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Mercedes C 300 4Matic elektrisch: Wie viel Luxus und Reichweite bietet der neue Allradler?

Erweiterung der Modellpalette um den Mercedes-Benz C 300 4Matic elektrisch - Bildnachweis: Mercedes

Elektrisierende Mittelklasse

Die Transformation des Automobilsektors erreicht bei den traditionellen Premiumherstellern einen Wendepunkt, an dem nicht mehr nur einzelne Nischenbesetzer elektrifiziert werden, sondern die Kernmodelle der Marken im Fokus stehen. Mercedes-Benz baut das Angebot der vollelektrischen C-Klasse weiter aus und gibt ab sofort die Bestellbücher für ein zweites Allradmodell frei. Der C 300 4Matic elektrisch soll als ausgewogene Mittelweg-Variante die Brücke schlagen zwischen absoluter Langstreckentauglichkeit, hoher Fahrdynamik und einem im Vergleich zum Spitzenmodell etwas moderateren Einstiegspreis. Während der Automobilmarkt in diesem Segment intensiv um Marktanteile ringt, stellt sich aus technischer Sicht die Frage, wie wettbewerbsfähig die Stuttgarter Neuentwicklung auf der modernen 800-Volt-Architektur tatsächlich ausfällt.

Wer den Blick auf den Markt der elektrischen Premium-Mittelklasse richtet, stellt fest, daß die Erwartungen der Kundschaft deutlich gestiegen sind. Hohe Ladeleistungen, spürbare Systemeffizienz und ein hohes Maß an Fahrkomfort gehören mittlerweile zum Pflichtprogramm. Der Stuttgarter Autobauer verspricht mit dem jüngsten Ableger eine gelungene Kombination aus hoher Alltagsnutzen und dynamischem Vorwärtsdrang. Aber die detaillierte Betrachtung des Datenblatts verrät, wie Mercedes diesen Spagat technisch umsetzt und welche finanziellen Hürden Käufer beim Blick auf die Preisliste nehmen müssen.

Preisstruktur und Leasingkonditionen für den deutschen Markt

Beim Händler schlägt der neue Mercedes C 300 4Matic elektrisch in Deutschland für Privatkunden mit einem Bruttogrundpreis von 62.951 Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer zu Buche. Für Geschäftskunden gibt der Hersteller einen Nettopreis von 52.900 Euro an, jeweils zuzüglich der ortsüblichen Überführungskosten oder der Gebühren für eine Werksabholung. Damit rangiert das neue Modell exakt 4.760 Euro unter dem bereits seit einigen Monaten bestellbaren Topmodell C 400 4Matic elektrisch, dessen Brutto-Verkaufspreis bei mindestens 67.711 Euro beziehungsweise 56.900 Euro netto liegt.

Deshalb versucht Mercedes, das Fahrzeug über kalkulierte Finanzierungsinstrumente verstärkt im Markt zu platzieren. Ein beworbenes Privatleasing-Angebot sieht eine monatliche Rate ab 449 Euro vor. Ein genauer Blick auf die Leasingbedingungen offenbart jedoch, daß für diesen Monatstarif eine Sonderzahlung von 20 Prozent vorausgesetzt wird. Bezogen auf den Listenpreis entspricht diese Anzahlung einem Betrag von rund 12.590 Euro, verteilt auf eine Vertragslaufzeit von 36 Monaten bei einer kalkulierten Gesamtlaufleistung von 45.000 Kilometern. Für Interessenten bedeutet dies, daß die effektiv kalkulierten Monatskosten deutlich höher liegen als die vordergründig genannte Leasingrate. Das Portfolio soll zudem künftig durch volksnähere Varianten mit reinen Heckantrieb sowie kostengünstigeren Batterieoptionen nach unten abgerundet werden.

