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Mercedes-Maybach S-Klasse 2026: Ein rollendes Refugium im harten Griff der Software-Evolution

Mercedes-Maybach S 580 Manufaktur - Bildnachweis: Maybach / Mercedes

Digitale Evolution und der leise Abschied von einer Legende

Es gibt Momente, in denen die Welt da draußen vollkommen verstummt. Wer im Fond der neuen Mercedes-Maybach S-Klasse Platz nimmt, die schwere, extralange Tür zuziehen lässt und tief in die weichen Lederkissen sinkt, erlebt eine Form der Entkopplung, die im modernen Automobilbau ihresgleichen sucht. Aber dieses Gefühl der absoluten Ruhe steht heute in einem merkwürdigen Kontrast zu dem gewaltigen Umbruch, der sich unter dem opulenten Blechkleid abspielt. Zum Jubiläumsjahr des Erfinders des Automobils – Mercedes-Benz feiert zweitausendsechsundzwanzig das einhundertvierzigjährige Bestehen des Patents von Carl Benz – schickt die Marke mit dem Stern ihr absolutes Flaggschiff mit dem tiefgreifendsten Update seiner Geschichte auf die Straße. Mehr als fünfzig Prozent aller Komponenten, also rund zweitausendsiebenhundert Bauteile, wurden im Zuge dieses Facelifts neu entwickelt oder grundlegend überarbeitet. Es ist ein Spagat zwischen traditioneller Handwerkskunst und einer radikalen digitalen Transformation, die vor allem auf dem europäischen Kontinent schmerzhafte Opfer verlangt. Die Ära des majestätischen Zwölfzylinders ist in Europa endgültig vorbei, weichen muss das Prestigetriebwerk einer hocheffizienten, stark elektrifizierten V8-Struktur und einem hochgradig vernetzten Betriebssystem. Für anspruchsvolle Kunden stellt sich damit die Frage, ob die neue Epoche des Luxus tatsächlich einen Fortschritt darstellt oder ob mit dem Verschwinden des V12 ein entscheidendes Stück automobiler Identität verloren geht.

Der V12-Phantomschmerz und die neuen Abgas-Realitäten

Die Entscheidung, den legendären sechs Liter großen Biturbo-Zwölfzylinder mit dem internen Kürzel M279 in Europa komplett aus dem regulären Programm zu streichen, ist keine freiwillige. Sie ist das direkte Resultat immer strengerer Emissionsvorschriften und der Vorbereitung auf kommende gesetzliche Hürden wie die Euro-7-Norm, die insbesondere großvolumige Motoren vor nahezu unlösbare und vor allem unwirtschaftliche Hürden stellt. Der alte V12 war ein Motor fürs Prestige, eine monumentale Kraftquelle, die ihre Leistung von 612 PS mit einer unnachahmlichen, fast lautlosen Souveränität entfaltete. In Europa wird dieses Triebwerk künftig nur noch einer ganz spezifischen, hochgradig geschützten Klientel im gepanzerten Sonderschutzfahrzeug S-Sechshundertachtzig Guard vorbehalten sein, während normale Maybach-Kunden außerhalb der europäischen Union, etwa in den USA oder in China, weiterhin den vollen Zwölfeinder bestellen können.

Mercedes-Maybach S 580 Manufaktur – Bildnachweis: Maybach / Mercedes

Für den europäischen Markt übernimmt nun der neu strukturierte S-680 4Matic die Rolle des absoluten Spitzenmodells. Unter seiner Haube arbeitet fortan die modernisierte und stark elektrifizierte Version des bekannten vier Liter großen V8-Biturbos mit der Bezeichnung M177 Evo. Dass dieser Motor auf dem Papier mit exakt 612 PS und einem maximalen Drehmoment von 850 Newtonmetern die identischen Leistungswerte des alten V12 erreicht, ist ein beachtliches Stück Ingenieurskunst. Aber die reine Spitzenleistung erzählt nur die halbe Wahrheit. Um die für einen Maybach unerlässliche, absolut vibrationsfreie Laufruhe zu garantieren, mussten die Ingenieure tief in die mechanische Trickkiste greifen. Zwei zusätzliche Lanchester-Ausgleichswellen wurden in das Kurbelgehäuse des V8 integriert, um die freien Massenkräfte zweiter Ordnung vollständig zu eliminieren und das typische, metallische V8-Brummen in ein flüsterndes Hintergrundgeräusch zu verwandeln.

