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Vollelektrischer Kleinwagen zur richtigen Zeit: Nissan Micra Advance (Modelljahr 2026) im Kurztest

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest - Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Marktsegment und Technische Einordnung des Nissan Micra Advance

Die europäische Automobillandschaft erlebt im Modelljahr 2026 einen tiefgreifenden Wandel, bei dem hocheffiziente und bezahlbare Elektrofahrzeuge im B-Segment eine zentrale Rolle für das Erreichen der Flottenemissionsziele einnehmen. In diesem anspruchsvollen Marktumfeld vollzieht der japanische Automobilhersteller Nissan mit der sechsten Generation des etablierten Namensschilds Micra eine radikale Neuausrichtung. Vor einem halben Jahr eingeführt hatten wir nun in Düsseldorf die Gelegenheit den Wagen kurz zu testen.

Der kompakte Micra verzichtet vollständig auf konventionelle Verbrennungsmotoren und tritt ausschließlich als batterieelektrisches Fahrzeug (BEV) an. Dieser Strategiewechsel ist fester Bestandteil des globalen Transformationsplans The Arc. Diese Konzernstrategie sieht vor, bis zum Ende des Geschäftsjahres 2026 weltweit 30 neue Modelle auf den Markt zu bringen, wovon 16 Modelle über einen elektrifizierten Antrieb verfügen. Ziel dieser Produktoffensive ist es, den weltweiten Absatz um eine Million Einheiten zu steigern und gleichzeitig eine operative Gewinnmarge von mehr als sechs Prozent abzusichern. Für den europäischen Markt strebt Nissan bis 2026 einen Elektroanteil von 40 Prozent am Gesamtabsatz an. Der neue Micra dient dabei neben der dritten Generation des Leaf und dem für 2026 angekündigten elektrischen Juke als zentraler Träger dieser Modellstrategie.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

In Deutschland und Europa konzentriert sich die Vertriebsausrichtung von Nissan darauf, Synergien innerhalb der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz konsequent zu nutzen, um die Entwicklungs- und Produktionskosten im preissensiblen Kleinwagensegment maßgeblich zu senken. Der neue Micra nutzt die von der Renault-Elektromobilitätssparte Ampere entwickelte Fahrzeugarchitektur AmpR Small, die zuvor unter dem Namen CMF-B EV geführt wurde. Diese native Elektro-Plattform bildet die technische Basis für ein eng verwandtes Fahrzeug-Trio: Neben dem Nissan Micra bauen auch der retro-futuristische Renault 5 E-Tech sowie die sportlich orientierte Alpine A290 auf dieser Architektur auf. Die Fertigung des Micra erfolgt im französischen Ampere-Hub ElectriCity in Douai, was kurze Logistikwege innerhalb Europas und hohe Qualitätsstandards garantiert.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Die technische Palette teilt sich auf zwei Hauptvarianten auf. Bereits die Basisversion Engage schöpft aus einer nutzbaren Batteriekapazität von 40 kWh und leistet 90 kW (122 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 225 Nm, was eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 9,0 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h ermöglicht. Der Stromverbrauch nach WLTP liegt hier bei 14,2 kWh pro 100 Kilometer für eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern bei einem Einstiegspreis von 27.990 Euro. Die höher positionierte Ausführung Advance nutzt hingegen einen 52-kWh-NMC-Lithium-Ionen-Akku, der den 110 kW (150 PS) starken Elektromotor speist. Bei 245 Nm Drehmoment verringert sich die Sprintzeit auf 8,0 Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit auf 150 km/h angehoben wird. Bei einem WLTP-Verbrauch von 14,7 kWh pro 100 Kilometer erzielt der Advance eine Reichweite von bis zu 416 Kilometern. Beide Varianten setzen auf AC-Laden mit 11 kW, während die DC-Schnellladeleistung bei der Basisversion 80 kW und bei der Ausführung Advance 100 kW beträgt. Das Leergewicht des Advance liegt zwischen 1.527 und 1.556 Kilogramm bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 1.930 Kilogramm (1.870 kg beim Engage), während das Kofferraumvolumen bei beiden Ausführungen flexibel von 326 bis 1.106 Liter reicht.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Das Datenblatt des Testwagens weist für den vorn montierten Elektromotor die Leistung von 110 kW (150 PS) aus. Mit den Außenabmessungen von 3.974 Millimetern Länge, 1.774 Millimetern Breite und 1.490 Millimetern Höhe fügt sich der Micra Advance exakt in das klassische B-Segment ein. Der Radstand von 2.541 Millimetern verdeutlicht die Raumausnutzung der reinen Elektro-Architektur mit kurzen Überhängen an Front und Heck.   +

