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Kleinwagen mit enorm viel Platz sowie frischem Antrieb: Honda Jazz 1.5 Vtec (130 PS) im Test


Im Test das Raumwunder Honda Jazz Dynamic 1.5 Vtec mit 130 PS – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Facelift mit mehr Swing?

Die 2015 eingeführte Generation des Honda Jazz erhielt 2018 eine Modellpflege. Seit knapp einem Jahr fährt das kleine Raumwunder mit einem neuen 1,5-Liter-Vierzylinder, der 130 PS leistet vor. Damit erledigt der kleine Japaner den Null-Hundert in 8,7 Sekunden. Welche weiteren Qualitäten der Kleinwagen verfügt zeigt unser ausführlicher Fahrbericht.
Der Honda Jazz tut sich in der dritten Generation schwer an seine alten Erfolge anzuschließen. In dem hart umkämpften Segment hat er es schwer gegen Mitbewerber wie den neuen Ford Fiesta, den Mini oder ebenfalls neuen Seat Ibiza anzukommen. Dabei hat der kleine Honda einige Unique Selling Points zu bieten. Da sind zum einen die überragende Raumökonomie und Variabilität mit den Magic Seats und mit dem Facelift auch seine neue Antriebsoption.

Honda Jazz Dynamic 1.5 i-Vtec 130 PS
Im Test der Honda Jazz - Honda hat an den Schwächen gearbeitet, ohne die Stärken zu verwässern - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Die Modellpflege bewahrt die Talente und baut die Stärken aus

Die Modellpflege verleiht dem Vier-Meter-Japaner nicht nur optisch eine kräftige Auffrischung. Die neue Optik zeigt sich vor allem an der Front. Neu sind hier Scheinwerfer, Grill und Stoßstange. Die typischen Designelemente der Honda Modellfamilie finden sich vor allem in den dynamisch gestalteten Frontscheinwerfern und in der sportlichen Optik des Kühlergrills wieder. Die vordere Stoßstange ist mit ihren markanten Konturen um die Lüftungsschlitze geformt. Scheinwerfer und Grill greifen wie zuvor bereits der Civic die Form eines Flügels auf. Besonders gelungen ist der Übergang vom LED-Tagfahrlicht der neuen LED Scheinwerfer in eine Chromspange hin zum Kühlergrill. Im Heckbereich befinden sich flache, durch eine glänzend schwarze Zierleiste verbundene Designelemente. Das Heck gewinnt durch eine Verbindung der angedeuteten Luftelemente im Stoßfänger an optischer Breite. Besonders in Verbindung mit der von uns gefahrenen neuen Ausstattungslinie „Dynamic“ ist der Honda Jazz optisch nun auffällig sportiver unterwegs. Unser Testwagen präsentiert sich zudem in der neuen markanten Farbe „Skyride Blue“. Die Lackierung läßt die Konturen besonders gut zur Geltung kommen.

Interieur Honda Jazz 1.5 Vtec Dynamic – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Interieur

Honda hat an den Schwächen gearbeitet, ohne die Stärken zu verwässern. Die Modellpflege hat die Grundmaße des kleinen Honda belassen. Das Längenplus von zwei Zentimetern geht aufs Konto der Anbauteile. In Verbindung mit der Dynamic-Ausstattung erhält der Honda Jazz auch im Innenraum durch orangefarbenes Nadelstreifenmuster auf der Sitzpolsterung eine sportlichere Note samt Lederlenkrad und Lederschaltknauf.

Das Cockpit ist übersichtlich und ergonomisch gestaltet. Die Bedienung gibt keine großen Rätsel auf. Kritik muss sich Honda für die Haptik gefallen lassen. Der Innenraum präsentiert sich mit viel Hartplastik und die Sitzauflage könnte länger sein.

Das Navigationssystem mit dem sieben Zoll großen Touchscreen erfüllt seinen Zweck zuverlässig. In Bezug auf eine Konnektivität wie Android Auto oder Apple CarPlay muss das System passen.

