MG Cyberster Xpower 2025 - Bildnachweis: MOTORMOBILES
MG Leuchtturm im Segment der Elektroroadster
Der vollelektrische MG Cyberster kommt in einen Markt, in dem Cabriolets und klassische Roadster längst eine Nischenexistenz fristen. Herstellerinvestitionen konzentrieren sich auf SUVs, Limousinen und Crossover. Offene Zweisitzer sind schlichtweg selten geworden. In diesem Umfeld besetzt MG mit dem Cyberster bewusst eine auffällige Lücke. Ein elektrisch angetriebener, luxuriös ausgestatteter Roadster, der mehr Show und Emotion liefern kann, als viele andere aktuelle Elektroautos.

Der Cyberster beansprucht für sich, der erste serienmäßig produzierte rein elektrische Roadster zu sein und positioniert sich als Gran Turismo für offene Fahrfreude statt als kompromissloser Sportwagen. Technisch baut er auf der modularen MSP-Plattform des Konzerns auf, ist aber weit genug modifiziert, um klassische Roadster-Proportionen zu ermöglichen. Die technische Einordnung lautet: technisch ausgeklügelter E-Roadster mit klarer Gran-Turismo-Ausrichtung statt puristischem Leichtbau-Sportler. Wir hatten nun Gelegenheit den MG Cyberster Xtreme in München und dem Voralpenland zu fahren.

Die Plattform erlaubt eine flache 77 kWh-Batterie im Unterboden, was niedrigen Schwerpunkt und 50:50-Gewichtsverteilung ermöglicht. Gleichzeitig bringt die Batterie viel Gewicht mit, so dass der Cyberster zwar zu den schweren Roadstern zählt. Dafür aber mit tiefem Schwerpunkt. Echte Wettbewerber sucht man aktuell vergebens, denn elektrische Roadster werden kaum angeboten und die sportlichen Cabrio-Ikonen vom Schlage eines Audi TT Roadster sind längst eingestellt und die Elektroversion des Porsche 718 verzögert sich weiter. Selbst die angekündigten Modelle von Tesla und Polestar lassen weiter auf sich warten und versprechen deutlich höhere Preise. Damit spricht der MG Cyberster weniger die klassische Sportwagenkundschaft an als vielmehr ein progressives Publikum, das Freude an elektrisierter, offener Fahrkultur besitzt und Wert auf Design, Reichweite und moderne Technik legt.

Marke und Absatzentwicklung von MG Motor in Deutschland in einem Markt mit Seitwärtsbewegung
MG hat sich in den letzten Jahren als Anbieter erschwinglicher Elektroautos auf dem europäischen Markt etabliert. Die Marke, heute Teil der Saic-Gruppe, hat sich besonders im Kompakt-EV-Segment Marktanteile erarbeitet. Der Cyberster ist für MG weniger ein Volumenmodell als ein Markenpfeiler zur Imagepflege. Er soll zeigen, dass MG auch emotionale, designorientierte Fahrzeuge bauen kann. Für Deutschland trägt das Modell potenziell zur Profilierung bei, ist aber angesichts der Preisstellung oberhalb der klassischen MG-Volumenmodelle eher ein Prestige- als ein Absatzträger. Aus Absatzsicht ist zu beachten, dass der Cyberster nicht auf hohe Stückzahlen setzt, sondern auf Emotionalisierung der Marke. Insofern bewegt sich MG hier eher strategisch als volumenorientiert. Die 7-Jahres-Garantie auf Batterie und Antrieb ist für potentielle Käufer ein relevant positives Signal und verbessert die Gesamtkalkulation gegenüber vielen Wettbewerbern.

Exterieur-Design und Optik
Optisch ist der Cyberster eine starke, moderne Interpretation klassischer Roadsterproportionen. Langgezogene Motorhaube, weit nach hinten versetzte Kabine und das Kammback-Heck erzeugen sofort die erwartete emotionale Reaktion. Die markanten Scherentüren sind ein bewusstes Stilmittel und zugleich ein funktionales Element: sie öffnen überwiegend nach oben, benötigen seitlich weniger Platz und besitzen Sensorik, die das Anstoßen an niedrigen Decken verhindert.

