Pariser Autosalon: Wie der Geely-Konzern Lynk & Co neu positioniert und europäische Premium-Rivalen fordert - Bildnachweis: Lynk & Co / Geely
Strategische Neuausrichtung auf der Messebühne: Wie Lynk & Co sich in Paris neu formiert
Wenn am 12. Oktober 2026 der Pariser Autosalon auf dem Messegelände der Paris Expo Porte de Versailles seine Pforten öffnet, richtet sich der Blick der Fachwelt verstärkt auf Halle 5.1. Dort vollzieht die chinesisch-schwedische Marke Lynk & Co mit ihrem ersten Auftritt auf der renommierten Mondial de l’Auto einen wegweisenden Schritt für ihre europäische Marktstrategie. Wer geglaubt hatte, das Tochterunternehmen des Geely-Konzerns würde sich weiterhin primär auf digitale Fahrzeug-Abonnements in wenigen Metropolen beschränken, sieht sich getäuscht. In Paris präsentiert der Hersteller nicht nur sein überarbeitetes Modellportfolio aus vollelektrischen Modellen und Pkw mit Plug-in-Hybridantrieb, sondern leitet mit der Europapremiere eines neuen Fahrzeugs sowie grundlegenden Strukturveränderungen eine entscheidende Wachstumsphase ein. Für deutsche Käufer und Branchenbeobachter stellt sich damit die drängende Frage, ob die Kombination aus skandinavischer Entwicklungskompetenz, chinesischer Skalierungskraft und einem neu ausgerichteten Vertriebsnetz ausreicht, um den etablierten Wettbewerbern nachhaltig Marktanteile abzuringen.
Der Kurswechsel im Vertrieb: Vom Abonnementsmodell zum klassischen Händlernetz
Deshalb lohnt sich ein differenzierter Blick auf die strategische Transformation, die hinter dem Messeauftritt in der französischen Hauptstadt steht. Als Lynk & Co im Jahr 2016 in Göteborg gegründet wurde und anschließend den europäischen Markt betrat, vertraute das Management nahezu ausschließlich auf ein Monatsabo-Konzept und eigene Marken-Clubs. Dieses Modell erzeugte zwar eine hohe anfängliche Aufmerksamkeit im urbanen Raum, stieß aber bei höheren Flottenvolumina und der Erschließung flächendeckender Märkte rasch an organisatorische Grenzen. Die finanziellen Risiken bezüglich der Restwerte gebrauchter Rückläufer sowie der logistische Aufwand für Wartung und Reparaturen erwiesen sich als erhebliche Wachstumsbremsen für den chinesisch-schwedischen Anbieter.
Aber die Konzernmutter Geely zog konsequente Schlüsse aus diesen Erfahrungen und verordnete der Marke einen fundamentalen Kurswechsel im Vertrieb. Der Import und die kommerzielle Abwicklung in Europa werden nun maßgeblich über die bestehenden Strukturen von Volvo Cars gesteuert, wodurch Lynk & Co auf ein etabliertes Netz von mehr als 140 Partner-Verkaufsstellen und Servicebetrieben in ganz Europa zurückgreifen kann. Diese Kooperation senkt die Vertriebskosten drastisch und erhöht gleichzeitig das Vertrauen der Endkunden in die langfristige Ersatzteilversorgung und den Werkstattservice. In Deutschland sowie in Expansionsmärkten wie Österreich und der Schweiz basiert die Marktpräsenz nun auf fest definierten Ausstattungslinien und transparenten Barkauf- sowie Leasingangeboten, was die Modelle für Flottenbetreiber und Dienstwagenfahrer gleichermaßen attraktiv macht. Parallel dazu begleiten personelle Veränderungen an der Spitze den Neustart, indem Mo Wang als CEO eingesetzt wurde und Martin Persson das Europageschäft verantwortet, um die kommerziellen Synergien mit Volvo noch enger zu verzahnen.
Der sanierte Bestseller: Lynk & Co 01 des Modelljahres 2025 im Technik-Check
Auf dem Pariser Messestand nimmt der überarbeitete Lynk & Co 01 des Modelljahres 2025 eine zentrale Rolle ein. Das kompakte SUV basiert weiterhin auf der zusammen mit Volvo entwickelten Compact Modular Architecture, kurz CMA, die unter anderem auch beim Volvo XC40 zum Einsatz kommt. Unter der Haube arbeitet ein gründlich optimierter Plug-in-Hybridantrieb, der die Euro-6e-Abgasnorm erfüllt. Der Verbrennungsmotor ist als Reihenvierzylinder mit 1.499 Kubikzentimetern Hubraum, Direkteinspritzung und Turboaufladung ausgeführt, der eine Leistung von 102 kW beziehungsweise 137 PS sowie ein maximales Drehmoment von 230 Nm bereitstellt. Ergänzt wird das Aggregat durch einen im Getriebegehäuse integrierten Elektromotor mit 107 kW beziehungsweise 143 PS und 338 Nm Drehmoment. In der Summe ergibt sich eine Systemleistung von 206 kW beziehungsweise 276 PS und ein beachtliches Systemdrehmoment von 535 Nm.
