Mitsubishi Eclipse Cross - 2025 - Bildnachweis: Mitsubishi
Überraschendes Comeback: der neue Mitsubishi Eclipse Cross nur noch elektrisch
Man hätte es vor ein paar Jahren kaum für möglich gehalten, dass ausgerechnet Mitsubishi, eine Marke, die in Europa trotz langer Geschichte zuletzt eher zurückhaltend agierte, nun mit einem vollelektrischen Kompakt-SUV in die Offensive geht. Aber der neue Eclipse Cross, künftig ausschließlich mit Elektroantrieb verfügbar, soll genau diesen Neustart markieren. Und er tut das nicht leise, sondern mit einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern, einem eigenständig entwickelten Design für den europäischen Markt und einem umfangreichen Technikpaket, das den Anschluss an die Konkurrenz wiederherstellen soll.

Ein Schritt zurück – und jetzt nach vorn
Deshalb erinnert der Eclipse Cross auch ein wenig an den Mut, den Mitsubishi mit dem i-MiEV bereits 2009 gezeigt hatte. Damals galt der kleine Stromer als Pionier, wurde aber wegen Reichweite, Preis und Alltagstauglichkeit bald von anderen Herstellern überholt. Seitdem verharrte die Marke hierzulande eher im Schatten, rettete ihr Geschäft über Kooperationen innerhalb der Allianz mit Renault und Nissan. Dass jetzt wieder ein komplett eigenes Elektro-SUV präsentiert wird, zeigt, dass Mitsubishi den europäischen Markt noch nicht aufgegeben hat.
Dimensionen und Design
Mit 4,47 Metern Länge, 1,86 Metern Breite und 1,57 Metern Höhe ordnet sich der neue Eclipse Cross ins stark umkämpfte Segment der Kompakt-SUVs ein, also genau dort, wo auch VW ID4, Hyundai Ioniq 5, Kia EV5 oder das Tesla Model Y ihre größten Stückzahlen machen. Die Formensprache setzt auf klare Kanten, eine betont robuste Front im sogenannten Dynamic Shield 2.0-Design und ein auffälliges sechseckiges Motiv am Heck. Aber während Wettbewerber immer stärker auf stromlinienförmige Silhouetten setzen, bleibt der Mitsubishi optisch näher am klassischen SUV-Ideal – ein Signal an jene Kunden, die mit zu futuristischen Formen weniger anfangen können. Die Anmutung wirkt solide, fast kantig. Ob das genug Differenzierung ist, muss erst der Markt zeigen.

Innenraum zwischen Pragmatik und Showeffekt
Im Cockpit setzt Mitsubishi auf eine Mischung aus vertrauter Bedienstruktur und moderner Digitalisierung. Ein 12,3 Zoll großes Zentraldisplay ergänzt das ebenfalls 12,3 Zoll messende Instrumentendisplay. Google-Dienste wie Maps, Assistant und Play sind ab einer gehobenen Ausstattung fest integriert. Android Auto und Apple CarPlay gibt es immer, teils sogar kabellos. Praktisch wirkt die Möglichkeit, Geräte induktiv mit 15 Watt zu laden, auch wenn das nur in höheren Ausstattungen angeboten wird. Überzeugen kann die großzügige Variabilität im Fond: 478 bis 1.670 Liter Ladevolumen sind ein guter Wert für diese Klasse.

Die Materialien im Innenraum wirken hochwertiger als bei den bisherigen Verbrennern der Marke, das optionale elektrochrome Glasdach verleiht ein luftiges Raumgefühl. Allerdings drängt sich die Frage auf, ob Mitsubishi mit 48-farbiger Ambientebeleuchtung und Premium-Soundsystem von Harman Kardon nicht mehr auf spektakuläre Effekte setzt als auf schlicht funktionale Alltagslösungen.
Technik und Reichweite
Der Antrieb basiert auf der Allianz-Plattform CMF-EV, die auch bei Renault Ariya oder Nissan Ariya zum Einsatz kommt. Für den Start bietet Mitsubishi eine 87 kWh-Batterie, die nach internen Angaben bis zu 600 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Aber noch fehlen die finalen WLTP-Werte. Erfahrungsgemäß dürfte sich die alltagsnahe Reichweite eher bei 450 bis 500 Kilometern einpendeln – ein solider Wert, aber nichts, was die Konkurrenz nicht auch beherrscht. 2026 folgt eine kleinere Batterievariante, die günstigere Einstiegspreise ermöglichen soll.