Unterstützt wird das Triebwerk von einem im Getriebegehäuse integrierten Startergenerator der neuesten Generation, der aus dem 48V-Bordnetz kurzzeitig zusätzliche 17 Kilowatt Leistung und 205 Newtonmeter Drehmoment beisteuert. Dieses milde Hybridsystem sorgt nicht nur für einen ansatzlosen, extrem geschmeidigen Antritt aus dem Stand, sondern lässt auch die Start-Stopp-Vorgänge für die Passagiere vollkommen unmerklich ablaufen. Der Übergang vom lautlosen Segeln mit abgeschaltetem Verbrennungsmotor zum kraftvollen Vortrieb geschieht ohne den geringsten Ruck. Dennoch bleibt unter Puristen ein gewisser Phantomschmerz zurück, denn die physikalische Lässigkeit eines echten V12 lässt sich durch keinen noch so aufwendig gedämpften und elektrifizierten V8 vollständig ersetzen.

Das Antriebsportfolio: Souveräne Verbrenner und die elektrische Vernunft

Unterhalb des neuen Spitzenmodells rangiert der bewährte S-Fünfhundertachtzig 4Matic, dessen V8-Biturbo nach der Modellpflege eine Leistung von 537 PS bereitstellt. Auch hier sorgt der integrierte Startergenerator für zusätzliche 23 PS elektrischen Schub und optimiert die Effizienz des großen Achtzylinders durch eine intelligente Zylinderabschaltung im Teillastbereich und eine effiziente Rekuperation in Verzögerungsphasen. Mit einer Beschleunigung von null auf 100 km/h in nur 4,5 Sekunden steht diese Variante dem Topmodell in Sachen Längsdynamik kaum nach.

Den eigentlichen technologischen Brückenschlag in die Moderne vollzieht jedoch der S-580-e 4Matic, der fortschrittliche Plug-in-Hybrid der Modellreihe. Er kombiniert den kultivierten Reihensechszylinder-Benziner M256 Evo, der allein 449 PS leistet, mit einer 166 PS starken, permanenterregten Synchronmaschine. Das Ergebnis ist eine beeindruckende Systemleistung von 585 PS und ein gewaltiges Systemdrehmoment von 750 Newtonmetern. Deshalb sprintet auch der teilzeitelektrische Maybach in nur 4,8 sek. auf Landstraßentempo.

Viel wichtiger für den Alltag im urbanen Raum ist allerdings die elektrische Reichweite. Dank einer netto 21,96 kWh großen Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie kann die Luxuslimousine bis zu 98 Kilometer rein elektrisch und somit völlig lokal emissionsfrei und flüsterleise zurücklegen. Das Zusammenspiel zwischen dem Verbrennungsmotor und der E-Maschine wurde im Zuge der Modellpflege über das neue Betriebssystem noch feinfühliger abgestimmt. Der Fahrer spürt praktisch nicht, welche Kraftquelle gerade aktiv ist, was den gleitenden Komfortcharakter des Fahrzeugs perfekt unterstreicht. Geladen wird der Akku serienmäßig über einen 11 kW-AC-Lader, optional steht ein 50 kW-DC-Schnellladesystem zur Verfügung, das den leeren Energiespeicher in knapp 30 Minuten wieder fahrbereit macht.

Optische Präsenz und die feine Kunst der Detailverfeinerung

Der Auftritt einer Mercedes-Maybach S-Klasse war schon immer ein Statement von erhabener Größe. Mit dem aktuellen Facelift wurde dieses Statement optisch nochmals deutlicher artikuliert. Die Frontpartie wird von einem um 20 Prozent vergrößerten Kühlergrill beherrscht, dessen feine, vertikale Streben nun von einer dezenten, umlaufenden Lichtkontur eingerahmt werden. Erstmals ist auch der Maybach-Schriftzug im verchromten Grillrahmen filigran illuminiert. Die Scheinwerfer, die serienmäßig mit der hochauflösenden Digital-Light-Technologie ausgestattet sind, tragen feine optische Akzente in edlem Roségold und integrierte Maybach-Embleme. Diese Detailverfeinerungen verleihen dem Gesicht der Limousine eine fast schmuckartige Tiefe, die sich wohltuend von der aggressiven Formsprache sportlicherer Derivate abhebt.

