Vollelektrischer Pickup: KGM Musso EV Core 4WD 2026 im Fahrbericht - Bildnachweis: MOTORMOBILES
Marktsegment und Technische Einordnung des KGM Musso EV
Der europäische Automobilmarkt befindet sich im Jahr 2026 in einer Phase tiefgreifender Umbrüche, in der insbesondere das Segment der leichten Nutzfahrzeuge vor einer grundlegenden Neuausrichtung steht. Während klassische Pickups über Jahrzehnte hinweg uneingeschränkt vom Drehmoment voluminöser Dieselmotoren und dem vertrauten Geräusch verbrannten Treibstoffs dominiert wurden, rückt die Elektrifizierung nun auch in dieser kernigen Fahrzeugklasse unaufhaltsam in den Fokus. In genau dieses anspruchsvolle Spannungsfeld stößt der südkoreanische Fahrzeughersteller KG Mobility, der im globalen Markenauftritt prägnant als KGM firmiert. Die Marke blickt auf eine traditionsreiche Historie als Spezialist für allradgetriebene Fahrzeuge zurück, deren Wurzeln bis in das Jahr 1954 reichen. Nach turbulenten Jahrzehnten und dem endgültigen Abschied von der früheren Markenbezeichnung SsangYong hat die Übernahme durch den finanzstarken koreanischen Mischkonzern KG Group für nachhaltige wirtschaftliche Stabilität und eine klar geschärfte Zukunftsstrategie gesorgt.

Ausgehend vom Stammsitz im koreanischen Pyeongtaek treibt KGM die globale Expansion voran und vertreibt seine Fahrzeuge mittlerweile in über 70 Ländern weltweit. Für den europäischen und insbesondere den deutschen Markt zeichnet die in Eschborn ansässige KGM Europe GmbH als Tochtergesellschaft verantwortlich. Die Vertriebsstrategie setzt dabei ganz bewusst auf die physische Präsenz vor Ort und den direkten Kundenkontakt über ein klassisches Händlernetz. Während reine Online-Vertriebskonzepte vieler Marktteilnehmer gerade im gewerblichen Sektor immer wieder an Vorbehalten scheitern, verfügt KGM in Deutschland aktuell über ein Netz von 144 Vertragspartnern mit insgesamt 152 Standorten. Bis Ende 2026 soll diese Struktur gezielt auf 180 bis 200 Händlerbetriebe ausgebaut werden, um bestehende Open Points in wichtigen Ballungsräumen wie Bremen, Hannover oder Kassel systematisch zu schließen und eine lückenlose Serviceabdeckung für Fuhrparks sicherzustellen.

Das Modelljahr 2026 verdeutlicht die pragmatische Zweigleisigkeit der Marke. Neben etablierten Verbrenner-Baureihen wie dem Crossover Tivoli, dem Kompakt-SUV Korando, dem Geländewagen-Flaggschiff Rexton sowie den bewährten Diesel-Varianten des Musso führt KGM zunehmend teil- und voll-elektrifizierte Fahrzeuge ein. Der Torres steht als Verbrenner, Vollhybrid sowie als rein batterieelektrischer Torres EVX zur Verfügung, ergänzt durch das SUV-Coupé Actyon Hybrid. Der Musso EV markiert dabei das technologische Spitzenmodell der elektrischen Nutzfahrzeugsparte.

Technisch stellt der Musso EV ein faszinierendes Übergangskonzept dar. Anders als reine Plattform-Neuentwicklungen nutzt er eine tiefgreifend modifizierte Architektur, die Elemente des robusten Quad-Frame-Leiterrahmens des Verbrenner-Musso mit der modernen Elektro-Plattform des Torres EVX kombiniert. Die Namensgebung leitet sich vom koreanischen Wort für Nashorn ab und unterstreicht den funktionellen Anspruch des Fahrzeugs. Mit einer Gesamtlänge von 5,16 m, einer Breite von 1,92 m, einer Höhe von 1,74 m und einem großzügigen Radstand von 3.150 Millimetern bewegt sich der Fünfsitzer in ausgewogenen Dimensionen innerhalb des Midsize-Pickup-Segments. Das Leergewicht der von uns getesteten Allradvariante liegt je nach Ausstattung zwischen 2.285 und 2.385 Kilogramm bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.090 Kilogramm. Daraus errechnet sich eine maximale Nutzlast von rund 500 bis 805 Kilogramm, während die gebremste Anhängelast bei praxistauglichen 1.800 Kilogramm liegt.

