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Kleine Abmessungen, große Ansprüche – Ram bringt mit dem Rampage frischen Wind ins Pick-up-Segment

RAM Rampage: Neuer Kompakt-Pick-up für den europäischen Markt verspricht frische Akzente - Bildnachweis: Rampage

Ein neues Kaliber: Wenn Größe nicht mehr alles ist

Es ist ein ungewohntes Bild: Ein Ram, der tatsächlich in eine deutsche Tiefgarage passt. Wer die Marke bisher nur von riesigen 1500er-Trucks kannte, reibt sich verwundert die Augen. Der neue Ram Rampage ist kaum länger als ein Mittelklasse-SUV – und doch soll er alles haben, was Käufer an einem Pick-up lieben: Nutzwert, Robustheit und Charakter. Damit wagt die US-Marke ein Experiment, das man ihr vor wenigen Jahren kaum zugetraut hätte.

Denn in einem Markt, der zunehmend von SUVs und Elektrifizierung geprägt ist, setzt Ram mit einem konventionell angetriebenen Kompakt-Pick-up ein bewusst differenziertes Zeichen. Vielleicht ist gerade das der Reiz: Ein Stück amerikanisches Truck-Gefühl, aber neu gedacht für enge Städte, schmale Straßen und europäische Ansprüche.

Maßarbeit für eine neue Welt

Der Rampage ist kein verkleinerter Ram 1500, sondern eine eigenständige Konstruktion auf Basis der kompakten Stellantis-Architektur, die auch Modelle wie den Jeep Compass oder den Fiat Toro trägt. Entwickelt und produziert wurde er vollständig in Brasilien – ein Land, in dem Pick-ups dieser Größe ein Massenphänomen sind. Dort wird er seit 2023 verkauft, bevor er nun in Europa debütiert.

Mit 5,03 Metern Außenlänge, 1,72 Metern Breite und fast 1,90 Metern Höhe positioniert sich der Rampage deutlich unterhalb des 1500ers, bleibt aber ein stattliches Fahrzeug. Seine Ladefläche fasst 980 Liter, die Nutzlast liegt bei rund einer Tonne – Werte, die ihn ebenso für Handwerksbetriebe wie für Freizeitfahrer interessant machen.

Deshalb gilt der Rampage als bewusstes Bindeglied zwischen SUV-Komfort und Nutzfahrzeug-Funktionalität. Während viele klassische Pick-ups im Alltag überdimensioniert erscheinen, könnte der Neue genau dort punkten, wo Größe bisher abschreckte.

Zwei Charaktere – Diesel für Pragmatiker, Benziner für Enthusiasten

Ram bringt den Rampage in Europa in zwei klar differenzierten Varianten auf den Markt. Der Rampage Rebel zielt mit seinem 2,2-Liter-Multijet-Turbodiesel auf Kunden, die hohe Zugkraft und Effizienz schätzen. 200 PS und 450 Newtonmeter Drehmoment bilden eine solide Basis für schwere Lasten oder Bootsanhänger.

Anders ausgelegt ist der Rampage R/T. „R/T“ steht bei Ram traditionell für „Road/Track“ – also Fahrdynamik auf Asphalt. Sein 2,0-Liter-Hurricane-Turbobenziner leistet 272 PS und 400 Newtonmeter. Damit beschleunigt der R/T in 6,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h – ein Wert, der im Pick-up-Segment eher selten vorkommt. Beide Varianten verfügen über Allradantrieb, eine Wandlerautomatik mit neun Gängen und einen zuschaltbaren Untersetzungsmodus für schwieriges Gelände.

Interessant ist die Abstimmung: Während der Rebel mit All-Terrain-Reifen, robusten Stoßfängern und höherem Fahrwerk offroadorientiert bleibt, positioniert sich der R/T mit tieferem Schwerpunkt, 19-Zoll-Rädern und sportlicher Optik deutlich urbaner. Ram möchte erkennbar zwei Welten bedienen – das Abenteuer und die Stadt.

Innenraum mit Premium-Anspruch

Wer in den Rampage steigt, erkennt sofort die neue Linie, die Ram für seine kompakteren Modelle einschlägt. Das Cockpit wirkt aufgeräumt, digital und fast luxuriös. Hinter dem Lenkrad liegt ein 10,3-Zoll-Kombiinstrument, zentral ein 12,3-Zoll-Touchscreen mit Uconnect-Software, kabelloser Smartphone-Integration und Over-the-Air-Updates.

Materialseitig legt der Rampage die Messlatte hoch: Feines Leder, Wildleder-Applikationen und sauber genähte Ziernähte begegnen dem Fahrer auf Wunschniveau. Insgesamt 35 Liter Stauraum in den Ablagen, dazu ein hochwertiges Harman-Kardon-Soundsystem mit 360 Watt – das ist in diesem Segment alles andere als selbstverständlich.

Vielleicht bemerkenswerter ist jedoch, dass der Rampage als erster Ram unterhalb des 1500 ein umfassendes Assistenzpaket nach Level 2 bietet. Dazu zählen unter anderem ein adaptiver Tempomat mit Stauassistent, Spurführungshilfe, Notbremsassistent und Kameraüberwachung beim Rückwärtsfahren. Damit schließt der kleine Pick-up technisch zu etablierten SUV-Modellen auf.

