MOTORMOBILES

Das Automagazin im Internet

Neuer KGM Musso und die Langversion Musso Grand rollen nach Deutschland

KGM Musso - Bildnachweis: KGM

Totgesagte leben länger: Wie KGM mit dem neuen Musso den deutschen Pick-up-Markt aufmischen will

Ein Pick-up aus Südkorea, der mit hergebrachten Marken-Vorbehalten aufräumt, könnte sich klammheimlich zum gefährlichsten Gegner für die etablierte Konkurrenz entwickeln. Während Platzhirsche wie der Ford Ranger oder der Toyota Hilux preislich immer weiter in Richtung Premium-Sphären abdriften, schickt sich die hierzulande noch weitgehend unbekannte Marke KGM an, das Segment der nützlichen Pritschenwagen von unten aufzurollen. Unter dem neuen Namen KG Mobility, der die Nachfolge der traditionsreichen, aber oft glücklosen Marke SsangYong antritt, rollen ab sofort der grundlegend überarbeitete Musso und seine extralange Version Musso Grand zu den deutschen Händlern. Mit einem geschärften Design, tiefgreifenden technologischen Updates im Cockpit und unveränderten Nehmerqualitäten im Alltag verspricht der südkoreanische Hersteller einen echten Alleskönner für Gewerbe und Freizeit. Doch hinter der glänzenden Fassade der neuen Designphilosophie steht ein technisches Konzept, das sich im harten Alltag beweisen und kritischen automobilen Augen standhalten muss. Deshalb lohnt sich eine detaillierte technische Sektionierung dieses Allradlers, um die echten Stärken und die unvermeidbaren Schwächen dieses interessanten Importguts herauszuarbeiten.

Strategische Neuausrichtung: Die Flucht nach vorn im deutschen Vertrieb

Die Markteinführung des neuen Musso fällt in eine Phase tektonischer Verschiebungen hinter den Kulissen des Herstellers. Unter der Leitung des neuen Deutschland-Chefs BK Lee steuert das Unternehmen seine Aktivitäten künftig direkt vom neuen Standort in Eschborn aus. Dieser Schritt soll nicht nur die Margen optimieren, sondern auch den direkten Draht zu den Händlern und Endkunden intensivieren, um schneller auf die spezifischen Anforderungen des anspruchsvollen deutschen Marktes reagieren zu können.

KGM Musso und Musso Grand – Bildnachweis: KGM

Für den Käufer eines Fahrzeugs von KGM bedeutet diese Umstrukturierung zwar ein Stück weit Ungewissheit bezüglich des Übergangs der Service- und Garantie-Abwicklung, doch KGM versucht diese Zweifel mit einer weitreichenden Fünf-Jahres-Garantie bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern inklusive einer europaweiten Mobilitätsgarantie proaktiv zu zerstreuen. Es ist ein klares Signal an die gewerbliche Kundschaft: Man meint es ernst mit dem Qualitätsversprechen und will sich als verlässlicher Partner etablieren, während man gleichzeitig die Weichen für eine zunehmend elektrifizierte Fahrzeugpalette stellt.

Karosserie und Nutzwert: Zentimeterarbeit für maximale Ladekapazität

Optisch legt der neue Jahrgang des Musso jegliche fernöstliche Verspieltheit ab und setzt auf eine maskuline, geradlinige Präsenz, die dem europäischen Geschmack deutlich besser entsprechen dürfte. Abgesehen von Dach und Türen wurden sämtliche Karosserieteile neu gestaltet, was dem Fahrzeeug einen stämmigen und selbstbewussten Auftritt beschert. Die Front wird von einem massiven Kühlergrill dominiert, der durch ein modernes, segmentiertes LED-Band mit den LED-Tagfahrleuchten verbunden wird.

In der Praxis entscheidet vor allem die Wahl des Radstands über den Einsatzzweck. Der Standard-Musso misst 5,10 Meter in der Länge bei einem Radstand von 3,10 Metern. Deutlich imposanter tritt der Musso Grand auf, der mit einer Gesamtlänge von 5,46 Metern und einem Radstand von 3,21 Metern zu den größten Vertretern seiner Zunft gehört. Dieser Längenzuwachs von 31 Zentimetern kommt in vollem Umfang der Pritsche zugute, die beim Grand auf beachtliche 1,61 Meter anwächst, während das Standardmodell mit 1,30 Metern Ladelänge auskommen muss. Die Breite der Ladefläche beträgt bei beiden Modellen 1,57 Meter, gemessen ohne den Abzug der Radhäuser, was das Querladen von Euro-Paletten theoretisch ermöglicht. Mit einer Bordwandhöhe von 57 Zentimetern ergibt sich für den Musso Grand ein großzügiges Ladevolumen von bis zu 1262 Litern.