Die Kraftübertragung an die Vorderachse erfolgt über ein aufwendig entwickeltes Drei-Gang-Hybridgetriebe, das unter der Bezeichnung 3DHT Pro vermarktet wird. Aus dem Stand beschleunigt das je nach Ausstattung 1.830 kg bis 1.935 kg schwere Fünftürer-SUV in 7,7 Sekunden auf Tempo 100, während die Höchstgeschwindigkeit bei 200 km/h elektronisch begrenzt wird. Als Energiespeicher dient eine im Mitteltunnel verbaute Lithium-Ionen-Batterie (NCM) mit einem Brutto-Energiegehalt von 17,7 kWh. Nach dem WLTP-Prüfzyklus beläuft sich die rein elektrische Reichweite auf 75 Kilometer, im reinen Stadtverkehr sind laut Angaben des Herstellers bis zu 97 Kilometer möglich. Der gewichtete Kraftstoffverbrauch liegt bei nominellen 0,9 Litern Superbenzin pro 100 Kilometer in Kombinaiton mit 19,2 kWh Strom.
Aber wie bei allen Plug-in-Hybriden hängen diese Prüfstandswerte drastisch vom tatsächlichen Ladeverhalten im Alltag ab. Bei entladener Batterie steigt der Verbrauch im reinen Verbrennerbetrieb auf 6,4 Liter je 100 Kilometer an, was angesichts des fahrfertigen Leergewichts von knapp zwei Tonnen ein realistischer Wert für die Alltagspraxis ist. Der integrierte Onboard-Lader verarbeitet Wechselstrom lediglich einphasig mit einer maximalen Ladeleistung von 6,6 kW, was eine vollständige Aufladung an einer entsprechenden Wallbox in etwa 168 Minuten erfordert. Eine DC-Schnellladefunktion fehlt dem Modell 01 weiterhin, was bei längeren Überlandfahrten die rein elektrische Nutzung spürbar einschränkt.
Preislich gliedert sich der Lynk & Co 01 auf dem deutschen Markt in zwei fest konfigurierte Ausstattungslinien ohne unübersichtliche Aufpreislisten. Die Basisversion Core startet bei einem Listenpreis von 42.995 Euro, während die höherwertige Ausführung More ab 46.995 Euro angeboten wird. Das Fahrzeug misst 4.55 Meter in der Länge, 1.860 mm in der Breite ohne Außenspiegel und 1.694 mm in der Höhe bei einem Radstand von 2.734 mm. Das Kofferraumvolumen beträgt bei aufrechter Rücksitzbank 466 Liter und lässt sich durch Umklappen der hinteren Sitzlehnen auf bis zu 1.213 Liter erweitern. Als überaus praxisgerecht erweist sich die maximale Anhängelast von 1.800 kg gebremst und 750 kg ungebremst.
Vollelektrischer Vorstoß im Crossover-Segment: Die Technik des Lynk & Co 02
Neben dem überarbeiteten Teilzeitstromer rückt der vollelektrische Lynk & Co 02 in den Mittelpunkt des Messeauftritts in Paris. Mit diesem Modell vollzieht die Marke den endgültigen Schritt in die reine Elektromobilität auf dem europäischen Kontinent. Anders als der 01 basiert der 02 auf der reinen Elektro-Plattform SEA2 des Geely-Konzerns, die unter anderem auch von den Schwestermodellen Smart #3 und Zeekr X genutzt wird. Das als sportliches Crossover-Coupé gestaltete Fahrzeug zeichnet sich durch eine flach abfallende Dachlinie, in den Heckspoiler integrierte Rückleuchten und einen aerodynamisch optimierten Unterboden aus. Mit einer Länge von 4.46 Metern, einer Breite von 1.845 mm und einer Höhe von 1.573 mm bei einem Radstand von 2.755 mm fällt der 02 etwas kompakter und spürbar niedriger aus als der 01.
