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KGM Musso EV Black Edition: Wenn der elektrische Pickup auf schwarzes Design trifft

Vollelektrischer KGM Musso EV startet in der Black Edition - Bildnachweis: KGM

Ein Pick-up muss arbeiten, nicht glänzen – so lautet das ungeschriebene Gesetz der Lastesel-Fraktion, das über Jahrzehnte hinweg die Entwicklung von Fahrzeugen wie dem Musso bestimmte. Doch die Zeiten ändern sich, und mit ihnen der Antrieb, der unter dem schweren Leiterrahmen pulsiert. KGM, vielen noch als SsangYong bekannt, versucht mit dem vollelektrischen Musso EV in der neuen Black Edition genau diesen Spagat zwischen industriellem Nutzwert und den modernen Ansprüchen einer elektrifizierten Welt zu meistern. Es ist ein mutiger Schritt, denn der Markt für elektrische Pick-ups in Deutschland ist bisher eher spärlich besetzt und die Kundenanforderungen sind brutal ehrlich. Ein Fahrzeug, das Strom statt Diesel verbrennt, muss sich an der Realität von Anhängelasten, Ladezyklen und der harten Arbeit im Gelände messen lassen, ohne dabei in die Falle der reinen Lifestyle-Optik zu tappen.

Wenn man den neuen KGM Musso EV Black Edition betrachtet, fällt zunächst das Design auf, das den Namen sehr wörtlich nimmt. Der Hersteller setzt konsequent auf schwarze Akzente. Space Black Metallic ist die Farbe der Wahl, ergänzt durch einen speziellen Frontstoßfänger in der sogenannten Blackline-Optik und dazu passende 17-Zoll-Leichtmetallfelgen. Es ist eine Aufwertung, die optisch durchaus gefällt und das Fahrzeug wuchtiger erscheinen lässt, als es seine ohnehin schon imposante Statur vermuten ließe. Doch man darf sich von der dunklen Eleganz nicht täuschen lassen. Unter der dunklen Hülle verbirgt sich ein Fahrzeug, das technisch betrachtet einen interessanten Weg einschlägt, der sich von den Konkurrenten abheben will. Die Frage ist jedoch, ob diese optische Aufwertung die technologische Basis rechtfertigt oder ob es sich eher um ein Instrument zur Preisgestaltung handelt.

Vollelektrischer KGM Musso EV startet in der Black Edition – Bildnachweis: KGM

Im Innenraum setzt sich dieses Gestaltungskonzept fort. Die Kabine ist in dunklen Tönen gehalten, wobei Wildleder an den Türen und an den Sitzen zum Einsatz kommt. Hier zeigt KGM den Willen, den Musso aus der reinen Nutzfahrzeug-Ecke in Richtung eines gehobenen Komfort-Segments zu heben. Vorne gibt es Sitzbelüftung und beheizbare Sitze, was bei einem Pick-up durchaus als Luxus durchgeht. Die elektrische Lendenwirbelstütze ist ein nettes Detail für längere Etappen. Dennoch bleibt der Eindruck eines Nutzfahrzeugs, wenn auch eines sehr gut ausgestatteten. Es wirkt alles solide, auch wenn mancher Kunststoff an den Schaltern oder den weniger sichtbaren Stellen noch nach der günstigeren Herkunft riecht, die man bei diesem Preispunkt eventuell anders erwarten würde. Aber deshalb sollte man das Auto nicht vorschnell verurteilen, denn der Kernpunkt liegt ohnehin woanders, nämlich unter dem Blech.

Beim Antrieb setzt KGM auf bewährte Konzepte, kombiniert diese jedoch mit einer modernen Batterie-Technologie. Ein Elektromotor an der Vorderachse und ein weiterer an der Hinterachse sorgen für einen permanenten Allradantrieb. Die Systemleistung liegt bei 175 kW, was exakt 234 Pferdestärken entspricht. Das ist für einen Pick-up dieser Größe ein solider Wert, auch wenn man bedenkt, dass das Gewicht der Batterien den Schwerpunkt massiv nach unten verschiebt, was der Straßenlage durchaus zugutekommt. Das Drehmoment von 678 Nm ist der eigentliche Star des Datenblatts. Es ist genau das, was man braucht, wenn man 2,3 Tonnen Anhängelast an den Haken nimmt. Die elektrische Kraftentfaltung ab der ersten Umdrehung ist für das Anfahren mit schwerem Hänger ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber konventionellen Dieselaggregaten, die erst ihre Drehzahl aufbauen müssen.