Marktentwicklung und staatliche Förderung
Die Markteinführung batterieelektrischer Nutzfahrzeuge fällt in eine Phase grundlegend veränderter regulatorischer Rahmenbedingungen. Nach dem Auslaufen direkter staatlicher Kaufprämien für Elektrofahrzeuge in Deutschland bestimmt zunehmend die kühle Gesamtkostenbetrachtung die Kaufentscheidung von Unternehmen und Privatpersonen. Ein zentraler Treiber für den gewerblichen Flotteneinsatz ist dabei die europäische Richtlinie über die Förderung sauberer und energieeffizienter Straßenfahrzeuge, bekannt als Clean Vehicles Directive. Die nationale Umsetzung im Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz verpflichtet öffentliche Auftraggeber, Kommunen, Bauhöfe und staatsnahe Betriebe zur Erfüllung verbindlicher Mindestquoten bei der Beschaffung von Neufahrzeugen. Für leichte Nutzfahrzeuge der Fahrzeugklasse N1 gilt hierbei seit geraumer Zeit ein geforderter Anteil emissionsfreier oder emissionsarmer Fahrzeuge von 38,5 Prozent.

In diesem regulatorischen Umfeld bietet der KGM Musso EV für Fuhrparkmanager eine äußerst pragmatische Lösung. Gemeindewerke, Straßenmeistereien, Forstbetriebe und Umweltämter stehen vor der Herausforderung, ihre Fahrzeugflotten auf CO2-freie Antriebe umzustellen, ohne auf die praktische Funktionalität einer offenen Ladefläche und echten Allradantrieb verzichten zu müssen. Der Musso EV erfüllt die gesetzlichen Kriterien ohne Ausnahmeregelungen und ermöglicht die Reduktion lokaler Schadstoff- und Lärmemissionen, was insbesondere bei nächtlichen Arbeitseinsätzen oder im städtischen Umfeld von unschätzbarem Vorteil ist.

Ergänzend profitieren gewerbliche Betreiber von reduzierten laufenden Betriebskosten. Neben der Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer und reduzierten Wartungsaufwänden durch den Wegfall klassischer Verschleißteile wie Zahnriemen, Kupplungen oder Abgasnachbehandlungssystemen eröffnet das Fahrzeug über die Treibhausgasminderungsquote eine kontinuierliche Einnahmequelle. Bei Nutzung betriebseigener Photovoltaikanlagen oder regionaler Wasserkraft lassen sich die kilometerbezogenen Energiekosten im Vergleich zu einem konventionellen Diesel-Pickup drastisch senken.

Exterieur-Design und Optik
Im optischen Erscheinungsbild gelingt dem KGM Musso EV eine stimmige Synthese aus robuster Werkzeug-Ästhetik und modernen Designelementen. Während die grundlegende Silhouette der Doppelkabine mit ihren markant ausgestellten Radhäusern und der leicht ansteigenden Gürtellinie die enge Verwandtschaft zur Diesel-Baureihe betont, setzt die Frontpartie ganz eigenständige, futuristische Akzente. Anstelle des großflächigen Kühlergrills der Verbrennungsmotoren trägt der elektrische Musso eine geschlossene, aerodynamisch optimierte Frontblende. Diese wird von schlanken LED-Projektionsscheinwerfern flankiert, die durch ein prägnantes, durchgehendes Tagfahrlicht-Band optisch miteinander verbunden werden.

Die Frontschürze ist im unteren Bereich mit einem massiven Unterfahrschutz-Element versehen, das nicht nur optisch Solidität signalisiert, sondern die darunter liegende Elektronik bei Offroad-Passagen wirksam vor Steinschlag schützt. In den Flanken dominieren schwarze Schutzbeplankungen an den Schwellerleisten und den Radläufen, welche die Karosserie im harten Alltagsbetrieb absichern. Je nach gewählter Ausstattung rollt der Pickup auf 17-Zoll-Leichtmetallrädern mit allgeländetauglicher Bereifung im Format 235/70 R17 beim Grundmodell Core oder auf optisch betonten 18-Zoll- beziehungsweise optionalen 20-Zoll-Leichtmetallfelgen im Diamond-Cut-Design bei den höheren Ausführungen.