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: Nissan

Marktentwicklung und staatliche Förderung

Die Markteinführung des Nissan Micra fällt in eine Phase, in der die Rahmenbedingungen für die Elektromobilität in Deutschland durch den Wegfall direkter Umweltprämien für Privatkunden stärker von betriebswirtschaftlichen Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) und steuerlichen Anreizen bestimmt werden. Im gewerblichen Bereich und im Fuhrparkmanagement profitiert der Micra Advance maßgeblich von den Regelungen des E-Mobilitäts-Pakets. Für reine Elektrofahrzeuge gilt bis zu einem Bruttolistenpreis von 100.000 Euro die reduzierte Dienstwagenbesteuerung von 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises für die private Nutzung. Bei einem Grundpreis von 32.990 Euro für den Micra Advance führt dies zu einem monatlichen geldwerten Vorteil, der die Steuerlast für Dienstwagnutzer im Vergleich zu einem konventionellen Verbrenner um mehrere hundert Euro pro Monat senkt.   

Zusätzlich unterstützt der Gesetzgeber gewerbliche Flottenbetreiber durch die Möglichkeit einer degressiven Sonderabschreibung (AfA) für neu angeschaffte reine Elektrofahrzeuge. Unternehmen können im Jahr der Anschaffung bis zu 75 Prozent der Investitionskosten steuerlich geltend machen, was die Unternehmensliquidität schont. Zudem bleibt der Nissan Micra als reines Elektroauto bei einer Erstzulassung bis Ende 2030 bis zum 31. Dezember 2035 vollständig von der Kraftfahrzeugsteuer befreit. Für Arbeitnehmer, die das Fahrzeug für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte nutzen, reduziert die einheitliche Entfernungspauschale von 0,38 Euro pro Kilometer ab dem ersten Kilometer (mit einem reduzierten Ansatz von 0,0075 % des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer) die steuerliche Bemessungsgrundlage weiter. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht runden ein langes Wartungsintervall von 30.000 Kilometern oder 12 Monaten sowie eine umfassende Akkugarantie über acht Jahre beziehungsweise 160.000 Kilometer die Rahmenbedingungen für Fuhrparkverantwortliche ab.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Betrachtet man das Marktumfeld im Nutzfahrzeug- und Flottensektor, ergibt sich ein aufschlussreicher Vergleich mit Herstellern wie der zum chinesischen SAIC-Konzern gehörenden Marke Maxus. Maxus hat sich auf dem deutschen Markt bisher primär mit leichten Nutzfahrzeugen (LCV) wie der e-Deliver-Baureihe und dem elektrischen Pick-up Terron 9 etabliert. Über eine zweigeteilte Importeursstruktur mit RSA im Norden und Maxomotive im Süden und Westen konnte die Marke ihren Marktanteil im Segment der elektrischen leichten Nutzfahrzeuge auf knapp acht Prozent ausbauen. Um Kritikpunkte bei Ersatzteilversorgungen zu beheben, betreibt Maxus ein zentrales Ersatzteillager im polnischen Breslau, das eine Teilebelieferung innerhalb von 48 Stunden sicherstellen soll.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Während Marken wie Maxus gezielt den Markt für Transport- und Handwerkerfahrzeuge bedienen, richtet Nissan den Micra Advance auf die Beförderung von Personen im urbanen Raum sowie auf Pflegedienste, Dienstleistungsflotten und Pendler aus. Die Einbindung in das etablierte Nissan-Händlernetz bietet gewerblichen Kunden hierbei dicht organisierte Serviceanlaufstellen und erprobte Garantieabwicklungen.   