Praktische Details wie die in den hinteren Stoßfänger integrierten Trittstufen erleichtern den Zugang zur Pritsche erheblich. Zudem wurde die Anzahl der Verzurrösen von ehemals vier auf acht verdoppelt, was die Ladungssicherung von schweren Gütern im Alltag ungemein erleichtert. Eine serienmäßige LED-Laderaumbeleuchtung sorgt zudem dafür, dass auch bei nächtlichen Einsätzen auf der Baustelle oder im Forst stets optimale Sichtverhältnisse herrschen.

Technische Spezifikationen und Modellvergleich

Um die dimensionalen und kapazitären Unterschiede zwischen dem KGM Musso und seiner Langversion Musso Grand präzise zu verdeutlichen, bietet die folgende Gegenüberstellung eine detaillierte Übersicht über die wichtigsten fahrzeugtechnischen Kennwerte der neuen Modellgeneration.

Der Antriebsstrang: Ein robuster Dieselmotor mit zwei Charakteren

Unter der Haube des KGM Musso arbeitet ein alter Bekannter, der im Zuge der Modellpflege gründlich für die strengen europäischen Abgasnormen nach Euro 6e fit gemacht wurde. Der 2,2 Liter große e-XDi-Vierzylinder-Turbodiesel leistet 148 Kilowatt, was exakt 202 PS bei 3800 Umdrehungen pro Minute entspricht. Doch bei der Kraftübertragung spaltet sich der Charakter des Motors spürbar auf.

Wer sich für das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe entscheidet, erhält ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern, das in einem vergleichsweise schmalen Drehzahlband zwischen 1800 und 2.800 Umdrehungen bereitsteht. Deutlich harmonischer präsentiert sich das Triebwerk in Verbindung mit der Sechsstufen-Automatik von Aisin, die in der gehobenen Ausstattungslinie serienmäßig verbaut wird. In dieser Konfiguration klettert das maximale Drehmoment auf 441 Newtonmeter und liegt bereits bei sehr frühen 1.600 Umdrehungen pro Minute an, was dem schweren Pick-up spürbar mehr Elastizität beim Anfahren verleiht.

Deshalb ist das Automatikgetriebe auch die zwingende Voraussetzung, wenn das volle Potenzial als Zugfahrzeug ausgeschöpft werden soll. Nur mit der Wandlerautomatik darf der Musso die maximale Anhängelast von 3.500 Kilogramm an den Haken nehmen, während die handgeschalteten Versionen je nach Zulassungsart oft auf 2.600 bis 3.000 Kilogramm limitiert sind.

Auf der Straße benimmt sich der Selbstzünder dank einer aufwendigen Dämmung des Motorraums und einer akustischen Windschutzscheibe überraschend zivilisiert. Der Motor grummelt im Teillastbereich dezent im Hintergrund, und auch Vibrationen im Innenraum glänzen weitgehend durch Abwesenheit. Aber die Kehrseite der robusten Triebwerkstechnik zeigt sich an der Zapfsäule. Ein kombinierter WLTP-Verbrauch von 8,9 bis 9,4 Litern für die Kurzversion und bis zu 9,7 Litern für den Musso Grand sind in Zeiten hocheffizienter Mildhybride kein Ruhmesblatt mehr. Unter realer Belastung oder im Anhängerbetrieb knackt der Durst des Allradlers mühelos die Zehn-Liter-Marke, was im Zusammenspiel mit den CO2-Emissionen von bis zu 254 Gramm pro Kilometer zu einer spürbaren Belastung der jährlichen Kfz-Steuer führt.

Fahrwerkstechnik: Zwischen Federungskomfort und harter Maloche

Ein genauerer Blick unter das Fahrzeug offenbart die konstruktiven Unterschiede, die den Musso von seinen Wettbewerbern abheben. KGM beschreitet hier einen zweigleisigen Weg, um sowohl Komfortsuchende als auch gewerbliche Hardliner anzusprechen. Standardmäßig sind beide Längenversionen an der Hinterachse mit einer fünffach gelagerten Einzelradaufhängung samt Schraubenfedern bestückt. Dieses Konstruktionsprinzip soll für einen Pkw-ähnlichen Federungskomfort sorgen, was dem Musso auf gut ausgebauten Landstraßen auch tatsächlich gelingt. Hier rollt der Pick-up geschmeidig ab und schluckt lange Wellen souverän weg.