In der Seitenansicht bleibt die gestreckte Silhouette mit dem eigenständigen, feststehenden Dreiecksfenster in der C-Säule und den verchromten B-Säulen das prägende Erkennungsmerkmal. Ein diskreter Projektor in den Seitenschwellern wirft beim Entriegeln das Maybach-Muster auf den Asphalt und inszeniert so den Einstieg. Am Heck spiegeln die neu modellierten, zweiteiligen Rückleuchten die markante Drei-Sterne-Lichtgrafik der Front wider. Die neue, zweifarbige Griffleiste auf dem Kofferraumdeckel, ausgeführt in glänzendem Chrom und tiefem Schwarz, zeigt, dass die Designer selbst den banalsten Funktionselementen höchste Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Ein besonderes mechanisches Glanzstück stellen die neuen Schmiederäder im Vielspeichendesign dar. Erhältlich sind ein einundzwanzig Zoll großes Rad mit feinem Goldfinish und ein klassisch poliertes 20-Zoll-Rad. Alle silbernen Varianten verfügen über eine kugelgelagerte Radnabenabdeckung. Dieser hochpräzise Mechanismus sorgt dafür, dass der zentrale Mercedes-Stern auch während der Fahrt stets perfekt waagerecht ausgerichtet bleibt und wie eingefroren im Raum steht, während sich die Felge darunter dreht. Für Kunden, die einen weniger klassischen, sondern eher progressiv-düsteren Auftritt bevorzugen, bietet Mercedes das exklusive Designpaket Night Series an. Dieses beinhaltet dunkle Chromakzente, spezielle Felgendesigns und kann nun erstmals mit der tiefen Exterieurfarbe Nautikblau metallic kombiniert werden, was dem Maybach eine bemerkenswert moderne, fast schon mystische Aura verleiht.

Das digitale Gehirn: MB.OS und der Bildschirm-Kompromiss im Cockpit

Unter der eleganten Karosserie vollzieht sich die eigentliche Revolution der neuen S-Klasse-Generation. Als erstes Maybach-Modell überhaupt erhält die Limousine das neue Mercedes-Benz Operating System, kurz MB.OS genannt. Dieses von Mercedes selbst entwickelte, proprietäre Betriebssystem löst die bisherige, stark fragmentierte Steuergeräte-Architektur ab und bündelt alle zentralen Fahrzeugdomänen wie Infotainment, automatisiertes Fahren, Fahrwerk und Karosseriesteuerung in einem hochgradig vernetzten und updatefähigen Software-Ökosystem. MB.OS arbeitet deutlich schneller, verfügt über immense Rechenkapazitäten und ermöglicht kontinuierliche OTA-Updates, die das Fahrzeug über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg frisch halten.

Im Cockpit manifestiert sich diese digitale Macht durch den serienmäßigen Einzug des MBUX Superscreens. Unter einer riesigen, durchgehenden Glasfläche, die sich von der linken bis zur rechten A-Säule spannt, sind das vierzehn Komma vier Zoll große Zentraldisplay und das 12.3-Zoll große Beifahrerdisplay untergebracht. Das Fahrer-Informationsdisplay mit seinen plastischen 3D-Anzeigen ist physisch leicht abgesetzt und bleibt hinter dem Lenkrad positioniert.

Man darf sich an dieser Stelle jedoch berechtigterweise fragen, ob die totale Digitalisierung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine im automobilen Hochadel nicht einen Teil des klassischen, haptischen Erlebnisses raubt. Ein kaltes Display kann, so brillant die Grafik auch sein mag, das Gefühl von tiefenpräzisiertem Holz und kühl geschliffenem Metall niemals vollständig ersetzen. Zudem zeigt sich an dieser Stelle auch die konstruktive Grenze eines Facelifts. Weil die Grundstruktur des W223-Cockpits vor über 5 Jahren entworfen wurde, ließ sich der fast einen Meter breite, völlig nahtlose Hyperscreen aus dem EQS oder dem neuen GLC nicht ohne Weiteres integrieren. So trennt nun ein schmaler schwarzer Steg die Bildschirme im Zentrum und auf der Beifahrerseite – ein Detail, das den ansonsten makellosen Perfektionsanspruch der Kabine minimal stört.