Der Jazz ist bei Platzangebot und Variabilität weiter der Maßstab. Damit bleibt einerseits das einzigartig großzügige Platzangebot und andererseits die Nutz- und Anpassbarkeit voll erhalten. Im Innenraum wurde der Honda Jazz nur unmerklich verändert. Der Kleinwagen offeriert auf einer Länge von vier Metern so viel Variablität und Entfaltungsspielraum wie aktuell bisher keiner seiner Wettbewerber. Um es zu verdeutlichen: Obwohl der Jazz dem Kleinwagen-Segment zuzuordnen ist, sind vorne wie hinten selbst 1,95 Meter große Menschen adäquat untergebracht. Möglich macht dies die Platzierung des Treibstofftank mittig im Unterboden.

Das pfiffige Sitzkonzept der Magic Seats erlaubt es, den Innenraum den unterschiedlichsten Transportaufgaben anzupassen. Die Sitze sind eine variable Kombination aus umklappbarem Beifahrersitz und vielfältig verstellbaren Rücksitzen. Sie tragen erheblich zum Raumwunder bei, indem sie sich entweder, wie üblich, nach vorn klappen lassen, worauf eine ebene Ladefläche entsteht und das Kofferraumvolumen von 354 auf 1.314 Liter steigt. Oder die Sitze werden wie bei einem Kinosessel nach oben geklappt. Der Raum zwischen Fußraum bis zur Decke eignet sich dann, um Ladegut von rund 1,50 Metern Höhe zu befördern.

Dies schafft Platz selbst für extrem sperriges Ladegut. Durch die aufstell- und versenkbare Rückbank und die klappbare Beifahrersitzlehne lassen sich so Gegenstände von über 2,40m Länge verstauen. Außerdem klappen bei Bedarf die Sitzflächen der Rücksitze hoch. Das funktioniert den Fond in einen Kofferraum um. Mit 354 bis 1.314 Litern Stauvolumen setzt der Jazz in seinem Segment den Benchmark. Ihm kann weder der Skoda Fabia (330 bis 1.150 Liter) noch der neue VW Polo (351 bis 1.125 Liter) das Wasser bzw. Stauvolumen reichen. Aber das ist noch nicht alles. Mindestens genauso wichtig ist der Zugang zum Ladeabteil. Und auch hier punktet der Jazz mit einer großen Laderaumöffnung, die 1,1 Meter breit und 85 Zentimeter hoch ist. Die Ladehöhe von 1,28m schlängt sogar Familienvans. Die tief liegende Ladekante trägt ebenfalls dazu bei, dass dieses Volumen ohne Behinderungen gefüllt werden kann.

Es sind auch die vielen kleinen Details die den Kleinwagen positiv hervorheben. Zum Beispiel die Ablage links neben dem Lenkrad, die auch als Becherhalter taugt.

Das Kofferaumvolumen läßt sich durch Umklappen auf bis zu 1.314 Liter (bis Dach) vergrößern- Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Mit einer neuen Spitzenmotorisierung

Eine Modellpflege und Aufwertung erfuhr auch die Antriebspalette. So bleibt zwar der 1,3l i-Vtec Saugmotor mit 102 PS die Einstiegsmotorisierung, darüber rangiert nun aber der neue von uns gefahrene 1,5l i-Vtec Motor mit 130 PS. Sein maximales Drehmoment gipfelt nun bei 155 Newtonmeter . Entsprechend schwungvoll schiebt der 1,5-l-Direkteinspritzer den 1.100 Kilo schweren Jazz an. Weitere Motorvarianten neben den beiden Vierzylinder-Benzinern wird es nicht geben. Für einen Diesel wären die Kosten zu hoch und die Verkaufschancen zu gering. Den beim Vorgängermodell noch verfügbaren Hybridantrieb hat Honda mangels Nachfrage gestrichen. Das optional erhältliche, stufenlose Automatikgetriebe (CVT) wurde in seiner Abstimmung weiter verfeinert für eine gleichmäßigere Reaktion bei Beschleunigungsvorgängen.