Exterieur-Design und Optik

Das Design der sechsten Generation des Nissan Micra stellt einen bewussten Stilwechsel dar. Das europäische Designstudio von Nissan in London wählte für die Karosserie eine abgerundete Formensprache, die funktionelle Aerodynamik mit einem hohen Wiedererkennungswert kombiniert. Im Gegensatz zum technisch verwandten Renault 5, der stark auf Retro-Elemente der 1970er-Jahre setzt, verfolgt der Micra eine eigenständige, moderne Ästhetik. Das markanteste Stilelement an der Frontpartie bilden die großen, kreisrunden LED-Hauptscheinwerfer mit integrierten Tagfahrlicht-Ringen, die dem Fahrzeug ein prägnantes Gesicht verleihen. Der Fernlichtassistent gehört in der Ausstattungslinie Advance zur Serienausstattung.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

In der Seitenansicht fallen die kurzen Karosserieüberhänge und der lange Radstand von 2.541 Millimetern auf. Die Radhäuser werden beim Testwagen von 18-Zoll-Leichtmetallrädern im Iconic-Design ausgefüllt, auf denen Reifen der Dimension 195/55 R18 montiert sind. Glänzend schwarze Zierelemente an den Kotflügeln, den Seitenleisten und an den Stoßfängern setzen optische Kontraste zur Karosseriefarbe. Der Testwagen ist in der Solid-Lackierung Authentic Blue ausgeführt, die mit 600 Euro Aufpreis kalkuliert wird. Die hinteren Türgriffe sind optisch verdeckt in der C-Säule platziert, was der Karosserie eine dynamische Silhouette verleiht. Ab der B-Säule sorgt eine abgedunkelte Verglasung für Sicht- und Sonnenschutz.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Das Heck wird von kreisförmigen LED-Rückleuchten dominiert, die das Scheinwerferdesign der Front aufgreifen. Ein integrierter Dachspoiler beruhigt die Luftströmung am Heckabschluss, während eine Haifisch-Antenne den Radio- und Datenempfang sicherstellt. Während das zweite Plattform-Schwestermodell, die Alpine A290, mit stark verbreiterten Spuren, Zusatzscheinwerfern und ausgestellten Kotflügeln eine kompromisslos sportliche Optik pflegt, bleibt der Nissan Micra Advance seiner Rolle als eleganter, unaufgeregter Begleiter im Alltag treu. Die Karosseriepassungen und Spaltmaße bewegen sich auf einem gleichmäßigen und präzisen Niveau.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Materialauswahl, Haptik, Qualität und Verarbeitung