C 300 4MATICC 400 4MATIC
Antrieb4x44x4
E-Maschine vorne/hintenPSM/PSMPSM/PSM
Nennleistung (Spitze)310 kW360 kW
Nenndrehmoment (Spitze) (Elektro)800 Nm800 Nm
BatterietypLithium-IonenLithium-Ionen
Nutzbarer Energieinhalt85 kWh94 kWh
AC-Ladeleistung Max. (Serie/Option)Nov 22 kWNov 22 kW
DC-Ladeleistung Max.320 kW330 kW
DC-Ladezeit 10%-80% SOC (netto)1222 Min22 Min
Nachgeladene Reichweite in 10 Minuten5290 km325 km
Wendekreis (mit HAL)11,2 m11,2 m
Gepäckraumvolumen VDA13470 l470 l
Volumen Frunk liquid7101 l101 l
Zul. Anhängelast ungebremst/gebremst750/1.800 kg750/1.800 kg
Beschleunigung 0–100 km/h4,5 s4 s
Höchstgeschwindigkeit210 km/h210 km/h
Energieverbrauch kombiniert617,8-14,1 kWh/100 km18,5-14,1 kWh/100 km
CO2-Emissionen kombiniert60 g/km0 g/km
CO₂-Klasse6AA
Elektrische Reichweite4,6549-690 km594-762 km
Kaufpreis netto52.900 Euro56.900 Euro
Kaufpreis brutto62.951 Euro67.711 Euro

Antriebstechnik und Leistungsdaten im technischen Vergleich

Technisch basiert der C 300 4Matic elektrisch auf der neu entwickelten MB.EA-Architektur, die auf ein flexibles Hochvoltsystem setzt. Für den Vortrieb sorgen zwei permanenterregte Synchronmaschinen, kurz PSM genannt, von denen jeweils eine an der Vorder- und eine an der Hinterachse montiert ist. Diese Kombination stellt eine System-Spitzenleistung von 310 kW bereit, was umgerechnet einer Leistung von 421 PS entspricht. Das maximale Drehmoment gipfelt bei beachtlichen 800 Nm und steht elektro-typisch ab der ersten Umdrehung zur Verfügung. Den Null-Hundert-Paradesprint absolviert die Mittelklasse-Limousne in sportlichen 4,5 Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit bei 210 km/h elektronisch begrenzt wird.

Aber der Vergleich mit dem stärkeren Schwestermodell macht deutlich, wo die feinen Unterschiede liegen. Der C 400 4Matic elektrisch mobilisiert eine Spitzenleistung von 360 kW beziehungsweise 489 PS bei identischem Maximaldrehmoment von 800 Nm. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h verkürzt sich beim Topmodell auf 4,0 Sekunden, wohingegen die Höchstgeschwindigkeit ebenfalls bei 210 Stundenkilometer eingefangen wird. Um die Systemeffizienz im Alltag zu steigern, setzt Mercedes bei beiden Allradmodellen auf eine automatische Entkopplungseinheit für die vordere E-Maschine. Dieser sogenannte Disconnect Unit trennt die vordere Achse vom Antriebsstrang ab, sobald keine zusätzliche Traktion gefordert wird, was Reibungsverluste reduziert und den Energieverbrauch spürbar senken soll.

Hochvoltbatterie, Reichweiten und 800-Volt-Ladetechnik

Im Unterboden des C 300 4Matic elektrisch verbaut der Hersteller einen neu konstruierten Lithium-Ionen-Akkumulator mit einem nutzbaren Energieinhalt von 85 kWh. Gemäß dem standardisierten WLTP-Prüfverfahren ergibt sich daraus eine theoretische Gesamtreichweite von 549 bis zu 690 km, abhängig von der gewählten Rad-Reifen-Kombination und weiteren Ausstattungsumfängen. Der kombinierte Energieverbrauch bewegt sich laut Datenblatt zwischen 14,1 und 17,8 kWh pro 100 Kilometer. Zum Vergleich greift der stärkere C 400 4Matic auf einen größeren Energiespeicher mit 94 kWh Nettokapazität zurück, was ihm eine WLTP-Reichweite von 594 bis 762 Kilometern ermöglicht.