Das Heck wird von vertikal angeordneten LED-Rückleuchten und einer massiven Ladeklappe geprägt. In die hintere Stoßfängereinheit ist werkseitig eine praktische Trittstufe integriert, die das Aufsteigen auf die Ladefläche spürbar erleichtert. Die Verarbeitungsqualität der Außenhaut hinterlässt einen durchweg Überzeugenden Eindruck. Die Spaltmaße verlaufen gleichmäßig eng, die Türen fallen mit einem satten Klang ins Schloss, und die Lackierung hält auch gröberen Einsätzen im Gelände stand. Farbseitig stehen neben dem serienmäßigen Grand White verschiedene Metallic-Töne wie Space Black, Marble Grey, Amazonia Green, Ultra Marine, Blazing Gold und Smoke Taupe zur Auswahl.

Materialauswahl, Haptik, Qualität und Verarbeitung
Beim Betreten des Innenraums wird deutlich, dass KGM den Musso EV nicht als spartanisches Arbeitsgerät konzipiert hat, sondern den Komfort moderner Pkw-Sektoren ins Pickup-Segment überträgt. Das Cockpit präsentiert sich aufgeräumt, übersichtlich und ergonomisch durchdacht. Die Materialauswahl spiegelt einen praxistauglichen Kompromiss zwischen Wohnlichkeit und Belastbarkeit wider. Im direkten Blick- und Berührungsfeld des Fahrers dominiert weich unterpolstertes Material an den Armauflagen der Türen, der Mittelarmlehne sowie der oberen Instrumententafel.

In den unteren Zonen der Türverkleidungen sowie im Fußbereich kommt robuster, leicht abwaschbarer Hartkunststoff zum Einsatz. Was im reinen Pkw-Segment gelegentlich kritisiert werden könnte, erweist sich im täglichen Arbeitseinsatz als gezielter Vorteil, da sich die Oberflächen nach Fahrten in verschmutzter Arbeitskleidung mühelos reinigen lassen. Die Schaltereinheiten für Fensterscheiben, Fahrstufenwahl und Assistenzsysteme weisen präzise Druckpunkte auf und wirken langlebig ausgeführt.

Ein technisches Kernmerkmal des Musso EV ist seine herausragende Torsionssteifigkeit. Die Konstruktion aus dem überarbeiteten Quad-Frame-Leiterrahmen und dem tief im Chassis verschraubten Batteriegehäuse bildet ein extrem massives Verbundsystem. Selbst bei extremen Achsverschränkungen im unebenen Gelände oder bei einseitiger Beladung zeigt die Karosserie keinerlei spürbare Verwindungen. Im Testbetrieb waren weder Knarz- noch Knackgeräusche aus dem Verkleidungsbereich der Doppelkabine feststellbar, was auf eine hohe Fertigungsgüte hinweist.

Interieur: Raumökonomie, Bedienergonomie und Infotainment
Die Raumökonomie der Fünfsitzer-Doppelkabine überzeugt im Alltagsbetrieb. Vorne sitzen Fahrer und Beifahrer auf großzügig dimensionierten Sessel-Einheiten mit breiter Oberschenkelauflage. Die Sitzposition ist pickup-typisch erhaben, was zusammen mit den schmal gehaltenen A-Säulen für eine hervorragende Übersicht über das Fahrgeschehen sorgt. Die Lux-Ausstattung verfügt über elektrisch verstellbare Kunstledersitze inklusive einer einstellbaren Lendenwirbelstütze für den Fahrer sowie einer integrierten Sitzheizung und dreistufigen Sitzbelüftung, die langen Arbeitstagen den Schrecken nimmt.

Auch im Fond stehen überraschend großzügige Platzverhältnisse zur Verfügung. Selbst wenn großgewachsene Personen in der ersten Reihe Platz nehmen, bleibt dahinter ausreichende Kniefreiheit für Erwachsene. Die Kniewinkel sind zwar konstruktionsbedingt etwas steiler als in klassischen Oberklasse-SUVs, jedoch absolut langstreckentauglich. Praktische Variabilität zeigt sich an der Rückbank: Die Sitzfläche lässt sich hochklappen und arretieren, wodurch ein geschützter, wetterfester Laderaum im Innenraum entsteht, um Werkzeugkoffer oder empfindliches Equipment trocken zu transportieren. Zudem befindet sich hinter den Rückenlehnen der Fondsitze ein staubgeschütztes Ablagefach für Ladekabel, Verbandstasche und Warndreieck.

Das Infotainment- und Bedienkonzept wird von zwei nebeneinander platzierten 12,3-Zoll-Bildschirmen dominiert. Das digitale Kombiinstrument hinter dem Lenkrad stellt Fahrgeschwindigkeit, Rekuperationsstufe, Akkuladezustand sowie Navigationshinweise gestochen scharf und ohne visuelle Überfrachtung dar. Das zentrale Infotainment-Display dient der Steuerung von Fahrzeugfunktionen, Medien und Klimatisierung. Die Menüführung ist weitgehend flach aufgebaut, reagiert flüssig auf Eingaben und lässt sich intuitiv bedienen.

