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Kompakte Freiheit mit Allrad-Anspruch: Die Evolution des Jeep Avenger zum Jubiläum

Der neue Jee Avenger MJ27: Die Weiterentwicklung kompakter Freiheit – Sonderedition zum 85-jährigen Markenjubiläum ab heute bestellbar - Bildnachweis: Stellantis

 

Die Bürde der Tradition und das neue Gesicht

Dass ein Jeep heutzutage in einem polnischen Werk vom Band läuft und sich seine technische Basis mit einem Opel Mokka oder einem Alfa Romeo Junior teilt, hätte im Juli 1941 wohl niemand für möglich gehalten. Damals trat der Willys MB seinen Dienst bei der US-Armee an und legte den Grundstein für eine Marke, die wie kaum eine andere als Synonym für Geländegängigkeit steht. Doch die Welt hat sich gedreht und heute diktieren CO2-Grenzwerte und urbane Platznot die Lastenhefte der Ingenieure. Mit dem neuen Jeep Avenger Modelljahr 2027 präsentiert die Marke nun eine Weiterentwicklung ihres erfolgreichsten europäischen Modells, die pünktlich zum 85-jährigen Markenjubiläum nicht nur optische Retuschen, sondern vor allem tiefgreifende technische Korrekturen mitbringt. Wer die Marke Jeep verstehen will, muss den Spagat zwischen dem puristischen Erbe und der modernen Stellantis-Plattformarchitektur nachvollziehen können. Der Avenger MJ27 versucht diesen Brückenschlag mit einer erweiterten Antriebspalette und einer deutlichen Aufwertung der Materialqualität im Innenraum. Ab heute ist das Modell in Deutschland bestellbar, wobei besonders die Sonderedition zum Jubiläum das Interesse der Bestandskunden wecken dürfte.

Ein Blick auf die Frontpartie des Avenger MJ27 verrät, daß die Designer die optische Verwandtschaft zum größeren Jeep Compass gesucht haben. Der ikonische Kühlergrill mit seinen sieben Schlitzen ist nun in den gehobenen Ausstattungsvarianten mit einer LED-Hintergrundbeleuchtung versehen, was dem Fahrzeug besonders bei Dunkelheit eine markante Signatur verleiht. Aber das Design folgt hier nicht nur dem Selbstzweck. Unter dem Motto Design to Function wurden die Stoßfänger überarbeitet, um einen verbesserten Rundumschutz der Karosserie zu gewährleisten. In einem Segment, das primär im urbanen Dschungel bewegt wird, ist dieser Schutz vor kleinen Remplern ein handfester Vorteil. Die Geländegeometrie bleibt dabei ein zentraler Punkt der Markenidentität. Selbst die frontgetriebenen Versionen verfügen über Böschungswinkel von bis zu 22 Grad vorne und 35 Grad hinten, während die Bodenfreiheit bei beachtlichen 210 Millimetern liegt. Damit hebt sich der Avenger von vielen weichgespülten Crossovern der Konkurrenz ab, auch wenn die physikalischen Grenzen der Plattform natürlich bestehen bleiben.

Technik-Revolution unter der Haube: Die Abkehr vom nassen Riemen

Die für Technik-Experten wohl wichtigste Nachricht betrifft den neuen Verbrennungsmotor. Lange Zeit kämpften die 1,2-Liter-Puretech-Motoren des Stellantis-Konzerns mit dem Imageproblem des im Ölbad laufenden Zahnriemens. Abriebpartikel konnten hier den Ölkreislauf verstopfen und zu kapitalen Motorschäden führen. Beim neuen Turbo 100 Benzinmotor des Avenger MJ27 vollzieht Jeep nun den endgültigen Bruch mit dieser Konstruktion. Das Aggregat setzt konsequent auf eine robuste Steuerkette. Dieser Schritt war für die Langzeit-Zuverlässigkeit und den Werterhalt absolut essenziell und zeigt, daß man auf die berechtigte Kritik der Fachpresse und der Kunden reagiert hat. Aber die Ingenieure gingen noch weiter. Der neue Dreizylinder arbeitet nun im effizienteren Miller-Zyklus. Durch eine angepasste variable Ventilsteuerung auf der Einlassseite wird der thermische Wirkungsgrad gesteigert, was primär dbei hilft, die strengen Anforderungen der Euro 6e Abgasnorm ohne Leistungseinbußen zu erfüllen.  Ein neuer Turbolader mit variabler Turbinengeometrie sorgt zudem für ein spontaneres Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen, was die Fahrbarkeit im Stadtverkehr deutlich verbessert.