Der Elektromotor bringt 160 kW auf die Vorderräder, was einer Leistung von knapp 218 PS entspricht. Das genügt, um den 1,8 Tonnen schweren Wagen in 8,4 Sekunden auf 100 km/h zu beschleunigen. Die Spitze liegt bei 170 km/h, was für Autobahnfahrten akzeptabel, aber keine Spitzenleistung ist. Beim Laden zeigt sich der Eclipse Cross ebenfalls solide: 11 kW AC sind Standard, optional gibt es 22 kW, und am DC-Schnelllader sollen bis zu 150 kW möglich sein. Damit dürfte die 87-kWh-Batterie in rund 30 Minuten auf 80 Prozent geladen werden, allerdings hängt dies stark von der Ladesäuleninfrastruktur ab.
Fahrassistenzsysteme und Sicherheit
Bei den Assistenzsystemen bietet Mitsubishi nahezu das volle Programm, das man heute in dieser Klasse erwarten darf: adaptiver Tempomat mit Stop&Go, Spurführung, Notbremsassistenten, 360-Grad-Kameras, automatisches Einparken und Rückwärts-Notbremsfunktion. Dazu sieben Airbags und ein spezielles Batteriegehäuse zur Crashsicherheit. Neu ist ein teilautomatisiertes System namens MI-Pilot, das immer wieder den Vergleich zum „Highway Pilot“ anderer Hersteller provoziert. Aber während Tesla oder Mercedes in diesem Punkt bereits weiter sind, bleibt Mitsubishi noch auf mittlerem Niveau. Für den Fahrer bedeutet das: nützliche Entlastung auf der Autobahn, aber weit entfernt von echtem Autopilot-Feeling.

Preise und Marktstart in Deutschland
Aber besonders spannend wird die Frage nach dem Preis. Für Deutschland hat Mitsubishi bislang keine offiziellen Angaben gemacht. Beobachter rechnen jedoch mit einem Einstieg bei etwa 45.000 bis 47.000 Euro für die Basisversion mit kleiner Batterie im Jahr 2026. Die 87 kWh-Variante dürfte zum Start ab Ende 2025 deutlich darüber liegen und in der Nähe von 55.000 bis 58.000Euro angesiedelt werden. Damit wäre der Eclipse Cross etwas günstiger als ein Tesla Model Y, aber teurer als ein VW ID.4 mit ähnlicher Batteriekapazität. Deshalb wird der Erfolg dieses Modells stark davon abhängen, welche Ausstattung Mitsubishi in die deutschen Basisversionen legt und wie stark sich die Autos im Leasing wiederfinden.
Garantie als Wettbewerbsfaktor
Ein wichtiger Pluspunkt ist das Garantiepaket: acht Jahre oder 160.000 Kilometer auf die Batterie sowie bis zu acht Jahre Gesamtschutz. Zusammen mit zwölf Jahren Rostschutz und bis zu zwanzig Jahren Pannenhilfe setzt Mitsubishi hier ein Statement. Für viele Käufer, die bei einer Marke mit kleinerem Marktanteil in Deutschland noch zögern, könnte genau das den Ausschlag geben. Aber die Frage bleibt, ob die Händlernetze vor Ort in der Breite bereitstehen, um Service und Wartung dauerhaft sicherzustellen.

Einordnung im Wettbewerb
Deshalb lässt sich der neue Eclipse Cross als Startschuss für die Rückkehr von Mitsubishi in die europäische Liga der relevanten Marken sehen. Doch während die technische Basis solide wirkt, stehen Markenumfeld und Konkurrenzdruck im Weg. Volkswagen, Hyundai, Kia und Tesla haben längst starke Positionen. Mitsubishi muss beweisen, dass der Eclipse Cross nicht nur eine späte Reaktion auf den Trend ist, sondern eine ernsthafte Alternative. Und genau daran wird sich entscheiden, ob dieses Modell ein Meilenstein oder nur eine respektable Randnotiz bleibt.

Ähnliche Berichte
Jenseits von Stellantis: Wie Leapmotor die europäische Oberklasse hausfordert
Der Rüsselsheimer Zeitraffer: Wie Opel mit China-Power das C-Segment elektrisieren möchte
Imperium schlägt zurück: Neuer Rundenrekord des Porsche Taycan Turbo GT auf der Nordschleife: 6:55 Minuten