Smartphones werden nahtlos über Apple CarPlay oder Android Auto eingebunden. Während der Tests verlief die Kopplung absolut stabil. In der Lux-Version ergänzt eine induktive Ladeschale in der Mittelkonsole die Konnektivität. Das integrierte Navigationssystem bietet eine dynamische Routenführung. Während die Sprachsteuerung Standardbefehle wie die Temperatureinstellung oder Radiosenderwahl zuverlässig umsetzt, stößt sie bei der Eingabe von Sonderzielen gelegentlich an Grenzen. Das Audio-System bietet in der Serienversion mit sechs Lautsprechern einen soliden Klang. Für anspruchsvollere Hörer bietet KGM optional ein Alpine-Soundsystem an, das durch verstärkte Bässe und eine präzisere Hochton-Auflösung überzeugt. Über eine dedizierte KGM-Smartphone-App lässt sich der Musso EV zudem aus der Ferne überwachen, der Ladevorgang steuern und der Innenraum vorklimatisieren.

Die offene Ladefläche bildet das Herzstück der Transportkapazität. Mit einer Länge von 1,35 m und einer Breite von 1.52 m fasst die Pritsche problemlos eine Standard-Europalette. Die Ladebordwandhöhe von 51 cm ergibt ein Nutzladevolumen von 1.049 Litern. Werkseitig ist die Ladefläche mit einer widerstandsfähigen Kunststoffwanne, dem sogenannten Bedliner, ausgekleidet, der das Blech vor Kratzern und Korrosion schützt. Für die Ladungssicherung sorgen insgesamt acht massive Verzurrösen. Eine integrierte LED-Ladeflächenbeleuchtung erleichtert das Be- und Entladen bei Dunkelheit spürbar.

BEV-Antrieb, Leistung, Reichweite, Verbrauch und Ladetechnik
Unter dem Blech des Musso EV kommt fortschrittliche Batterietechnologie zum Einsatz. Im Rahmen der globalen Entwicklungskooperation setzt KGM auf die LFP-Blade-Batterie des chinesischen Technologiekonzerns BYD. Das Akkupaket verfügt über eine brutto 83,0 kWh beziehungsweise netto nutzbare Kapazität von 80,6 kWh. Die Lithium-Eisenphosphat-Zellchemie unterscheidet sich strukturell von herkömmlichen Nickel-Mangan-Kobalt-Akkus. Sie verzichtet komplett auf den Einsatz von teurem Kobalt und Nickel, bietet eine außergewöhnlich hohe thermische Stabilität gegen Überhitzung und zeichnet sich durch enorme Zyklensicherheit aus. Diesen Vertrauensbeweis unterstreicht KGM mit einer herstellerseitigen Garantie auf die Hochvoltbatterie von 10 Jahren oder einer Gesamtlaufleistung von einer Million Kilometern. Das Batteriemodul ist nach der Cell-to-Pack-Bauweise direkt im Unterboden verbaut, was die Raumeffizienz maximiert und die Crashsicherheit erhöht.
In der Allradvariante (4WD / 4Drive) kommen zwei Permanentmagnet-Synchronmotoren an Vorder- und Hinterachse zum Einsatz. Jeder Motor stellt eine Einzelleistung von 152 kW (207 PS) sowie ein Drehmoment von 339 Nm bereit. Systemseitig wird die Dauerleistung der Motoren nach WLTP-Homologation auf 175 kW (238 PS) begrenzt, während kurzzeitig eine Maximalleistung von bis zu 304 kW (414 PS) und ein kombiniertes Drehmoment von 630 bis 678 Nm abgerufen werden können.
Diese Kraftentfaltung verleiht dem schweren Elektro-Pickup ein beeindruckendes Antrittsverhalten. Aus dem Stand beschleunigt der Allrad-Musso ohne Verzögerung oder Zugkraftunterbrechung in rund 8,0 Sekunden auf Tempo 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 177 km/h elektronisch abgeregelt, was für Überholmanöver auf der Autobahn mehr als ausreichend bemessen ist.