Im Innenraum des Nissan Micra Advance zeigt sich eine durchdachte Werkstoffauswahl, die den Anforderungen an Nachhaltigkeit und Alltagsrobustheit gerecht werden muss. Das Armaturenbrett ist horizontal gegliedert. In den primären Sicht- und Berührungsbereichen kommen Textilbezüge aus recycelten Materialien in der Farbgebung Schwarz zum Einsatz, die sich angenehm greifen lassen und Spiegelungen in der Windschutzscheibe vermeiden. Das Multifunktionslenkrad liegt dank eines feinstrukturierten Kunstlederbezugs gut in der Hand.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Kritisch einzustufen ist die Materialqualität in den weniger im Blickfeld liegenden Zonen. Die Verkleidungen der hinteren Türen sowie die unteren Bereiche der Mittelkonsole bestehen aus hartem, ununterfüttertem Kunststoff. Dies ist in der Klasse der B-Segment-Fahrzeuge zwar weit verbreitet, bildet aber einen spürbaren Kontrast zu den gewebten Textilflächen des oberen Armaturenträgers. Die Mittelkonsole beherbergt eine integrierte Armlehne und erweist sich im Fahrbetrieb als verwindungssteif. Eine mehrfarbige Ambientebeleuchtung an Armaturenbrett und Mittelkonsole wertet den Innenraum bei Dunkelheit optisch auf.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Hinsichtlich der Verarbeitungsqualität profitiert der Micra direkt von der hohen Rohbau-Steifigkeit der AmpR-Small-Plattform. Die Torsionssteifigkeit der Karosseriestruktur verhindert auch auf schlechten Wegstrecken, Kopfsteinpflaster oder Querfugen Verwindungsgeräusche oder Knistern im Bereich der Türdichtungen und des Glasdachs. Die Isolation gegen Außengeräusche ist wirkungsvoll ausgeführt: Spezielle Dämmmatten im Motorraum und in den Radhäusern halten Abroll- und Windgeräusche selbst bei Autobahntempo auf einem niedrigen Niveau. Die Türen schließen mit einem gedämpften Geräusch, was den positiven Gesamteindruck der Fertigungssorgfalt im Werk Douai unterstreicht.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Interieur: Raumökonomie, Platzverhältnisse, Bedienergonomie, Infotainment und Audio

Die Raumökonomie des Nissan Micra Advance nutzt die konstruktiven Spezifika der reinen Elektroarchitektur konsequent. Durch das Fehlen eines Verbrennungsmotors und eines kardanseitigen Mitteltunnels steht den Passagieren auf den vorderen Sitzen ein großzügiges Raumgefühl zur Verfügung. Die Einstellbereiche von Fahrersitz und Lenksäule sind weit bemessen, sodass Personen unterschiedlicher Körpergrößen eine ergonomisch korrekte Sitzposition finden. Die Komfort-Sitze der Variante Advance bieten eine gut konturierte Seitenführung im Rückenbereich. Die Oberschenkelauflage könnte für sehr groß gewachsene Personen auf Langstrecken noch etwas länger ausfallen.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Im Fond machen sich die kompakten Außenabmessungen bemerkbar. Während die Kopffreiheit auch für erwachsene Mitfahrer ausreicht, ist die Kniefreiheit stark davon abhängig, wie weit die Vordersitze nach hinten geschoben sind. Bei weit zurückgestelltem Fahrersitz wird der Raum für die Beine im Fond knapp. Das Stauvolumen des Kofferraums beträgt im Normalzustand 326 Liter. Durch das Umklappen der im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzlehne erweitert sich das Ladevolumen auf bis zu 1.106 Liter. Die Ladekante liegt baubedingt etwas höher über dem Stoßfänger. Unter dem Ladeboden befindet sich ein Staufach für das mitgelieferte Mode-3-Ladekabel, wodurch der Hauptladeraum uneingeschränkt nutzbar bleibt.

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Das Infotainmentsystem umfasst zwei großzügige Bildschirme: Hinter dem Lenkrad informiert ein 10,1-Zoll-TFT-Farbdisplay den Fahrer über Geschwindigkeit, Verbrauch, Reichweite und aktive Assistenzsysteme. In der Mitte der Armaturentafel befindet sich ein zentraler Touchscreen mit ebenfalls 10,1 Zoll Bildschirmdiagonale, der auf der Google Automotive Hardware- und Softwareplattform basiert. Die Systembedienung reagiert schnell auf Touch-Eingaben. Die integrierte Google-Maps-Navigation berechnet Laderouten unter Berücksichtigung des aktuellen Akkuladezustands, des Fahrprofils und der Außentemperatur. Über den Google Assistant steht eine zuverlässige Sprachsteuerung zur Verfügung, mit der sich Funktionen wie die Temperaturregelung, Navigationsziele oder Medienwiedergaben ohne Ablenkung vom Verkehrsgeschehen steuern lassen. Auch der direkte Zugriff auf Apps über den Google Play Store ist integriert.   

