Mazda CX-6e - 2026 - Bildnachweis: Mazda
Weltpremiere in Brüssel
Auf der Brüssel Motor Show hat Mazda am 8. Januar 2026 den CX-6e enthüllt, und der Saal war voller Neugieriger, die wissen wollten, ob der Konzern endlich ernst macht mit Elektromobilität. Ein Elektro-SUV, das in China als EZ-60 billig um die Ecke kommt, aber in Europa als Mazda CX-6e mit Premium-Anspruch und über 49.000 Euro auf den Tisch gelegt werden soll. Ist der Move des japanischen Herstellers so riskant, wie er klingt? Der Crossover positioniert sich zwischen dem kompakten CX-5 und größeren Modellen, erweitert das vollelektrische Portfolio nach dem Mazda6e und soll im Sommer 2026 in deutschen Mazda-Häusern stehen. Aber ist das mehr als eine Reaktion auf den Marktzwang, oder bringt Mazda wirklich etwas Eigenes?

Basiert auf der EPA-Plattform des chinesischen Partners Changan
Deshalb fasziniert das Modell: Es basiert auf der EPA-Plattform des chinesischen Partners Changan, auf der auch der Deepal S07 ruht, und wurde für Europa in Oberursel bei Mazda angepasst. Die Premiere fiel passend zum Update des Bestsellers CX-5, der ebenfalls in Brüssel debütierte, was Mazdas Multi-Solution-Strategie unterstreicht – Verbrenner, Hybride und nun stärker EVs. Der Hersteller positioniert den CX-6e als künstlerischste Interpretation seiner Kodo-Designsprache, die Bewegung und Seele einfangen soll, doch ob das in der harten EV-Welt aufgeht, bleibt abzuwarten.

Äußeres Design: Kodo trifft Realität
Mazdas Kodo-Designphilosophie „Soul of Motion“ soll hier in der EV-Ära neu interpretiert werden, mit schlanker Silhouette und athletischen Proportionen. Der CX-6e misst 4,85 Meter in der Länge, 1,94 Meter Breite, 1,62 Meter Höhe und hat einen Radstand von 2,90 Metern – größer als der CX-5 und vergleichbar mit einem Tesla Model Y oder Skoda Enyaq. Die Front wirkt zugespitzt, mit niedrigen Tagfahrleuchten, die sich kunstvoll um ein Scheingrill-ähnliches Element schlängeln, darin das beleuchtete Logo, während die eigentlichen LED-Scheinwerfer in die Schürze ragen.

Aber beim zweiten Blick fallen Details auf, die nicht rein japanisch sind: versenkte Türgriffe, Luftauslässe in den D-Säulen, optionale Kameraspiegel statt klassischer Außenspiegel und Räder von 19 bis 21 Zoll in schwarzen Radläufen. Das Dach ist immer schwarz lackiert, auch bei anderen der sieben Außenfarben wie dem neuen Nightfall Violet, das je nach Licht zwischen Purpur und Schwarz changiert. Zweifelnd fragt man sich, ob diese flächige, schnörkellose Optik, inspiriert vom Arata-Konzept von 2024, in der Praxis so elegant wirkt wie versprochen, oder ob sie im Vergleich zu emotionaleren Rivalen wie dem Hyundai Ioniq 5 blass bleibt. Persönlich sehe ich hier eine Chance für Mazda, mit der typischen japanischen Präzision zu punkten, aber auch das Risiko, dass der chinesische Ursprung die Premium-Wahrnehmung trübt.

Deshalb lohnt ein genauerer Blick auf die Proportionen: Der lange Radstand verspricht Stabilität auf der Autobahn, die breite Spur athletisches Handling, und die Tieferlegung um 20 Millimeter gegenüber dem Deepal S07 macht ihn europäischer. Mazda betont Handwerkskunst in jedem Blechfalten, doch in einer Branche voller Aerodynamik-Optimierter wie dem Tesla Model Y mit seinem cw-Wert unter 0,23 könnte der CX-6e mit geschätzten 0,28 hinterherhinken. Dennoch: Die Linienführung weckt Assoziationen zu einem Raubtier in Ruheposition, was die Kodo-Philosophie greifbar macht.