Das Lademanagement arbeitet mit einem 400-Volt-System. An AC-Ladesäulen oder der heimischen Wallbox nimmt der On-Board-Lader Wechselstrom dreiphasig mit bis zu 11 kW auf. Eine vollständige Aufladung von 0 auf 100 Prozent nimmt rund 8,5 bis 10 Stunden in Anspruch, was das Laden über Nacht an der heimischen Wallbox oder Betriebshof problemlos ermöglicht. An Gleichstrom-Schnellladestationen (DC) beträgt die maximale Ladeleistung 120 kW. Im Test verlief die Ladekurve treppenartig: Unter optimalen Temperaturbedingungen – wir konnten das vorkonditioniert erfolgreich reproduzieren – lässt sich der Akku in etwa 36 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen. Über die integrierte Vorkonditionierung lässt sich der Akku vor dem Anfahren einer Schnellladesäule thermisch auf das optimale Ladefenster vorbereiten. Ein weiteres Highlight für das Baugewerbe und den Freizeitbereich ist die Vehicle-to-Load-Funktion (V2L). Über einen Adapter an der Ladebuchse stellt der Musso EV Wechselstrom mit bis zu 3,6 kW Leistung bereit, um Werkzeuge, Motorsägen, Scheinwerfer oder Camping-Equipment direkt aus der Fahrzeugbatterie zu betreiben.

Im Hinblick auf Effizienz und Verbrauch fordert die klassische Pickup-Struktur mit ihrer stirnflächigen Bemaßung bauartbedingt ihren Tribut. Der offizielle WLTP-Verbrauch für die Allradversion wird mit 26,0 kWh pro 100 Kilometer angegeben, woraus sich eine kombinierte Normreichweite von 379 bis 410 Kilometern errechnet. In unserem realen Testzyklus bei gemischtem Fahrprofil auf Landstraßen, durch Ortschaften und über Autobahnabschnitte pendelte sich der Durchschnittsverbrauch bei moderater Fahrweise um 25,0 kWh/100 km ein. Auf der Autobahn steigt der Energiebedarf bei Richtgeschwindigkeit 130 km/h aufgrund des Luftwiderstands auf rund 30 bis 32 kWh/100 km an. Daraus resultiert eine Autobahn-Reichweite von rund 255 bis 280 Kilometern, bevor ein Ladestopp einzuplanen ist. Im reinen Stadtverkehr und bei niedrigen Geschwindigkeiten sinkt der Verbrauch hingegen spürbar, sodass Reichweiten von über 450 Kilometern erreichbar sind. Für regionale Handwerksbetriebe und kommunale Bauhöfe liegt dieses Aktionsfeld weit über den täglichen Streckenanforderungen.

Fahreigenschaften und Offroad-Verhalten
Auf der Straße unterscheidet sich der KGM Musso EV eklatant von konventionellen Diesel-Pickups. Während blattgefederte Nutzfahrzeuge ohne Beladung auf der Hinterachse oft zu poltrigem Ansprechverhalten und leichten Stößen neigen, setzt KGM beim Musso EV auf ein Fahrwerk mit Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern vorn und einer aufwendigen Fünflenker-Hinterachse mit Schraubenfedern. In Kombination mit dem niedrigen Schwerpunkt, den der im Leiterrahmen platzierte Akku bewirkt, ergibt sich ein bemerkenswert ausgewogenes Fahrverhalten.
Kurze Bodenwellen und Kanaldeckel werden vom Fahrwerk geschmeidig geschluckt. Die Neigung zu Karosserie-Wankbewegungen in schnell durchfahrenen Kurven ist für ein Fahrzeug dieser Bauhöhe erstaunlich gering. Die elektrische Servolenkung arbeitet leichtgängig, vermittelt aber genügend Rückmeldung über den Straßenzustand. Dank der sofort anliegenden Drehmomente beider Elektromotoren zeigt der Allradler ein souveränes Beschleunigungsverhalten. Die Kraftverteilung zwischen den Achsen wird elektronisch in Millisekunden nachgeregelt, was bei nasser oder verschneiter Fahrbahn für Traktion sorgt.