Vollelektrischer KGM Musso EV startet in der Black Edition – Bildnachweis: KGM

Die Batterie selbst ist das Herzstück des Systems. Hier kommt eine Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit einer Kapazität von 80,6 kWh zum Einsatz. Die Wahl von LFP-Zellen ist strategisch klug, da diese Chemie als robuster gegenüber häufigen Ladezyklen gilt und weniger anfällig für thermische Probleme ist als klassische NMC-Zellen. Die Cell-to-Pack-Technik soll zudem die Energiedichte optimieren und das Gewicht reduzieren, was angesichts der massiven Konstruktion eines Pick-ups essenziell ist. Dennoch muss man kritisch anmerken, dass die WLTP-Reichweite von 379 Kilometern in der Praxis, besonders bei voller Beladung oder im Anhängerbetrieb, deutlich schneller schmelzen wird. Wer mit diesem Fahrzeug 2,3 Tonnen über die Autobahn zieht, wird feststellen, dass der Stromverbrauch nicht mehr 23 bis 26 kWh pro 100 Kilometer beträgt, sondern deutlich darüber liegen dürfte. Das ist jedoch ein physikalisches Problem, dem sich jeder elektrische Lastesel stellen muss, und KGM bildet da keine Ausnahme.

Interessant wird es beim Thema Laden. Mit einer maximalen Ladeleistung von 120 kW an der Schnellladesäule liegt der Musso EV nicht an der Spitze des aktuell technisch Machbaren, aber für ein Arbeitsfahrzeug ist dies ein vernünftiger Kompromiss aus Akkuschonung und Ladezeit. Die Zeit von zehn auf 80 Prozent Ladung wird mit 36 Minuten angegeben. Das ist eine Pause, die man bei einer langen Fahrt mit dem Pick-up ohnehin einlegen sollte. Die Batterie-Vorkonditionierung und eine intelligente Ladeplanung sollen dabei helfen, diese Zeiten auch bei kühleren Temperaturen einzuhalten. Eine Wärmepumpe ist ebenfalls serienmäßig an Bord, was bei einem Fahrzeug dieser Klasse wichtig ist, um die Reichweite im Winter nicht durch die Innenraumheizung unnötig zu dezimieren.

Doch wie sieht es mit der praktischen Nutzung aus? Hier punktet der Musso EV mit der sogenannten Vehicle-to-Load-Funktion, kurz V2L. Das bedeutet, dass der Pick-up als rollende Powerbank fungiert. Für Handwerker oder im hobbymäßigen Outdoor-Einsatz ist das ein echter Mehrwert. Werkzeuge, Kompressoren oder sogar Kaffeemaschinen können direkt mit dem Strom aus der Fahrzeugbatterie betrieben werden. Das macht den Musso zu einem mobilen Kraftwerk, was ihn für gewerbliche Kunden interessanter macht als die reine elektrische Reichweitenstatistik vermuten lässt. Es ist ein funktionales Detail, das den Nutzwert des Fahrzeugs in der Praxis massiv erhöht und den theoretischen Nachteil der begrenzten Reichweite ein Stück weit kompensiert.

Preislich ruft KGM für das Topmodell 54.490 Euro auf. Das ist eine Ansage, die in einem Bereich liegt, in dem man auch konventionell angetriebene Pick-ups mit gehobener Ausstattung findet. Man muss sich als potenzieller Käufer also fragen, ob der elektrische Antrieb diesen Preis rechtfertigt. Die Betriebskostenersparnis, die geringere Wartungsintensität durch den Wegfall von Getriebewartungen, Ölwechseln und aufwendigen Abgasreinigungsanlagen sprechen für den Musso EV. Die LFP-Batterie verspricht zudem eine lange Lebensdauer, was den Werterhalt verbessern kann. Trotzdem bleibt das Risiko, dass der Wiederverkaufswert bei elektrischen Pick-ups noch nicht so stabil ist wie bei den bewährten Diesel-Dauerläufern. Der Markt ist hier noch im Findungsprozess und es fehlen Langzeiterfahrungen.

Was den Komfort betrifft, ist die Ausstattung der Black Edition umfangreich. Das bereits erwähnte Alpine Sound-System ist als Option für 400 Euro gelistet, was man getrost investieren kann, wenn man längere Strecken im Auto verbringt. Der Around View Monitor sorgt für eine 360-Grad-Rundumsicht, was bei einem Fahrzeug dieser Ausmaße – das Rangieren mit einem Pick-up ist ohne Hilfsmittel oft ein Ratespiel – eine echte Erleichterung darstellt. Auch der Knieairbag für den Fahrer und die zahlreichen Sicherheitsassistenten zeigen, dass KGM das Fahrzeug auf dem Stand der Technik halten will. Man merkt, dass hier nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in der Substanz gearbeitet wurde. Es ist kein billiger Abklatsch, sondern ein ernstzunehmender Versuch, den Pick-up für eine neue Ära zu adaptieren.