Antrieb und Reichweite: Solide, aber kein Spitzenreiter
Unter der Haube – oder besser: hinter der Achse – arbeitet ein Elektromotor mit 190 kW (258 PS) und 290 Nm Drehmoment, der den 2,2 Tonnen schweren CX-6e in 7,9 Sekunden auf 100 km/h bringt und elektronisch auf 185 km/h begrenzt. Hinterradantrieb sorgt für agiles Handling, das Mazda als „Jinba-Ittai“ – Einheit von Pferd und Reiter – bewirbt, mit Fahrwerken, Lenkung und Bremsen speziell für europäische Straßen kalibriert. Drei Modi (Normal, Sport, Individual) erlauben Anpassungen an Rekuperation und Pedalgefühl, und bis zu 1.500 kg Anhängelast sind machbar.

Die 78-kWh-LFP-Batterie verspricht bis zu 484 km WLTP-Reichweite, je nach Felgen und Ausstattung eher 463 km, mit Verbrauchswerten um 18,9 bis 19,4 kWh/100 km. DC-Schnellladen mit 195 kW holt 10 bis 80 Prozent in 24 Minuten, AC mit 11 kW serienmäßig, plus Wärmepumpe. Deshalb ein kritischer Punkt: Gegenüber dem Model Y mit bis 533 km WLTP oder dem Enyaq mit 560 km wirkt die Reichweite solide, aber nicht überragend, und die Ladeleistung liegt hinter Konkurrenten wie 250 kW bei Kia EV6 zurück. Persönlich frage ich mich, ob die LFP-Batterie in kalten Wintern ihre Stärken ausspielt oder ob Mazda hier Kompromisse eingeht – LFP ist langlebig und kostengünstig, aber empfindlicher gegenüber Kälte als NMC-Zellen.

Aber Mazda kontert mit Details: Die Batterieanordnung tief im Unterboden senkt den Schwerpunkt, was das Jinba-Ittai-Gefühl untermauert, und die Rekuperation simuliert ein stufenloses Gaspedal. Im Vergleich zu Allrad-EVs wie dem Model Y fehlt es an Vektorierung, doch der reine Hinterradantrieb könnte auf kurvigen Straßen den Spaßfaktor heben. Technisch gesehen nutzt der CX-6e die EPA1-Plattform mit 800-Volt-Architektur, was zukünftige Upgrades erleichtert, aber aktuell auf 195 kW beschränkt ist. Für Langstreckenfahrer in Deutschland, wo die Ladeinfrastruktur wächst, reicht das Paket aus, solange der Verbrauch real unter 20 kWh bleibt.

Innenraum: Der 26-Zoll-Star
Drinnen dominiert ein ultrabreiter 26,45-Zoll-Touchscreen im 32:9-Format, der sich bis zum Beifahrer erstreckt und personalisierte Ansichten bietet – ein echtes Highlight, ergänzt durch ein großes Head-up-Display mit AR-Navigation. Gestensteuerung mit sieben Handzeichen, Sprachbefehle via „Hey Mazda“ in neun Sprachen, kabelloses CarPlay/Android Auto und Bluetooth-Lautsprecher in den Kopfstützen runden das ab. Ambientebeleuchtung mit 256 Farben, Panoramadach mit UV-Filter und Sitze in Kunstleder oder Maztex (neues veganes Material) sorgen für Komfort.

Der Raum ist großzügig: Fünf Sitze mit viel Beinfreiheit hinten, Kofferraum 468 bis 1.434 Liter, Frunk mit 83 Litern für Kabel. Optionale OLED-Kameraspiegel und digitaler Innenspiegel (auch als klassischer nutzbar) machen es zum Tech-Freak, aber ob der Riese intuitiv bleibt, muss der Test zeigen. In den Ausstattungen Takumi und Takumi Plus (letztere mit Kameraspiegeln) fühlt es sich hochwertig an, inspiriert vom „Ma“-Konzept der leeren Schönheit. Deshalb der Haken: Solche Riesen-Displays wirken futuristisch, lenken aber potenziell ab – Studien zeigen, dass Touch-Bedienungen die Augen vom Weg nehmen.