Zwischen amerikanischem Selbstverständnis und europäischer Realität

Aber wird der Rampage hierzulande wirklich Käufer finden? Der Markt für Pick-ups bleibt in Deutschland ein Nischensegment. 2024 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt weniger als 20.000 neue Pick-ups zugelassen, die meisten davon Toyota Hilux, Ford Ranger und Isuzu D-Max. Die Zielgruppen sind traditionell klar: Handwerksbetriebe, Landwirte, Outdoor-Enthusiasten.

Deshalb muss Ram seine Marke neu definieren. Ein Truck, der optisch robust wirkt, aber auch als Alltagsauto taugt, könnte einen Nerv treffen. Immer mehr Kunden wollen ein Fahrzeug, das sowohl emotional als auch praktisch ist – mit SUV-Komfort, aber mehr Charakter.

Ram spricht von einer „Lifestyle-Alternative mit Nutzwert“, was in nüchternen Worten bedeutet: ein Auto für jene, die keine sperrige Doppelkabine benötigen, aber nicht auf Ladefläche und Allrad verzichten wollen.

Design und Auftritt

Optisch bleibt der Rampage unverkennbar ein Ram. Der markentypische Frontgrill, der massive Stoßfängerrahmen und die LED-Lichtsignatur transportieren die DNA der großen Brüder – nur eben in verkleinertem Maßstab. Manche Details, etwa die modellabhängige Zweifarb-Lackierung oder der in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger des R/T, wirken fast schon europäisch zurückhaltend.

Im Profil zeigt sich eine klare Linie ohne überflüssige Zierleisten. Die Ladefläche ist mit 1,45 Metern Länge praxistauglich und mit einer klappbaren Trennwand sowie 220-Volt-Steckdose ausgestattet. Auch Details wie eine elektrisch entriegelbare Heckklappe oder die Möglichkeit zum modularen Zubehörsystem – von Dachträger bis Hardtop – machen den Rampage vielseitig.

Trotz seiner kompakten Dimensionen bringt er leer rund 1,9 Tonnen auf die Waage. Die maximale Anhängelast liegt – je nach Motorisierung – bei etwa 2,4 Tonnen. Das reicht für kleine Pferdeanhänger oder mittlere Wohnwagen.

Marktposition und Preisstruktur

Ram und der europäische Importeur KW Auto positionieren den Rampage oberhalb der klassischen Einstiegs-Pick-ups, aber unterhalb des Full-Size-Segments. In Deutschland dürfte der Rampage Rebel mit Dieselmotor voraussichtlich ab etwa 47.000 Euro starten, während der sportliche Benziner R/T rund 53.000 Euro kosten könnte. Damit rangiert der Ram preislich zwischen einem Ford Ranger Wildtrak und einem kompakten Premium-SUV.

Ob der Rampage in Deutschland mit Netto-Nutzfahrzeugzulassung (LKW) oder als PKW eingestuft wird, wird von der Ausstattung abhängen. Mit der Doppelkabine und fünf Sitzplätzen liegt eine PKW-Zulassung nahe, was beim CO₂-Ausstoß von knapp über 200 g/km relevant werden dürfte.

Ram verzichtet zunächst auf eine Plug-in-Hybridlösung. Ein vollelektrischer Nachfolger könnte laut Konzernkreisen jedoch bereits in der Entwicklung sein, da Stellantis an entsprechenden Plattformanpassungen arbeitet.

Fahrdynamik und Alltagserlebnis

Die ersten Fahrberichte aus Südamerika zeichnen ein Bild von einem Pick-up, der überraschend fahrstabil wirkt. Die elektrisch unterstützte Lenkung spricht direkt an, das adaptive Fahrwerk filtert Unebenheiten sauber heraus. In den Kurven bleibt der Rampage kontrolliert, ohne die staksige Neigung vieler Lkw-basierter Konkurrenten.

Aber natürlich bleibt er ein hoch bauender Allradler mit robustem Leiterrahmen – kein Sportwagen. Im schweren Gelände soll der Rampage mit seiner Traktionskontrolle und Geländeuntersetzung überzeugen, wenngleich er ohne Sperrdifferenzial etwas Limitierung zeigt. Trotzdem: Für Forstwege, Baustellen oder winterliche Bergstraßen reicht die Geländetauglichkeit völlig aus.

Im Stadtverkehr wirkt der Rampage handlicher, als seine Länge vermuten lässt. Die Rückfahrkamera mit 360-Grad-Ansicht und Parksensoren ringsum erleichtern das Leben spürbar.

Ausblick: Ram in Europa neu definiert

Bislang war Ram in Europa vor allem durch massive US-Pick-ups bekannt – groß, laut, durstig. Mit dem Rampage beginnt die Marke, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Die Leitung von KW Auto in Bremerhaven sieht darin die Chance, Ram langfristig breiter aufzustellen und sich vom Image des reinen „US-Giganten“ zu lösen.

Der Rampage dürfte vor allem Kunden ansprechen, die emotional ein amerikanisches Fahrzeug wollen, aber mit europäischen Vernunftkriterien leben. Es sind genau jene, die bisher zwischen Amarok, Ranger und SUV schwankten – und denen die großen Ram-Modelle schlicht zu ausladend waren.

Zweifel bleiben: Wird der Rampage es schaffen, gegenüber etablierten Marken Vertrauen zu gewinnen? Und wie gut funktioniert das Servicenetz in kleineren Märkten, wenn Ersatzteile aus Übersee kommen? Dennoch zeigt der Schritt Mut – und das dürfte selbst eingefleischte Skeptiker neugierig machen. Vielleicht ist der Rampage am Ende weniger ein kleiner Ram, sondern ein neues Konzept: ein Pickup für ein neues Europa.