Aber die Stuttgarter haben ein offenes Ohr für die schärfste Kritik der Kunden bewiesen und einen gravierenden Fehler der Vergangenheit korrigiert. Die ungeliebten, extrem berührungsempfindlichen kapazitiven Touch-Flächen am Lenkrad wurden im Zuge der Modellpflege komplett verbannt. An ihre Stelle treten die klassischen, physisch dreh- und drückbaren Lenkradwalzen aus Metall zurück, die dem Fahrer eine glasklare, spürbare Rückmeldung geben. Das Einstellen der Lautstärke oder das Navigieren durch die Menüs des Bordcomputers gelingt nun wieder blind und ohne Ablenkung vom Verkehrsgeschehen. Es ist ein kleiner, aber immens wichtiger Triumph der Ergonomie über den reinen Digitalisierungswahn. Auf der Mittelkonsole hingegen müssen sich Beifahrer weiterhin mit einem berührungssensiblen Slider für die Lautstärke herumschlagen.

Das automatisierte Fahren der nächsten Stufe: MB.Drive Assist Pro im Härtetest

Mit dem Einzug von MB.OS führt Mercedes-Benz ein neues System für teilautomatisiertes Fahren ein: den MB.Drive Assist Pro. Auf den ersten Blick könnte man hier von einem Rückschritt sprechen, da dieses System auf dem SAE-Level 2 operiert, während der zuvor angebotene Drive Pilot bereits echtes hochautomatisiertes Fahren auf Level 3 ermöglichte. Aber dieser formale Rückschritt entpuppt sich im realen Alltagsbetrieb als ein gewaltiger praktischer Fortschritt. Während das teure Level-3-System ausschließlich auf baulich getrennten Autobahnen bei Tageslicht und bis zu einer Geschwindigkeit von maximal 95 km/h die Verantwortung übernehmen durfte, ist der MB.Drive Assist Pro für den komplexen urbanen Raum konzipiert.

Das System verschmilzt die klassische Fahrassistenz mit der cloudbasierten Navigation zu einem nahtlosen Punkt-zu-Punkt-Fahrerlebnis im Stadtverkehr. Auf Knopfdruck lenkt, bremst, beschleunigt und navigiert der Maybach völlig eigenständig durch hochkomplexe innerstädtische Szenarien. Er meistert mehrspurige Kreuzungen, erkennt Ampelphasen, biegt selbstständig ab und reagiert präzise auf plötzliche Spurwechsel anderer Verkehrsteilnehmer oder die unvorhersehbaren Wege von Fußgängern und Radfahrern.

Möglich macht dies eine hochmoderne Sensorarchitektur, die in enger Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Halbleiter-Spezialisten Nvidia realisiert wurde. Insgesamt 30 Sensoren, darunter 10 hochauflösende Kameras, fünf Radarsensoren und zwölf Ultraschallsensoren, liefern kontinuierlich präzise Umgebungsdaten an den zentralen Nvidia-Drive-AGX-Supercomputer. Dieser verarbeitet die Datenflut mit einer Rechenleistung von atemberaubenden 508 Tera-Operations per Second, was eine extrem schnelle und präzise Objekterkennung und Pfadplanung in Echtzeit ermöglicht.

Weil es sich jedoch um ein Level-2 System handelt, bleibt der Fahrer zu jeder Zeit rechtlich voll verantwortlich. Die Augen müssen stets auf dem Verkehrsgeschehen ruhen. Dank des kooperativen Lenkansatzes von Mercedes kann der Fahrer zudem jederzeit sanft korrigierend in die Lenkung eingreifen, ohne dass sich das System deaktiviert. Ein mehrstufiges Kamerasystem im Innenraum überwacht die Blickrichtung des Fahrers. Wendet er den Blick zu lange von der Straße ab, folgt eine Kaskade von optischen und akustischen Warnungen, bis hin zum kontrollierten Nothalt des Fahrzeugs. Die Markteinführung des MB.Drive Assist Pro ist in Deutschland für Ende 2026 geplant, wobei die Städte Stuttgart und München den Anfang machen werden, bevor im Laufe des Jahres 2027 der bundesweite Rollout erfolgt.

Die Oase im Fond: Zwischen modernem Zeitgeist und klassischem Prunk

Der eigentliche Daseinszweck eines Maybachs offenbart sich jedoch nicht hinter dem Lenkrad, sondern auf dem hinteren rechten Sitzplatz, dem unbestrittenen Chefsessel der Automobilwelt. Hier haben die Interieur-Designer den Cocooning-Effekt auf ein neues Niveau gehoben. Dank einer im Vergleich zur normalen S-Klasse nochmals erweiterten Schallisolierung im Bereich der hinteren Radhäuser, einer speziellen Akustikverglasung der Seitenscheiben und einer aktiven Geräuschkompensation über das Burmester-4-D-Surround-Soundsystem dringen Geräusche der Außenwelt nur noch als ernes, beruhigendes Rauschen an das Ohr der Passagiere.