Aber Mazda pariert mit Bedienkomfort: Physische Knöpfe für Klima und Volume bleiben, das HUD projiziert Infos direkt ins Sichtfeld, und die Spracherkennung versteht Dialekte. Der Innenraum atmet japanische Minimalismus, mit weichen Materialien und Nahtquittungen, die an Verbrenner-Interieurs erinnern. Hinten bietet der lange Radstand 900 mm Beinfreiheit, und die Sitze sind belüftet und beheizt. Persönlich gefällt mir der Ansatz, Technik nicht zu überladen, doch in der Praxis könnte der Split-Screen für Fahrer und Beifahrer zu Konflikten führen.

Ausstattung und Preise für Deutschland
Der Einstieg liegt bei 49.990 Euro für Takumi mit 19-Zoll-Felgen, Wärmepumpe, 11-kW-Lader, neun Airbags und Assistenzpaket. Takumi Plus kostet voraussichtlich 54.990 Euro, inklusive 21-Zoll-Räder, Kameraspiegel, Bose-Sound und Panorama-Dach. Serienmäßig: Smart Brake Support, Spurhalteassistent, Blind Spot Monitoring. Optional: Occupancy Monitoring gegen vergessene Kinder oder Tiere, vier Modi wie Pet Comfort oder Car Wash. Mazda gibt sechs Jahre oder 150.000 km Garantie auf alles.

Aber verglichen mit dem chinesischen EZ-60 ab 14.700 Euro wirkt der Preis ambitioniert – in Deutschland konkurriert es mit Model Y ab 45.990 Euro oder Enyaq ab 48.100 Euro, wo mehr Reichweite oder Allrad oft inklusive ist. Deshalb der Zweifel: Lohnt der Mazda-Premium-Charakter den Aufpreis, oder ist es ein teurer Import? Takumi umfasst LED-Matrixscheinwerfer und Maztex-Sitze, Plus-Extras wie Nappa-Leder und 360-Grad-Kamera heben es an, doch ohne Allradoption bleibt es ein Nischenprodukt. Im deutschen Markt ohne BAFA-Förderung zählt jeder Euro, und Mazdas Leasing-Raten könnten hier punkten.
Sicherheit und Assistenzsysteme
Kameras, Radar und Sensoren bilden die Basis für umfassende Hilfe: Automatisches Notbremsen, Spurwechsel-Assistent, Totwinkelwarner. Das Occupancy-System scannt auf Bewegungen, wenn der Motor ausgeht – praktisch für Familien. Mazda betont familienorientierte Innovationen, aber reale Wirksamkeit hängt vom Alltags-Einsatz ab. Deshalb kritisch: Während Level-2-Plus-Funktionen serienmäßig sind, fehlt ein adaptiver Tempomat mit Stop-and-Go in der Basis – ein Manko gegenüber VW oder Tesla.

Aber die Bremsen mit 345-mm-Scheiben vorne und Rekuperation sorgen für sicheres Gefühl, und das Chassis mit FSD-Dämpfern (Frequency Selective Damping) passt sich Unebenheiten an. In Euro NCAP-Tests dürfte der CX-6e glänzen, da die Plattform bereits bewährt ist, doch Mazda muss die Kalibrierung für deutsche Aut Autobahnen optimieren.
Einordnung im Markt
Mazda war spät mit EVs dran – MX-30 floppte mit nur 3.000 Einheiten in Deutschland, nun der Multi-Ansatz mit Changan-Help. Der CX-6e zielt auf Käufer ab, die Design und Fahrspaß wollen, nicht nur Kilometer. Gegen Tesla, VW oder Hyundai muss er beweisen, dass Kodo und Jinba-Ittai im EV-Alltag überzeugen. Im deutschen Markt, wo EVs 2025 nur 15 Prozent ausmachten und Konkurrenz hart ist, könnte der Sommer-Start 2026 entscheidend sein.
Deshalb die Chance: Mazda bedient Konservative, die Premium ohne Abos wollen – kein Netflix im Auto, stattdessen pure Substanz. Aber der Preis drückt, und ohne Allrad oder 500+ km Reichweite bleibt es ambitioniert. Ob der CX-6e Mazdas Elektrifizierung ankurbelt? Die Tech verspricht viel, die Preise fordern viel – ein Test wird Klarheit bringen. Bis dahin bleibt es spannend, was dieser Hybrid aus Japan und China liefert.

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