Die Heckgestaltung mit einem ausgeprägten Diffusor und schmalen Pfeil-Rückleuchten im Union-Jack-Design unterstreicht den sportlichen Anspruch. Die Wirkung ist bei freier Betrachtung stärker als die technische Relevanz: Die Türen und das Design sind Aufmerksamkeitsmagneten, sorgen für virale Sichtbarkeit und sind Teil der Kaufmotivation für emotionale Kunden. Herstellerangaben zu Lackvarianten, Interieurfarben und Ausstattungsumfang untermauern das bewusst inszenierte Premiumbild des Modells.

Interieur
Der Innenraum gibt sich sportlich und wertig. Die Sitze bieten guten Langstreckenkomfort bei gleichzeitig ausreichendem Seitenhalt, die Sitzposition ist für einen Roadster relativ hoch. Das sorgt für bessere Übersicht, mindert aber das klassische niedrig-im-Auto-Gefühl, das Roadster-Puristen erwarten würden. Zwei Sportsitze mit Alcantara-Kunstleder bieten auch auf langen Etappen komfortablen Halt. Für wirklich große Fahrer ist der Roadster allerdings nicht gemacht. Immerhin finden Körpergrößen bis knapp 1,9 Metern auf dem Fahrerplatz eine angenehme Sitzposition. Die Ablagen sind clever dimensioniert. Das Cockpit orientiert sich stark am Fahrer, mit drei digitalen Anzeigen plus Touchscreen in der Mittelkonsole für Klima und weitere Einstellungen. Die dreigliedrige Bildschirm-Landschaft ist visuell reizvoll, erfordert aber Eingewöhnung: Die Navigation ist links platziert und teilweise vom Lenkrad verdeckt. Hier arbeitet MG bereits an einer Lösung. Apple CarPlay und Android Auto sind ebenfalls an Bord. Flottenmanager finden alle relevanten Fahrdaten schnell einsehbar, Privatkunden vermissen vielleicht ein Head-Up-Display. Die Connectivity ist solide, Sprachsteuerung versprechen den Alltag zu erleichtern.

Ablagefächer hinter den Sitzen und ein praktischer Kofferraum mit 249 Litern überzeugen bei Variabilität. Im Innenraum begegnet einem eine Materialauswahl, die auf hochwertige Haptik zielt, vielfach mit Kunstleder- und Velours-Anmutungen, teils mit Dinamica-Materialien, die recycelte Polyesterfasern verwenden. Die Optik und Haptik ist überzeugend, Lederbezüge und weiche Oberflächen dominieren, Kunststoffflächen sind häufig verkleidet. Die Verarbeitungsqualität wirkt solide und erstklassig verarbeitet. Spürbare Schwächen im Detail sind eher in der Ergonomie der Bedienung und nicht in der generellen Verarbeitungsqualität zu verzeichnen. MG ist aber dabei berechtigte Kundenanmerkungen sukzessive auszubauen. Die Verarbeitungsdichte an sichtbaren Flächen, die Passgenauigkeit von Verkleidungen und die Wahl von Akzentmaterialien vermitteln einen Anspruch über dem, was viele bei einer chinesischen Marke erwarten. Der Cyberster bleibt ein Zweisitzer, macht aber die im Roadster-Segment mögliche Praxisfreundlichkeit deutlich. Der Kofferraum von rund 249 Litern ist für Wochenendtouren brauchbar, hinter den Sitzen gibt es zusätzliche Ablagen, ein Frunk fehlt hingegen.

Die Anordnung des Cockpits ist stark fahrerorientiert: Drei Displays um den Fahrer sowie ein zusätzliches Display in der Mittelkonsole ordnen Instrumente, Navigation und Komfortfunktionen so an, dass der Fahrer schnell relevante Informationen findet. Allerdings verdeckt der Lenkradkranz Teile der seitlichen Displays, sodass in der Praxis Kopfbewegungen nötig sind, um Navigation oder Detailinformationen voll zu erfassen. Die Bildschirme reagieren zwar nicht immer so performant und geschmeidig, wie wünschenswert. Die Touch-Responsiveness kann zu wiederholtem Tippen führen. Apple CarPlay und Android Auto sind integriert. Bedienlogik und Ergonomie punkten auf jeden Fall mit einer emotionalen und gelungenen Bildschirmästhetik.