 

Für die Einbindung eigener Smartphones unterstützt der Micra kabelloses Apple CarPlay und Android Auto. Das Mobiltelefon kann in der induktiven Ladeschale in der Mittelkonsole geladen werden. Ergänzend stehen zwei USB-C-Schnittstellen sowie ein 12-Volt-Anschluss bereit. Über die Nissan-Connect-App lässt sich das Fahrzeug aus der Ferne überwachen. Ladevorgänge können programmiert und die Innenraum-Vorklimatisierung vor Fahrtbeginn gestartet werden. Das serienmäßige Arkamys-Soundsystem sorgt mit sechs Lautsprechern für eine ausgewogene Klangkulisse. Über das Multi-Sense-System stehen vier Fahrmodi zur Wahl, die das Ansprechverhalten des Motors, die Lenkkraftunterstützung sowie die Darstellung der Displays und der Ambientebeleuchtung variieren.

BEV-Antrieb, Leistung, Reichweite, Verbrauch, Ladegeschwindigkeit AC/DC und Zellchemie

Der Antriebsstrang des Nissan Micra Advance nutzt einen fremderregten Synchron-Elektromotor (EESM), der ohne den Einsatz von Seltenen Erden in den Magneten gefertigt wird. Der vorn quer eingebaute Motor gibt eine Höchstleistung von 110 kW (150 PS) sowie ein maximales Drehmoment von 245 Newtonmetern an die Vorderräder ab. Mit diesem Antrieb beschleunigt der 1.527 bis 1.556 Kilogramm schwere Kleinwagen in 8,0 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 150 km/h elektronisch abgeregelt, um den Energieverbrauch bei höheren Geschwindigkeiten einzudämmen.

Die Energiespeicherung erfolgt über eine Lithium-Ionen-Batterie mit einem nutzbaren Energiegehalt von 52 kWh (nominal etwa 55 kWh). Die Zellchemie basiert auf der Nickel-Mangan-Kobalt-Technologie (NMC). Der Akku wird vom Partner Envision AESC im französischen Werk Douai gefertigt und besteht aus vier Modulen mit insgesamt 184 Pouch-Zellen. Das Batteriepaket wiegt 297 Kilogramm und ist flach im Unterboden montiert, was den Schwerpunkt des Fahrzeugs senkt. Zur Serienausstattung der Ausstattungslinie Advance gehört eine Wärmepumpe, die den Energieverbrauch für die Innenraumheizung bei niedrigen Außentemperaturen senkt.   

Im offiziellen WLTP-Prüfzyklus erzielt der Nissan Micra Advance einen kombinierten Stromverbrauch von 14,7 kWh pro 100 Kilometer, was einer theoretischen Reichweite von bis zu 416 Kilometern entspricht. Im realen Testbetrieb unter gemischten Bedingungen – bestehend aus Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahnabschnitten – liegt der tatsächliche Verbrauch bei milden Temperaturen zwischen 15,5 und 17,2 kWh pro 100 Kilometer. Daraus ergibt sich im Alltagsbetrieb eine praxisnahe Gesamtreichweite von rund 300 bis 335 Kilometern (durchschnittlich etwa 315 Kilometer im Mischbetrieb). In rein urbanen Fahrprofilen mit hohen Rekuperationsanteilen sind Reichweiten von nahezu 380 Kilometern erreichbar. Bei konstanter Richtgeschwindigkeit von 120 km/h auf der Autobahn steigt der Verbrauch auf rund 19,5 kWh pro 100 Kilometer, was den Aktionsradius auf etwa 250 Kilometer begrenzt.   