Erstmalig in der Geschichte der Marke reagiert Mercedes auf den gesellschaftlichen Wandel und bietet für den Innenraum eine komplett lederfreie Ausstattungslinie an. Als Alternative zum klassischen, von Hand veredelten Nappaleder kommt das neu entwickelte Textil Mirville zum Einsatz. Dieser hochwertige Webstoff in zeitloser Naturfaser-Optik zeichnet sich durch eine extrem angenehme, weiche Haptik aus und wird mit Seitenwangen aus der Ledernachbildung Artico in Sturmgrau sowie tiefweißen Paspeln kombiniert. Eine filigrane, offen gesteppte Rauten-Ziernahtgrafik zieht sich über die Sitze und setzt sich in den Türverkleidungen fort.

Stoffsitze hhaben im automobilen Hochadel durchaus ihre physikalischen Vorzüge. Sie sind im Winter sofort angenehm temperiert und neigen im Sommer nicht zum unangenehmen Aufheizen. Dennoch wird sich zeigen müssen, ob die traditionelle, extrem anspruchsvolle Maybach-Kundschaft diese nachhaltige Alternative annimmt, oder ob der Verzicht auf den charakteristischen Duft von feinstem Leder als Abwertung empfunden wird. Für die klassisch orientierte Klientel bleibt das exklusive Manufaktur-Programm mit seinen unzähligen Individualisierungsmöglichkeiten natürlich in vollem Umfang erhalten.

ModellvarianteMotorisierung / ZylinderHubraum (cm³)Systemleistung (PS)Systemdrehmoment (Nm)Verbrauch kombiniert (l/100km)Basispreis inkl. MwSt. (Euro)Preis mit 5% Privatkundenrabatt (Euro)
S 580 4MATICV8-Biturbo / 83.982537 + 23750 + 20510,8197.480,50187.606,48
S 580e 4MATICR6-Plugin-Hybrid / 62.999585 (System)750 (System)2,9202.359,50192.241,53
S 680 4MATICV8-Biturbo / 83.982612 + 23850 + 20511234.953,60223.205,92

Das Wohlbefinden im Fond wird durch sorgfältig ausgewählte Details abgerundet. Die optionalen automatischen Komforttüren im Fond öffnen und schließen sich auf Knopfdruck im Dachhimmel, über das MBUX-Display oder eine sanfte Geste vollkommen lautlos und geschmeidig. Das optionale Kühlfach zwischen den hinteren Einzelsitzen bietet Platz für edle Getränke, die stilecht in den versilberten Champagnerkelchen der Manufaktur Robbe & Berking serviert werden können. Neue, offenporige Holzzierelemente, wie linear strukturierte Eiche, vermitteln eine moderne, wohnliche Eleganz, die sich wohltuend von den hochglanzlackierten Oberflächen vergangener Tage abhebt.

Sänfte mit Datenvorsprung: Das Fahrwerk als Entkopplungs-Werkzeug

Ein Maybach darf seine Passagiere niemals mit den profanen Unzulänglichkeiten des Straßenbaus belästigen. Das serienmäßige Luftfederungssystem Airmatic mit kontinuierlicher Dämpfungsverstellung legt bereits ein beeindruckendes Fundament für den Reisekomfort. Den eigentlichen Gipfel der Fahrwerkstechnologie markiert jedoch das optionale, vollaktive Fahrwerkssystem E-Active Body Control, das exklusiv für die V8-Modelle angeboten wird.

Dieses hochentwickelte System arbeitet mit einer Spannung von 48 Volt und ist in der Lage, die Feder- und Dämpferkräfte an jedem einzelnen Rad individuell und vollaktiv zu steuern. Eine Stereokamera in der Windschutzscheibe scannt die Fahrbahn vor dem Fahrzeug kontinuierlich auf Unebenheiten. Das System wertet diese Daten in Sekundenbruchteilen aus und stellt die Dämpfer bereits vor dem Erreichen einer Bodenwelle oder eines Schlaglochs so ein, dass der Karosseriekörper der Limousine nahezu vollkommen ruhig und ungerührt in der Horizontalen verbleibt.