Im unbefestigten Terrain schlägt sich der Musso EV wacker. Mit einer Bodenfreiheit von 181 Millimetern unter den Achsen beziehungsweise bis zu 220 Millimetern im Mittenbereich, einem vorderen Böschungswinkel von 19,6 bis 20,2 Grad sowie einem hinteren Böschungswinkel von 20,5 bis 24,3 Grad meistert der Pickup ausgefahrene Waldwege, Matschpassagen und Schotterpisten mühelos. Da ein mechanisches Verteilergetriebe mit Untersetzung fehlt, übernimmt die Traktionskontrolle die radspezifische Bremseneingreifung zur Sperrwert-Simulation. Für extreme Offroad-Passagen über Felsen setzen die Böschungswinkel und das Gewicht zwar natürliche Grenzen, für normale Einsätze auf Forstwegen, Forstbetriebsflächen oder Baustellen ist das Fahrzeug bestens gerüstet.
Kritischer zu bewerten sind die spezifischen Nutzlastgrenzen der Allradvariante. Durch das hohe Eigengewicht des Batteriepakets liegt das Leergewicht des Musso EV 4WD bei rund 2.285 bis 2.385 kg. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.090 Kilogramm verbleibt eine maximale Nutzlast von rund 500 bis 800 kg je nach Ausstattungsvariante. Während das für Werkzeug, Messgeräte oder leichte Anbaugeräte ausreicht, stoßen Anwender beim Transport von schweren Schüttgütern schneller an Grenzen als beim Diesel-Pendant. Die gebremste Anhängelast beträgt 1.800 kg. Das ist praxistauglich für Anhänger mit kleineren Baumaschinen oder Grünabfallsammelbehältern, liegt aber unter dem Niveau traditioneller Diesel-Pickups.