1,5 Liter Saugmotor: Der drehfreudige Vierzylinder mobilisert 130 PS – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Der „nicht“ aufgeladene – also ohne Turbo auskommende – 1,5-Liter-Vierzylinder läßt den Jazz den Null-Hundert Paradesprint in 8,7 Sekunden erledigen. Drei Sekunden schneller als bei der bisherigen Spitzenmotorisierung mit 102 PS. Der Vortrieb endet auf Wunsch erst bei der Höchstgreschwindigkeit von 190 km/h. Unser Verbrauch pendelte sich auf den ersten Testfahrten bei knapp über 6 Litern je hundert gefahrene Kilometer ein. Den kombinierten Normverbrauch gibt Honda mit 5,9 Litern an. Der Treibstoffvorrat ist mit 40 Litern ordentlich bemessen. Die serienmäßige Sechsgang-Handschaltung passt gut zu dem kernigen und drehfreudigen Vierzylinder und wer möchte kann den Jazz dennoch untertourig schaltfaul bewegen. Dort wo der Jazz bislang eher behäbig wirkte, geht er seine Sache nun spürbar munterer an. Um die potenziell guten Beschleunigungswerte abrufen zu können, bedarf es dann schon hoher Drehzahlen. Hierzu hat Honda die Getriebeübersetzung  entsprechend kurz ausgelegt. Bei Tempo 130 im sechsten Gang dreht der Motor mit 4.000 Touren. Dieser Umstand geht mit einem hohen Lärmpegel einher. Ansonsten passt das neue Aggregat hervoragend zum Jazz. Zu einem Aufpreis von 1.300 Euro ist ein stufenloses Automatikgetriebe im Angebot, dass den kombinierten Normverbrauch auf 5,4 Liter senkt, aber den Beschleunigungswert von 0 auf 100 km/h um 1,3 auf 10,0 Sekunden verlängert. Eine Standheizung gibt es für 1.890 Euro.

Der Honda Jazz punktet mit McPherson Federbeinen an der Vorderachse und Verbundlenker-Hinterachse – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Fahreigenschaften

Der Fahrwerk des Jazz punktet mit McPherson Federbeinen an der Vorderachse und Verbundlenker-Hinterachse. Zu der stimmigen Auslegung mit gleichsam stabilen wie komfort-orientierten Fahrverhalten trägt der lange Radstand sowie leichte Fahrwerkskomponenten bei. Das Fahrwerk ist allerdings straff abgestimmt und als Passagier wird man über Beschaffenheit der Straße nicht im Unklaren gelassen. Hierzu tragen auch die kleinen Räder bei. Dies soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Kleinwagen sogar durchaus sportlich bewegen läßt. Die adaptive elektrische Servolenkung ermöglicht ein präzises steuern und gewährt ein direktes Feedback, ohne übertrieben sportlich zu wirken.  Ausweichmanöver und Einparksituationen stellen den Jazz vor keine große Herausforderung. Auch schnell angefahrene Kurven meistert der Jazz erstaunlich agil. Durch seine dynamische Abstimmung animiert der Jazz zuweilen sogar zu flotter Kurvenfahrt. Zu schnell angegangene Kurven quittiert der Jazz vorbildlich und narrensicher mit Untersteuern. Gerade auch mit größerer Zuladung bleibt die Tendenz zum Untersteuern erhalten und lassen den Jazz sicher über die Vorderräder schieben. Auch die Lastwechselreaktionen sind stets gut beherrschbar. Das Heck drängt nur leicht nach außen, um sofort effektiv durch das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) eingefangen zu werden. Die Bremsen packen fest zu. Bei Unaufmerksamkeit hilft der City-Notbremsassistent Unfälle zu vermeiden oder deren Folgen zu mindern.