Aber sobald die Straße schlechter wird und kurze, harte Querfugen oder Frostaufbrüche das Fahrwerk fordern, neigt die unbeladene Hinterachse zu dem für diese Fahrzeugklasse typischen, leicht hölzernen Trampeln. Deshalb bietet KGM den Musso Grand in der Basisausstattung Core alternativ mit einer klassischen Starrachse und robusten Blattfedern an. Diese rustikale Konstruktion büßt zwar ein spürbares Maß an Komfort im unbeladenen Zustand ein und neigt auf welligem Asphalt zu deutlichen Karosseriebewegungen, belohnt den Nutzer jedoch mit einer kompromisslosen Dauerhaltbarkeit uind einer um 200 Kilogramm gesteigerten Zuladung.

Für den harten Einsatz abseits befestigter Wege setzt KGM auf einen soliden Quad-Frame-Leiterrahmen, der eine hervorragende Verwindungssteifigkeit garantiert. Im Gelände erweisen sich die erhöhte Bodenfreiheit von bis zu 248 Millimetern und der exzellente Rampenwinkel von 30,9 Grad als echte Lebensretter auf tiefen Spurrillen. Der zuschaltbare Allradantrieb lässt sich über einen griffigen Drehschalter aktivieren und verteilt die Kraft starr zu gleichen Teilen auf die Vorder- und Hinterachse. Für steile Kletterpassagen steht zudem eine Geländeuntersetzung bereit.

Eine kritische Betrachtung verdient jedoch die Funktionsweise der Hinterachssperre. KGM verbaut serienmäßig ein automatisches Sperrdifferenzial, das bei einer Drehzahldifferenz zwischen den Hinterrädern mechanisch verriegelt. Dieses System arbeitet rein reaktiv. Das bedeutet, dass ein Rad erst ein Stück weit durchdrehen und somit Traktion verlieren muss, bevor die mechanische Sperre schlagartig eingreift. Für extreme Offroad-Enthusiasten, die eine manuelle, per Knopfdruck zuschaltbare Differenzialsperre zur präventiven Vermeidung von Schlupf bevorzugen, ist dies ein spürbarer Nachteil. Im normalen Alltagsbetrieb und auf nassen Wiesen oder verschneiten Waldwegen verrichtet das System seine Arbeit jedoch vollautomatisch und nimmt dem Fahrer jegliche Denkarbeit ab, was für die breite Masse der Käufer die sicherere Lösung darstellt.

Ein deutliches Defizit zeigt sich zudem bei der maximalen Wattiefe. Während moderne Wettbewerber wie der Isuzu D-Max oder der Ford Ranger Wassertiefen von bis zu 800 Millimetern durchschreiten können, liegt die vertretbare Grenze beim Musso konstruktionsbedingt deutlich niedriger, was bei extremen Hochwassereinsätzen oder tiefen Flussdurchquerungen im Hinterkopf behalten werden muss.

Interieur und Digitalisierung: Das Cockpit im Detail

Der Innenraum des neuen KGM Musso präsentiert sich als gelungene Synthese aus moderner Ergonomie und robustem Nutzwert. Beim ersten Platznehmen fällt sofort das neu gestaltete Dreispeichen-Multifunktionslenkrad auf, das gut in der Hand liegt und die wichtigsten Steuerungselemente logisch bündelt. Das digitale Kombiinstrument hinter dem Lenkrad misst 12,3 Zoll und überzeugt mit einer gestochen scharfen Darstellung sowie einer übersichtlichen Menüführung. Direkt daneben thront das ebenso große Infotainment-Display, das die kabellose Einbindung von Smartphones via Apple CarPlay und Android Auto im Handumdrehen erledigt.

Trotz der fortschreitenden Digitalisierung hat der Hersteller glücklicherweise darauf verzichtet, sämtliche Funktionen in Untermenüs zu verbannen. Die Zwei-Zonen-Klimaautomatik wird über eine separate, haptisch gut ertastbare Bedieneinheit in der Mittelkonsole gesteuert, was die Ablenkung während der Fahrt minimiert. Die Materialauswahl im Cockpit hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Während im oberen Sichtbereich unterschäumte Kunststoffe und feine Ziernähte eine fast wohnliche Atmosphäre schaffen, dominiert im unteren Bereich und an den Türverkleidungen robustes, aber kratzempfindliches Hartplastik, das sich jedoch leicht reinigen lässt.