Zusätzlich verfügt das System über die innovative Kurvenneigefunktion Curve. Sie neigt die Karosserie in drei Stufen um bis zu 3 Grad nach innen in die Kurve. Dadurch werden die auf die Passagiere wirkenden Querkräfte drastisch minimiert, was insbesondere das Reisen auf kurvenreichen Landstraßen zu einer extrem entspannten Angelegenheit macht. Im Zusammenspiel mit der serienmäßigen Hinterachslenkung, die die Räder der Hinterachse je nach Fahrsituation um bis zu zehn Grad einschlägt, vereint der Maybach den Fahrkomfort einer Kathedrale mit der Handlichkeit eines deutlich kleineren Fahrzeugs.

Die ökonomischen Realitäten im automobilen Olymp

Wer sich im Segment des absoluten Luxus bewegt, für den spielen finanzielle Erwägungen meist eine untergeordnete Rolle. Dennoch zeigt die Preisgestaltung der neuen Mercedes-Maybach S-Klasse nach der Modellpflege, wie selbstbewusst sich die Marke im Vergleich zur Konkurrenz positioniert. Das Facelift ist ab morden offiziell bestellbar, wobei die Produktion in der hochmodernen Factory in Sindelfingen im April anläuft.

Der Einstieg in die Maybach-Welt beginnt beim S-580 4Matic mit dem fünfhundertsiebenunddreißig PS starken V8-Triebwerk bei einem Listenpreis von 197.480,50 Euro. Für den Plug-in-Hybrid S-580-e 4Matic werden mindestens 202.359,50 Euro fällig. Das europäische Spitzenmodell S-680 4Matic mit dem 612 PS starken V8-Biturbo startet bei 243.953,60 Euro.

Die Serienausstattung lässt sich durch exklusive Optionen im Handumdrehen erweitern. Allein das E-Active Body Control Fahrwerk schlägt mit 7.753 Euro zu Buche, während die charakteristische Maybach-Zweifarbenlackierung mit 18.454 Euro extra berechnet wird. Voll ausgestattet durchbricht die Limousine somit spielend die Grenze von 300.000 Euro. Im direkten Konkurrenzfeld muss sich der Maybach vor allem mit dem Bentley Flying Spur und dem Rolls-Royce Ghost messen. Während der Bentley traditionell stärker als sportlich orientiertes Fahrerauto konzipiert ist und im Fondbereich bezüglich des absoluten Raumangebots und des Chauffeur-Komforts nicht ganz das Niveau des Maybach erreicht, bewegt sich der Rolls-Royce Ghost preislich und prestigemäßig nochmals in einer anderen, deutlich exklusiveren Dimension. Die Stärke des Maybach liegt in seiner technologischen Vormachtstellung. Bei hochentwickelten Assistenzsystemen und der nahtlosen digitalen Integration kann ihm derzeit kein britischer Konkurrent das Wasser reichen.

Fazit: Ein Flaggschiff für eine neue Zeit

Die neue Mercedes-Maybach S-Klasse der Baureihe Z223 demonstriert eindrucksvoll, dass wahrer Luxus heute nicht mehr allein über die schiere Zylinderanzahl definiert wird. Der erzwungene Abschied vom Zwölfzylindermotor in Europa schmerzt die Traditionsbewussten unter den Kunden zweifellos. Aber der hochmoderne V8-Biturbo M177 Evo mit seinen aufwendigen mechanischen Ausgleichswellen und der milden Hybridisierung fängt diesen Verlust in Sachen Leistungsentfaltung und Laufruhe nahezu perfekt auf.

Die wahre Stärke der neuen Generation liegt in ihrer unerschütterlichen Gelassenheit, die sie durch das Zusammenspiel von E-Active Body Control, exzellenter Schallisolierung und dem bahnbrechenden, innerstädtisch agierenden Assistenzsystem MB.Drive Assist Pro erreicht. Die totale Digitalisierung des Cockpits über den MBUX Superscreen und das neue Betriebssystem MB.OS mag im Detail kleine Kompromisse bei der klassischen Haptik verlangen. Dennoch bleibt dieser Maybach das unangefochtene Flaggschiff des Hauses Mercedes-Benz und ein rollendes Refugium, das den Begriff des luxuriösen Reisens für die kommenden Jahre technologisch und emotional neu definiert.