Trotzdem bleiben Zweifel, ob die Zielgruppe, die bisher auf den klassischen Verbrenner-Pick-up schwört, bereit für diesen Umstieg ist. Die Kombination aus Reichweitenangst und dem festen Glauben an den Diesel ist tief verwurzelt. Wenn man jedoch sachlich auf das Profil eines typischen Pick-up-Nutzers schaut, der oft in einem definierten Radius um sein Betriebsgelände arbeitet oder bei längeren Touren ohnehin Pausen einplant, dann könnte der Musso EV durchaus eine attraktive Alternative sein. Er ist kein Fahrzeug für die Langstrecke durch Europa ohne Ladestopp, aber er ist ein hervorragendes Werkzeug für den Alltag, das durch den elektrischen Antrieb einen neuen Grad an Ruhe und Souveränität bietet. Wer einmal das Drehmoment eines Elektromotors beim Anfahren mit einem vollen Anhänger erlebt hat, der möchte nur noch ungern zum trägen Verbrenner zurückkehren.

Es ist ein Spannungsfeld, in dem sich KGM bewegt. Einerseits will man als moderne Marke wahrgenommen werden, die technologisch auf Augenhöhe mit den großen Herstellern agiert. Andererseits ist man eine Marke, die erst langsam wieder Vertrauen am europäischen Markt aufbauen muss, nachdem die Vorgängermarke SsangYong mit Höhen und Tiefen zu kämpfen hatte. Die Black Edition ist hierbei ein kluger Schachzug. Sie suggeriert Status und Wertigkeit, was bei einem Fahrzeug, das technisch ohnehin überzeugt, eine wichtige psychologische Barriere abbaut. Es ist ein Design-Statement, das den Mut zur Elektrifizierung unterstreicht.

Technisch gesehen ist die Entscheidung für LFP-Zellen und eine solide Motorisierung eine Entscheidung für Vernunft und Langlebigkeit. Es ist kein überzüchtetes Hochleistungspaket, sondern ein bodenständiges Arbeitsgerät, das modernisiert wurde. Ob das Fahrwerk, das traditionell für hohe Lasten ausgelegt ist, mit dem schweren Batteriepaket im Alltag perfekt harmoniert, wird sich erst in der Langzeiterprobung zeigen. Pick-ups sind naturgemäß oft poltrig, wenn sie leer sind. Das Gewicht der Batterie könnte hier allerdings helfen, das Heck zu beruhigen und den Komfort zu erhöhen. Es wäre ein positiver Nebeneffekt der Elektrifizierung, den man als angenehme Überraschung verbuchen könnte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der KGM Musso EV in der Black Edition ein Fahrzeug ist, das nicht durch spektakuläre Rekordwerte bei Reichweite oder Ladegeschwindigkeit glänzt, sondern durch ein stimmiges Gesamtpaket für den spezialisierten Einsatz. Er ist für Kunden gedacht, die ein robustes Fahrzeug suchen, aber dennoch lokal emissionsfrei arbeiten wollen. Wer von einem Pick-up erwartet, dass er 1.000 Kilometer am Stück ohne Stopp durchfährt, wird enttäuscht werden. Wer jedoch ein Arbeitsgerät sucht, das die Vorzüge des elektrischen Antriebs – Ruhe, Kraft, V2L-Funktionalität – mit einem ordentlichen Design verbindet, der findet im Musso EV eine ernstzunehmende Option. KGM hat hier ein Fahrzeug auf die Räder gestellt, das zeigt, dass die Transformation zum Elektroantrieb auch in den konservativsten Fahrzeugklassen möglich ist, sofern die Technik zum Einsatzzweck passt. Es ist ein Fahrzeug ohne allzu große Allüren, das den Mut hat, sich im Nischensegment zu behaupten, und das wird spannend zu beobachten sein, wie es sich gegen die etablierten Wettbewerber durchsetzen kann, wenn diese ebenfalls ihre elektrischen Schwergewichte auf den Markt bringen. Es bleibt ein interessantes Experiment, das vielleicht der Anfang einer neuen Ära für die Marke sein könnte.