Deshalb stellt das Ladesystem ein zentrales Element für die Langstreckentauglichkeit dar. Dank der integrierten 800-V-Technologie unterstützt das Fahrzeug an entsprechenden DC-Schnellladesäulen eine maximale Ladeleistung von bis zu 320 kW. Bei einer Ladeinfrastruktur, die einen kontinuierlichen Ladestrom von 500 Ampere bereitstellen kann, verstreichen für das Nachladen von 10 auf 80 Prozent der Batteriekapazität rund 22 min. Unter optimalen Bedingungen läßt sich innerhalb von 10 min elektrische Energie für eine Reichweite von bis zu 290 Kilometern einspeisen. Beim C 400 4Matic liegt die maximale Ladeleistung mit 330 kW minimal höher, was im gleichen Zeitfenster von 10 Minuten zu einer nachgeladenen Reichweite von bis zu 325 km führt. Das Wechselstrom-Laden an der heimischen Wallbox oder städtischen Ladesäulen erfolgt serienmäßig dreiphasig mit 11 kW, wobei optional ein 22-kW-Onboard-Lader bestellt werden kann.

Rekuperation und mechanische Bremsanlage im One-Box-System

Ein weiteres wichtiges technisches Detail liegt in der Steuerung der Energierückgewinnung. Mercedes setzt in der elektrischen C-Klasse ein modernisiertes One-Box-Bremssystem ein, das elektrohydraulisch arbeitet und die Übergänge zwischen der elektrischen Rekuperation und dem mechanischen Reibbremsen unmerklich gestalten soll. Das System erlaubt eine maximale Rekuperationsleistung von bis zu 300 kW. Laut Herstellerausführung erfolgt die Entschleunigung in bis zu 99 Prozent aller alltäglichen Bremsvorgänge rein über die Elektromotoren, ohne daß die klassische Scheibenbremse eingreifen muss.

Aber diese extrem hohe Rekuperationsquote wirft bei Automobilexperten auch kritische Fragen hinsichtlich des dauerhaften Bauteilschutzes auf. Wenn die mechanischen Reibbremsen im normalen Fahrbetrieb kaum noch gefordert werden, besteht auf Dauer das Risiko von Korrosionsbildung an den Bremsscheiben, was insbesondere in feuchten Wintermokaten zu erhöhtem Verschleiß durch Rost führen könnte. Mercedes steuert dem mit automatisierten Freibrems-Routinen entgegen. Das System istudem so ausgelegt, daß selbst im ABS-Regelfall oder bei extrem glatten Fahrbahnverhältnissen gezielt Energie zurückgewonnen werden kann, um die Effitzienz des Gesamtkonzepts aufrechtzuerhalten.

Fahrwerkstechnik und Karosserie-Spezifikationen

Hinsichtlich des Fahrwerks kombiniert die elektrische C-Klasse einen langstreckentauglichen Federungskomfort mit präzisem Einlenkverhalten. Gegen Aufpreis bieten die Stuttgarter das adaptive Luftfahrwerk Airmatic an, das die Dämpfungscharakteristik kontinuierlich an den Beladungszustand und die jeweilige Fahrsituation anpasst. Ergänzend steht eine Hinterachslenkung in der Optionsliste, welche die Hinterräder mit einem variablen Einschlagwinkel mitlenkt. Durch den Einsatz der Hinterachslenkung verringert sich der Wendekreis der Limousine auf kompakte 11,2 m, was die Manövrierfähigkeit in engen innerstädtischen Passagen spürbar verbessert und gleichzeitig bei höheren Autobahngeschwindigkeiten für Fahrstabilität sorgt.

Deshalb spiegelt sich der aerodynamische Feinschliff auch in der Karosseriegestaltung wider. Die Frontpartie präsentiert sich tief und flach gezeichnet, während die Dachlinie in einer fließenden Bewegung in ein rundlich gestaltetes GT-Heck übergeht, um den Luftwiderstandswert zu minimieren. Der ikonisch gestaltete Kühlergrill kann je nach gewählter Ausstattungslinie mit variablen Lichtanimationen versehen werden, die beim Entriegeln, Verschließen oder während des Ladevorgangs aktiviert werden. Im Hinblick auf den praktischen Nutzwert bietet der Stromer ein Gepäckraumvolumen von 470 Litern nach VDA-Norm im Heck. Zusätzlich steht unter der vorderen Haube ein sogenannter Frunk mit einem Fassungsvermögen von 101 Litern zur Verfügung, der sich ideal für die Unterbringung von Ladekabeln eignet. Die zulässige Anhängelast beträgt 750 kg bei ungebremsten sowie 1.800 kg bei gebremsten Anhängern.