Das Ladesystem des Micra Advance ist auf flexible Ladeszenarien ausgelegt. Für das Wechselstrom-Laden (AC) an der Wallbox oder an öffentlichen Ladesäulen ist serienmäßig ein dreiphasiger On-Board-Charger mit 11 kW Ladeleistung verbaut. Eine vollständige Aufladung von null auf 100 Prozent Kapazität dauert an einem 11-kW-Ladepunkt etwa fünf Stunden. Für die Langstrecke ist das Fahrzeug mit einem CCS-2-Gleichstromanschluss (DC) ausgestattet, der eine maximale Ladeleistung von bis zu 100 kW aufnimmt. Unter optimalen Bedingungen dauert der Ladevorgang von 15 auf 80 Prozent des Akkuladezustands an einer Schnellladesäule knapp 30 Minuten. Zudem unterstützt die Leistungselektronik bidirektionales Laden (Vehicle-to-Load / V2L), wodurch externe elektrische Geräte über einen Adapter mit bis zu 3,7 kW Leistung betrieben werden können.   

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Fahreigenschaften

Eine prägende Eigenschaft des Nissan Micra Advance liegt in seinen ausgewogenen Fahreigenschaften, die maßgeblich durch die Konstruktion der AmpR-Small-Plattform beeinflusst werden. Während in der Klasse der B-Segment-Kleinwagen an der Hinterachse zumeist kostengünstige Verbundlenkerachsen verbaut werden, kommt beim Micra eine Einzelradaufhängung an einer Mehrlenker-Hinterachse (Multi-Link) zum Einsatz. Diese Konstruktion führt zu einer präzisen Führung der Hinterräder und verbessert die Entkopplung von Längs- und Querkräften deutlich.   

Die Abstimmung von Federn und Dämpfern im Micra Advance ist komfortorientiert, ohne nachgiebig zu wirken. Im Vergleich zum deutlich straffer gefederten Plattform-Bruder Alpine A290 filtert der Micra Frostaufbrüche, Pflastersteine und Querfugen im Stadtverkehr wirkungsvoll heraus. In schnell gefahrenen Kurven sorgt der tief im Fahrzeugboden liegende Akku für eine geringe Seitenneigung der Karosserie. Die elektromechanische Lenkung arbeitet mit einer direkten Übersetzung und vermittelt eine rückmeldungsgerechte Führung der Vorderräder. Der kleine Wendekreis von 10,3 Metern erleichtert das Manövrieren in engen Parksituationen.   

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Das Rekuperationssystem lässt sich an die individuellen Vorlieben anpassen. Über Schaltwippen am Lenkrad kann der Fahrer die Verzögerungswirkung beim Freigeben des Fahrpedals mehrstufig verändern. In der stärksten Rekuperationsstufe ermöglicht das System ein One-Pedal-Fahren (One-Pedal-Stop) bis zum Stillstand des Fahrzeugs. Das Kennfeld der hydraulischen Bremsanlage ist gut auf die elektrische Rekuperation abgestimmt, sodass beim Übergang zwischen den Bremssystemen ein homogener Pedaldruck erhalten bleibt.

Auf unbefestigten Fahrbahnen oder Schotterwegen schützt eine durchgängige Abdeckung den Akkuboden vor Steinschlag. Die Traktionskontrolle regelt das Drehmoment an den Vorderradantriebswellen feinfühlig ein, sodass auch bei nasser Fahrbahn eine verlässliche Kraftübertragung gewährleistet ist. An Fahrerassistenzsystemen bietet der Micra Advance serienmäßig eine breite Palette: Der autonome Notbremsassistent erkennt Fußgänger und Querverkehr, der aktive Spurhalteassistent greift korrigierend ein, und der adaptive Geschwindigkeitsassistent mit Stop-&-Go-Funktion entlastet den Fahrer im zähfließenden Verkehr.

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Vergleich zu anderen vollelektrischen Kleinwagen

Im Wettbewerbsumfeld der vollelektrischen Kleinwagen trifft der Nissan Micra Advance auf ein stark besetztes Feld von Konkurrenzmodellen unterschiedlicher Ausrichtung. Innerhalb der eigenen Allianz-Architektur steht der Micra im direkten Vergleich zum Renault 5 E-Tech sowie zur sportlichen Alpine A290. Der Renault 5 E-Tech teilt sich die 52-kWh-Batterie sowie den 110-kW-Antrieb mit dem Micra und erreicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 410 Kilometern bei identischer DC-Ladeleistung von 100 kW und einem Richtpreis von rund 32.900 Euro. Die sportlich abgehobene Alpine A290 GTS schöpft ebenfalls aus 52 kWh, entwickelt jedoch 160 kW (220 PS), erzielt eine WLTP-Reichweite von 380 Kilometern und schlägt mit knapp 41.700 Euro zu Buche. Beide Allianz-Geschwister verfügen wie der Micra über die aufwendige Mehrlenker-Hinterachse.   