Die Platzverhältnisse für die Passagiere sind dank der serienmäßigen Doppelkabine hervorragend. Selbst im Fond finden drei Erwachsene ausreichend Kniefreiheit vor, und die Rückenlehne der Fondbank lässt sich um bis zu 27 Grad neigen, was auf längeren Strecken für eine entspannte Sitzposition sorgt. Zwei zusätzliche USB-C-Anschlüsse im Fond stellen zudem die Stromversorgung der mobilen Endgeräte der Mitreisenden sicher.

Ausstattungsvarianten und Preisgestaltung im deutschen Markt

Der KGM Musso wird in Deutschland in zwei klar voneinander abgegrenzten Ausstattungslinien angeboten, deren Preisgestaltung im direkten Konkurrenzvergleich als äußerst aggressiv bezeichnet werden kann. Die Basisversion trägt den Namen Core und startet bei 40.990 Euro für den kurzen Radstand, während der Musso Grand Core ab 42.490 Euro in der Preisliste steht. Bereits in dieser Einstiegsvariante gehören ein Sperrdifferenzial an der Hinterachse, Einparkhilfen vorne und hinten, eine Rückfahrkamera und das komplette digitale Cockpit inklusive Navigationssystem zum Serienumfang.

Wer mehr Luxus und Komfort wünscht, greift zur Ausstattungslinie Lux, die für den Musso ab 49.490 Euro und für den Musso Grand ab 50.990 Euro erhältlich ist. In dieser Topversion zieht ein hohes Maß an Komfort in den Pick-up ein. Neben der serienmäßigen Sechsstufen-Automatik verwöhnt die Lux-Ausstattung ihre Insassen mit elektrisch verstellbaren, beheizbaren und belüfteten Vordersitzen, einer edlen Lederausstattung und einer atmosphärischen Ambientebeleuchtung. Auch das Sicherheitsniveau wird hier nochmals deutlich angehoben. Ein Totwinkelassistent, ein Querverkehrswarner beim Rückwärtsfahren und ein adaptiver Tempomat gehören ebenso zum Paket wie das praktische 360-Grad-Kamerasystem, das die direkte Fahrzeugumgebung aus der Vogelperspektive abbildet und das Zentimeter-Manövrieren in engen Passagen erheblich erleichtert.

Diese Preisgestaltung ist ein gewichtiges Argument im Vergleich zur Konkurrenz. Während ein vergleichbar ausgestatteter Ford Ranger mit Doppelkabine und V6-Diesel die 59.000-Euro-Marke spielend reißt, bleibt der KGM Musso selbst in der luxuriösen Vollausstattung ein ganzes Stück unter der magischen 52.000-Euro-Grenze, was ihn insbesondere für preisbewusste Gewerbetreibende und Privatkäufer zu einer hochattraktiven Alternative macht.

Fazit und kritische Würdigung

Der neue KGM Musso und seine Langversion Musso Grand präsentieren sich als rundum ausgereifte und technisch ehrliche Nutzfahrzeuge, die den Spagat zwischen robustem Arbeitstier und komfortablem Alltagsbegleiter erstaunlich gut meistern. Die optische Schärfung steht dem Pick-up hervorragend, und das modernisierte Cockpit holt den Koreaner technologisch ins Hier und Jetzt.

Dennoch sollten potenzielle Käufer die technischen Details genau abwägen. Der durstige 2,2-Liter-Dieselmotor ist zwar ein treuer und kräftiger Geselle, verlangt jedoch an der Tankstelle und bei der Kfz-Steuer seinen Tribut. Auch das reaktive automatische Sperrdifferenzial und die im Konkurrenzvergleich geringere Wattiefe schränken den extremen Offroad-Einsatz ein Stück weit ein.

Wer jedoch einen zuverlässigen Zugwagen für schwere Lasten sucht, die Vorzüge einer riesigen Ladefläche zu schätzen weiß und gleichzeitig das Budget im Auge behalten muss, findet im neuen KGM Musso ein Paket vor, das in puncto Preis-Leistungs-Verhältnis derzeit im deutschen Markt seinesgleichen sucht. Der Wechsel des Importeurs hin zu einer Direktoperation mag im ersten Moment für Unsicherheit sorgen, doch die großzügige Garantie von fünf Jahren fängt dieses Risiko effektiv auf und unterstreicht den hohen Qualitätsanspruch der Marke.