Vergleich mit der elektrischen Konkurrenz
Das Segment der elektrischen Pickups auf dem europäischen Markt ist dynamisch, stellt Kaufinteressenten aber vor grundlegende Konzeptunterschiede. Auf der einen Seite stehen exklusive, hochpreisige Importe wie der Ford F-150 Lightning, der mit einer Karosserielänge von knapp 5,90 Metern, Batterien von über 130 kWh und Preisen weit jenseits der 80.000 Euro in einer ganz anderen Fahrzeugliga rangiert. Auf der anderen Seite positionieren sich fernöstliche Wettbewerber.
Ein direkter Rivale ist der Maxus eTerron 9 des chinesischen SAIC-Konzerns. Dieser fällt mit einer Länge von 5,50 Metern spürbar größer aus, bietet einen 97-kWh-Akku, 325 kW (442 PS) Systemleistung und eine hohe Anhängelast von 3.500 kg. Allerdings schlägt der Maxus mit einem Einstiegspreis von rund 74.958 Euro zu Buche, was eine erhebliche Differenz von rund 28.000 Euro gegenüber dem Basis-Musso EV bedeutet. Der ältere Maxus T90 EV bildet mit reinem Heckantrieb und beschränkter Ladeleistung eher eine funktionelle Behelfslösung.
Auf der anderen Seite drängen japanische Traditionsmarken wie Toyota mit dem Hilux BEV oder Isuzu mit dem D-Max EV nach. Der Isuzu D-Max EV setzt auf den Erhalt der vollen Ein-Tonnen-Nutzlast und 3,5 Tonnen Anhängelast bei einer Motorleistung von rund 130 kW (177 PS), wird preislich jedoch deutlich höher eingestuft. Toyota bietet den Hilux BEV zu Listenpreisen ab etwa 70.210 Euro an, nutzt jedoch eine vergleichsweise kleine Batteriekapazität von rund 54 kWh und leistet 144 kW (196 PS). Der KGM Musso EV besetzt in diesem Umfeld eine völlig eigenständige Position als Preis-Leistungs-Sieger. Er kombiniert SUV-ähnliche Manieren, moderne LFP-Akkutechnik und praxistaugliche Allradleistung zu einem Grundpreis von deutlich unter 50.000 Euro für die Allradversion.
Technische Daten KGM Musso EV Core 4WD 80,6kWh / 152KW
Parameter Spezifikation KGM Musso EV Core 4WD
Modellbezeichnung KGM Musso EV Core 4WD
Fahrzeugsegment / Klasse Vollelektro-Pickup mit Doppelkabine (Fahrzeugklasse N1)
Karosserieform / Türen / Sitzplätze Doppelkabine, 4 Türen, 5 Sitzplätze
Plattform / Chassis-Architektur Modifizierter Quad-Frame-Leiterrahmen mit integriertem Batterieraum
Antriebsart Elektrischer Allradantrieb (Dual-Motor / 4Drive)
Elektromotor Vorderachse Permanentmagnet-Synchronmotor (152 kW / 339 Nm)
Elektromotor Hinterachse Permanentmagnet-Synchronmotor (152 kW / 339 Nm)
System-Dauerleistung (WLTP-Homologation) 175 kW (238 PS)
System-Peakleistung (kurzzeitig abrufbar) 304 kW (414 PS) bei 3.500 U/min
Maximale System-Drehmomentabgabe 678 Nm
Getriebe / Kraftübertragung 1-Gang-Direktantrieb
Höchstgeschwindigkeit 177 km/h (elektronisch abgeregelt)
Beschleunigung 0–100 km/h 8,0 Sekunden
Batterietyp / Zellchemie LFP (Lithium-Eisenphosphat), BYD Blade-Technologie
Batteriemodul-Integration Cell-to-Pack (direkt im Unterboden verbaut)
Batteriekapazität brutto 83,0 kWh
Batteriekapazität netto nutzbar 80,6 kWh
Systemspannung 400 Volt
Ladeanschluss AC / Position Typ 2 / Kotflügel vorne links
Max. Ladeleistung AC 11 kW (dreiphasig über On-Board-Lader)
Ladezeit AC (0–100 % SoC) ca. 8,5 bis 10,3 Stunden
Ladeanschluss DC / Position CCS (Combined Charging System) / Kotflügel vorne links
Max. Ladeleistung DC 120 kW (Peak)
Ladezeit DC (10–80 % SoC) ca. 36 Minuten
Batterievorkonditionierung Ja (über Menü / Navigation steuerbar)
Bi-direktionales Laden (V2L) Ja, Vehicle-to-Load
Max. V2L-Ausgangsleistung 3,6 kW AC (über 230V Steckdosenadapter)
WLTP-Stromverbrauch kombiniert 23,0 bis 26,0 kWh / 100 km
CO2-Emissionen (lokal) 0 g/km (CO2-Klasse A)
WLTP-Reichweite kombiniert 379 km bis 410 km
Praxisreichweite Stadtverkehr bis zu 450 km (unter milden Bedingungen bis 525 km)
Praxisreichweite Autobahn (130 km/h) ca. 255 km bis 280 km
Gesamtlänge 5.160 mm
Gesamtbreite 1.920 mm
Gesamthöhe 1.740 mm
Radstand 3.150 mm
Wendekreisdurchmesser 12,4 m
Ladeflächenlänge 1.345 mm
Ladeflächenbreite 1.515 mm
Ladeflächenhöhe (Bordwand) 510 mm
Ladeflächenvolumen 1.049 Liter
Laderaum-Oberflächenschutz Werkseitige Kunststoff-Laderaumwanne (Bedliner)
Ladungssicherungssystem 8 verankerte Verzurrösen auf der Ladefläche
Bodenfreiheit unter den Achsen 181 mm
Bodenfreiheit Mittenbereich 220 mm
Böschungswinkel vorne 20,2°
Böschungswinkel hinten 24,3°
Rampenwinkel 15,1°
Radaufhängung Vorderachse Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern
Radaufhängung Hinterachse 5-fach gelagerte Raumlenkerachse mit Schraubenfedern
Serienbereifung (Ausstattung Core) 235/70 R17 auf 17-Zoll-Leichtmetallfelgen
Leergewicht (fahrbereit) 2.285 kg bis 2.385 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 3.090 kg
Maximale Nutzlast 805 kg (ausstattungsabhängig ab ca. 500 kg)
Anhängelast gebremst (12%) 1.800 kg
Anhängelast ungebremst 750 kg
Maximale Stützlast 72 kg
Digitales Instrumentendisplay 12,3-Zoll-TFT-Farbdisplay
Infotainment-Touchscreen 12,3-Zoll-Farbdisplay inkl. Navigation & DAB+
Smartphone-Schnittstellen Apple CarPlay & Android Auto
Klimatisierung Zwei-Zonen-Klimaautomatik
Scheinwerfertechnik LED-Hauptscheinwerfer, LED-Tagfahrlicht & LED-Nebelscheinwerfer
Schließsystem Keyless-Go-System mit Smart-Key
Assistenzsysteme Serienumfang ACC, LKA, AEBS, FCW, DAA, TSR, Rückfahrkamera
Fahrzeug-Herstellergarantie 7 Jahre oder 150.000 km
Hochvoltbatterie-Garantie 10 Jahre oder 1.000.000 km
Garantie gegen Durchrostung 6 Jahre
Mobilitätsgarantie 7 Jahre (europaweit)
Grundpreis Musso EV Core 2WD (Frontantrieb) 41.990 Euro brutto
Aufpreis Allradantrieb 4WD (4Drive) 4.000 Euro brutto
Grundpreis Testfahrzeug (Core 4WD) 45.990 Euro brutto
Option: Wärmepumpe (Core) 1.300 Euro brutto
Option: Kunstledersitz-Paket inkl. Belüftung (Core) 1.400 Euro brutto
Option: Metallic-Lackierung 700 Euro brutto
Preise, Ausstattungslinien und Unterhaltskosten
Die Preisgestaltung von KGM ist übersichtlich und transparent aufgebaut. Das Modelljahr 2026 gliedert sich in die Ausstattungslinien Core, Lux und die optisch geschärfte Black Edition. Die Basisversion Musso EV Core mit Frontantrieb startet bei einem Einstiegspreis von 41.990 Euro brutto. Bereits diese Variante bietet eine reichhaltige Serienausstattung mit 12,3-Zoll-Navigation, digitalem Cockpit, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Keyless-Go-System, LED-Scheinwerfern, Licht- und Regensensor sowie umfangreichen Assistenzsystemen inklusive adaptiver Geschwindigkeitsregelung.
Für den fairen Aufpreis von 4.000 Euro ist der von uns getestete Allradantrieb für die Versionen Core und Lux bestellbar. Der Musso EV Core 4WD liegt damit bei einem Grundpreis von 45.990 Euro. Die gehobene Ausstattungslinie Lux startet als 2WD bei 48.990 Euro und als 4WD bei 52.990 Euro. Sie ergänzt das Paket um elektrisch verstellbare Kunstledersitze mit Belüftung vorn, Sitzheizung vorn und hinten, Lenkradheizung, eine effiziente Wärmepumpe, ein elektrisches Schiebedach sowie ein 360-Grad-3D-Kamerasystem.
An der Spitze rangiert die Musso EV Black Edition 4WD zu Preisen ab 54.090 Euro. Sonderausstattungen sind ab Werk klar strukturiert: Eine Metallic-Lackierung schlägt mit 700 Euro zu Buche. Die Wärmepumpe für das Basismodell Core kostet 1.300 Euro Aufpreis. Ein Kunstledersitz-Paket inklusive Belüftung lässt sich beim Core für 1.400 Euro ergänzen, während das Alpine-Lautsprechersystem mit 400 Euro eingepreist ist.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht für Flottenmanager überzeugt das Garantiepaket von KGM. Neben einer vollumfänglichen Fahrzeuggarantie von 7 Jahren oder 150.000 Kilometern gewährt der Hersteller auf die LFP-Blade-Batterie von BYD eine außergewöhnliche Garantie von 10 Jahren oder 1.000.000 Kilometern. Hinzu kommen 6 Jahre Garantie gegen Durchrostung sowie 7 Jahre europaweite Mobilitätsgarantie. Diese Risikominimierung senkt die Gesamtkostenrechnung (TCO) beträchtlich und erhöht die Restwertstabilität im Fuhrpark.