Dem gegenüber steht der Peugeot e-208 GT mit 51-kWh-Akku, 115 kW (156 PS) Leistung, 400 Kilometern WLTP-Reichweite und 100 kW Schnellladeleistung zu einem Richtpreis von knapp 38.000 Euro, vertraut an der Hinterachse jedoch auf eine konventionelle Verbundlenkerachse. Der Citroën ë-C3 Max positioniert sich mit seiner 44-kWh-LFP-Batterie, 83 kW (113 PS) Leistung und 320 Kilometern WLTP-Reichweite bei 100 kW DC-Ladeleistung deutlich günstiger ab etwa 27.800 Euro, nutzt aber ebenfalls eine einfachere Verbundlenkerachse. Der MINI Cooper E verlangt mit einer 40,7-kWh-Batterie, 135 kW (184 PS) Leistung, 305 Kilometern WLTP-Reichweite und 75 kW DC-Ladeleistung zu einem Preis von rund 32.900 Euro trotz Mehrlenker-Hinterachse Zugeständnisse bei Ladevolumen und Aktionsradius.

Merkmal / SpezifikationWert / Details
ModellNissan Micra
AusstattungsvarianteAdvance
FahrzeugklasseKleinwagen (B-Segment) / Elektrofahrzeug (BEV)
MotorartElektromotor (Fremderregter Synchronmotor)
Max. Leistung110 kW (150 PS)
Max. Drehmoment245 Nm
AntriebsartVorderradantrieb
Getriebe1-Gang-Reduktionsgetriebe
BatterietypLithium-Ionen-Batterie (NMC)
Batteriekapazität (netto / nutzbar)52 kWh
AC-Ladesystem (Wechselstrom)On-Board-Charger Typ 2, 3-phasig bis 11 kW (32 A)
DC-Ladesystem (Gleichstrom / Schnellladen)CCS Typ 2, bis 100 kW
Ladekabel im LieferumfangMode-3-Ladekabel dreiphasig, AC, 32 A bis 11 kW*
Rekuperation / BremssystemRegeneratives Bremsen in mehreren Stufen
One-Pedal-DriveOne-Pedal-Stop mit Schaltwippen
ThermomanagementWärmepumpe zur Senkung des Energieverbrauchs & Reichweitenerhöhung im Alltagsbetrieb*
Beschleunigung 0–100 km/h8,0 s
Höchstgeschwindigkeit150 km/h
Reichweite kombiniert (nach WLTP)bis zu 416 km
Stromverbrauch kombiniert (nach WLTP)14,7 kWh / 100 km
CO₂-Emission kombiniert0 g/km
CO₂-KlasseA
Länge3.974 mm
Breite1.774 mm
Höhe1.490 mm
Radstand2.541 mm
Wendekreis10,3 m
Leergewicht (inkl. Fahrer)1.527 – 1.556 kg
Zulässiges Gesamtgewicht1.930 kg
Reifengröße (Testwagen)195/55 R18 (auf 18"-Leichtmetallrädern im „Iconic“-Design)
Kofferraumvolumen326 bis 1.106 l
Typklassen (KH / VK / TK)15 / 21 / 17
Wartungsintervall30.000 km / 12 Monate
Gesamtpreis desTestwagens33.890 Euro

Kaufberatung: Preise, Extras und Unterhaltskosten

Die Preisstruktur der sechsten Generation des Nissan Micra ist übersichtlich aufgebaut. Den Einstieg bildet die Variante Micra Engage mit der kleineren 40 kWh-Batterie und 90 kW (122 PS) Leistung zu einem Grundpreis von 27.990 Euro.