Der Antrieb des 02 setzt konsequent auf einen im Heck platzierten Elektromotor, der eine Leistung von 200 kW beziehungsweise 272 PS und ein maximales Drehmoment von 343 Nm an die Hinterräder liefert. Damit absolviert das 1.820 kg schwere Elektro-SUV den Sprint von zero auf 100 km/h in 5,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird im Interesse der Batterie-Reichweite bei 180 km/h abgeregelt. Im Unterboden ist ein Lithium-Ionen-Akkupack mit einer Brutto-Kapazität von 66 kWh beziehungsweise einer nutzbaren Netto-Kapazität von 62 kWh verbaut. Die offizielle WLTP-Reichweite variiert je nach Ausstattungslinie zwischen 435 Kilometern beim Einstiegsmodell Core und 445 Kilometern in der Version More, die zusätzlich von einer serienmäßigen Wärmepumpe und speziellen Aerodynamik-Rädern profitiert. Im realen Mischbetrieb dürfte sich die elektrische Reichweite realistisch um die 355 Kilometer einpendeln.
Deshalb verdient die Ladetechnik des Lynk & Co 02 eine genaue Betrachtung in Relation zu den direkten Wettbewerbern. An Gleichstrom-Schnellladestationen kann der 02 über den CCS-Anschluss mit einer Spitzenleistung von bis zu 150 kW geladen werden. Unter optimalen Bedingungen dauert der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent Ladezustand etwa 30 bis 32 Minuten, was einer durchschnittlichen Ladeleistung von rund 90 kW entspricht. Für das Wechselstrom-Laden an der heimischen Wallbox bietet die Core-Variante ein dreiphasiges Onboard-Ladegerät mit 11 kW Ladeleistung, das den Akku in 6 Stunden und 45 Minuten füllt. In der höheren Ausstattungslinie More ist serienmäßig ein 22-kW-AC-Lader verbaut, der die Ladezeit an entsprechenden öffentlichen Ladesäulen auf etwa 3 Stunden und 30 Minuten halbiert. Zusätzlich unterstützt das Fahrzeug V2L (Vehicle-to-Load) Funktionen mit bis zu 3,3 kW Abgabe-Leistung über einen Adapter am Typ-2-Anschluss.
Preislich positioniert der Hersteller den elektrischen 02 äußerst aggressiv gegenüber der europäischen Konkurrenz. Die Ausführung Core startet in Deutschland ab 34.495 Euro beziehungsweise 35.995 Euro je nach Händler-Aktion, während die Version More mit 39.495 Euro beziehungsweise 39.995 Euro eingepreist ist. Zum Serienumfang gehören bei beiden Modellen ein zentraler Touchscreen mit 15,4 Zoll Bilddiagonale, ein digitales Instrumentendisplay mit 10,2 Zoll, Metalliclackierung ohne Aufpreis sowie ein kleines Fach unter der Fronthaube mit 15 Litern Zusatzvolumen für das Ladekabel. Das reguläre Kofferraumvolumen im Heck fasst 410 Liter. Ob Spielereien wie eine Selfie-Kamera im Rückspiegel oder eine erweiterte Sound-Bibliothek für Fußgänger-Hinweise den Ausschlag beim Kauf geben, bleibt abzuwarten, aber die maximale gebremste Anhängelast von 1.600 kg verleiht dem Stromer einen echten Alltagsnutzen.
Reichweiten-Pionier für die Langstrecke: Das SUV-Flaggschiff Lynk & Co 08
Das dritte Standbein der Präsentation in der französischen Hauptstadt bildet das Flaggschiff der Marke, der Lynk & Co 08. Dieses große SUV mit einer Gesamtlänge von 4.820 mm, einer Breite von 1.915 mm beziehungsweise 2.140 mm inklusive Außenspiegeln und einer Höhe von 1.685 mm beziehungsweise 1.690 mm zielt direkt auf das Segment der gehobenen Mittelklasse ab. Der 08 basiert auf einer weiterentwickelten Plattformarchitektur und ist als Hochleistungs-Plug-in-Hybrid konzipiert, der die bisherigen Maßstäbe an elektrische Reichweiten bei Teilzeitstromern neu definiert.
Das Herzstück des Antriebs bildet eine Kombination aus einem 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner und kraftvollen Elektromotoren, die von einer unüblich großen Batterie mit einer Kapazität von 39,6 kWh gespeist werden. Diese Energiespeicher-Dimension übertrifft die Kapazität mancher reiner Elektro-Kleinwagen deutlich und ermöglicht dem 2.112 kg schweren Fahrzeug eine rein elektrische WLTP-Reichweite von bis zu 200 Kilometern. In Kombination mit dem 60 Liter fassenden Kraftstofftank gibt der Hersteller die kumulierte Gesamtreichweite mit mehr als 1.000 Kilometern an. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h gelingt dem Groß-SUV in 6,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 185 km/h.