Fazit: Pragmatischer Pionier in der Nische
Der Markt für Pickups – zumal für batterieelektrische Varianten – bleibt in Europa vorerst überschaubar und speziell eingegrenzt. Doch genau in diesem Segment setzt der neue KGM Musso EV 4WD ein bemerkenswertes Ausrufezeichen. Der südkoreanische Hersteller beweist mutig, dass der Umstieg auf emissionsfreie Antriebe im Nutzfahrzeugbereich weder an astronomischen Anschaffungskosten noch an unzureichender Alltagsfunktionalität scheitern muss.
Durch die Kooperation mit BYD bei den langlebigen LFP-Blade-Akkus erhält der Musso EV ein robustes Herzstück, das zusammen mit dem überarbeiteten Chassis hervorragende Fahrkultur, beachtliche Ruhe im Innenraum und SUV-nahen Abrollkomfort auf den Asphalt zaubert. Die Einschränkungen bei der maximalen Nutzlast von rund 500 Kilogramm bei der Allradversion sowie die Anhängelast von 1.800 Kilogramm müssen Kaufinteressenten vorab kalkulieren. Wer jedoch im täglichen Betrieb primär Werkzeuge, Einsatzkräfte oder mittelgroßes Frachtgut transportiert und vorwiegend im regionalen Radius agiert, erhält mit dem Musso EV ein durchdachtes Arbeitsgerät.
Insbesondere für Kommunen, Baubetriebe, Umweltämter und gewerbliche Flotten, die unter dem Druck des Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetzes (SaubFahrzeugBeschG) ihre Fuhrparks dekarbonisieren müssen, erweist sich der Koreaner als preislich unschlagbare Offerte. Mit einem Einstiegspreis von 45.990 Euro für das Allradmodell und Garantiezusagen von bis zu einer Million Kilometern auf die Batterie etabliert sich der Musso EV als echtes Werkzeug für Profis und pragmatische Individualisten.

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