XPENG X9 erzielt Bestwerte bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit im NAF El Prix Summer 2026 - Bildnachweis: Xpeng
Gnadenloses Urteil auf der norwegischen Hochebene
Beim renommierten norwegischnen Reichweitentest, dem NAF El Prix Summer 2026, hat das neue vollelektrische Flaggschiff der chinesischen Marke Xpeng, der X9, ein technologisches Ausrufezeichen gesetzt, das in den Entwicklungsabteilungen der europäischen Premiumhersteller für gerunzelte Stirnen sorgen dürfte. Unter den Augen einer kritischen Fachöffentlichkeit übertraf der wuchtige Siebensitzer seine offizielle WLTP-Reichweite um beachtliche 11,4 Prozent und sicherte sich zeitgleich die Krone für die schnellste Ladezeit im gesamten, 24 Fahrzeuge starken Teilnehmerfeld. Für deutsche Familien und anspruchsvolle Vielfahrer, die bisher vergeblich nach einem kompromisslosen elektrischen Reisewagen suchten, könnte dieses Testergebnis den lang ersehnten Wendepunkt markieren. Grund genug, die zugrundeliegende Technologie, die realen Praxiswerte und die Marktchancen dieses fernöstlichen Herausforderers einer detaillierten und vor allem kritischen Analyse zu unterziehen.
Der norwegische Härtetest: Die Entzauberung der Laborwerte
Der norwegische Automobilverband NAF führt in Kooperation mit dem Fachmagazin Motor zweimal jährlich einen rücksichtslos transparenten Reichweitentest durch, der die geschönten Laborwerte der Hersteller gnadenlos entlarvt. Im Gegensatz zu den standardisierten Prüfzyklustests auf dem Rollenprüfstand werden die Fahrzeuge hier im realen Straßenverkehr unter wechselnden topografischen und klimatischen Bedingungen bis zum absoluten Stillstand leergefahren. Bei der Sommerausgabe 2026 traten 24 aktuelle Elektrofahrzeuge an, um sich dieser ultimativen Herausforderung zu stellen. Mittendrin bewegte sich der Xpeng X9, der mit seiner stattlichen Länge von 5316 mm, einer Breite von 1.988 mm und einer Höhe von 1.785 mm eigentlich so gar nicht in das klassische Bild eines sparsamen Effizienzwunders passen will.

Aber die Physik lässt sich nicht bestechen, wohl aber durch intelligente Konstruktion überlisten. Nach exakt 11 Stunden und 14 Minuten kontinuierlicher Fahrt rollte der Xpeng X9 mit einer real zurückgelegten Distanz von 646 Kilometern über die Ziellinie. Verglichen mit der offiziellen WLTP-Angabe von 580 Kilometern für die getestete Allradversion entspricht dies einer positiven Abweichung von über 11 Prozent. Während viele europäische Konkurrenten ihre Normwerte im realen Fahrbetrieb selbst im milden skandinavischen Sommer nur mühsam erreichen oder gar deutlich unterschreiten, lieferte der chinesische Van eine Performance ab, die aufhorchen lässt. Trotz seiner immensen Abmessungen überrascht der Xpeng X9 im Fahrbetrieb mit einer Agilität, die man einem solchen Koloss niemals zutrauen würde. Verantwortlich dafür ist die serienmäßige Allradlenkung, die an der Hinterachse einen Lenkwinkel von bis zu fünf Grad in entgegengesetzter Richtung zulässt. Dadurch schrumpft der Wendekreis des 5,3 Meter langen Schiffs auf beachtliche 5,4 Meter. Das entspricht dem Niveau eines kompakten Kompakt-SUVs und nimmt dem Rangieren in engen deutschen Parkhäusern jeglichen Schrecken.