Antrieb, Effizienz und Verbrauch sowie Laden
Der Cyberster wird in zwei Varianten angeboten. Die Basisvariante verfügt über einen hinteren Permanent-Magnet-Synchronmotor mit etwa 250 kW (340 PS) und 475 Nm, die von uns gefahrene Topvariante Xpower nutzt zwei Permanent-Magnet-Synchronmotoren (vorne 150 kW, hinten 250 kW laut Herstellerkonfiguration) mit einer Systemleistung von 375 kW (510 PS) und 725 Nm. Die Folge ist ein sprintstarker Zweisitzer: Den Null-Hundert-Paradesprint erledigt der über zwei Tonnen schwere Roadster in sportlichen 3,2 Sekunden. Der Cyberster mit Singlemotor benötigt dazu schon 5,1 Sekunden. Die meisten Kunden entscheiden sich übrigens für die Dualmotor-Variante (Xpower).

Die Höchstgeschwindigkeit der Dualmotor-Version beträgt 200 km/h. Die Leistungsdaten sind beeindruckend und legitimieren die Positionierung als Gran Turismo. Die Batterie ist eine Nickel-Kobalt-Mangan-Zelle (NCM) mit einer Bruttoenergie von 77,0 kWh und einer nutzbaren Nettokapazität von 74,4 kWh. Die WLTP-Angaben versprechen 507 km Reichweite für die Single-Motor-Variante und 443 km für die von uns gefahrene Dual-Motor-Xpower-Variante. Der kombinierte Verbrauch gemäß WLTP beträgt 19,1 kWh/100 km (Xpower). Die reale Praxis zeigt höhere Verbräuche, besonders bei offenem Verdeck und sportlicher Fahrweise. Wir hatten einen kombinierten Verbrauch zwischen 17 und 25 kWh/100 km unter unterschiedlichen Bedingungen zu verzeichnen. Für die Praxis bedeutet das: bei normaler, kombinierte Nutzung sind 300 bis 450 km realistisch abhängig vom Fahrerprofil, Außentemperatur und Anteil offener Fahrt.

Die Ladeleistung gibt der Hersteller mit maximal 144 kW DC an. Die dreiphasige AC-Ladeleistung beträgt 11 kW. Die Ladekurve deutet an, dass ab etwa 50 bis 55 Prozent SoC die maximale Ladeleistung deutlich absinkt, sodass der Ladehub von 10 bis 80 Prozent in der Größenordnung von rund 30 bis 40 Minuten realistisch sind. Flottenplaner und Fuhrparkmanager sollten daraus ableiten, dass der Cyberster im Schnellladefall brauchbare, aber nicht herausragende DC-Ladezeiten bietet. Für kurze Ladezeiten zwischen Etappen ist das ausreichend, für intensive Schnellladezyklen ist die Spitze von 144 kW bzw 2C eher Mittelklasse. Die AC-Leistung von 11 kW ist für Übernachtladungen in Flottenumgebungen in der Regel ausreichend, aber langsamer als manch kompakteres Fahrzeug mit 22 kW Onboard-Charger.

Fahrwerk und Fahreigenschaften
Die Fahrwerksarchitektur kombiniert Doppelquerlenker vorne mit Fünflenker-Hinterachse und setzt auf eine fein abgestimmte Balance zwischen Sportlichkeit und Komfort. Die Ingenieure haben den Cyberster eher in Richtung langstreckentauglichem Gran Turismo abgestimmt als auf kompromisslose Rennstrecken-Performance. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das in Kurven souverän, aber nicht extrem direkt reagiert.

Lenkung und Vorderachse könnten noch etwas mehr Biss und Rückmeldung bieten, die Federung ist komfortorientiert, kann auf schlechten Straßen aber zu gewissen Unruhen führen. Die hohe Batterie-Masse ist spürbar, das Fahrzeug wiegt knapp an oder über 1,9 bis 2,0 Tonnen je nach Version, was die Agilität limitiert, aber für die Klasse nicht überraschend ist.

Auf der Straße vermittelt der Cyberster viel Spaß, die Traktion ist hervorragend, die ESP-Eingriffe vergleichsweise früh und restriktiv, was dem Sicherheitsgefühl dient, aber Fahrenthusiasten teilweise die gewünschten Freiheiten hemmt. In der Praxis passt das gut zur angestrebten Kundengruppe. Für die reinrassige Sportwagennische fehlen Feinabstimmungen und ein radikaler Leichtbauansatz.