Die getestete Spitzenversion Nissan Micra Advance mit der 52-kWh-Batterie und dem 110 kW (150 PS) starken Elektromotor steht mit einem Grundpreis von 32.990 Euro in der Preisliste. Der Gesamtpreis des konkreten Presse-Testwagens summiert sich auf 33.890 Euro. Die Preisdifferenz von 900 Euro ergibt sich aus den zwei verbauten Sonderausstattungen: der Solid-Lackierung Authentic Blue für 600 Euro sowie den 18-Zoll-Leichtmetallrädern im Iconic-Design für 300 Euro.

Die Serienausstattung der Version Advance präsentiert sich vollumfänglich und umfasst unter anderem die Wärmepumpe, den dreiphasigen 11-kW-On-Board-Charger, das 10,1-Zoll-Infotainmentsystem mit Google Automotive OS, das Arkamys-Soundsystem, den adaptiven Tempomaten, die schlüssellose Zugangskontrolle sowie das komplette Paket an Fahrassistenzsystemen.

Bei den Unterhaltskosten zeigt sich der Micra Advance günstig eingestuft. Die Typklassen der Kfz-Versicherung betragen KH 15 für die Haftpflicht, VK 21 für die Vollkasko und TK 17 für die Teilkasko. Das herstellerseitig vorgeschriebene Wartungsintervall liegt bei 30.000 Kilometern oder 12 Monaten. Auf die Hochvoltbatterie gewährt Nissan eine Garantie von acht Jahren oder bis zu einer Laufleistung von 160.000 Kilometern. Für Fuhrparkleiter für Flotten und Dienstwagen ergibt sich aus den verbrauchsarmen Verhältnissen, der Befreiung von der Kfz-Steuer bis 2035 und den steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten ein planbares Gesamtkostenprofil.

Der 110 kW starke Nissan Micra Advance 2026 im Kurztest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Fazit: Bezahlbarer E-Kleinwagen mit hoher Fahrkultur

Der Nissan Micra Advance zeigt im Kurztest eine rundum ausgereifte Vorstellung im Segment der batterieelektrischen Kleinwagen. Die Entscheidung der Marke, auf die spezialisierte AmpR-Small-Architektur des Partners Renault zurückzugreifen, erweist sich im Alltagsbetrieb als richtige Wahl. Der Einsatz einer Mehrlenker-Hinterachse verleiht dem Micra eine Federungskultur, Fahrsicherheit und Kurvenstabilität, die in der Klasse der B-Segment-Fahrzeuge hervorragend ausfällt.   

Der 110 kW (150 PS) starke Elektromotor im Verbund mit der 52-kWh-Batterie stellt eine ausgewogene Kombination aus Fahrleistungen und Reichweite bereit. Eine Praxisreichweite von rund 315 Kilometern im gemischten Betrieb und eine DC-Schnellladezeit von rund 30 Minuten für 15 bis 80 Prozent Kapazität machen das Fahrzeug voll alltagstauglich.   

Im Innenraum überzeugen das Infotainmentsystem auf Google-Automotive-Basis, die kabellose Einbindung von Smartphones und die gute Ergonomie in der ersten Sitzreihe. Die Platzverhältnisse im Fond entsprechen den üblichen Abmessungen eines knapp vier Meter langen Stadtfahrzeugs. Mit einem Testwagenpreis von 33.890 Euro ist der Micra Advance zwar kein Sonderangebot, rechtfertigt diesen Betrag jedoch durch seine Serienausstattung inklusive Wärmepumpe, Google-Navigation und Assistenzpaket. Sowohl für private Kunden als auch für gewerbliche Flottenbetreiber, die von den Vorteile der 0,25-Prozent-Besteuerung profitieren möchten, präsentiert sich der Nissan Micra Advance als zukunftssichere und ausgewogene Wahl.   

 

Nissan Micra Advance 2026
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