Unterstützt wird das Fahrverhalten von einem serienmäßigen, intelligenten Fahrwerkssystem mit Zweikammer-Luftfederug. Sensoren scannen die Fahrbahnoberfläche bis zu 30 Meter im Voraus und passen die Dämpfungsrate der Stoßdämpfer in Echtzeit an die Gegebenheiten an. Schlaglöcher und Querfugen werden so effektiv weggebügelt, ohne dass der Wagen in schnellen Kurven unangenehm ins Wanken gerät. Die Luftfederung senkt das Fahrzeug zudem bei höheren Geschwindigkeiten automatisch ab, um den Luftwiderstand weiter zu reduzieren und die Reichweite zu optimieren.
Marktanalyse und Preisstruktur: Der Kampf um die deutsche Vorherrschaft
In Deutschland startet der Xpeng X9 zu Preisen ab 77.600 Euro für die Einstiegsvariante mit Frontantrieb und dem 94,8 kWh fassenden LFP-Akku. Wer mehr Reichweite benötigt, greift zur Long-Range-Version mit 110 kWh NMC-Batterie für 81.600 Euro, während das von uns beleuchtete Topmodell mit Allradantrieb und satten 530 PS mit 86.600 Euro zu Buche schlägt. Angesichts der schieren Größe und der fast lückenlosen Serienausstattung, die unter anderem die Allradlenkung, die Luftfederung und das High-End-Soundsystem mit 27 Lautsprechern umfasst, erscheint dieses Preisgefüge im Vergleich zur Konkurrenz fast schon als Kampfansage.
Platzierung Fahrzeugmodell WLTP-Reichweite (km) Erzielte Reichweite (km) Abweichung in Prozent
1 BMW iX3 50 xDrive 770 781 +1,5 %
2 Lucid Gravity 748 720 -3,7 %
3 Mercedes-Benz CLA 350 4Matic 708 675 -4,7 %
4 Mercedes-Benz GLC 400 4Matic 643 665 +3,4 %
5 Polestar 3 625 601 -3,8 %
9 Xpeng X9 (AWD Performance) 580 646 +11,4 %
24 Kia EV2 (Standard Range) 308 325 +5,4 %
Ein Blick auf die etablierten Wettbewerber verdeutlicht die Kampfansage aus Fernost. Mercedes-Benz verlangt für den bewährten EQV, der letztlich auf einer modifizierten Verbrenner-Plattform basiert, schnell Beträge im hohen fünfstelligen oder gar sechsstelligen Bereich. Dafür erhalten Kunden jedoch eine veraltete 400-Volt-Technik, eine maximale Ladeleistung von mageren 110 kW und eine Realreichweite, die selten die 300-Kilometer-Marke knackt. Der Xpeng X9 fährt dem Stuttgarter Urgestein in nahezu jeder messbaren Disziplin gnadenlos davon.
Auch der Wolfsburger Hoffnungsträger, der VW ID. Buzz GTX mit langem Radstand und Allradantrieb, steht unter Druck. Zwar bietet der Bulli reichlich Kultfaktor, doch mit einem Einstiegspreis von rund 75.065 Euro, der mit den üblichen Kreuzchen in der Aufpreisliste spielend die 90.000-Euro-Marke durchbricht, ist er kein Schnäppchen. Zudem hinkt er bei der Ladeleistung mit maximal 200 kW und einer Ladezeit von etwa 26 Minuten für den Standard-Sprint dem Xpeng meilenweit hinterher.