Aber das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Lynk & Co 08 im Plug-in-Segment liegt in seiner Ladeinfrastruktur. Während die meisten Hybride an öffentlichen Ladesäulen stundenlang Wechselstrom ziehen müssen, verfügt der 08 über eine DC-Schnellladefunktion mit einer maximalen Ladeleistung von 85 kW. Damit lässt sich der große 39,6-kWh-Akku an Gleichstrom-Schnellladern in lediglich 33 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen. Dieser technologische Kniff eliminiert den Hauptnachteil herkömmlicher Plug-in-Hybride und macht das Fahrzeug auch für Vielfahrer attraktiv, die weite Strecken ohne ständiges Benzintanken zurücklegen wollen.
In Deutschland schlägt der Lynk & Co 08 in der Ausstattungslinie Core mit einem Listenpreis von 55.995 Euro zu Buche, während die More-Ausführung für 59.995 Euro in den Verkaufsunterlagen steht. Das Kofferraumvolumen liegt bei aufrechter Sitzbank bei 540 Litern, die Anhängelast beträgt gebremst 1.600 kg. Steuerlich erweist sich das Fahrzeug für deutsche Dienstwagennutzer dank der WLTP-CO2-Emissionen von lediglich 23 g pro Kilometer und einem Stromverbrauch von 20,8 kWh pro 100 Kilometer als äußerst lukrativ, da es unter die vergünstigte Besteuerung des geldwerten Vorteils mit 0,5 Prozent fällt. Bei 55.995 Euro Bruttolistenpreis entspricht dies einem monatlichen zu versteuernden Betrag von knapp 140 Euro.
Modelloffensive und Ausblick: Die Europapremiere des Z20 und Geely-Synergien
Neben der etablierten Modellpalette nutzt Lynk & Co die Messe als globale Bühne für exklusive Ankündigungen und eine wichtige Europapremiere. Branchenbeobachter erwarten fest die Enthüllung des vollelektrischen Crossovers Z20, der intern als globales Weltauto für die Märkte in Asien und Europa entwickelt wurde. Der Z20 teilt sich wesentliche Komponenten der SEA-Architektur mit dem Zeekr X und ordnet sich mit einer Länge von etwa 4,50 Metern genau im hart umkämpften C-Segment ein.
Deshalb zeigt der Z20 deutliche Synergien innerhalb der Geely-Gruppe: Der Elektroantrieb an der Hinterachse soll in der Basisvariante 200 kW leisten, während für spätere Versionen ein Allradantrieb mit bis zu 315 kW Systemleistung im Gespräch ist. Als Energiespeicher dient voraussichtlich ebenfalls die bewährte 66-kWh-Batterie. Designseitig sticht das Fahrzeug durch eine prägnant abgeflachte Fließheck-Silhouette, ausgefallene Dreispeichen-Leichtmetallräder und ein stark digitalisiertes Interieur mit freistehendem Infotainment-Bildschirm hervor.
Aber trotz aller technischen Synergien innerhalb der Geely-Architektur steht Lynk & Co in Europa vor komplexen Herausforderungen. Die optische Verwandtschaft und die Preisüberschneidungen mit Schwestermarken wie Volvo, Zeekr und Smart erfordern eine messerscharfe Positionierung. Während Volvo die etablierte schwedische Sicherheits- und Premium-Karte spielt und Zeekr als avantgardistische Technologiemarke auftritt, muss Lynk & Co seine Identität als stilbewusste, gut ausgestattete und preislich attraktive Alternative etablieren.
Die Entscheidung, das europäische Händlernetz eng an Volvo-Strukturen anzubinden und die Fahrzeuge über klassische Kauf- und Leasingmodelle zu vertreiben, ist der einzig logische Schritt, um die nötigen Stückzahlen für eine nachhaltige Profitabilität zu erreichen. Der Auftritt auf dem Pariser Autosalon 2026 dient der Marke als Reifeprüfung. Wenn die Logistikkette, die Softwarestabilität des Infotainmentsystems und der Service über die Volvo-Partner reibungslos funktionieren, besitzt Lynk & Co das Potenzial, sich dauerhaft in den europäischen Zulassungsstatistiken festzusetzen.

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