Technische Daten MG Cyberster Xpower
Hersteller: MG / SAIC
Karosserie: Roadster 2-sitzig
Motor: 150 kW an der HA,
250 kW an der VA
Antrieb Allradantrieb
System-Leistung: 375 kW / 510 PS
Drehmoment (VA): 250 Nm
Drehmoment (HA): 475 Nm
Drehmoment (System): 725 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h (abgeregelt)
Beschleunigung (0-100 km/h) in s 3,2 Sekunden
CO2-Ausstoß (NEFZ/WLPT): 0 g/km
Batterietyp: Lithium NCM ( Nickel-Kobalt-Mangan)
Batteriespannung: 395 Volt
Speicherkapazität 77,0 kWh brutto / 74,4 kWh (netto)
Normverbrauch in kWh (WLTP): 19,1 kWh /100 km
Reichweite kombiniert: 443 km (WLTP)
Schnellladeleistung (max.): Max. 144 kW DC
Schnellladezeit DC (Ladezeit 10% auf 80%): 26 min
Maximale Leistung des Bordladegeräts: 11 kW
Vehicle-to-load (V2L): Bis 2.5 kW
Bodenfreiheit (unbeladen / beladen): 115,6/105,6 mm
Leergewicht: 2.060 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 2.210 kg
Zuladung: 150 kg
Kofferraumvolumen: 249 Liter
Gepäckraumvolumen Front (Frunk): k.A.
Bereifung: 245/40 R20
Bremsen: Brembo (365/33 mm VA und 356/25 mm HA)
Länge/Breite/Höhe m. Dachträger/Radstand 4.535/1.1913/1.329/2.690 mm
Fahrzeug- und Batteriegarantie: 7 Jahre / 150.000 km auf Batterie und Motor.
Preis: Ab 69.990 Euro zzgl. ggf. Sonderlackierung 1.000 Euro zzgl. Transportkosten 1.250 Euro
Preise und Extras
MG listet die unverbindlichen Preise mit einer Basis von 64.990 Euro für die Single-Motor-Variante und 69.990 Euro für die Xpower-Variante. Sonderlackierungen werden mit rund 1.000 Euro berechnet. Die Überführungskosten werden bei MG als Transportkosten mit 1.250 Euro angesetzt. Die Serienausstattung ist umfassend, zu den Extras zählen individualisierbare Lackierungen, Interior-Farben und teils optionale Assistenzpakete.

Für Privatkunden ergibt sich damit ein Preisgefüge, das für die gebotene Leistung attraktiv erscheint. Für Dienstwagenfahrer sind neben Anschaffungspreis, Restwert-Prognose und Garantie vor allem Wartungsintervalle, Verfügbarkeit von Service und mögliche Subventionen oder steuerliche Effekte bei repräsentativen oder Marketing-Fahrzeugen zu berücksichtigen. Die 7-Jahres-Garantie auf Batterie und Antrieb ist ein klares Argument für langfristige Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen.

Britische Proportionen, chinesische Power und alltagstaugliche Reichweite
Der MG Cyberster ist ein bemerkenswertes Produkt: Der E-Roadster füllt faktisch eine Nische, die lange unbeachtet blieb. Und der Cyberster kombiniert klassisch inspirierte Roadster-Proportionen mit moderner E-Technik. Für emotionale Käufer und Image-bewusste Flotten ist der Cyberster ein starkes Angebot. Technisch überzeugt das Konzept durch eine starke Antriebsvariante, solide Reichweitenwerte auf dem Papier und eine brauchbare Ladearchitektur. In der Praxis reduzieren Faktoren wie offenes Fahren, Außenbedingungen und sportlicher Einsatz die Reichweite und erhöhen den Verbrauch gegenüber WLTP-Angaben. Die Ladekurve ist okay – aber in dem Preissegment nicht Stand der Möglichkeit. Die Bedienung des Infotainments ist funktional, die UX ist fahrerzentriert, jedoch noch nicht perfekt in Sachen Ergonomie und Reaktionsgeschwindigkeit. Die Haptik und Materialauswahl sind insgesamt positiv, die Fahrwerksabstimmung zielt klar auf eine komfortorientierte Gran-Turismo-Charakteristik statt auf das kompromisslose Sportmonstrum. Die hochklappenden Scherentüren und das Design sind starke Alleinstellungsmerkmale, die Kaufentscheidungen maßgeblich beeinflussen können. Für Privatkunden ist der Cyberster ein emotionales Angebot mit relativ gutem Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu klassischen Sportwagen. Die 7-Jahres-Garantie und die preisliche Positionierung sind weitere positive Faktoren, die in die Kalkulation einfließen. Insgesamt ist der MG Cyberster ein gelungenes, in sich stimmiges Produkt mit klaren Stärken in Design und Beschleunigung sowie mit abwägbaren Schwächen bei Gewicht, Bedienergonomie und Ladeverhalten.

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