Spezifikation Xpeng X9 Standard Range FWD Xpeng X9 Long Range FWD Xpeng X9 AWD Performance
Basispreis (Deutschland) 77.600€ 81.600€ 86.600€
Antriebskonfiguration Frontantrieb (FWD) Frontantrieb (FWD) Allradantrieb (AWD)
Systemleistung (kW / PS) 255 kW / 342 PS 255 kW / 342 PS 395 kW / 530 PS
Max. Drehmoment 450 Nm 450 Nm 640 Nm
Batteriekapazität (Netto / Brutto) 94,8 kWh / 98,0-94,8 kWh 105,0-110,0 kWh 105,0-110,0 kWh
Batterietyp (Zellchemie) LFP (Lithium-Eisenphosphat) NMC (Nickel-Mangan-Cobalt) NMC (Nickel-Mangan-Cobalt)
WLTP-Reichweite (kombiniert) 535 km 615 km 580 km
Beschleunigung (0-100 km/h) 8,2 s 7,75 s 5,9 s
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 200 km/h 200 km/h
Maximale DC-Ladeleistung 537 kW 542 kW 542 kW
Deshalb stellt der X9 aus rein wirtschaftlicher Sicht ein extrem attraktives Angebot dar. Andere Mitbewerber aus China wie der Maxus Mifa 9 vom SAIC-Konzern weisen zwar ähnliche Dimensionen auf, schwächeln jedoch signifikant bei der Ladeleistung. Mit einer maximalen Laderate von 120 kW und einer realen Reichweite von rund 360 Kilometern kann der Maxus dem X9 auf der Langstrecke nicht das Wasser reichen. Ähnlich verhält es sich mit dem Zeekr 009, der zwar mit gigantischen Batteriekapazitäten von bis zu 140 kWh klotzt, beim Schnellladen von 10 auf 80 Prozent mit rund 30 Minuten jedoch deutlich mehr Geduld abverlangt.
Fazit und kritische Würdigung: Ein technologischer Meilenstein mit logistischen Fragezeichen
Man muss kein Prophet sein, um dem Xpeng X9 ein enormes Potenzial auf dem europäischen Markt zu attestieren. Die Kombination aus extrem schneller 800-Volt-Ladetechnologie, überragender Aerodynamik und einem luxuriösen Raumkonzept setzt zweifellos neue Maßstäbe im Segment der elektrischen Großraumlimousinen. Das hervorragende Abschneiden beim unabhängigen NAF El Prix Summer 2026 untermauert, dass diese Leistungsfähigkeit keine graue Theorie aus dem Werbeprospekt ist, sondern sich im harten Praxisalltag reproduzieren lässt.
Alex Tang, General Manager International Business bei Xpeng, äußerte sich erfreut über das Abschneiden und betonte, dass die höchste positive WLTP-Abweichung bei der Reichweite und die zugleich schnellste Ladezeit ein klarer Beleg für die Leistungsfähigkeit der hauseigenen Technologien seien. Seiner Ansicht nach sollten sich Kunden nicht zwischen einer hohen Reichweite und kurzen Ladezeiten entscheiden müssen; der X9 vereine beide Tugenden und kombiniere diese mit einem luxuriösen Komfortangebot für bis zu 7 Personen.
Sicherllich bleibt abzuwarten, wie sich der X9 im langfristigen Alltagsbetrieb schlägt und ob die komplexe Elektronik mitsamt den zahlreichen Komfortfeatures auch nach Jahren fehlerfrei funktioniert. Ein kritischer Faktor wird das Vertrauen der Käufer in die noch junge Marke Xpeng sein. Zwar gewährt der Hersteller eine großzügige Fahrzeuggarantie von sieben Jahren sowie acht Jahre auf die Hochvoltbatterie, doch das Servicenetz befindet sich in Deutschland noch im Aufbau. Wer ein Fahrzeug dieser Preisklasse erwirbt, erwartet im Falle eines Defekts einen reibungslosen und schnellen Service ohne lange Wartezeiten auf Ersatzteile aus China. Für technikaffine Familien und Business-Kunden, die bereit sind, sich auf das Abenteuer einer neuen Marke einzulassen, ist der X9 jedoch schon jetzt eine verdammt verlockende Alternative zu den etablierten Premium-Vans. Die europäische Konkurrenz sollte diesen Warnschuss aus Fernost sehr ernst nehmen, denn die technologische Lücke wird nicht kleiner, sondern schließt sich im Rekordtempo.

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