Thermodynamik und Effizienz im Detail

Der Turbo 100 liefert eine Leistugn von 101 PS und ein maximales Drehmoment von 205 Nm, das bereits ab 1.750 Umdrehungen pro Minute anliegt. Kombiniert wird dieser Motor mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe, was Puristen freuen dürfte, die eine direkte Verbindung zur Mechanik schätzen. daß der Wartungsaufwand reduziert wurde, ist ein weiterer Pluspunkt. Die Intervalle wurden auf zwei Jahre oder 25.000 Kilometer gestreckt, was die Unterhaltskosten spürbar senkt. Wer mehr Komfort sucht, landet zwangsläufig beim e-Hybrid. Hier wird der Verbrenner durch ein 48-Volt-System ergänzt, bei dem ein 21 kW starker Elektromotor direkt in das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe integriert wurde. Dieses System ermöglicht es dem Avenger, beim Anfahren, Rangieren oder im Stop-and-Go-Verkehr rein elektrisch zu agieren. In der Praxis bedeutet das einen Kraftstoffverbrauch von etwa 5,0 Litern auf 100 Kilometern. Deshalb stellt dieser Antrieb für viele Pendler den goldenen Mittelweg zwischen dem klassischen Benziner und dem vollelektrischen Modell dar.

Allrad-Kompetenz im digitalen Zeitalter: Das 4xe-Prinzip

Ein Jeep ohne Allradantrieb ist für viele Fans der Marke eigentlich unvorstellbar. Deshalb hat die Einführung des Avenger 4xe eine besondere Bedeutung. Da die CMP-Plattform ursprünglich nicht für einen mechanischen Allradantrieb mit Kardanwelle vorgesehen war, nutzen die Ingenieure hier eine intelligente elektrische Lösung. An der Hinterachse sitzt ein zweiter Elektromotor mit ebenfalls 21 kW Leistung. Über eine Getriebeuntersetzung von 22,7 zu 1 generiert dieses Aggregat ein gewaltiges Drehmoment von bis zu 1.900 Nm an den Hinterrädern. Das ermöglicht dem Avenger 4xe Steigungen von bis zu 40 Prozent auf Schotter souverän zu meistern. Besonders clever ist die Power-Looping-Funktion: Selbst wenn der kleine 48-Volt-Akku leer gefahren ist, kann der vordere Elektromotor im Generatorbetrieb permanent Strom für die Hinterachse liefern. Damit bleibt der Allradantrieb bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h permanent verfügbar und schaltet sich bis 90 km/h bei Bedarf variabel hinzu. Man merkt diesem System an, daß es nicht nur ein Marketing-Gag ist, sondern in kniffligen Situationen echte Traktionsvorteile bietet.

Innenraum-Upgrade: Haptik-Kur gegen das Plastik-Image

Der Innenraum des frühen Avenger wurde oft für seine dominante Hartplastik-Landschaft kritisiert. Im Modelljahr 2027 hat Jeep hier spürbar nachgebessert. Die Türverkleidungen bestehen nun aus weicheren Materialien und der untere Teil des Armaturenbretts wurde mit einer gepolsterten Einlage veredelt. Diese kleinen Änderungen bewirken in der Summe eine deutlich hochwertigere Atmosphäre. Die Ausstattungsvarianten Altitude und Summit bieten zudem eine neue Premium-Polsterung aus Stoff und Vinyl, die einen robusten und zugleich wohnlichen Eindruck hinterlässt. Für die 4xe-Modelle gibt es zudem eine neue, komplett waschbare grüne Innenausstattung, die perfekt zum Outdoor-Charakter passt. Aber auch die digitale Ebene wurde nicht vernachlässigt. Das Infotainment-System mit seinem 10,25-Zoll-Touchscreen bietet nun eine anpassbare Benutzeroberfläche und unterstützt drahtlose Updates. daß der Select-Terrain-Regler nun gummiert und rot umrandet ist, verbessert die Bedienbarkeit unter widrigen Bedingungen. Dennoch bleibt das Platzangebot im Fond bauartbedingt knapp; für vier Erwachsene ist der Avenger auf langen Strecken eher eine Notlösung.

Sicherheit und Schattenseiten: Der Blick auf die Euro-NCAP-Wertung

Trotz aller technolgoischen Fortschritte gibt es Punkte, die einen Schatten auf das Gesamtbild werfen. Ein wunder Punkt bleibt das Ergebnis im Euro-NCAP-Crashtest, bei dem der Avenger lediglich drei von fünf Sternen erzielen konnte. Kritisiert wurden vor allem der unzureichende Schutz von Kindern bei seitlichen Kollisionen und die Schwächen der automatischen Notbremssysteme bei der Erkennung von Radfahrern. Jeep reagiert im MJ27 zwar mit der Einführung von LED-Matrix-Scheinwerfern und einer 360-Grad-Kamera, doch die strukturellen Defizite lassen sich durch Software und Licht allein nicht gänzlich kompensieren. Auch die Preisgestaltung ist selbstbewusst. Während der Einstieg für den Benziner bei rund 26.300 Euro liegt, klettern die Preise für den vollelektrischen Avenger oder den hoch ausgestatteten 4xe schnell über die 40.000-Euro-Marke. In Anbetracht des kompakten Segments und der wachsenden Konkurrenz aus Fernost muss Jeep hier beweisen, daß das Markenimage und die verbesserte Technik diesen Aufpreis rechtfertigen.