Digitales Bedienkonzept und vernetzte Zusatzfunktionen

Der Innenraum der elektrischen C-Klasse wird maßgeblich durch die Digitalisierung geprägt. Als zentrales Bedienelement fungiert auf Wunsch der MBUX Hyperscreen, der sich als durchgängige Glasfläche mit einer Diagonale von insgesamt 99,3 Zentimetern beziehungsweise 39,1 Zoll über die gesamte Armaturentafel erstreckt. Unter der Abdeckung befinden sich mehrere hochauflösende Displays, die durch das eigens entwickelte Betriebssystem MB.OS gesteuert werden. Die Sprachbedienung nutzt einen überarbeiteten MBUX Virtual Assistant, der auf künstliche Intelligenz setzt und komplexere Sprachbefehle in natürlichem Dialogverständnis verarbeiten soll. Für den Sitzkomfort stehen konturierte Multikontursitze bereit, die neben einer Lordosenstütze auch Massagefunktionen, Sitzbelüftung und ein integriertes 4D-Soundsystem bieten.

Aber das digitale Gesamtkonzept beinhaltet auch eine konsequente Monetarisierungsstrategie über nachträglich aktivierbare Software-Funktionen. Mercedes bietet im eigenen Store mehr als 40 unterschiedliche Apps aus den Bereichen Streaming, Navigation, Gaming und Fahrzeugsicherheit an. Einige der verbauten Fahrassistenzsysteme sowie Komfortfunktionen sind an befristete digitale Zusatzpakete gekoppelt. Während Systeme wie der Abstandstempomat Distronic mit Stop-and-Go-Funktion sowie der Park-Assistent MB.Drive Parking Assist zur serienmäßigen Grundausstattung gehören, erfordern erweiterte Assistenten Zusatzbuchungen. Das Paket MB.Drive Assist kombiniert die Distronic mit einem aktiven Lenkassistenten für die Unterstützung nach SAE-Level-2 und ermöglicht teilautomatisierte Spurwechsel außerorts. Das erweiterte Parkpaket MB.Drive Parking Assist 360 ergänzt die Fahrzeugüberwachung um ein Kamerasystem mit 360-Grad-Rundumsicht.

Ausgewogene Bilanz im hart umkämpften Wettbewerbsumfeld

Der Mercedes C 300 4Matic elektrisch sortiert sich als technisch ausgereiftes Fahrzeug in einem anspruchsvollen Marktumfeld ein, in dem er direkt gegen Konkurrenten wie den BMW i4, den Polestar 2 oder das Tesla Model 3 antritt. Das Fahrzeug punktet vor allem mit seiner modernen 800-Volt-Architektur, der überzeugenden Ladeleistung von bis zu 320 kW sowie den durchdachten Fahrwerksoptionen wie der Hinterachslenkung und der Airmatic-Luftfederung. Mit einer praxisgerechten Reichweite von maximal 690 km und dem praxisdienlichen Frunk erfüllt die elektrische C-Klasse wesentliche Kriterien für geschäftliche und private Vielfahrer.

Deshalb bleibt abzuwarten, wie der Markt die Preisgestaltung auf Dauer aufnimmt. Mit einem Einstiegspreis von 62.951 Euro verlangt Mercedes eine selbstbewusste Summe, die durch das Ankreuzen von Optionen wie dem MBUX Hyperscreen oder den erweiterten Assistenzpaketen schnell weiter nach oben getrieben werden kann. Käufer erhalten im Gegenzug eine ausgereifte, hochmoderne Elektro-Limousine, deren wahres Sparpotenzial sich jedoch erst mit dem bevorstehenden Marktstart der günstigeren Basismodelle mit Heckantrieb vollständig entfalten dürfte.