Technische Daten Honda Jazz Vtec 1.5 Dynamic 130 PS
Hersteller:Honda
Karosserie:Kleinwagen SUV 5-türer
Motor:Vierzylinder 1,5i VTEC
Start/Stopp-SystemJa
Getriebe6-Gang-Schaltgetriebe
AntriebFrontantrieb
Hubraum:1.498 ccm
EmissionsklasseEuro 6
Leistung:130 PS / 96kW bei 6.600 U/min
Drehmoment:155 Nm bei 4.600 U/min
Höchstgeschwindigkeit:190 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h) in s8,7 Sekunden
Kombinierter Normverbrauch (ECE) 5,9 Liter /100 km
CO2-Ausstoß 133 g/km
EffizienzklasseD
Kraftstoff:Super Bleifrei E10 (95 ROZ)
Tankinhalt40 Liter
Leergewicht 1.104 kg
Kofferraum354 bis zu max. 1.314 Litern
Zuladung501 kg
Zul. Gersamtgewicht 1.605 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand 4.051/1.694/1.525/2.530 mm
Testwagenpreisab 19.990 Euro

Preise und Extras

Zur Serienausstattung auch der preiswerten Versionen des Jazz gehören zudem ein Tempomat und der City-Notbremsassistent (CTBA).  Während das 1,3-Liter-Basismodell mit 102 PS schon ab 16.640 Euro erhältlich ist, muss man für die neue 130-PS-Version mindestens 19.990 Euro investrieren.

Der Preis ist wohl der wesentliche Grund, warum Hondas Kleinwagen nicht mehr Freunde findet. Honda läßt sich den Jazz auch teuer bezahlen. Für die getestete Ausstattungsvariante muss man mindestens 19.990 Euro bezahlen. Es sind die vielen Extras, die den Preis des Jazz nach oben treiben. Gerade Kleinwagen sind sehr preissensibel. In Anbetracht der gebotenen Leistung relativiert sich das Preisnveau des Honda. In der von uns gefahrenen Dynamic-Version sind unter anderem schon Ausstattungsdetails wie Lichtsensor, Einparkhilfe, beheizte Sitze, das intelligente Magic-Sitzkonzept, Verkehrszeichenerkennung serienmäßig an Bord.

Außerdem verfügen höhere Ausstattungsvarianten über das Infotainmentsystem Honda Connect, eine Rückfahrkamera, ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem sowie Sicherheitstechnologien wie Kollisionswarnsystem (Forward Collision Warning), Verkehrszeichenerkennung (Traffic Sign Recognition) und Spurhalteassistent (Lane Departure Warning).

Im Fond verfügen die Passagiere über viel Bein- und Kopffreiheit – Bildnachweis: MOTORMOBILES


Die von uns gefahrene Ausstattungslinie „Dynamic“ ist preislich der bisherigen Topausstattung „Elegance“ gleichgestellt. Für 3.300 Euro Aufpreis zum Einstiegsmodell „Trend“ liefert Honda sein kleines Raumwunder in der „Dynamic“-Linie mit 16-Zoll-Leichtmetallfelgen im Hochglanz-Schwarz „Berlina Black“, dazu einen Front-Spoiler mit roten Akzenten, einen farblich dazu passenden Dreifach-Diffuser am Heck und akzentuierte Seitenschweller und einen flotten Dachspoiler. Schwungvoll geschnittene LED-Front- und in die Schürze integrierte Nebelscheinwerfer vollenden die Ausstattungsline optisch.


Fazit: Raumwunder frisch geliftet

In Deutschland fristet der Jazz völlig zu unrecht ein Nischendasein. Dabei ist er ein echter Geheimtipp für Menschen mit erhöhtem Platzbedarf bei möglichst kompakten Abmessungen. Es sind nicht nur die grundsätzlichen Dinge, die der Jazz besser macht als viele seiner Konkurrenten. Es sind auch die kleinen Details die den Kleinwagen positiv aus dem Kleinwagensegment hervorheben. Neben neuen dynamischen Designelementen erfuhr auch die Antriebspalette 1.5 Vtec eine deutliche Aufwertung. Der drehfreudige 130 PS Saugmotor macht seine Sache wirklich gut. Alles in allem hat Honda die bewährten Stärken erhalten und neue ausgebaut. Die neue Lackfarbe „Skyride Blue“ unseres Testwagen passt gut zum neuen Charakter mit einer etwas sportlicheren Auslegung des Jazz.

 

Honda Jazz Dynamic 1.5 i-Vtec 130 PS
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