Modellvarianten und Preisgefüge in Deutschland

Die Struktur der Ausstattungslinien wurde für das MJ27 klar gegliedert. Die Basis bildet die Version Longitude, die bereits Voll-LED-Scheinwerfer und eine Klimaautomatik serienmäßig mitbringt. Darüber rangiert die Altitude-Linie, die zusätzlich 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage bietet. Das Topmodell Summit verfügt über 18-Zoll-Räder, die neuen Matrix-LED-Scheinwerfer und den Autobahn-Assistenten für teilautonomes Fahren auf Level 2. Die Preise für den klassischen Benziner mit 100 PS starten bei 26.300 Euro für den Longitude und steigen auf 28.300 Euro für den Altitude. Die exklusive 85th Anniversary Edition wird für den Benziner ab 30.400 Euro angeboten. Wer sich für den e-Hybrid entscheidet, muss mit einem Einstiegspreis von 28.300 Euro rechnen, während der Summit e-Hybrid bei 32.300 Euro liegt. Die Allrad-Version 4xe startet als Upland bei 33.990 Euro und erreicht in der Overland-Ausstattung 35.990 Euro. Für das streng limitierte The North Face Sondermodell werden sogar 39.000 Euro fällig.

Der vollelektrische Avenger: Solide Basis ohne Experimente

Die elektrische Version des Avenger bleibt technisch weitgehend unverändert, was mancherorts als verpasste Chance gewertet werden könnte. Mit einem 115 kW starken Elektromotor und einer Batteriekapazität von 54 kWh brutto erreicht der Wagen eine kombinierte Reichweite von bis zu 400 Kilometern nach WLTP. Im reinen Stadtbetrieb sollen sogar bis zu 600 Kilometer möglich sein, was den Avenger zu einem idealen City-SUV macht. Die Ladegeschwindigkeit von maximal 100 kW an einer Gleichstrom-Säule ermöglicht es, den Akku in etwa 24 Minuten von 20 auf 80 Prozent zu füllen. Aber im direkten Vergleich zu neueren Wettbewerbern, die teilweise schon auf 800-Volt-Architekturen oder größere Batterien setzen, wirkt dieses Paket eher konservativ. Der Preis für den elektrischen Avenger startet in Deutschland bei 38.500 Euro für die Longitude-Version und erreicht im Summit-Trimm 43.000 Euro. Positiv hervorzuheben ist jedoch die achtjährige Garantie auf die Hochvoltbatterie bis zu einer Laufleistung von 160.000 Kilometern, was das Vertrauen in die Technik untermauern soll.

Ein Fazit für den kritischen Betrachter

Der Jeep Avenger MJ27 ist mehr als nur ein optisches Facelift zum Jubiläum. Er ist die konsequente technische Korrektur eines Modells, das zwar von Anfang an durch sein Design bestach, mechanisch aber Fragen offen ließ. Die Umstellung auf Steuerketten-Motoren eliminiert eine gravierende Schwachstelle der Vergangenheit und macht den Avenger zu einer ernstzunehmenden Option für Langzeit-Besitzer. Die Einführung des 4xe-Allradsystems bringt zudem ein Stück echter Jeep-Identität in das kompakte Segment, auch wenn die Lösung rein elektrisch erfolgt. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, daß man hier für das Image und das ikonische Design einen deutlichen Aufpreis zahlt. Wer ein funktionales Werkzeug für das Gelände sucht, wird weiterhin zum Wrangler greifen. Wer jedoch ein charakterstarkes, technisch nun endlich ausgereiftes City-SUV mit Abenteuer-Flair sucht, findet im Avenger MJ27 ein stimmiges Gesamtpaket. Die Auslieferungen in Deutschland sollen voraussichtlich ab September 2026 beginnen. Es bleibt abzuwarten, ob die Verbesserungen ausreichen, um die Krone im hart umkämpften B-SUV-Markt zu verteidigen. Das gesteigerte Interesse der Kunden scheint jedenfalls garantiert, denn Jeep hat bewiesen, daß sie bereit sind, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und ihre Fahrzeuge technisch auf die Höhe der Zeit zu bringen.