signal, dass Elektrifizierung nicht nur in den Pkw-Segmenten stattfinden soll. Dass nun ein Pickup elektrifiziert angeboten wird, ist für den deutschen Markt durchaus ein Novum – immerhin ist diese Fahrzeugklasse hierzulande Nische, während sie in den USA zum Straßenbild gehört. Deshalb bleibt abzuwarten, ob der Musso EV in der Handwerkerschaft tatsächlich Anklang findet oder eher als Exot bei Privatkunden punktet.
Zweifel und Perspektive
Ein Gedanke bleibt: Pickups genießen in Deutschland oft den Ruf schwerfälliger, zu großer Fahrzeuge für den urbanen Raum. Ob ein Elektroantrieb daran wirklich etwas ändert, ist fraglich. Wer den Musso EV bestellt, entscheidet sich nicht nur für ein Fahrzeug, sondern auch für ein Statement gegen den Diesel, der bislang die Norm in dieser Klasse ist. Deshalb wird spannend sein zu beobachten, ob Flottenbetreiber und Einzelkunden den Schritt wagen. Der Preis ist attraktiv, die Reichweiten sind solide, doch im direkten Arbeitsalltag mit schweren Lasten wird sich erst zeigen, ob der Musso EV hält, was er verspricht.

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